Ich kann schon verstehen, dass du, liebe TE, sehr gerne über den rein positiven Weg arbeiten willst und nichts von Korrekturen hältst. Gerade auf Social Media wird einem das ja, wenn man in einer bestimmten Bubble unterwegs ist, immer wieder eingebläut: Positive Verstärkung ist viel langfristiger und effektiver, Korrekturen sind gewalttätiger Mist, mit dem du dir die Bindung vermurkst, und sowieso: positive Verstärkung ist der einzige verantwortungsbewusste, tierliebe Weg, um einen Hund zu erziehen. Klar, dass du als Hundeanfängerin und tierlieber Mensch, wenn du mit solchem Content in Kontakt kommst, das genau so umsetzen möchtest.
Und jetzt bekommst du hier auf einmal die ganze Breitseite an "Setz jetzt endlich mal ne gescheite Korrektur!" ab. Das muss für dich erstmal ganz schön irritierend sein.
Der Punkt ist halt, dass Social Media mit Vorsicht zu genießen ist. Mein Eindruck ist: Je bekannter ein Kanal ist und je mehr er polarisiert, umso extremer (und damit weiter entfernt von der Realität) sind die Ansichten. Da wird verallgemeinert bis zum geht-nicht-mehr, da wird die Moralkeule geschwungen, ein schlechtes Gewissen eingeredet, mit "Fakten" (die nur die halbe Wahrheit sind) um sich geschmissen und den Leuten auf ziemlich gemeine Art und Weise Angst gemacht, um sie von den eigenen Ansichten zu überzeugen. Gilt übrigens für die Extrem-Positiv-Fraktion genauso wie für die übertriebenen Aversivler.
Meine Erfahrung zeigt (und ich glaube, dass mir da viele hier zustimmen können), dass die Wahrheit - wie eigentlich immer - irgendwo in der Mitte liegt. Klar kannst du dir mit falsch oder willkürlich gesetzten Korrekturen einiges vermurksen - aber ganz ohne Korrekturen funktioniert es in vielen Situationen und bei vielen Hunden auch nicht. Die Lösung ist, einen passenden, auf dich, deinen Hund und die Situation abgestimmten Mittelweg zu finden. Und ich glaube, da kann dir ein geeigneter Trainer wirklich gut helfen.