Genau darum gings mir in meinem langen Posting. Um die Definition von Gewalt bzw um die Definition von Gewaltfrei.
Für mich heisst eigentlich eine möglichst gewaltfreie Hundeerziehung dass ich ganz auf den jeweiligen Hund bezogen soviel wie möglich über positive Motivation arbeite - aber je nach Hund und Situation und sogar je nach HH wird sich das eben immer unterscheiden. Und ja, als Ben in der Jungrockerphase einen auf Bruce Lee gemacht hat und mit vollem Anlauf in meinen Solarplexus gesprungen ist, hab ich bei seinem zweiten Versuch mein Knie hochgezogen mit einem knackigen "Ey" und ihn daran abprallen lassen. Reicht bei einem Hund wie Ben völlig aus, dass er das nie wieder versucht hat. Einen anderen Hund würd vielleicht die gleiche Reaktion entweder erst recht komplett hochpushen oder komplett zusammenfallen lassen. Ben hat kurz das Krönchen gerichtet und alles war gut.
Das Problem an der Sache ist - und ich finde, das hat Najira ganz gut geschrieben - dass da einige weder das Timing noch das Gefühl für haben oder zu wenig Selbstbeherrschung und eigentlich auch keine Ahnung, wohin das ganze führen soll. Da sieht man dann die Leinenruckler, die endlos am Hund rumruckeln, die ins Sitz-Drücker die überzeugt sind "der kann das der will nur nicht", die, die dem Hund ständig den Futternapf wegnehmen weil "der muss ja...." - kurz die Weltherrschaftspropheten. Und ja, da sind mir dann auch die lieber, die hier im Forum gern als "Leckerliautomaten" oder "Gutmenschen" bezeichnet werden. Da machst mit schlechtem Timing nicht ganz soviel falsch.
Was aber jetzt nicht heißen soll, dass ich keine Regeln aufstelle und die nicht auch von meinem Hund einfordere. Ebenso wie jeden anderen nervt es mich auch, wenn andere HHs rücksichtslos und ignorant durch die Gegend tappern. Hunde die trotz Bitte von mir nicht ins Fuß oder an die Leine genommen werden und ranbrettern, HHs die ihre Hunde überall hin kacken lassen und nen Teufel tun, das wegzuräumen, Leute die lang und breit rumdiskutieren ob eine Leinenpflicht für sie auch gilt, ob der Hund nur mal kurz dem Reh nachrennen darf weil das ja seine natürliche Auslastung ist.....usw.
Das sind aber auch meistens diejenigen, die irgendwie schon aufgegeben haben. Ich weiss auch nicht, ich bemerk da immer so eine Trägheit - man hats mit 2,3 oder 4 Trainern probiert (im besten Falle) und keiner hat einem sofort den "Ausknopf" präsentieren können. Vielleicht hats ja sogar in der Hundeschule im Training funktioniert - aber man will ja nicht auch noch Zeit in seiner Freizeit opfern und die Hausaufgaben machen. Also macht man dann lieber mal gar nix. Ich rede hier ausdrücklich nicht von jenen, denen mal der Rückruf schief geht und wo der Jungspund dann angelaufen kommt. Das kann ja mal passieren, ich rede von denen , die gar nicht erst versuchen überhaupt irgendwie zu reagieren - weil der kommt ja eh nicht oder der will nur Hallo sagen oder oder oder....was auch immer da dann an Aussagen kommt. Die wollen nicht unbedingt gewaltfrei Erziehen - sondern die erziehen einfach gar nicht (mehr). Und hängen sich dann als "Ausrede" gern dieses Label der Gewaltfreiheit um.
Oder versuchen, anderen den schwarzen Peter unterzuschieben und es kommen Aussagen wie "sie müssen aber ihrem Hund soziale Kontakte ermöglichen - in so zi al i sie ren (Augenbrauen zucken hoch) der braucht Kontakt zu Artgenossen (Stimme wird triumphierend)!!" (wärend die Hunde sich schon steif und fixierend umkreisen am besten....).
Ich möcht da immer so gern sagen "RTFM" im übertragenen Sinne...und ja, leider werden gefühlt diese Art der HHs immer mehr.