Beiträge von Schäferterrier

    Klar, Sedierungen und Narkosen können eine bestehende Demenz verschlimmern, aber da bin ich jetzt mal pragmatisch - kann's denn aktuell überhaupt noch schlimmer werden?

    Ich bin inhaltlich komplett bei dir und würde das Risiko, das erneute Untersuchungen mitbringen, ebenfalls eingehen, bevor da etwas unentdeckt bleibt.

    Gleichzeitig möchte ich der TE im Hinblick auf deine Abschlussfrage ans Herz legen, sich mental und auch organisatorisch für den (doch nochmal schlimmeren) Fall zu rüsten, dass Rocky sein eigenes Frauchen irgendwann nicht mehr erkennt.

    Ich wünsche dir, liebe @TE, von Herzen, dass das gar nicht passiert. Aber falls es passiert, wird das bei einem so aufgestellten Hund richtig unschön.

    Und deshalb solltest dir vielleicht jetzt schon überlegen, wie du deinen Hund im Fall der Fälle sicher gehändelt kriegst. Und wenn es nur ist, um dann einen Schlussstrich zu ziehen. Denn emotional wird das, sollte der Fall eintreten, ohnehin so unfassbar hart, dass du jegliche Zusatzprobleme sicher nicht gebrauchen kannst.

    Rocky hat sich an viele Dinge nie gewöhnt. Zum Beispiel muss er für Tierarzt Besuche sediert werden, obwohl wir 1x wöchentlich hingefahren sind, damit er sich an Personal und Umgebung gewöhnt. Oder der regelmäßige kurze Besuch bei meiner Mama. Es ist jedesmal so, als ob er das erste Mal da ist, obwohl ich total entspannt bleibe und dort auch Dinge von ihm liegen. Dass er jetzt nicht mehr alleine bleiben kann, ist das schlimmste, was passieren konnte…

    Geht das bei euch in Richtung Deprivationsschäden?

    Ich frage, weil eine Mischung aus Deprivationsschäden, Demenz und fortschreitenden Einschränkungen der Sinneswahrnehmung eine besonders fiese Kombi sein kann, bei der sich alle Faktoren gegenseitig verstärken.

    Denn Hunde mit Deprivationsschäden tun sich aufgrund der unzureichenden Generalisierung von Umweltreizen unglaublich schwer mit jeglichen Veränderungen. Wenn auch nur eine Kleinigkeit anders ist, ist es für sie oft eine gänzlich neue Situation.

    Und wenn sich im Alter, z.B. durch eine verschlechterte Sehleistung, die gesamte Wahrnehmung der Umwelt verändert, dann kann ein Hund mit Deprivationsschäden das eben nicht wie viele andere Hunde relativ gut durch Riechen, Hören & Co. kompensieren, sondern erlebt alles als komplett neu und beängstigend, einfach weil es anders als zuvor ist.

    Und wenn dann eine Demenz das dank der Deprivationsschäden ohnehin schon unzureichend ausgebildete neuronale Netzwerk noch zusätzlich angreift, fehlt dem Hund jede Möglichkeit, mit so einer Veränderung umzugehen. Mit fortschreitendem Verfall wird der Hund noch weniger anpassungsfähig, kann noch weniger flexibel auf Veränderungen reagieren, kann noch schlechter Verknüpfen, hat noch eingeschränktere Problemlösekompetenzen und kann sein Stresssystem noch weniger regulieren.

    Das kann einfach eine ganz schlimme Kombination sein. Für den Hund und auch für sein Umfeld. Und eine Situation, in der man ggf. anders denken muss als andere Leute mit Senioren-Hunden.

    Wenn dein Hund Deprivationsschäden hat, dann würde ich in deiner Situation explizit auf das bauen, was er gut kennt. Nichts Neues, weder neue Menschen noch neue Orte oder neue Routinen. Baue auf das, was ihm noch irgendwie bekannt vorkommen und ihm dadurch Sicherheit vermitteln könnte.

    Hat er Zuhause denn einen Safe Space? Einen Lieblings-Liegeplatz oder sowas? Dann wäre eine Idee, den z.B. durch ein Gitter abzutrennen, wenn er allein bleibt, sodass der Hund zwar einen kleineren, aber dafür gut bekannten Rückzugsort hat.

