Beiträge von Ernalie

    Hab ja durch die Diagnosen vom Kind viel mit KJP zu tun und da brauchts auch ein gutes Bauchgefühl, dass da nicht immer Hochkompetente Fachkräfte vor einem sitzen.

    Oh ja, einfach ja.... Da könnte ich auch Bücher drüber schreiben. So gruselig.


    Ansonsten zum Thema: ich bin Sozialpädagogin und arbeite in der Jugendhilfe. Was mich nicht automatisch zu einer besonders guten Mutter macht. Und ich kann auch sagen, dass beim eigenen Kind so manches ganz anders ist, weil man selbst viel emotionaler betroffen ist. Aber durch meine Arbeit habe ich ein ziemlich gutes pädagogisches Gespür und ein sehr sicheres Bauchgefühl dafür, was geht und was nicht geht. Ich habe auch das Glück in einem Job zu sein und in einem Team, was extrem gut reflektiert und eine sehr personenzentrierte Haltung hat. Ich weiß, dass das leider auch nicht überall der Fall ist und ich auch schon andere Sozialpädagog*innen getroffen habe, wo ich mich gefragt habe, ob die ihren Abschluss irgendwo gekauft haben.

    Wie gesagt, das macht mich nicht automatisch zur Bilderbuchmutti. Ich habe auch schon im Eifer des Gefechts Dinge zu meinem Kind gesagt, wo ich hinterher dachte: was hab ich mir dabei gedacht. Ich bin leider auch selbst ein Mensch, der sehr impulsiv handelt und manchmal ist der Mund schneller als der Kopf.

    Ich denke aber, ein gutes pädagogisches Grundverständnis ist wertvoll. Fehler machen darf man trotzdem. Und solange Kinder eine gute Grundlage gelegt bekommen, verkraften sie auch vereinzelte Fehler.

    Na auf die gleiche Art und Weise wie man Kinder ermuntert und unterstützt etwas Neues auszuprobieren. Das habe ich oben noch editiert. Da unterscheidet sich meiner Meinung nach Trocken werden nicht von einigen anderen Sachen. Das macht jeder etwas anders. Kann von wir machen zwei Tage die Strichliste (wurde ja auch erwähnt) zu wir probieren das einfach mal gehen. Kommt ja auch auf jedes Kind an, welche Ängste hat das Kind, welche Motivation etc.

    Na das ist dann ja auch nicht gegen den Willen. Dass man solche Dinge bespricht und gemeinsam entscheidet, dass man es versucht ist ja was völlig anderes.

    Und "regelmäßig schicken" kann man meine Tochter auch nicht. Im Gegenteil. Mit jeder Aufforderung mehr sorgt man noch mehr dafür, dass sie auf keinen Fall gehen wird.

    Die Windel entreißen und das Kind permanent vollpinkeln lassen wird wohl hoffentlich keiner ernsthaft in Erwägung ziehen

    Leider doch. Ich kenne mehr als einen solchen Fall.

    Ich frage mich, wie man ohne Windel gegen den Willen des Kindes durchsetzen will

    Kann ich dir sagen.

    Ne Freundin von mir hat ihrem Sohn mit 2,5 von einem auf den anderen Tag keine Windeln mehr angezogen. Sie hat dann jeden Tag berichtet, wie viele Eimer nasse Klamotten sie jetzt schon zusammen hat. Nach 2 Wochen war das Kind trocken. Und nach 2 Monaten wieder komplett in Windeln. Das meinte ich mit "erniedrigend". Das Kind musste sich mehrmals am Tag in die Hose machen.

    Ich glaube auch nicht dran, dass Kinder auf Windeln bestehen, weil sie "keinen Bock" haben. Ich glaube, dass da was anderes dahinter steckt.

    Ich backe auch voll gerne mit meiner Tochter. Es gibt echt viele Dinge, die ich nicht mag in Bezug auf Kinderaktivitäten. Basteln ist auf Nummer 1. Ansonsten Rollenspiele, Puppenspiele, Eisenbahn. Was mich irre nervt, aber zum Glück mein Mann richtig toll findet, ist Vorlesen. Ich hasse es. Mein Körper wehrt sich schon aktiv dagegen indem ich weniger als eine Minute nach Beginn einen unstillbaren Drang nach Gähnen habe. 🙈

    Backen hingegen mag ich. Ich mag auch kochen mit Kind. Da meine Tochter aber quasi gar keine Variation an Lebensmitteln hat und nur sehr wenige überhaupt isst, will sie das nicht.

