Beiträge von Schäferterrier

    Was für Schmerzen und was für Verhaltensthemen waren das bei euch?

    Das ist eine Rückenmarkskompression.

    Die Schmerzen schießen immer wieder plötzlich ein, vor allem nachts, teils auch bei bestimmten Bewegungen. Von der Intensität scheinen sie total unterschiedlich zu sein. Ist natürlich bisschen schwierig zu beurteilen, aber von nem kurzen Zusammenzucken bis hin zu nem plötzlichen Um-sich-beißen hatten wir da schon alles. NSAIDs haben diesbezüglich* gar nichts gebracht, nur das Gabapentin hat geholfen.

    * Er bekommt trotzdem zusätzlich NSAIDs, weil wir durch die jahrelange Schonhaltung inzwischen auch die ganze Batterie an Verschleißerkrankungen der Wirbelsäule dazubekommen haben. Aber die sind Stand jetzt das kleinere Problem.

    Zum Verhalten: Er hat vermutlich sowohl rassemixbedingt als auch durch massive Defizite in der Aufzucht so seine Probleme mit der Bewertung von Umweltreizen und generell der emotionalen Regulation und Stressverarbeitung. Er reagiert auf alles, was neu, leicht anders, spannend, störend oder emotional besetzt ist, durch die Bank weg total drüber. Das ist ein bisschen, als wäre er als Welpe in nen Zaubertrank mit Speed gefallen.

    Das Gabapentin ändert zwar nichts daran, dass er Umweltreize nicht selbstständig einordnen kann und dass er halt prinzipiell rassemixbedingt temperamentvoll und reizoffen ist, aber es dämpft diese unverhältnismäßige Übererregbarkeit ziemlich gut ab. Gefühlt feuern die Nervenzellen jetzt nicht mehr mit 100%, wenn auch nur irgendwas passiert (oder passieren könnte), sondern deutlich gehemmter. Und dadurch ist er sehr viel häufiger auf einem halbwegs gesunden Erregungslevel, bei dem er noch ansprechbar und lernfähig ist und einfach denken kann.

    Hier Gabapentin, vorrangig zur Schmerzlinderung, zusätzlich unterstützend fürs Verhalten. Ich bin sehr zufrieden damit.

    Meiner Erfahrung ist nur, dass es echt tricky sein kann, die optimale Dosierung zu finden. Beim Einschleichen war er phasenweise super schreckhaft und ängstlich. Mit einer weiteren Erhöhung der Dosis hat sich das um 180 Grad gewendet und er ist plötzlich deutlich gelassener, gelöster und richtig happy gewesen. Auf den ersten Blick hätte man meinen können: Optimale Dosierung. Aber tatsächlich waren da die frühen Effekte aufs Verhalten irreführend, denn die Schmerzen waren bei genauem Hinsehen trotzdem noch da. Die gingen erst weg, als wir dann nochmal mit der Dosis hoch sind.

    Stand jetzt wirkt es super gegen die Schmerzen. Es federt vor allem die nächtlichen Schmerzspitzen richtig gut ab, bei denen davor nichts geholfen hat. Zusätzlich hilft es ihm, mit der Welt etwas besser klar zu kommen, ohne ihn dabei irgendwie lätschig, müde oder dusselig zu machen. Weitere Nebenwirkungen gibt es nicht, Blut nach ca. 2 Jahren täglicher Einnahme bislang tip-top.

    Wichtig finde ich bei solchen Medis halt, immer im Hinterkopf zu behalten, dass die massiven Einfluss auf Schmerzen UND aufs Verhalten haben können. Und das nicht unbedingt mit derselben Dosierung gleich stark.
    Beachtet man das nicht, läuft man Gefahr, dem fröhlichen, gelösten Hund Schmerzfreiheit zu unterstellen, obwohl das Medikament bislang „nur“ aufs Verhalten wirkt. Oder man läuft Gefahr, dem matten, lustlosen Hund weiterhin Schmerzen zu unterstellen, dabei drückt das Medikament „nur“ zu stark das Verhalten.

