Für mich bleibt das Grundproblem, dass hier immer wieder nur ein Symptom behandelt wird. Zahnstein ist nicht die Ursache, sondern das Endprodukt von Belag. Entfernt man regelmäßig nur den Zahnstein, ohne an der täglichen Zahnpflege etwas zu ändern, entsteht er zwangsläufig immer wieder. Das ist ein Kreislauf.
Wenn ein Hund offensichtlich regelmäßig Zahnstein entwickelt, dann ist das in erster Linie ein Hinweis darauf, dass Pflege notwendig ist und sehr wahrscheinlich auch darauf, dass irgendwo im Maul oder im Körper ein Problem besteht. Ob und was man daran sinnvoll verändern kann, lässt sich aber nicht dadurch beurteilen, dass man immer wieder nur das sichtbare Symptom entfernt. Dafür braucht es zumindest eine Diagnostik, und dazu gehört in der Regel auch Röntgen.
Was mir dabei schwerfällt nachzuvollziehen, ist die Selbstverständlichkeit, mit der tägliche Pflege ausgeklammert wird. Kaum einer würde für sich selbst ernsthaft sagen, Pflege hätte man halt nicht durchgehalten und man lasse stattdessen regelmäßig „aufräumen“. Und selbst wenn man das für sich so handhaben würde, trägt man die Konsequenzen wenigstens selbst. Beim Hund ist das anders. Er ist vollständig davon abhängig, was wir für ihn tun oder eben nicht tun.
Technisch ist eine sinnvolle Zahnreinigung ohne Narkose nicht möglich. Alles, was wirklich relevant ist, passiert unter dem Zahnfleisch. Genau dort sitzen Entzündungen, Parodontaltaschen und häufig auch die eigentlichen Schmerzursachen und dieses Arbeiten ist schmerzhaft und am wachen Hund nicht tierschutzgerecht durchführbar. Entsprechend bleibt jede Behandlung ohne Narkose zwangsläufig oberflächlich. Je mehr in diesem Feld geforscht wird, desto klarer wird, das Hunde scheinbar gerade in diesem Bereich kaum Schmerzen zeigen, obwohl quasi die Bude brennt. Was dagegen aber selbst ohne Forschung wirklich klar sein sollte, ist wie unglaublich wichtig ein gesundes und schmerzfreies Zahnmilieu für das komplette Wohlbefinden ist, sowohl psychisch gesehen als auch körperlich.
Hinzu kommt der praktische Aspekt. Unabhängig davon, ob mit Handscaler oder Ultraschall gearbeitet wird: Als Laie arbeitet man ohne Röntgen, ohne vollständige Sicht und ohne beurteilen zu können, was man da eigentlich vor sich hat. Dabei werden Zahnoberflächen aufgeraut, das Zahnfleisch kann verletzt werden und es entstehen ideale Bedingungen dafür, dass sich Belag und Zahnstein noch schneller neu anlagern.