Beiträge von Schäferterrier

    Das ist jedenfalls mein Eindruck von den Hundehaltern in meinem Wohnumfeld.

    Ich erlebe hier tatsächlich ne sehr große Bandbreite.

    Es gibt die Leute, die 3x am Tag mit ihrem Hund für 15 bis 20 Minuten um den Block schlendern. Genauso gibt es viele Leute, die einmal am Tag eine große Runde drehen und den Hund ansonsten nur in den Garten lassen. Und halt die, die mehrfach täglich 30 Minuten aufwärts unterwegs sind.

    Welchen Typ Hundehalter ich häufiger treffe, hängt vor allem davon ab, wo ich Gassi gehe. Ich könnte also gar nicht wirklich sagen, was am Ende überwiegt.

    Wem ich im normalen Alltag eher selten begegne, sind halt die Extreme. Also Hunde, die nie oder nur alle paar Tage mal rauskommen (Hofhunde mal abgesehen) genauso wie diese sagenumwobenen Hundehalter, die morgens eine Stunde, mittags 2 Stunden und abends nochmal eine Stunde unterwegs sind. Beides gibt es, aber ist hier doch eher die große Ausnahme.

    Ich persönlich bin, was Wetter angeht, relativ unbekümmert. Wir sind deshalb lange Zeit auch im Winter morgens vor der Arbeit eine Stunde gelaufen und dann entweder in der Mittagspause oder abends nochmal eine bis eineinhalb Stunden. Anfangs hab ich da auch nicht immer Lust drauf, aber wenn ich mich mal eingelaufen habe, dann genieße ich den Spaziergang in der Regel auch bei Wind und Wetter - vorausgesetzt, die Kleidung stimmt.

    Mein Graus sind da eher die pflichtmäßigen Löserunden. Wobei ich die wetterunabhängig wenig gewinnbringend finde. Die Kälte, Nässe und Dunkelheit macht es nur aktuell noch ein bisschen weniger spaßig als sonst.

    Nichtsdestotrotz habe ich unsere großen Runden diesen Winter zum ersten Mal etwas eingekürzt. Nicht mir, sondern dem Hund zuliebe. Der hat krankheitsbedingt nämlich immer mehr mit dem Winterwetter zu kämpfen.

    Stand jetzt gehen wir deshalb 3x täglich eine dreiviertelstunde Gassi. Eine „richtige“ Runde ist hier also nach deiner Definition (1h+) auch nicht dabei. Ich sehe da gar kein Problem, solange der Hund sich nicht daran stört.

    Was ich zumindest für meinen Hund aber trotzdem sehr wichtig finde: Dass er dabei nicht nur an der 3-Meter-Leine hängt, sondern sich jeden Tag auch mal freier bewegen kann, selbst wenn es dann nur je 45 Minuten sind.

    Für mich ist die Mini-Version eines Labbis seit jeher der Beagle. Gut, mit etwas mehr Jagdtrieb und Eigenständigkeit muss man natürlich rechnen, aber vom grundsätzlichen Wesen finde ich die schon sehr ähnlich.

    Die Hüterlis wie Sheltie & Co. sind im Gegensatz dazu schon komplett anders gestrickt. Könnte von den Rahmenbedingungen natürlich trotzdem passen, aber wenn jemand eigentlich die Art vom Labbi mag, ist so ein Sheltie in der Regel nicht das Richtige.

    So, wie das klingt, hast du herkunftsbedingt einen eher unsicheren Junghund, ggf. mit etwas flatterigem Nervenkostüm, der als Welpe nie lernen durfte, mit Grenzen, Frust und Impulsen umzugehen. Das rächt sich nun, indem der Hund super reizempfindlich ist, schnell hochfährt, schnell drüber ist, bei Frust, Grenzen und Warten komplett überfordert ist und nicht zur Ruhe kommen kann, weil der Alltag für ihn aktuell ein riesen Stress und eine totale Überforderung ist.

