Hallo auch von mir.
ich habe einen Boxer an meiner Seite und er ist ein (zu) großer, langbeiniger, schlanker Vertreter seiner Rasse.
Dieser Hund ist genau der, den ich mir gebacken hätte und ich muss mich manchmal kneifen, was für ein Glück wir mit seinem Charakter und Wesen haben. Auch/insbesondere mit meinen vier Neffen (3, 7, 7, 9) funktioniert alles sehr harmonisch. Er ist geduldig und vorsichtig mit ihnen.
Besuch zuhause ist überhaupt kein Problem. Er mag Menschen einfach und wir geben vor, wieviel Kontakt er zu Besuch haben darf.
Unterwegs ist er ein super Begleithund (wohnen in einer Millionenstadt, mittendrin). Bus/Bahn fahren, Restaurantbesuche, Urlaube im Hotel/Ferienhaus, hochfrequenzierte Gehwege, zu Besuch woanders, sehr hohe Fremdhundfrequenz - alles kein Thema.
Er ist einfach der perfekte Hund für uns, und zudem ein 1a Camping-/Reisebegleithund.
Ansonsten ist er bewegungsfreudig und ein „immer-dabei“ Hund. Am Rad laufen, wandern (Dolomiten, Schweden, Norwegen, etc.), joggen, etc. gehört alles mit zu unserem Leben. Er macht einfach alles mit. Bevor wir an seinen körperlichen Möglichkeiten scheitern, scheitern wir an unseren eigenen.
Aber nichts desto trotz ist der Boxer eine Gebrauchshunderasse, wenngleich die Light-/Softversion. WTP, WTO, Wach-/Schutztrieb ist grundsätzlich vorinstalliert. OK, speziell mein Boxer hat den ein oder anderen Ausgabe-Termin beim lieben Gott verpasst, aber beim Boxer muss man sich im Klaren darüber sein, dass diese Rasseeigenschaften durchaus vorhanden sein sollen und werden. Er hat Spaß an der Arbeit und die sollte man ihm nicht vorenthalten. Ein unausgelasteter Boxer ist die Pest.
Nun zum Aber. Warum begleitet uns unser Hund so unkompliziert und geschmeidig durchs Leben? Mein Boxer braucht klare und faire Führung. Einen klar gesteckten Rahmen in allen Situationen in die ich ihn hineinführe. Gleichzeitig muss ich mir darüber im Klaren sein, was mein Hund leisten kann. Das bedeutet in der Realität, dass ich abwäge was er lernen muss, damit wir ein harmonisches, gemeinsames Leben haben - und auch worauf ich verzichtete, weil es „nice-to-have“ aber nicht notwendig für unser Leben ist.
Es bedeutet auch, dass es Situationen gibt durch die ich ihn lediglich hindurch manage und keine Erwartungshaltung habe, die er nicht leisten kann oder die bei uns beiden nur Frust erzeugt und hinterlässt. Ein Boxer der dich nicht für voll nimmt, macht keinen Spaß und ist nicht witzig für die Umwelt. Nur als Beispiel, mein Boxer wiegt 37kg und ich 50kg. Ich hätte körperlich wenig entgegenzusetzen, wenn ich ihn nicht über Gehorsam führen würde. Man trägt Verantwortung für das was man an der Leine hat!
Ich denke ein Boxer ist dann ein geeigneter Ersthund, wenn man der grundsätzliche Typ für Gebrauchshunderassen ist. Dann ist er ein gutes Einstiegsmodell. Ich hatte vor ihm zwei deutsche Schäferhunde, Mittelspitz, Boxer-Mix. Der Boxer wird intuitiv erzogen und geführt, weil mir der Typ Hund einfach liegt.
Warum ich den Boxer als Rasse trotzdem nicht guten Gewissens empfehlen kann?! Wegen der Gesundheit. Ich hatte noch nie einen so kranken Hund wie ihn. Damit meine ich nichts lebensbedrohendes, aber Dinge, die uns viele Sorgen, Leid und Geld gekostet haben. In unserem Fall Unverträglichkeiten und Allergien - und das in einer Ausprägung, sodass wir hundelebenlang mit ständigen Einschränkungen und strikten Pflege- und Ernährungsmanagement leben werden müssen.
Dazu dauerhaft Medikamenteneinnahme verschiedener Ausprägung. Ich möchte es gar nicht weiter ausführen, es ist einfach ein leidiges Thema. Ich sage aber, das man sich nicht darüber im Klaren ist was für Auswirkungen Allergien und Unverträglichkeiten haben können, bis man einen Hund hat den es betrifft. HD/ED/Herz alles ok, immerhin. Aber wir leben zudem stets mit einer gewissen Sorge vor Krebs, da der Boxer dafür prädestiniert ist.
Ich finde die Rasse Boxer von den gesundheitlichen Prädestinationen her sehr belastet. Auch die körperlichen Merkmale die als Rassestandard deklariert sind, sind meines Erachtens nichts womit man hausieren gehen kann. Sie sind lebenseinschränkend für den Hund. Je nach Zucht und Individuum in geringer bis starker Ausprägung.
Also.. Rasseeigenschaften, Wesen, Charakter.. wenn es danach ginge würde es immer wieder ein Boxer werden. Da ich den gesundheitlichen Aspekt aber nicht ignorieren kann, würde unterm Strich zwar nicht sagen „Oh Gott, bloß kein Boxer“, aber ich würde sagen recherchiert da wirklich genauer. Hört euch kritische Stimmen ebenso offen an wie rasse-schmeichelnde Stimmen.
Ich gebe keinen ja oder nein Rat, ich kann lediglich ein wenig von meinen Erfahrungen teilen.