Also erst einmal: Versteife dich bitte gar nicht darauf, keine Fehler zu machen. Das nimmt dir nur unnötig die Freude. Ich habe aktuell zehn Hunde und insgesamt elf in meinem Leben gehabt und ich habe bei jedem einzelnen Fehler gemacht. Und ich werde auch weiterhin Fehler machen. Das gehört dazu. Ihr werdet gemeinsam Fehler machen und gemeinsam wachsen. Und genau das ist doch das Schöne.
Ihr habt zwei Kinder großgezogen. Ihr wisst, was Geduld, Konsequenz, Schlafmangel und trotzdem Liebe bedeuten. Ihr bringt alles mit, was man braucht.
Und dann legt euch bitte direkt eine ordentliche Portion Humor zu. Terrier sind klug, schnell, charmant und haben sehr konkrete eigene Vorstellungen vom Leben. Wenn man versucht, sie mit Strenge klein zu halten, verliert man. Wenn man klar bleibt und gleichzeitig lachen kann, gewinnt man sehr viel Lebensqualität.
Ganz wichtig: Sie ist am Anfang ein Baby. Ein echtes Baby. Ein Baby weiß nicht, was richtig oder falsch ist. Es entdeckt die Welt, probiert aus, macht Unsinn, weil es die Welt erforscht. Man maßregelt ein Baby nicht körperlich, weil es etwas noch nicht verstanden hat. Führung bedeutet Sicherheit und Verlässlichkeit, nicht Härte. Alle Alpha- und Chefgedanken könnt ihr getrost über Bord werfen. Ihr müsst nichts dominieren. Ihr müsst nur fair, klar und berechenbar sein.
Belohnt immer lieber etwas Gutes, als etwas Schlechtes zu bestrafen. Das, was sich lohnt, wird häufiger gezeigt. Verhalten, das keine Bühne bekommt, verschwindet oft von selbst. Viele warten förmlich darauf, dass der Hund einen Fehler macht, um dann genau diesen zu bestrafen. Dabei gab es vorher oft schon zehntausende Gelegenheiten, ruhiges, kluges, freundliches Verhalten zu loben, die einfach übersehen wurden. Wenn man anfängt, bewusst nach dem Guten zu schauen, verändert sich unglaublich viel. Der Hund versteht schneller, was gewünscht ist, und die Stimmung bleibt entspannter.
Als Beispiel …
Der kleine Welpe sieht ein sich bewegendes Blatt und man sieht richtig, wie es im Kopf rattert. Zwei Sekunden überlegen. Gehe ich hinterher oder nicht? Genau da liegt die Chance.
Viele warten ab, bis der Welpe losschießt, schnappen sich dann hektisch das Blatt aus dem Maul und alles wird stressig. Dabei waren diese zwei Sekunden Gold wert. In genau diesem Moment könnte man schon freundlich reagieren. Ein lustiges Geräusch machen, den Welpen zum Umdrehen bewegen und das ordentlich feiern. Nicht überdreht, aber klar und fröhlich. Damit belohnt man nicht das Hetzen, sondern das Nachdenken. Und das nächste Mal kann es dann schon passieren, dass er noch mal drei Sekunden, länger überlegt oder sogar direkt zu euch schaut um zu sehen, ob sich das lustige Spiel wiederholt.
Timing ist da wirklich alles. Und Timing ist Übungssache. Manchmal verpasst man es. Manchmal reagiert man zu spät. Manchmal verkackt man es komplett. Das passiert. Aber wenn man anfängt, auf diese kleinen Entscheidungs-Momente zu achten, verändert sich ganz viel. Allein das Bewusstsein dafür ist schon unglaublich viel wert.
Überlegt euch früh, wie euer Hund später sein soll.
Soll er bewegenden Objekten hinterherrennen? Wenn nein, dann fangt gar nicht erst mit Ball- oder Stockwerfen an, nur weil es niedlich aussieht, wie der Welpe losflitzt.
Soll er später zu jedem anderen Hund hinrennen? Soll er an der Leine Theater machen? Wenn nein, dann lasst von Anfang an nicht jeden Hund an ihn heran und lasst ihn auch nicht jederzeit zu anderen Hunden stürmen. Ihr entscheidet, wann Kontakt sinnvoll ist. Nicht die Umwelt.
Genauso wichtig: Lasst nicht jeden Passanten und jedes Kind an euren Welpen. Gerade kleine Terrierwelpen sind unfassbar süß und alle wollen sie anfassen. Ihr dürft freundlich und klar Nein sagen. Euer Hund muss nicht lernen, dass fremde Hände selbstverständlich sind. Er darf lernen, dass ihr das regelt. Das gibt ihm Sicherheit und euch Ruhe.
Und noch ein Gedanke: Möchtest du die nächsten 15 Jahre 24 Stunden am Tag um den Hund kreisen? Wenn nein, dann fangt auch nicht damit an, solange sie klein ist. Selbstständigkeit darf man von Anfang an mitdenken.
Ihr werdet das gut machen. Nicht perfekt. Aber gut. Und das reicht völlig. Genießt die Vorfreude und nehmt euch selbst den Druck. Mit Humor, Klarheit und ein bisschen Gelassenheit wird das richtig schön.