Beiträge von WorkingDogs



    Was macht ihr denn da wenn ihr ohne Strafe arbeitet?? Oder habt ihr einfach Hunde die sowas nicht versuchen?


    Ich denke nicht, dass das hier irgendwer anders macht. Das ist ja Kommunikation. Lucifer kann größenbedingt wunderbar seinen Kopf auf den Esstisch legen und hatte dann als Junghund die lange Nase quasi auf meinem Teller. Ich hab ihm gesagt er soll es lassen und wenn das nicht gereicht hat, habe ich die Nase vom Tisch geschoben. Da war jetzt nicht wirklich mehr nötig. Und wie man das rein positiv machen sollte würde mir gerade auch nicht einfallen.

    Ist auch meine Theorie, viele vergessen diese ganzen kleinen Dinge im Alltag und denken nur an die großen Themen.

    Wenn ich so meinen Tag verbringe kommt mir immer der Gedanke an den Thread und ich frage mich „wie machen die denn sowas?“.


    Eben war ich mit meiner Junghündin draußen, ich habe Fleisch reingeholt welches im Stall liegt und das sie drinnen fressen darf nachdem wir lösen waren. Also ich in den Stall, zwei Stücke fleisch genommen. Sie steht dann natürlich dabei und ja nu, am liebsten würde sie mir die aus der Hand stibitzen, klar. Ja, das darf sie halt schlicht nicht, ich sage dann „Nein“ und sie lässt es. Versucht sie es doch korrigiere ich das. Ich meine, das ist doch Zusammenleben. Mir wäre es wirklich zu anstrengend mir da nun 1000 Gedanken drum drum zu machen wie ich sowas ohne Abbruch mit Belohnung lösen könnte. Zu mal es dem Hund doch null ausmacht da eine Grenze gesetzt zu bekommen. Die sagt da „Ok“ und das wars, sie lässt es dann halt.

    Was macht ihr denn da wenn ihr ohne Strafe arbeitet?? Oder habt ihr einfach Hunde die sowas nicht versuchen?


    Für die Ausbildung mache ich mir unheimlich viele Gedanken, versuche möglichst belohnungsbasiert zu arbeiten und gut veranlagte Hunde zu haben, aber im Alltag? Mir wäre das da wirklich auch irgendwo zu anstrengend.

    Also müssen alle Hunde von Tag 1 lernen: das ist tabu.

    So ist es.

    Wenn hier ein Welpe kommt, der darf nicht auf Sofa. Da fang ich nicht an Kekse zu werfen damit er nicht auf die Idee kommt, natürlich kommt ein Welpe das, es ist ein Welpe!

    Ich schiebe ihn weg und verbiete es. Da brauchts doch nicht viel Energie, nicht viel Training und auch nicht Tausend Wiederholungen wenn das von Anfang an einfach so ist.


    Lasse ich hingegen den Hund erstmal 8 Monate auf Sofa und will es dann plötzlich verbieten, ja, dann muss ich ziemlich deutlich werden und da einiges an Training reinstecken. Hausgemacht.

    WorkingDogs zu sagen das man mit positivem Training nichts kaputt machen kann, ist ja am Ende auch nicht richtig. Wenn man es falsch anwendet kann man das sehr

    Genau und das hört man ja sehr häufig.


    Mir fehlt auch einfach oft eine objektive Lernkontrolle. Ich sehe super oft wie irgendwas trainiert wird (egal ob aversiv oder nett!) und der Hund ganz offensichtlich etwas völlig anderes lernt. Leider fällt es den meisten dann absolut schwer den eigenen Gedankengang zu hinterfragen und das eigene Training zu justieren.


    Um da mal ein Beispiel zu nennen. Verbellen in der Positionskiste ist da so mein Beispiel. Es gibt Hunde die sich darüber anfangen immer mehr mit dem Boden und ihrer Kiste zu beschäftigen und nicht mehr mit dem eigentlichen verbellen Richtung Helfer. Die dadurch dann auch gerne sehr „positionsempfindlich“ werden. Es lässt sich schwer beschreiben.
    Leider fehlt da oftmals echt die Erfahrung und Invidualität sowas auch sehen zu wollen. Es gibt ja auch diverse nette Wege etwas zu üben, aber auch da kriegt man sich dann inne Köppe oder der Hundeführer will es unbedingt auf eine Art und Weise lernen wie es gar nicht zum Hund passt. Oder dann wird ohne Ende gebastelt, anstatt einfach das Konzept so zu verändern dass es für den Hund verständlicher ist.