    Und, mehr oder weniger damit einhergehend: Die mehrgleisige Wirkung kann natürlich enorm von Vorteil sein, wenn man wie ich das Glück hat, einen Hund zu haben, bei dem bei optimaler Dosierung sowohl das Verhalten als auch das Schmerzempfinden positiv beeinflusst wird.
    Aber es gibt auch Hunde, bei denen das trotz viel Rumprobieren an der Dosierung nicht funktioniert, weil z.B. die Dosierung, die Schmerzen gerade so lindert, fürs Verhalten schon too much ist. Und das ist dann halt, zumindest wenn eine dauerhafte Gabe über ein Hundeleben lang angedacht ist, echt Mist.

    Ihr habt jetzt mindestens seit Anfang Januar so viel an der Ernährung herumprobiert, da wundert es mich gar nicht, dass aktuell nichts mehr so wirklich funktioniert. Für nen ernährungstechnisch etwas empfindlichen Hund ist das einfach viel zu viel Unruhe. Es kann gut sein, dass er das Futter eigentlich gut vertragen würde, aber ihr durch zu viel Wechsel den Körper eures Hundes total überfordert habt und er deshalb gerade so empfindlich auf kleinste Veränderungen reagiert.

    Manche Hunde brauchen einfach eine Weile, um sich an ein neues Futter zu gewöhnen. Ich würde mal mindestens (!) 6 Wochen lang dasselbe Futter füttern, auch wenn er es erstmal nicht ganz optimal verträgt.

    Wenn’s nach den 6 Wochen immer noch nicht funktioniert, könnt ihr ja wieder was Neues ausprobieren. Aber gebt dem Körper bis dahin wenigstens mal die Chance, sich an das Futter zu gewöhnen.

    Letztendlich ist es doch ganz einfach: Man sollte nur einen Hund halten, dem man zum aktuellen Zeitpunkt auch gerecht werden kann.

    Wenn ich das schaffe, ist doch total egal, ob ich Mitte 20 oder Mitte 80 bin.

    Kann ich dem Hund nicht (mehr) gerecht werden, dann ist es halt Zeit, den Hund abzugeben. Egal ob ich es körperlich, geistig, zeitlich oder warum auch immer nicht mehr schaffe. Und egal wie alt ich bin.

    Ich kann mir nur vorstellen, dass es sehr schwierig ist, da den Absprung zu schaffen und zu erkennen, wann es für den Hund so nicht mehr weiter geht. Aber selbst das betrifft meiner Erfahrung nach jung und alt gleichermaßen.

    Das ist bei mir noch ne ganze Weile hin, aber ich denke, eine Altersgrenze gibt es da für mich nicht. Wenn ich zu dem Zeitpunkt noch fit genug bin, um einen Welpen aufzuziehen, und ich eine gute Lösung für den Fall habe, dass ich den Hund irgendwann nicht mehr betreuen kann - warum nicht?

    Was in 10 oder 15 Jahren ist, weiß niemand. Und eine Notfall-Lösung sollte sowieso jeder Hundehalter haben, ganz unabhängig vom Alter.

    Die Frage wäre für mich eher, ob ich in dem Alter nochmal Lust auf das ganze Gewusel in der Welpen- und Junghundezeit habe. Aber das ist ja jedem selbst überlassen.

    Unabhängig davon, dass ich Rassezuschreibungen anhand der Optik von Welpen für sehr gewagt halte: Was bei Mischlingen mit möglicherweise so konträren Veranlagungen am Ende durchschlägt, steht in den Sternen.

    Ich hab hier zum Beispiel halb Hütehund und halb Terrier sitzen. Alles, was dieser Hund tut, also kontrollieren, wachen, Bewegungen ausbremsen und so schreit quasi Hütehund. Die Art, wie er es umsetzt (nämlich charmant, eigenständig, größenwahnsinnig und ohne Rücksicht auf Verluste) sagt ganz klar Terrier.