    Alternativ oder zusätzlich kannst du auch probieren, über Gerüche zu arbeiten und ihm zum Beispiel etwas dazulassen, was nach dir riecht.

    Du könntest auch mal unterstützend Adaptil ausprobieren. Meinen eigenen Hund stresst das eher, weils im Endeffekt halt auch „neu“ und „anders“ ist, aber einen Versuch ist es vielleicht wert.

    Darüber hinaus würde ich persönlich auch nicht zögern, medikamentöse Unterstützung in Form von Angstlösern zu nutzen. Ganz ehrlich, bei einem Hund in dem Alter wären mir die Nebenwirkungen auf die Organe ziemlich egal. Im Zweifelsfall würde ich persönlich meinem Hund lieber noch ein paar möglichst stressfreie Monate wünschen, als dass er sich da jahrelang dauergestresst durchquälen müsste. Aber das ist eine ganz individuelle Entscheidung, die jeder für sich und seinen Hund selbst treffen muss.

    Wie wär’s mit Bichon frisé, Havaneser, Malteser & Co.? Die müssten euren Ansprüchen ziemlich exakt entsprechen. Sie haaren kaum, sie sind nicht besonders bellfreudig, sie sind in der Regel vom Gemüt her deutlich entspannter als z.B. ein Pudel und sie brauchen auch keine wahnsinns Auslastung, sondern sind oft einfach happy, dabei zu sein.

    Klar, auch die müssen erzogen und ausgelastet werden, auch da muss das Zusammenleben mit Kind erstmal angeleitet werden, aber sie bringen als Begleithunderassen schon überdurchschnittlich viele Eigenschaften mit, die ein alltagstauglicher Familienhund so braucht.

    Im Tierschutz könnt ihr durchaus auch schauen. Allerdings möchte ich euch da wirklich ans Herz legen, nach einem fertig entwickelten, also erwachsenen Hund ab 3 Jahren, zu suchen, der bereits hier vor Ort ist und den ihr vor der Übernahme intensiv kennenlernen könnt. Einfach um unschöne Überraschungen zu vermeiden.

    Allerdings: Einen jungen, gelassenen, nervenstarken, alltagstauglichen, kinderfreundlichen, kaum haarenden Hund im Tierheim zu finden, der einfach gerne und vor allem problemlos im Familientrubel, auf Ausflügen & Co. mit dabei ist und der obendrauf keine nennenswerten gesundheitlichen Baustellen hat, das ist die Suche nach der Nadel im Heuhaufen. Da werdet ihr bei einem guten Züchter deutlich schneller und einfacher fündig.

    Das Problem bei Auslands-Vermittlungen ist oft, dass die Kommunikation über mehrere Ecken läuft.

    Häufig kommuniziert der Interessent „nur“ mit einem ehrenamtlichen Ansprechpartner, der in Deutschland sitzt und der bei doch recht vielen Vereinen noch nie wirklich vor Ort im Shelter war. Die Person hat also gar kein wirkliches Bild davon, wie das im Shelter oder in der Pflegestelle abläuft und was für Möglichkeiten die vor Ort haben oder nicht haben. Und dieser Ansprechpartner kommuniziert dann mit den Leuten im Ausland, die den Hund betreuen.

    Dass es zu Missverständnissen in der Kommunikation kommt und Informationen verloren gehen, ist bei solchen Voraussetzungen (leider) erwartbar. Und dann kommt halt sowas raus wie:

    Ansprechpartner in D: „Checkt bitte nochmal das aktuelle Gewicht des Hundes.“

    Helfer im Ausland (nach Augenmaßschätzung, weil weder Zeit noch Ressourcen, um den Hund auf ne gute Waage zu stellen): „Der hat so 8 Kilo.“

    Ansprechpartnerin in D, die davon ausgeht, dass der Hund auf der Waage stand, weil es in D halt so üblich ist, zum Interessent: „Der Hund wiegt aktuell 8 Kilo.“

    Ist ärgerlich, aber ich würde nicht davon ausgehen, dass der Verein da böswillig Gewicht unterschlagen hat. Da wird einfach die Kommunikation schief gelaufen sein. Mit so einem Risiko muss man bei ner Auslandsadoption leider einfach rechnen. Erst recht, wenn man keinen Einblick in die internen Abläufe des Vereins hat.