    Wegen der Windeln bin ich inzwischen fest davon überzeugt, dass die Kinder trocken werden, wenn Sie bereit dazu sind. Ich habe meine Tochter sehr viel Zeit damit gelassen. Ich habe in meinem Umfeld häufig mitbekommen, dass Kinder, die eine klassische Trockenheitserziehung (die ich teilweiser extrem erniedrigend umgesetzt fand) machen mussten, total schnell wieder zurück zu Windeln gekommen sind. Meine Tochter hat relativ lange, wenn man getragen. Sie wollte auch nicht. Ohne. Eines Tages hat sie einfach morgens gesagt, dass sie jetzt keine mehr haben will. Seitdem ist sie zu 100% trocken. Es gab nie Unfälle. Sie ist auch sofort auf die Toilette gegangen. Töpfchen hat sie nicht angenommen, obwohl in jedem Zimmer eins stand. Meine Tochter leidet aber auch unter einem extrem ausgeprägten Perfektionismus. Die macht alle Sachen immer erst dann, wenn sie absolut sicher ist, dass sie es kann und probiert es vorher auch nicht aus. Leider.

    Tatsächlich scheinen die Stellen sogar diejenigen zu bekommen, die einfach nicht schnell genug aufem Baum waren, oder sich erbarmen weils sonst niemand machen würde. Und so zieht sich das ganze dann quasi durch alle Posten durch...

    Oder die, die es aushalten. Ich habe Sonderpädagog*innen in meinem Bekanntenkreis, die inzwischen im sozialpädagogischen Bereich tätig sind, weil sie es in den Schulen nicht ausgehalten haben. Ausnahmslos alle wegen der Lehrer*innen, die Zusammenarbeit zu einem Kampf gemacht haben, der sämtliche Vorstellungen davon, etwas bewirken zu können, vernichtet hat.


    Echte Inklusion funktioniert aus meiner Sicht auch nur mit Engagement, Wissen und - wichtig - Ressourcen und bei dem Sparkurs, der uns die nächsten Jahre begleiten wird, halte ich das erstmal für sehr weit weg. Leider.

    Absolut! Ich glaube, am Ende wurden einfach von Beginn an zu wenig Ressourcen zur Verfügung gestellt. Da wurde einfach was umgesetzt auf Biegen und Brechen, für das das System überhaupt nicht bereit war. Schade. Die Idee ist so gut. Hätte aber wahrscheinlich deutlich mehr Vorbereitung brauchen können.

    Ich bin gar kein Feind von Förderschulen. Im Gegenteil. Wenn das funktioniert ist es doch für viele Kinder einfach ein Traum. Und ich find's schade, dass diese im Zuge der Inklusion so weit abgebaut wurden. Ich habe gerade heute gelesen, dass sie hier in der Umgebung wieder gestärkt werden sollen. Wenn das sinnvoll passiert und nicht einfach nur mehr Plätze bei gleicher personeller Struktur geschaffen wird, stelle ich mir das schon bereichernd vor.

    Das einzige "Dazwischen", sind Förderschulen, wo ich wirklich verstehen kann, dass niemand, wirklich niemand, sein Kind freiwillig dort hin bringen möchte.

    Das mag dem Stand in deinem Bereich entsprechen, widerspricht meinen Erfahrungen jedoch komplett. Bei uns setzen sich Eltern seit Jahrzehnten dafür ein, dass es mehr Plätze in spezialisierten Förderzentren gibt. Und genau diese platzen trotz Erweiterungen und Schulneueröffnung aus allen Nähten - und das nicht, weil niemand, wirklich niemand sein Kind im FZ beschulen lassen möchte...

    Es freut mich tatsächlich sehr, dass es nicht überall so ist. Hier in meiner Umgebung sind Förderschulen ein sehr heißes Pflaster und nicht wenige finden da erstrecht auf einen anderen Pfad.


    Hier hatte schon jemand anders geschrieben, dass es bei ihnen nicht so ist. Finde ich gut!!

    Na dann sind wir doch ziemlich auf dem selben Standpunkt.

    Eine Anmerkung habe ich aber. Ein Kind braucht keinen Förderstatus um in der Schule in seiner Individualität anerkannt zu werden. Es gibt Nachteilsausgleiche, die unabhängig von der Existenz eines Förderstatus sind. Und grundsätzlich ist man als Lehrkraft immer frei, auch Mal out of the box zu denken und Dinge anders zu machen.