    Nun ist das halt für den Alltag ne sehr herausfordernde Ausprägung dieser Mischung. Aber es kann genauso gut andersherum laufen und man hat am Ende einen Hund, der ganz typische Terrier-Interessen mitbringt, aber dabei so leichtführig und orientiert wie ein Hütehund ist. Oder - und das ist die wahrscheinlichste Variante - es kommt halt irgendwas dazwischen oder nochmal was ganz anderes dabei raus.

    Versteh mich nicht falsch: Natürlich steigt die Wahrscheinlichkeit, dass ein Hund Terrier-Eigenschaften mitbringt, wenn ziemlich sicher ne gute Portion Terrier mit drin ist. Es ist schon gut, dass ihr euch da drüber informiert und euch bewusst seid, was das bedeuten kann. Aber letztendlich sind das auch „nur“ Wahrscheinlichkeiten und es kann auch ganz anders kommen.

    Deshalb finde ich es bei Mischlingen umso wichtiger, offen für den individuellen Hund zu sein und nach Ankunft erstmal ganz unvoreingenommen herauszufiltern, mit was ihr es da tatsächlich zu tun habt. Also nicht mit der „Ist ein Terrier“-Brille draufzuschauen, sondern wirklich erstmal ganz wertfrei das Verhalten zu beobachten und zu analysieren.

    Hilfreich ist dafür natürlich in erster Linie, die Körpersprache des Hundes gut lesen zu können.

    Darüber hinaus schadet auch ein breites Basiswissen über unterschiedliche Hundetypen und deren mögliche Eigenschaften nicht. Da kann man sich gerade jetzt im Vorfeld gut belesen. Zum Terrier macht ihr das ja schon, aber informiert euch ruhig auch über andere Hundetypen, weil ihr wisst ja nicht sicher, was kommt.

    Für besonders wichtig halte ich außerdem, erste Ansätze von z.B. Jagd-, Wach- oder Hüteverhalten, die Beanspruchung von Ressourcen, kontrollierende Verhaltensweisen usw. frühzeitig als solche zu erkennen und richtig einzuordnen. Oft sieht man gewisse Tendenzen schon daran, was dem Junghund besonderen Spaß bereitet und woran er ein besonderes Interesse zeigt. Und da heißt es dann halt, nicht nur wahrzunehmen, was der Hund da gerade tut, sondern auch regelmäßig neu zu hinterfragen, warum er das tut.

    Auch verschiedene Trainings- und Erziehungsmethoden im Werkzeugkoffer zu haben, um sich da durchzuprobieren, entlastet sehr. Ihr könnt am Anfang zum Beispiel mal ganz bewusst testen, wie gut sich der Hund über welche Belohnung motivieren lässt, wie er auf welche Art von Strafe reagiert, wie sensibel er auf eure Körpersprache reagiert, wie er mit Frust umgeht, sowas. Einfach um ein Bild davon zu bekommen, auf welche Art ihr mit diesem Hund überhaupt gut arbeiten könnt.

    Eure Vorerfahrung mit verschiedenen Hundetypen kann da alles in allem ein echter Vorteil sein. Außerdem lese ich bei euch keine festgefahrenen Ansprüche, sondern relativ viel Offenheit für mögliche Überraschungen heraus. Und so, wie du das beschreibst, scheint der Welpe für einen Auslandshund einen wirklich sehr guten Start ins Leben zu haben. Das alles sind doch super Voraussetzungen, also atmet ruhig mal durch, belest euch ggf. ein bisschen und wartet mal ab, was die Zeit bringt.

