Unabhängig davon, dass ich Rassezuschreibungen anhand der Optik von Welpen für sehr gewagt halte: Was bei Mischlingen mit möglicherweise so konträren Veranlagungen am Ende durchschlägt, steht in den Sternen.
Ich hab hier zum Beispiel halb Hütehund und halb Terrier sitzen. Alles, was dieser Hund tut, also kontrollieren, wachen, Bewegungen ausbremsen und so schreit quasi Hütehund. Die Art, wie er es umsetzt (nämlich charmant, eigenständig, größenwahnsinnig und ohne Rücksicht auf Verluste) sagt ganz klar Terrier.
Nun ist das halt für den Alltag ne sehr herausfordernde Ausprägung dieser Mischung. Aber es kann genauso gut andersherum laufen und man hat am Ende einen Hund, der ganz typische Terrier-Interessen mitbringt, aber dabei so leichtführig und orientiert wie ein Hütehund ist. Oder - und das ist die wahrscheinlichste Variante - es kommt halt irgendwas dazwischen oder nochmal was ganz anderes dabei raus.
Versteh mich nicht falsch: Natürlich steigt die Wahrscheinlichkeit, dass ein Hund Terrier-Eigenschaften mitbringt, wenn ziemlich sicher ne gute Portion Terrier mit drin ist. Es ist schon gut, dass ihr euch da drüber informiert und euch bewusst seid, was das bedeuten kann. Aber letztendlich sind das auch „nur“ Wahrscheinlichkeiten und es kann auch ganz anders kommen.
Deshalb finde ich es bei Mischlingen umso wichtiger, offen für den individuellen Hund zu sein und nach Ankunft erstmal ganz unvoreingenommen herauszufiltern, mit was ihr es da tatsächlich zu tun habt. Also nicht mit der „Ist ein Terrier“-Brille draufzuschauen, sondern wirklich erstmal ganz wertfrei das Verhalten zu beobachten und zu analysieren.
Hilfreich ist dafür natürlich in erster Linie, die Körpersprache des Hundes gut lesen zu können.
Darüber hinaus schadet auch ein breites Basiswissen über unterschiedliche Hundetypen und deren mögliche Eigenschaften nicht. Da kann man sich gerade jetzt im Vorfeld gut belesen. Zum Terrier macht ihr das ja schon, aber informiert euch ruhig auch über andere Hundetypen, weil ihr wisst ja nicht sicher, was kommt.
Für besonders wichtig halte ich außerdem, erste Ansätze von z.B. Jagd-, Wach- oder Hüteverhalten, die Beanspruchung von Ressourcen, kontrollierende Verhaltensweisen usw. frühzeitig als solche zu erkennen und richtig einzuordnen. Oft sieht man gewisse Tendenzen schon daran, was dem Junghund besonderen Spaß bereitet und woran er ein besonderes Interesse zeigt. Und da heißt es dann halt, nicht nur wahrzunehmen, was der Hund da gerade tut, sondern auch regelmäßig neu zu hinterfragen, warum er das tut.
Auch verschiedene Trainings- und Erziehungsmethoden im Werkzeugkoffer zu haben, um sich da durchzuprobieren, entlastet sehr. Ihr könnt am Anfang zum Beispiel mal ganz bewusst testen, wie gut sich der Hund über welche Belohnung motivieren lässt, wie er auf welche Art von Strafe reagiert, wie sensibel er auf eure Körpersprache reagiert, wie er mit Frust umgeht, sowas. Einfach um ein Bild davon zu bekommen, auf welche Art ihr mit diesem Hund überhaupt gut arbeiten könnt.
Eure Vorerfahrung mit verschiedenen Hundetypen kann da alles in allem ein echter Vorteil sein. Außerdem lese ich bei euch keine festgefahrenen Ansprüche, sondern relativ viel Offenheit für mögliche Überraschungen heraus. Und so, wie du das beschreibst, scheint der Welpe für einen Auslandshund einen wirklich sehr guten Start ins Leben zu haben. Das alles sind doch super Voraussetzungen, also atmet ruhig mal durch, belest euch ggf. ein bisschen und wartet mal ab, was die Zeit bringt.