    Darüber hinaus ist die Wachstumskurve von ggf. mangelernährten oder kranken Junghunden aus dem Ausland einfach per se schwierig zu bestimmen.

    Die Endgröße von meinem Hund wurde von der Orga damals auf maximal 35cm geschätzt. Als er hier mit 5 Monaten ankam, hatte er so 6 Kilo und 30cm Schulterhöhe und ich hab noch bezweifelt, dass er die 35cm überhaupt packt. Nun ja, draus geworden sind letztendlich 47cm und 14 Kilo :lol:

    Lag hier einfach daran, dass der Hund durch nen Giardienbefall im Welpenalter und schlechtes Futter einen Großteil seiner Welpenzeit über ordentlich mangelernährt war. Da steht das Wachstum dann natürlich hinten an. Erst als die Giardien durch waren und er hier in Deutschland gutes, an Junghund-Bedürfnisse angepasstes Futter erhalten hat, konnte sich der Körper richtig entwickeln.

    Ich würde deshalb tendenziell davon ausgehen, dass dein Hund auch nochmal ein gutes Stück an Größe und Gewicht zunimmt.

    Wenn du das nicht leisten möchtest, egal aus welchem Grund und ob das jemand anders nachvollziehen kann oder nicht, dann tu dem Hund den Gefallen und gib ihn schnellstmöglich an die Orga zurück. Denn je schneller er erneut in der Vermittlung ist, umso schneller findet er eine passende Endstelle, bei der er endlich ankommen kann.

    Dass du eine Abgabe nicht von heute auf morgen entscheiden möchtest, ist aus menschlicher Sicht zwar nachvollziehbar, aber dieses Abwarten raubt dem Hund Zeit, die er dringend zum Ankommen bräuchte. Gerade mit der Vorgeschichte und in dem Alter.

    Das ist jedenfalls mein Eindruck von den Hundehaltern in meinem Wohnumfeld.

    Ich erlebe hier tatsächlich ne sehr große Bandbreite.

    Es gibt die Leute, die 3x am Tag mit ihrem Hund für 15 bis 20 Minuten um den Block schlendern. Genauso gibt es viele Leute, die einmal am Tag eine große Runde drehen und den Hund ansonsten nur in den Garten lassen. Und halt die, die mehrfach täglich 30 Minuten aufwärts unterwegs sind.

    Welchen Typ Hundehalter ich häufiger treffe, hängt vor allem davon ab, wo ich Gassi gehe. Ich könnte also gar nicht wirklich sagen, was am Ende überwiegt.

    Wem ich im normalen Alltag eher selten begegne, sind halt die Extreme. Also Hunde, die nie oder nur alle paar Tage mal rauskommen (Hofhunde mal abgesehen) genauso wie diese sagenumwobenen Hundehalter, die morgens eine Stunde, mittags 2 Stunden und abends nochmal eine Stunde unterwegs sind. Beides gibt es, aber ist hier doch eher die große Ausnahme.

    Ich persönlich bin, was Wetter angeht, relativ unbekümmert. Wir sind deshalb lange Zeit auch im Winter morgens vor der Arbeit eine Stunde gelaufen und dann entweder in der Mittagspause oder abends nochmal eine bis eineinhalb Stunden. Anfangs hab ich da auch nicht immer Lust drauf, aber wenn ich mich mal eingelaufen habe, dann genieße ich den Spaziergang in der Regel auch bei Wind und Wetter - vorausgesetzt, die Kleidung stimmt.

    Mein Graus sind da eher die pflichtmäßigen Löserunden. Wobei ich die wetterunabhängig wenig gewinnbringend finde. Die Kälte, Nässe und Dunkelheit macht es nur aktuell noch ein bisschen weniger spaßig als sonst.

    Nichtsdestotrotz habe ich unsere großen Runden diesen Winter zum ersten Mal etwas eingekürzt. Nicht mir, sondern dem Hund zuliebe. Der hat krankheitsbedingt nämlich immer mehr mit dem Winterwetter zu kämpfen.

    Stand jetzt gehen wir deshalb 3x täglich eine dreiviertelstunde Gassi. Eine „richtige“ Runde ist hier also nach deiner Definition (1h+) auch nicht dabei. Ich sehe da gar kein Problem, solange der Hund sich nicht daran stört.