    Was solche Hunde meiner Erfahrung nach häufig brauchen, ist Langeweile, Routine, Gelassenheit, viel freundliche Unterstützung genauso wie eine ganz klare Führung mit fixen, klar kommunizierten Erwartungen, an denen sie sich orientieren können.

    Und genau da wird dein starker Fokus auf den Hund zum Problem.

    Gerade orientierst du dich, so wie das alles klingt, sehr am Hund. Und zwar dauerhaft. Er agiert, du reagierst. Anstatt ihm proaktiv zu zeigen, was er tun soll, wartest du darauf, was er anbietet, wie er reagiert, was er tut und will. Und dadurch nimmst du dem Hund unabsichtlich die Chance, sich an dir zu orientieren und überhaupt zu lernen, was von ihm erwartet wird.

    Deshalb wende den Blick mal weg vom Hund. Was willst du?

    Für drinnen: Wie möchtest du deinen Alltag leben und gestalten? Wie möchtest du deine Zeit zuhause verbringen? Vor dem Hund hattest du doch auch einen Alltag und Hobbys, denen du nachgegangen bist. Warum lebst du das, wenn die Bedürfnisse vom Hund befriedigt sind, nicht einfach weiter? Dein Hund kann ja daneben liegen und schlafen. Und wo sind eigentlich deine Grenzen? Wie möchtest du dich von deinem Hund eigentlich nicht behandeln lassen?

    Und auch draußen: Wie möchtest du eigentlich für dich spazieren gehen? Wie soll das ablaufen? Wie möchtest du fremden Menschen und anderen Hunden begegnen? Wie möchtest du mit der Leine laufen?

    Wichtig ist einfach erstmal eine klare Vorstellung davon, was du eigentlich von deinem Leben willst. Ein Hund ist ein Hund, der fügt sich da dann schon ein.


    Und weil du mehrfach dein schlechtes Gewissen angesprochen hast, dass dein Hund dann eventuell zu kurz kommen könnte:

    Ich finde tatsächlich, dass dein Hund für einen Junghund, der in der Welpenzeit kaum was kennengelernt hat, in eurem Alltag schon verdammt viel leisten muss. Wechselnde Betreuung, dadurch ständig wechselnde Routinen und Abläufe, Gassi mit vielen Reizen, dazu noch Suchspielchen, Beschäftigung, Impulskontroll-Übungen und on top daheim noch ständige Ansprache…

    Auch wenn das sicher gut gemeint ist: Dein Hund hat bedingt durch sein Alter und seine Vorerfahrungen mit dem normalen Alltag wahrscheinlich schon so viel zu tun, dass alles, was on top kommt, einfach zu viel ist.

    Deshalb lös dich dem Hund zuliebe bitte von dem Gedanken, dass er zu kurz kommen könnte. Damit schadest du ihm mehr als dass es ihm nützt. Denn ein bisschen Langeweile kann ein Hund notfalls auch mal gut wegstecken, aber einen sowieso schon überreizten Hund zusätzlich weiter zu überreizen und ihn so (wenn auch unabsichtlich) chronischem Stress auszusetzen, das ist wirklich schädlich.

    Zusammengefasst: Du tust deinem Hund wahrscheinlich keinen Gefallen damit, dein gesamtes Leben und deinen Alltag um ihn herum zu basteln und alles nach ihm auszurichten. Denn letztendlich ist und bleibt es halt ein Haustier, das auch als solches behandelt werden möchte. Wird es das nicht, weil ihm zu viel Bedeutung zugeschrieben wird, kann das für das Tier genauso stresserzeugend und damit schädlich sein, wie wenn ihm zu wenig Bedeutung zugeschrieben wird. Und auch für dich ist das so doch kein Zustand. Ein Hund sollte das Leben bereichern, aber sicher nicht dauerhaft bestimmen. Das ist für alle Beteiligten auf Dauer ungesund.

    Ohne es live gesehen zu haben, ist sowas wahnsinnig schwierig zu beurteilen.