    Ich empfehle dazu liniert.kariert auf Instagram. Sie ist Lehrerin, selbst AuDHSlerin und macht tolle Aufklärungsarbeit in diesem Bereich. Wichtige Message ist bei ihr oft, dass alle Dinge, die für neurodivergente Kinder gut sind, eigentlich für alle Kinder gut sind oder sein konne und es daher immer lohnt, genau zu überlegen, wie man was macht.

    Fängt zB im ganz kleinen an, wie zB Noise cancelling headphones im Unterricht zu erlauben, was leider bei den meisten Lehrern verboten ist. Oder auch Mützen und Kapuzen zuzulassen (für neurodivergente Kinder aus vielen Gründen extrem hilfreich) oder auch Jogginghosen nicht zu verteufeln (Stichwort sensorische Überstimulation). Man kann im kleinen Rahmen schon so viele Dinge bewirken, wenn man von "das machen wir schon immer so" Mal weg kommt. Damit erwischt man dann auch all die, denen die Eltern leider die Hilfe verbauen. Ja, auch ich kenne solche Kinder und es tut mir in der Seele weh. Aber man kann IMMER einen Unterschied machen. Immer. Und genau diese Lehrkräfte wünsche ich mir als Mutter. Bisher treffe ich leider überwiegend auf Leute, die sogar bestehende Diagnosen anzweifeln und mit "sie muss das jetzt mal lernen" oder "sie muss ein Vorbild für die kleineren Kinder sein" und krampfhaft ein Kind normalisieren wollen, was nachweislich Entwicklungsdefizite hat und dem Druck, der dadurch entsteht, überhaupt nicht gewachsen ist.

    Das Herz steht vor allem für den letzten Absatz.

    Beim ersten sehe ich das ein wenig anders. Ich möchte nämlich gar nicht, dass mein Kind von der Schulpflicht befreit wird. Ich bin gut vernetzt und kenne viele Geschichten anderer Kinder. Daher weiß ich, was theoretisch alles möglich ist. Ich möchte aber, dass mein autistisches, hochintelligentes Kind, was durchaus auch in seinem Rahmen das Bedürfnis nach Sozialkontakten und Teilhabe hat, diese auch ermöglicht wird und seine Kompetenzen auch nutzen kann. Nicht jedes Kind mit Autismus ist nicht beschulbar. Es braucht vielleicht nur eine andere Sicht der Lehrer*innen auf sich. Ich möchte, dass es was dazwischen gibt. Zwischen "ganz oder gar nicht". In meinen Augen hat Inklusion, die ich grundsätzlich für eine gute Idee halte, in der Realität in dieser Umsetzung dafür gesorgt, dass Betroffene Kinder entweder vollkommen krachen gehen oder keine Chance mehr auf Teilhabe haben. Das einzige "Dazwischen", sind Förderschulen, wo ich wirklich verstehen kann, dass niemand, wirklich niemand, sein Kind freiwillig dort hin bringen möchte. Das, was ich von Inklusion sehe sind überforderte Lehrer*innen, die schlecht ausgebildet sind und auch überhaupt nicht die Kapazitäten haben, die Inklusionskinder gut und passend zu begleiten und Kinder, die weniger denn je individuell sein dürfen. Der Druck auf Kinder (egal ob mit oder ohne Diagnosen) ist wahnsinnig gestiegen und den letzten Jahrzehnten. Und ich finde, man sollte auch Mal wieder das Augenmerk auf das legen, was Kinder brauchen und nicht nur auf das, was sie leisten müssen oder können müssen oder wie sie sich zu benehmen haben und wie scheiße ihre Eltern sind, dass sie ihnen das nicht beibringen.

    Es gibt da Ausnahmen. Es gibt ganz tolle Lehrkräfte. Es gibt auch gute Schulen. Leider ist das aber nicht die Regel.

    Ich habe neulich einen Podcast gehört in dem es auch darum ging, dass die Rolle der Schule (und auch Kitas) umgedacht werden muss. Weil Kinder heute deutlich mehr Zeit in der Schule verbringen. Das war eine ganz spannende Sicht auf die Sache.

    Meiner Meinung nach muss das ganze Schulsystem neu erfunden werden.

    Es gibt übrigens Studien darüber, dass Kinder heute in ihren Familien zwar weniger Zeit verbringen, dafür aber deutlich mehr Qualitätszeit als früher. Das zum Thema Eltern, die sich nicht kümmern.

    Aber das führt jetzt wirklich oft topic 🤣