    Was ich zumindest für meinen Hund aber trotzdem sehr wichtig finde: Dass er dabei nicht nur an der 3-Meter-Leine hängt, sondern sich jeden Tag auch mal freier bewegen kann, selbst wenn es dann nur je 45 Minuten sind.

    Für mich ist die Mini-Version eines Labbis seit jeher der Beagle. Gut, mit etwas mehr Jagdtrieb und Eigenständigkeit muss man natürlich rechnen, aber vom grundsätzlichen Wesen finde ich die schon sehr ähnlich.

    Die Hüterlis wie Sheltie & Co. sind im Gegensatz dazu schon komplett anders gestrickt. Könnte von den Rahmenbedingungen natürlich trotzdem passen, aber wenn jemand eigentlich die Art vom Labbi mag, ist so ein Sheltie in der Regel nicht das Richtige.

    So, wie das klingt, hast du herkunftsbedingt einen eher unsicheren Junghund, ggf. mit etwas flatterigem Nervenkostüm, der als Welpe nie lernen durfte, mit Grenzen, Frust und Impulsen umzugehen. Das rächt sich nun, indem der Hund super reizempfindlich ist, schnell hochfährt, schnell drüber ist, bei Frust, Grenzen und Warten komplett überfordert ist und nicht zur Ruhe kommen kann, weil der Alltag für ihn aktuell ein riesen Stress und eine totale Überforderung ist.

    Was solche Hunde meiner Erfahrung nach häufig brauchen, ist Langeweile, Routine, Gelassenheit, viel freundliche Unterstützung genauso wie eine ganz klare Führung mit fixen, klar kommunizierten Erwartungen, an denen sie sich orientieren können.

    Und genau da wird dein starker Fokus auf den Hund zum Problem.

    Gerade orientierst du dich, so wie das alles klingt, sehr am Hund. Und zwar dauerhaft. Er agiert, du reagierst. Anstatt ihm proaktiv zu zeigen, was er tun soll, wartest du darauf, was er anbietet, wie er reagiert, was er tut und will. Und dadurch nimmst du dem Hund unabsichtlich die Chance, sich an dir zu orientieren und überhaupt zu lernen, was von ihm erwartet wird.

    Deshalb wende den Blick mal weg vom Hund. Was willst du?

    Für drinnen: Wie möchtest du deinen Alltag leben und gestalten? Wie möchtest du deine Zeit zuhause verbringen? Vor dem Hund hattest du doch auch einen Alltag und Hobbys, denen du nachgegangen bist. Warum lebst du das, wenn die Bedürfnisse vom Hund befriedigt sind, nicht einfach weiter? Dein Hund kann ja daneben liegen und schlafen. Und wo sind eigentlich deine Grenzen? Wie möchtest du dich von deinem Hund eigentlich nicht behandeln lassen?

    Und auch draußen: Wie möchtest du eigentlich für dich spazieren gehen? Wie soll das ablaufen? Wie möchtest du fremden Menschen und anderen Hunden begegnen? Wie möchtest du mit der Leine laufen?

    Wichtig ist einfach erstmal eine klare Vorstellung davon, was du eigentlich von deinem Leben willst. Ein Hund ist ein Hund, der fügt sich da dann schon ein.


    Und weil du mehrfach dein schlechtes Gewissen angesprochen hast, dass dein Hund dann eventuell zu kurz kommen könnte:

    Ich finde tatsächlich, dass dein Hund für einen Junghund, der in der Welpenzeit kaum was kennengelernt hat, in eurem Alltag schon verdammt viel leisten muss. Wechselnde Betreuung, dadurch ständig wechselnde Routinen und Abläufe, Gassi mit vielen Reizen, dazu noch Suchspielchen, Beschäftigung, Impulskontroll-Übungen und on top daheim noch ständige Ansprache…

    Auch wenn das sicher gut gemeint ist: Dein Hund hat bedingt durch sein Alter und seine Vorerfahrungen mit dem normalen Alltag wahrscheinlich schon so viel zu tun, dass alles, was on top kommt, einfach zu viel ist.

    Deshalb lös dich dem Hund zuliebe bitte von dem Gedanken, dass er zu kurz kommen könnte. Damit schadest du ihm mehr als dass es ihm nützt. Denn ein bisschen Langeweile kann ein Hund notfalls auch mal gut wegstecken, aber einen sowieso schon überreizten Hund zusätzlich weiter zu überreizen und ihn so (wenn auch unabsichtlich) chronischem Stress auszusetzen, das ist wirklich schädlich.

