Beiträge von SophiaF

    Wie fair der Wesenstest ist, darf auch gerne mal hinterfragt werden. Da müssen in vielen Bundesländern alle Hunde bestimmter Rassen durch, ohne dass sie jemals auffällig geworden sind. Besteht der Hund nicht wird er in manchen Bundesländern eingezogen. Natürlich gibt es Trainer, die die abgeprüften Szenarien entsprechend trainieren. Wenn die Rasse deines Hundes plötzlich auf einer Liste stehen würde, hättet du dann Lust, dass dein Hund eingezogen werden würde, weil er nicht freundlich reagiert, wenn er dich oder sich bedroht fühlt? Vor allem, da ja keine Kommandos gegeben werden dürfen, soll ja schließlich das "Wesen" geprüft werden.

    Ich kann nicht für alle Bundesländer sprechen, aber in den Fällen, die ich kenne, gab es nach einem nicht bestandenen Wesenstest Auflagen wie Leinen-/Maulkorbpflicht oder auch Warnhinweise am Grundstück. Eingezogen wurde da kein Hund, selbst wenn es vorher Beißvorfälle gab.

    Es geht mir auch nicht darum, dass es nicht OK ist, sich auf den Wesenstest vorzubereiten. Nur ist die Vorbereitung auf einzelne Prüfer ohne jegliche Generalisierung nicht zielführend. Wenn ich einen als gefährlich eingestuften Hund habe, sollte es doch in meinem Interesse sein, dass er sich im Alltag nicht aggressiv gegenüber Unbeteiligten verhält. Er soll nicht nur ruhig auf den Mann mit dem Motorradhelm reagieren, sondern auch auf den Postboten mit dem Cowboy-Hut oder das Kind mit der Dino-Maske.

    Letztendlich hat er dann einen Hund totgebissen, trotz bestandenem Wesenstest.

    Den Vertrauen in den Wesenstest habe ich schon lange verloren. Ich kannte mal eine Trainerin, die Hunde sehr spezifisch, an den Sachverständigen angepasst, auf den Wesenstest vorbereitet. Sie wusste dann z.B. dass der Sachverständige einen Motorradhelm aufsetzt und frontal auf den Hund zugeht, und dann wurde genau das trainiert bis der Hund positiv reagiert. Sie hatte einen riesigen Koffer mit Equipment, das sie gekauft hat, sobald sie es einmal bei einem Wesenstest gesehen hat. Die exakt gleichen Trillerpfeifen, Schirme, usw. Laut ihr gab es noch keinen von ihr trainierten Hund, der nicht zumindest die Wiederholungsprüfung bestanden hat.

    Wie sinnvoll ein Wesenstest dann noch ist, kann man sicherlich hinterfragen.

    Ich habe die Diskussion über den Begriff Bindung mehrfach in Podcasts gehört, teilweise mit dem expliziten Vorwurf, dass man mit dem Begriff "Bindung" den Hund vermenschlicht. :face_with_rolling_eyes:

    Im englischsprachigen Raum spricht man oft von "attachment-like bond" bei Hunden und ich finde, "bindungsähnliche Beziehung" klingt eigentlich im Deutschen auch ziemlich gut.

    Die Hundezucht und anderen Sportarten sind als nächstes dran. Viele Argumente wie der Paragraf 11, Richtungswechsel, Leistung erbringen "müssen" lassen sich ja 1:1 auf alles andere übertragen.

    Ja, davon gehe ich auch aus.

    Ich lese aktuell immer wieder über Personen aus dem "MR Universum", die sehr aktiv auf Social Media gegen Rassehunde, die für einen Zweck gekauft wurden, pöbeln. Frei nach dem Motto "Du kaufst einen Deutsch Drahthaar für Spürhundearbeit? Die Hunde in rumänischen Tötungsstationen können auch super schnüffeln!".

    Das Video gibt es übrigens hier: https://www.landtag.nrw.de/home/mediathek…bf-122d40c2f12b

    Ich frage mich immer mehr, welche Agenda mit dem "Adoptieren statt produzieren e.V." verfolgt wird. Die haben sich ja eigentlich Tierschutz auf die Fahne geschrieben, treten dann aber als Vertreter des Vereins als Sachverständiger für Gebrauchshundesport auf?

    Ich gehe ja absolut mit, dass man den Gebrauchshundesport auch kritisch betrachten kann und man hinterfragen sollte, was in so manchen Vereinen passiert. Aber dieses Draufgekloppe und Rumgejammer ist nur dumm. Der arme Hund muss schnelle Richtungswechsel machen... äh, ja, wo ist das Problem?