    Dem stimme ich zu 1000% zu.

    Kaum dem Welpenalter entwachsen soll der "anständige" junge Hund Sitz auf Decken oder ohne machen, schlechtes Fuß wird geübt, was weder für den Alltag noch für den Sport taugt.

    Genau. Das man mit Belohnung oder netten Training nichts kaputt machen kann stimmt halt nicht.

    Grade im ersten Lebensjahr ist der beste Ratschlag weder positiv noch negativ zu trainieren, sondern einfach gar nicht und ein Umfeld zu schaffen in dem der Hund nicht 1000 Sachen können muss um zu existieren.


    Und dann konzentriert man sich ganz bewusste auf manche Bereiche und Ausbildungsschritte die zur geistigen Reife passen.

    Ich finde es zum Beispiel im Sport immer wieder faszinierend wie erfolgreich der unmoderne Ansatz oft ist, die Welpen und Junghunde einfach mal stehen zu lassen bis 1 oder 1,5 Jahren.

    Modernes Hundetraining baut zeitweise so viel Stress und Konflikte auf, das ist der Wahnsinn. Durch Druck auf den Hundeführer und in der heutige Zeit verkaufen zu wollen und was man nicht alles machen, haben und sozialisieren muss.

    Und dann kommt da der einjährige Hund der „nichts“ kann, aber offen, reif und konfliktfrei ist und zieht alle ab wo seit Welpenalter trainiert wird (völlig egal nach welcher Richtung!!!!! Ja ich meine auch rein über Belohnung!!!!) weil Aufzucht, Reife und Veranlagung am Ende doch siegt und der Hundeführer nicht schon drölfzig Konflikte reintrainiert hat.

    Was ich mit Aufzucht meine: man kann sich ja vieles auch durch Stress machen versauen. Grade sowas wie der Rückruf ist prädestiniert, die Leute nehmen ihren Welpen alles weg oder bauen anderweitig Konflikte auf weil die Bude nicht welpensicher ist, die ständig schimpfen, zu viel verlangen. Dann lernt der Welpe schon leineziehen weil man den ja bloß nicht auf den Arm nehmen will, wird in der welpenstunde versaut und hat ständig frustrierten Hundekontakt, wird in Kisten gesperrt, soll direkt Gassi gehen können, usw. Viele Hundehalter wollen viel zu schnell viel zu viel. Aufzucht ist langweilig

    logisch muss man da irgendwann viel trainieren um diese ganzen Konflikte zu verbessern. Hausgemachte Konflikte, durch eine stressige Aufzucht.

    Wenn meine Aufzucht dazu führt dass meine Hunde lauter Defizite haben an denen ich stark trainieren muss würde ich mir andere Gedanken machen. Eher nach Aufzuchtsfehlern suchen. Es macht ja keinen Sinn sich etwas aufzuziehen was dann viele Defizite hat die trainiert werden müssen, da passt für mich dann vorher schon was nicht und ich würde die Ursache suchen. Der Alltag sollte trainingstechnisch flach und ausgeglichen sein und kein Marathon. Den Marathon trainiere ich als Hobby nicht fürs Zusammenleben.

    Training heißt doch nicht zwangsweise „Training an Baustellen“

    Danke! Das finde ich super wichtig. Unser Alltag lebt sich einfach, hier gibt es im Alltag so gut wie gar kein gezieltes Training sondern Zusammenleben und Ausbildung (Gebrauch und Sport). Das einzige was ich im Alltag trainier ist eine Leinenführigkeit, Rückruf, Abbruch und Ablage/Down. Und je nach Anforderung auch aversiv. Den Rückruf beispielsweise zu 99% über Belohnung, weil Abbruch und Down funktionieren und der Rückruf gar nicht herausragend sein muss um zu 100% zu klappen.

    Sowas wie pöbelneigungen manage ich ganz viel, bin ich ehrlich. Strafbasiert fährt mein Typ Hund sich nur noch mehr hoch und um sinnvoll Belohnungsbasiert zu trainieren dafür ist unsere Zeit zu stressig und die gegenbenheiten häufig nicht passend. Also greife ich da viel zu Management (hier futtertreiben) und Abbruch bis es irgendwann halt gut klappt. Am liebsten sind mir deshalb Hund die das genetisch gar nicht so mitbringen und wo man nichts trainieren muss im Alltag.