    Zusammengefasst: Du tust deinem Hund wahrscheinlich keinen Gefallen damit, dein gesamtes Leben und deinen Alltag um ihn herum zu basteln und alles nach ihm auszurichten. Denn letztendlich ist und bleibt es halt ein Haustier, das auch als solches behandelt werden möchte. Wird es das nicht, weil ihm zu viel Bedeutung zugeschrieben wird, kann das für das Tier genauso stresserzeugend und damit schädlich sein, wie wenn ihm zu wenig Bedeutung zugeschrieben wird. Und auch für dich ist das so doch kein Zustand. Ein Hund sollte das Leben bereichern, aber sicher nicht dauerhaft bestimmen. Das ist für alle Beteiligten auf Dauer ungesund.

    Ohne es live gesehen zu haben, ist sowas wahnsinnig schwierig zu beurteilen.

    Möglich, dass ihr da einfach einen Jungrüpel getroffen habt, der ganz schnell gemerkt hat, dass er deinen Hund rumscheuchen und sich damit sein Ego polieren kann.

    Möglich, dass dein Hund tatsächlich viel zu distanzlos war und die Ansage vom anderen Hund nicht verstehen konnte oder wollte.

    Möglich, dass dein Hund im ersten Moment zu distanzlos war, den anderen Hund damit überfordert hat und der dementsprechend übertrieben reagiert hat.

    Möglich, dass dein Hund im ersten Moment zu distanzlos war und dann selbst einfach nur mit der Resonanz überfordert war.

    Oder es ist halt was ganz anderes passiert.

    Dass es laut und dynamisch war und gefühlt recht lange ging, heißt nicht unbedingt, das es ernst war. Im Gegenteil: Ich finde leise, statische Konflikte meist viel kritischer.

    Nichtsdestotrotz war das wohl eher keine Begegnung, bei der ich sagen würde „Muss man so ein zweites Mal haben“.

    Für die Zukunft würde ich üben, meinen eigenen Hund bei Erstbegegnungen besser zu lenken, sodass er erst gar nicht so distanzlos in andere reinbrettert. Das ist nämlich tatsächlich vielen Hunden zu viel und führt recht häufig zu Konflikten.

    Außerdem kannst du üben, deinen Hund aus so Begegnungen zwischendurch rauszunehmen. Gerade in Momenten, in denen der andere Hund klar kommuniziert, dass da für ihn was nicht passt, die Dynamik überhand nimmt und/oder der andere Hund aus der Begegnung genommen (festgehalten etc.) wird oder auch nur, wenn du ein blödes Bauchgefühl hast, kann das sehr nützlich sein. Der Kontakt kann dann ggf. immer noch weiter gehen, wenn sich beide Gemüter beruhigt haben.

    Konfliktbehaftete Hundebegegnungen gibt es leider unabhängig von dem genannten Hund immer mal wieder, das kann (und sollte) man meiner Erfahrung nach nicht ganz vermeiden. Aber wenn ihr das als Basis habt, kommt ihr in der Regel auch ganz gut durch eher ungünstige Hundebegegnungen. Solange das nicht sitzt und du deinen eigenen Hund in Begegnungen noch nicht zuverlässig lenken kannst, würde ich Kontakte allerdings auf bekannte, idealerweise sehr souveräne Hundefreunde beschränken.

    Ach je, ich denke, da kommt gerade einiges zusammen bei dir. Ein pubertierender Retriever allein kann schon Nerven kosten, aber in Kombination mit einer Trennung, Umzug und allem drum und dran ist das einfach wirklich viel.

    Kann es sein, dass es gar nicht unbedingt am Hund liegt, sondern an der Gesamtsituation?

    Ich mein, dein Leben und deine Zukunftspläne wurden vor nichtmal 5 Monaten vermutlich einmal ordentlich über den Haufen geworfen. Plötzlich musst du dich neu orientieren, neue Ziele suchen, dich in einer neuen Umgebung und einem neuen Alltag zurechtfinden und bist dazu noch allein für ein ziemlich forderndes Hundekind verantwortlich, obwohl das wahrscheinlich nie so geplant war. Dass das alles zusammen sehr belastend ist, ist meiner Meinung nach total verständlich. Und ich finde, da darf man auch mal überfordert sein. Mit dem Hund, mit dem eigenen Leben und mit den Gefühlen.