    Ich muss jetzt mal ein bisschen meine Schwester in Schutz nehmen. Sie ist etwas perfektionistisch und wollte einfach alles richtig machen. Sie hat viel gelesen über „Ruhezonen“ und „Energie managen“ etc. Wenn ich damals, als mein Hund klein war, auch so viel gelesen hätte, hätte ich bestimmt auch vieles falsch gemacht. Hinzu kommt, dass mein Django wahrscheinlich einfach ein Glücksfall war.

    Ich finde, man kann deiner Schwester da wirklich keinen Vorwurf machen.

    Wir sind auch Opfer des Boxen- und Deckentraining-Marketings geworden und haben rückblickend dadurch mehr kaputt gemacht, als es geholfen hat. Uns wurde auch von mehreren Trainern unabhängig geraten, dass wir täglich Deckentraining machen sollen, auch über mehrere Stunden hinweg. Eine Trainerin meinte sogar, ich sollte das doch einfach im Homeoffice nebenbei machen: "Dann hast du 8 Stunden gratis Training und musst nicht noch mehr Zeit investieren" (das war nicht die einzige Hundetrainerin, die ein bizarres Bild von Büroarbeit hatte, aber das ist ein anderes Thema...).

    Unseren Duracell-Pudel hat das Deckentraining nicht weiter interessiert. Wirklich Erfolg hatten wir, als wir irgendwann aufgegeben haben und ihn dann räumlich begrenzt haben. Er war in Sichtweite im Wohnzimmer eingesperrt während ich gearbeitet habe und konnte sich dort frei bewegen, wurde aber komplett ignoriert. Nach 2-3 Wochen hat man schon gemerkt, dass er deutlich besser zur Ruhe kommt und es viel natürlicher für ihn ist, sich auf seine Decke zu legen und zu schlafen. Heute ist das gar kein Problem mehr, auch nicht an fremden Orten.

    Unser Welpe hat auch alles angeknabbert, was ins Maul gepasst hat. Stuhlbeine, Tischbeine, Teppiche, Gardinen, Kissen, Körbchen, Füße... :rolling_on_the_floor_laughing:

    Den Teppich im Arbeitszimmer hatten wir liegengelassen, weil er dort eigentlich nie allein sein sollte. Es haben dann 1-2 Minuten ausgereicht, um 5 Zentimeter Saum aufzubeißen. Als ich wieder ins Zimmer kaum, hing er daran als ob es ein Zergel wäre... ich glaube, da war er gerade mal 4-5 Tage bei uns.

    Ich habe auch den Eindruck, dass es viel geholfen hat, dass wir danach wirklich ALLES konsequent weggeräumt haben und nicht toleriert haben, wenn er sich selbst irgendwas zum Kauen geholt hat. Die Besitzer von seinem Buder haben das nicht getan (ach, ist doch nur ein alter Schuh...) und der klaut auch heute noch regelmäßig Schuhe und kaut darauf herum.

    Zum Thema "ruhige Seitenstraße" noch ein paar Gedanken: mit der Perspektive sind wir auch in unser Hundeabenteuer gestartet. Nur ist es dann im Alltag ja so, dass man auch mal aus der ruhigen Straße raus muss. Ich finde man überschätzt schnell, wie lebhaft/städtisch die eigene Umgebung ist, wenn man es nicht anders kennt.

    Wenn Hunde es nicht gewohnt sind, kann schon fließender Verkehr auf einer einspurigen Straße gruselig sein. Unseren Welpen haben wir über Wochen daran gewöhnt und auch heute noch (als Erwachsener), merkt man dass ihn die Reize von viel befahrenen Straßen sehr stressen. Insofern ist es vielleicht auch die bessere Entscheidung, wenn der Hund vorher nie in der Stadt gelebt hat.

    Würde man eine Markiesje-Modehund-Vermehrerkarriere planen, würde ich aber vermuten, dass sowas wie der IK eine eher untergeordnete beim Interessenten spielt...

    Sag ich ja nicht. Es geht auch nicht um objektive Bedenken, sondern eher diffuse Ängste. Ein Vermehrer wird ja auch niemals eine Rasse zum Modehund machen. Aber gerade Züchter seltenerer Rassen mit wenig verfügbaren Welpen bedienen gerne mal ihre Rassen-Fan-Bubble und sind daran gewöhnt, dass nicht viele Fragen gestellt werden.

    Ich kenne das u.a. von einer anderen Rasse, bei der es auch lange Wartezeiten gibt. Da haben wir (rückblickend zum Glück) eine Absage bekommen, weil wir gefragt hatten, woran die Mutter der Zuchthündin mit 9 Jahren gestorben ist. Das wäre pietätlos und uns würde wohl das wirkliche Interesse an der Rasse fehlen. :see_no_evil_monkey: