Naja, ganz so willkürlich und ohne Plan, wie es hier teils dargestellt wird, erfolgt die Einstufung nun auch nicht. Ja, irgendein OA-Mitarbeiter führt eine Ersteinschätzung durch, die den Fall dann ggf. ins Rollen bringt oder nicht. Aber die letztendliche Einschätzung beruht in der Regel trotzdem auf dem Gutachten eines Sachverständigen. Inwiefern der dann tatsächlich dafür qualifiziert ist oder nicht, sei mal dahingestellt (ich halte die Bestimmung der Gefährlichkeit anhand des Phänotyps ohnehin für Quark), aber Fakt ist: Kein Hund wird einfach so von einem x-beliebigen OA-Mitarbeiter ganz ohne Plan als gefährlicher Hund eingestuft.
Gleichzeitig zeigt das aber auch, dass es rein gar nichts bringt, sich mit einem Mitarbeiter des zuständigen OA gut zu stellen oder dort Rat einzuholen. Denn die sind im Zweifelsfall „nur“ die ausführende Behörde, die eben, wie die meisten Beamten, nach Vorschrift agiert.
Ganz unabhängig davon zum Thema Erfahrung mit Auslandshunden und (jungen) Direktimporten:
5 Monate ist ein ziemlich brenzliges Alter für so einen lebensverändernden Umzug. Einerseits weil das Alter, in dem der Hund sich super easy an seine Umwelt und neue Dinge gewöhnt, einfach schon durch ist. Und zum anderen, weil genau in dem Alter oft eine natürliche Angst-Phase stattfindet, in der sowieso alles gruselig und doof ist und sich schlechte Erfahrungen diesbezüglich nochmal stärker einprägen als in einem anderen Alter. Heißt der Hund ist zu alt, um die Vorteile eines Welpen bezüglich Unweltgewöhnung und Prägung mitzubringen und gleichzeitig zu jung, um auf stabile Vorerfahrungen zurückzugreifen.
Ganz generell, aber insbesondere in diesem Alter gilt deshalb: Langsam machen. Ganz, ganz viel Zeit geben. Den Hund nicht mit Umweltreizen und Alltag überfordern. Bloß nicht zu viel wollen und erwarten. Es kann Monate dauern, bis der Hund den normalen Alltag so gut wegsteckt, wie es ein vergleichbarer Hund aus guter Aufzucht von Anfang an tut. Und vielleicht wird er auch nie so entspannt sein.
Deshalb auch: Vergleich den Hund nicht mit anderen. Verzweifle nicht, weil dein Hund Dinge, die die meisten anderen Hunde in dem Alter leisten können, noch nicht leisten kann. Wenn er sich mit der Leinenführigkeit schwerer tut als andere Hunde, wenn er sich mit Menschenbegegnungen schwerer tut als andere, wenn er sich draußen noch nicht lösen kann, wenn er in der Wohnung extrem schwer zur Ruhe kommt usw. Halte dir immer vor Augen: Dein Hund wird vermutlich sehr viel mehr Hirnzellen für die Umwelt brauchen als andere Hunde - und dementsprechend bleiben deutlich weniger Hirnzellen für Erziehung und Training übrig.
Darüber hinaus würde ich mit meinem heutigen Wissen alsbald einen ersten Tierarzt-Termin ausmachen. Ja, ist Stress für den Hund, aber oft kommen Auslandshunde in einem nicht ganz optimalen Gesundheitszustand nach Deutschland. Leichter Ohrmilbenbefall, Würmer, Flohbefall und sowas kann leider auch bei guten Organisationen immer mal wieder auftreten und sollte natürlich behandelt werden. Heißt auch: Entsprechendes TA-Budget einplanen. Nicht immer, aber ab und an, lässt man das Geld, das man bei der Anschaffung einspart, ganz schnell im Nachhinein beim TA liegen. Zumal gerade bei einem großer Hund mit entsprechendem Körperbau und möglicher Mangelernährung und/oder Überlastung in der Welpenzeit die Gelenke und der Knochenbau engmaschig überwacht werden sollten.