    Möglich, dass ihr da einfach einen Jungrüpel getroffen habt, der ganz schnell gemerkt hat, dass er deinen Hund rumscheuchen und sich damit sein Ego polieren kann.

    Möglich, dass dein Hund tatsächlich viel zu distanzlos war und die Ansage vom anderen Hund nicht verstehen konnte oder wollte.

    Möglich, dass dein Hund im ersten Moment zu distanzlos war, den anderen Hund damit überfordert hat und der dementsprechend übertrieben reagiert hat.

    Möglich, dass dein Hund im ersten Moment zu distanzlos war und dann selbst einfach nur mit der Resonanz überfordert war.

    Oder es ist halt was ganz anderes passiert.

    Dass es laut und dynamisch war und gefühlt recht lange ging, heißt nicht unbedingt, das es ernst war. Im Gegenteil: Ich finde leise, statische Konflikte meist viel kritischer.

    Nichtsdestotrotz war das wohl eher keine Begegnung, bei der ich sagen würde „Muss man so ein zweites Mal haben“.

    Für die Zukunft würde ich üben, meinen eigenen Hund bei Erstbegegnungen besser zu lenken, sodass er erst gar nicht so distanzlos in andere reinbrettert. Das ist nämlich tatsächlich vielen Hunden zu viel und führt recht häufig zu Konflikten.

    Außerdem kannst du üben, deinen Hund aus so Begegnungen zwischendurch rauszunehmen. Gerade in Momenten, in denen der andere Hund klar kommuniziert, dass da für ihn was nicht passt, die Dynamik überhand nimmt und/oder der andere Hund aus der Begegnung genommen (festgehalten etc.) wird oder auch nur, wenn du ein blödes Bauchgefühl hast, kann das sehr nützlich sein. Der Kontakt kann dann ggf. immer noch weiter gehen, wenn sich beide Gemüter beruhigt haben.

    Konfliktbehaftete Hundebegegnungen gibt es leider unabhängig von dem genannten Hund immer mal wieder, das kann (und sollte) man meiner Erfahrung nach nicht ganz vermeiden. Aber wenn ihr das als Basis habt, kommt ihr in der Regel auch ganz gut durch eher ungünstige Hundebegegnungen. Solange das nicht sitzt und du deinen eigenen Hund in Begegnungen noch nicht zuverlässig lenken kannst, würde ich Kontakte allerdings auf bekannte, idealerweise sehr souveräne Hundefreunde beschränken.

    Ach je, ich denke, da kommt gerade einiges zusammen bei dir. Ein pubertierender Retriever allein kann schon Nerven kosten, aber in Kombination mit einer Trennung, Umzug und allem drum und dran ist das einfach wirklich viel.

    Kann es sein, dass es gar nicht unbedingt am Hund liegt, sondern an der Gesamtsituation?

    Ich mein, dein Leben und deine Zukunftspläne wurden vor nichtmal 5 Monaten vermutlich einmal ordentlich über den Haufen geworfen. Plötzlich musst du dich neu orientieren, neue Ziele suchen, dich in einer neuen Umgebung und einem neuen Alltag zurechtfinden und bist dazu noch allein für ein ziemlich forderndes Hundekind verantwortlich, obwohl das wahrscheinlich nie so geplant war. Dass das alles zusammen sehr belastend ist, ist meiner Meinung nach total verständlich. Und ich finde, da darf man auch mal überfordert sein. Mit dem Hund, mit dem eigenen Leben und mit den Gefühlen.

    Deshalb mal ab von der aktuellen Situation: Kannst du dir grundsätzlich vorstellen, in Zukunft allein für einen Hund verantwortlich zu sein? Also unabhängig von den aktuellen Themen, die dein Hund mitbringt?

    Einen Hund als Einzelperson zu halten ist natürlich Mehrarbeit. Klar, man hat Freunde, die einem mal was abnehmen können, aber das geht halt auch nur mit entsprechender Planung und letztendlich bleibt doch die meiste Arbeit an einem selbst hängen.

    Weniger offensichtlich, aber umso zentraler finde ich jedoch die (un)geteilte Verantwortung. Man ist halt nicht mehr als Team, sondern allein für alles verantwortlich. Da ist niemand, an den man einen Teil der Verantwortung abgeben kann, der mit einem gemeinsam an einem Strang zieht oder der bei Problemen, sei es erziehungstechnisch oder gesundheitlich, „mit im Boot“ sitzt.

    So eine alleinige Verantwortung kann eine Chance sein, zu wachsen. Oder sie kann einem einfach „zu viel“ sein. Das kann dir hier niemand beantworten, sondern musst du für dich selbst ausloten, liebe @TE.

    Wenn du sagst, du möchtest das langfristig wirklich nicht, dann kontaktiere zügig den Züchter und sprich mit ihm über eure Situation.

    Wenn deine Erkenntnis ist, dass du das eigentlich schon leisten wollen würdest, wären nur die aktuellen (durchaus einschränkenden) Themen nicht: Dann gib nicht zu früh auf. Denn die Themen, die du nennst, sind für mich speziell in eurer Situation nichts, was man nicht mit etwas Wohlwollen, Geduld und gutem Training in den Griff bekommen kann.

    Sieh mal: Diese ganze Umstellung der letzten Monate war sicher nicht nur für dich belastend, sondern auch (wenn nicht sogar noch viel mehr) für deinen Hund. Der musste auch umziehen. Der hat auch eine Bezugspersonen verloren und wurde aus seinem gewohnten Umfeld und Alltag gerissen. Sogar zweimal. Und jetzt hat er ein Frauchen im Gefühlschaos, das total gestresst, unglücklich, überfordert und verzweifelt ist - und versteht nicht mal, wieso. Und das alles in einer Lebensphase, in der er nicht mal weiß, wer er selbst wirklich ist und wie das Leben funktioniert.

    Dass er da an dir klammert, gestresst ist und auch mal aggressiv reagiert, finde ich gar nicht so überraschend. Wahrscheinlich seid ihr gerade beide ordentlich überfordert mit der Welt und pusht ihr euch da unabsichtlich gegenseitig hoch. Und aus der Spirale müsst ihr raus kommen.

    Mein erster Schritt wäre deshalb, gemeinsame Quality Time zu verbringen. Ganz ohne Anforderungen an den Hund oder dich. Einfach etwas, bei dem keiner von euch funktionieren muss und was euch beiden Spaß macht. Vielleicht ein gemeinsamer Ausflug? Tricks üben? Ein Kurs in der Hundeschule?

    Im zweiten Schritt würde ich mir einen Trainer suchen, der sehr positiv arbeitet. Nicht weil ich prinzipiell gegen aversives Training bin, sondern weil der Fokus auf Strafen, wenn ihr eh schon in so einer Stress- und Negativspirale seid, echt kontrapruduktiv sein kann. Wenn du eh schon geladen bist, rutschen da nämlich schnell auch negative Emotionen mit. Und negative Emotionen sind genau das, was ihr beide gerade nicht braucht. Sucht dir lieber jemanden, der dich mit seiner super positiven und wohlwollenden Einstellung dem Hund gegenüber ansteckt und euch ganz kleinschrittig zu neuen Erfolgserlebnissen verhilft. Das ist vielleicht nicht auf Dauer das einzig Wahre, aber für jetzt gerade meiner Meinung nach der bessere Weg.

    Und ansonsten: Sei nachsichtig mit dir und mit deinem Hund. Ihr habts gerade wahrscheinlich beide nicht leicht.

    Interessiert anderswo, wo absolut kein Risiko bestand/ bestünde ja auch nicht. Warum braucht es da bei TS Hunden wieder ne Sonderbehandlung?

    Huch, jetzt bin ich verwirrt. Die Entscheidung, ob und wie vom Veterinäramt eine behördlich angeordnete Quarantäne verhängt wird, ist immer eine Einzelfallentscheidung, bei der Risiken gegeneinander abgewogen werden. Das hat doch nichts damit zu tun, ob es sich um einen Tierschutzhund handelt oder nicht. Oder was genau meinst du?

    Das ist ja ganz toll, wenn ein Hund, der eigentlich in Quarantäne ist, fröhlich Gassi gehen darf und mögliche Krankheiten mit Urin und Kot in der Welt verteilen kann.

    Naja, bei der Quarantäne junger Welpen geht es ja nicht um Würmer, Parasiten und Co., sondern in erster Linie um die Tollwut-Gefahr.

    Das Problem ist: Tollwut ist genauso selten wie fatal. Die Chance, dass ein ungeimpfter Welpe die hat, ist super gering - aber wenn er sie hat, gibts halt unter Umständen ein riesen Problem.

    Das heißt, das zuständige VetAmt steht in solchen Fällen vor der Entscheidung, den Welpen trotz nur geringer Gefahr für die Umwelt sicherheitshalber vollkommen zu isolieren und ihn damit höchstwahrscheinlich massiv für sein gesamtes restliches Leben zu zeichnen oder dem Hund trotz einer durchaus möglichen Tollwut-Gefahr ein halbwegs normales späteres Leben zu ermöglichen.

    Eben deshalb ists doch ne Einzelfallentscheidung.

    Einen ungeimpften Welpen, der aus Deutschland oder irgendeinem anderen soweit tollwutfreien Land stammt, wochenlang vollständig zu isolieren, weil er theoretisch mit minimaler Wahrscheinlichkeit über 5 Ecken irgendwie, falls es ganz dumm gelaufen ist, doch vielleicht eventuell Tollwut haben könnte… Naja, da stellt sich die Frage nach der Verhältnismäßigkeit. Insbesondere mit Blick auf die Folgen, die eine solche Isolation nach sich zieht.

    Gleichzeitig kann natürlich nicht ausgeschlossen werden, dass der Welpe doch Tollwut hat, insbesondere wenn er aus Ländern stammt, die aktuell nachgewiesene Tollwut-Fälle haben. Und falls so ein Welpe das in Umlauf bringt, weil trotz fehlender Impfung und bekanntem Risiko keine vollkommene Isolation angeordnet wurde… puh, das wär halt ne ordentliche Katastrophe.


    Ich muss ehrlich sagen, ich will so ne Entscheidung nicht treffen müssen. Denn egal wie man sich entscheidet, besteht die Chance, dass es schreckliche Folgen hat.

    Sammy war in einem deutschen Tierheim in Quarantäne, eben weil er zu früh aus Rumänien importiert wurde und klar war, dass er keinen Tollwutschutz haben kann.
    Er durfte aber ganz normal mit uns Gassi-Gängern 'raus in den anliegenden Park.
    Nur halt mit dem verschärften Hinweis, das er auf gar keinen Fall - also, wirklich so gar nie - mit anderen Hunden Kontakt haben darf.
    Das durfte eigentlich eh keiner der Hunde, naja.
    Anfangs war er tatsächlich alleine in seinem Zimmer, das dürfte wirklich Mist gewesen sein. Nach ein oder zwei Wochen hat er dann allerdings Gesellschaft von einem Schicksalsgenossen bekommen. Das Veterinärsamt hat dafür grünes Licht gegeben, und ich bin sicher, dass ihm das gut über die Zeit geholfen hat.

    Nur als kurze Einordnung für andere, die das ggf. lesen und denken, so sähe jede Quarantäne aus:

    Ob eine Quarantäne verhängt wird und wie genau die auszusehen hat, entscheidet das zuständige Veterinäramt per Verwaltungsakt, also für jeden Einzelfall individuell. Die schauen sich die vermutete Vorgeschichte, das Herkunftsland, die Seuchenverbreitung dort usw. an und legen dann fest, was die genauen Maßnahmen sind. Und das kann halt von häuslicher Quarantäne und erlaubten Gassigängen, nur ohne Hundekontakt, bis hin zu vollkommener Isolation in einem Raum und erlaubtem Kontakt nur zu einem oder mehreren ausgewählten Pflegern so ziemlich alles sein.

    Ihr scheint da richtig Glück mit eurem VetAmt gehabt zu haben, aber das ist leider nicht unbedingt die Regel.

    Und eben diese Möglichkeit, dass man kein Glück hat (oder wahlweise Pech hat), wird meiner Meinung nach immer wieder gewaltig unterschätzt.

    Klar gibt es zahlreiche Fälle, in denen man trotz erheblicher Risiken einen recht unkomplizierten Welpen aus dem Tierschutz bekommt. Aber es gibt halt auch zahlreiche Fälle, in denen die bekannten Risiken voll zuschlagen.

    Ich hab hier sowas sitzen: Komplett gestörtes Stress-System, nahezu keine Emotionsregulation, erhebliche und vor allem kaum trainierbare Schwierigkeiten, Umweltreize einzuordnen, wiederkehrende Stereotypien bei jeder Aufregung und on top noch diverse gesundheitliche Baustellen, die ihn ein Hundeleben lang massiv einschränken. Und nein, das war in dem Ausmaß in der Welpenzeit noch nicht absehbar.

    So einen Hund, bei dem es schief geht, aufzufangen, ist einfach eine Herausforderung, die über „normale“ Hundehaltung hinausgeht. Wenn man damit kein Problem hat und das leisten kann und will, falls sich herausstellt, dass der Hund tatsächlich so wird, dann kann man das Risiko Tierschutz-Welpe ja gerne eingehen. Ich freue mich über jeden, der das (bewusst und kompetent) tut. Aber auf „wird schon gut gehen“ zu spielen, obwohl ein bekanntes und vor allem nicht gerade geringes Risiko besteht, dass es halt nicht gut geht - das hat für mich mit der verantwortungsvollen Übernahme eines Lebewesens nichts zu tun.

    Ich finde es auch nicht egoistisch, für sich klar zu formulieren, was man gerne hätte und was nicht. Im Gegenteil.

    Ich finde es auch super, wenn jemand wie die TE klar sagen kann, was gewünscht ist und was nicht. Ist doch sehr viel besser als rumzudrucksen und sich zu verbiegen oder „für alles offen“ zu sein und am Ende, wenn der Hund schon da ist, festzustellen, dass es so gar nicht passt.

    Die Frage, die ich mir hier in diesem Thread nur stelle, ist, ob Hundehaltung für dich, liebe @TE, wirklich das Richtige ist.

    Wer schon vor der Anschaffung Bedenken wegen so grundlegenden Dingen wie Dreck, Geruch, Fell, Gassi, Beschäftigung und Wohnungstauglichkeit hat, der sollte meiner Meinung nach genau hinterfragen, ob er wirklich einen eigenen Hund mit allen Konsequenzen will. Denn genau diese Dinge bringt ein Hund (der eine mehr, der andere weniger) einfach zwangsläufig mit.

    Das soll gar nicht heißen, dass man grundsätzlich keinen Hund halten sollte, wenn man diesbezüglich Bedenken hat. Es gibt ja auch Leute, die sich im Vorfeld zu viele Sorgen machen. Nur, ob die Sorgen der TE berechtigt sind und sie z.B. Dreck, Fell und Beschäftigung eines durchschnittlichen Hundes tatsächlich als störend empfinden würde oder sie sich unbegründet Sorgen macht, weil sie Wunder was an Gestank und Dreck erwartet, das kann hier halt niemand vorhersagen. Das musst du, liebe TE, für dich selbst ausloten.

    Hast du denn Hunde im Bekanntenkreis, die du mal besuchen kannst? Oder kennst du unkomplizierte Hunde, die du vielleicht mal sitten könntest? Einfach nur, um mal ein Gefühl dafür zu bekommen, was für dich (an Dreck, Beschäftigung, Verhalten usw.) okay wäre und was du definitiv nicht willst?