    Mal abgesehen davon, dass es doch lange kein Geheimnis mehr ist, dass Junghunde aus dem Ausland nur allzu regelmäßig deutlich älter gemacht werden, um früher ausreisen zu können und besagte Junghunde darüber hinaus oft ein deutlich verzögertes Wachstum wegen vorausgegangener Nährstoff-Unterversorgung aufzuweisen haben: Es ist doch vollkommen egal, ob und wie groß der HSH-Anteil in dem besagten Hund ist. Selbst wenn da gar kein HSH drin ist, kann der Hund doch zig Eigenschaften anderer Rassen vereinen, die ebenso wenig zu den Wünschen der TE passen.

    Fakt ist, die TE hat hier ein ganz klares Anforderungprofil an einen Hund beschrieben: familientauglich, menschenfreundlich, umweltsicher, nervenfest, nicht zu reizoffen, sehr futteraffin, leicht motivierbar, wenig eigenständig. Wie groß ist die Wahrscheinlichkeit, dass irgendein x-beliebiger Hund aus dem Ausland das erfüllt, wenn das nicht mal die meisten Hunde hier in Deutschland leisten können?

    Selbst wenn es ne 50/50 Chance gäbe, dass der Hund genau so wird - dann ist da immer noch ein Junghund, der mit 50%iger Wahrscheinlichkeit nicht das ist, was die TE sich vorstellt. Und bei der Anschaffung (oder hier: beim Behalten) eines Lebewesens auf ne 50/50 Chance zu pokern, ist und bleibt dem Hund gegenüber einfach unfair.

    Also frisst sie alles, hauptsache es wird nicht in ihrem Napf angereicht?

    Dann würde ich als erstes mal die Darreichungsform verändern. Habt ihr schonmal versucht, einen anderen Napf zu benutzen? Also anderes Material, andere Optik? Hoher Rand, flacher Teller? Habt ihr den Napf mal wo anders hingestellt? Habt ihr ggf. die Napfunterlage mal ausgewechselt? Oder einfach mal den Napf der Kleinen mit dem Napf der Großen getauscht? Die Kleine ein paar Tricks machen lassen und sie dann erst zum Fressen freigegeben?

    Je nachdem, was sie da vom Züchter kennt bzw. nicht kennt, kann allein das schon nen riesen Unterschied machen. Wenn das alles nicht hilft, könnt ihr immer noch am Futter rumjustieren.

    Ich traue mir grundsätzlich die Erziehung zu (Nicht mein erster Hund), aber ich wollte einen Familienhund, der lieb ist und halt für leckerlies "alles macht".

    ich möchte halt einen Hund der mit uns reist, der gerne unter Leuten ist, den man überall mit nehmen kann

    An sich gehts mir nur darum, dass der Hund kein HSH Anteil hat, es muss keiner vom Züchter sein.

    Ich bin immer wieder überrascht, was so die Vorstellung eines „normalen“ Hundes ist. Woher kommt denn dieses Narrativ, dass ein normaler Hund stets freundlich, familientauglich und mit paar Leckerlies leicht erziehbar ist?

    Das, was du suchst, ist meiner Erfahrung nach eher die Ausnahme als die Regel. Mit den Erwartungen sollte man entweder erwachsene Hunde auf Pflegestellen in Deutschland kennenlernen oder eine wirklich passende Rasse vom Züchter wählen.

    Mit einem HSH wird das wohl eher nichts. Nicht, weil ich glaube, dass HSHs irgendwelche Monster seien, ganz im Gegenteil. Aber wenn die Erwartungshaltung an „normales hündisches Verhalten“ unkompliziertes Mit-dabei-sein, Menschenfreundlichkeit und gute Motivierbarkeit mit Futter sind, dann steht das dem Wesen vom HSH halt diametral gegenüber. Das passt einfach nicht.

    In diesem Sinne: Tut dem Hund den Gefallen und sorgt dafür, dass er so bald wie möglich an eine passende Stelle weitervermittelt wird. Jetzt noch einige Wochen lang den Gentest abzuwarten ist zwar aus Menschensicht ein verständlicher Wunsch, aber für den Hund schlicht unfair, weil er dadurch im Zweifelsfall wichtige Zeit verliert, um endlich ankommen zu dürfen.