    Deshalb mal ab von der aktuellen Situation: Kannst du dir grundsätzlich vorstellen, in Zukunft allein für einen Hund verantwortlich zu sein? Also unabhängig von den aktuellen Themen, die dein Hund mitbringt?

    Einen Hund als Einzelperson zu halten ist natürlich Mehrarbeit. Klar, man hat Freunde, die einem mal was abnehmen können, aber das geht halt auch nur mit entsprechender Planung und letztendlich bleibt doch die meiste Arbeit an einem selbst hängen.

    Weniger offensichtlich, aber umso zentraler finde ich jedoch die (un)geteilte Verantwortung. Man ist halt nicht mehr als Team, sondern allein für alles verantwortlich. Da ist niemand, an den man einen Teil der Verantwortung abgeben kann, der mit einem gemeinsam an einem Strang zieht oder der bei Problemen, sei es erziehungstechnisch oder gesundheitlich, „mit im Boot“ sitzt.

    So eine alleinige Verantwortung kann eine Chance sein, zu wachsen. Oder sie kann einem einfach „zu viel“ sein. Das kann dir hier niemand beantworten, sondern musst du für dich selbst ausloten, liebe @TE.

    Wenn du sagst, du möchtest das langfristig wirklich nicht, dann kontaktiere zügig den Züchter und sprich mit ihm über eure Situation.

    Wenn deine Erkenntnis ist, dass du das eigentlich schon leisten wollen würdest, wären nur die aktuellen (durchaus einschränkenden) Themen nicht: Dann gib nicht zu früh auf. Denn die Themen, die du nennst, sind für mich speziell in eurer Situation nichts, was man nicht mit etwas Wohlwollen, Geduld und gutem Training in den Griff bekommen kann.

    Sieh mal: Diese ganze Umstellung der letzten Monate war sicher nicht nur für dich belastend, sondern auch (wenn nicht sogar noch viel mehr) für deinen Hund. Der musste auch umziehen. Der hat auch eine Bezugspersonen verloren und wurde aus seinem gewohnten Umfeld und Alltag gerissen. Sogar zweimal. Und jetzt hat er ein Frauchen im Gefühlschaos, das total gestresst, unglücklich, überfordert und verzweifelt ist - und versteht nicht mal, wieso. Und das alles in einer Lebensphase, in der er nicht mal weiß, wer er selbst wirklich ist und wie das Leben funktioniert.

    Dass er da an dir klammert, gestresst ist und auch mal aggressiv reagiert, finde ich gar nicht so überraschend. Wahrscheinlich seid ihr gerade beide ordentlich überfordert mit der Welt und pusht ihr euch da unabsichtlich gegenseitig hoch. Und aus der Spirale müsst ihr raus kommen.

    Mein erster Schritt wäre deshalb, gemeinsame Quality Time zu verbringen. Ganz ohne Anforderungen an den Hund oder dich. Einfach etwas, bei dem keiner von euch funktionieren muss und was euch beiden Spaß macht. Vielleicht ein gemeinsamer Ausflug? Tricks üben? Ein Kurs in der Hundeschule?

    Im zweiten Schritt würde ich mir einen Trainer suchen, der sehr positiv arbeitet. Nicht weil ich prinzipiell gegen aversives Training bin, sondern weil der Fokus auf Strafen, wenn ihr eh schon in so einer Stress- und Negativspirale seid, echt kontrapruduktiv sein kann. Wenn du eh schon geladen bist, rutschen da nämlich schnell auch negative Emotionen mit. Und negative Emotionen sind genau das, was ihr beide gerade nicht braucht. Sucht dir lieber jemanden, der dich mit seiner super positiven und wohlwollenden Einstellung dem Hund gegenüber ansteckt und euch ganz kleinschrittig zu neuen Erfolgserlebnissen verhilft. Das ist vielleicht nicht auf Dauer das einzig Wahre, aber für jetzt gerade meiner Meinung nach der bessere Weg.

    Und ansonsten: Sei nachsichtig mit dir und mit deinem Hund. Ihr habts gerade wahrscheinlich beide nicht leicht.