Also perfekte Hunde kenne ich tatsächlich nur aus dem Internet... 
Ich würde mein Pointerli auch als recht gut erzogen bezeichnen, aber 100% Gehorsam immer und überall? Nein, das könnte ich jetzt nicht im Brustton der Überzeugung behaupten.
Sie ist jetzt 9 Jahre alt und seit 7 Jahren bei mir, da sind wir einfach ein eingespieltes Team und kennen gegenseitig unsere Macken. Ich weiß, wo ich mich auf sie verlassen kann und in welchen Situationen ich lieber ein Auge auf sie haben muss. Sie wird z. B. nie ein Hund sein, mit dem ich abgelenkt durch wildreiche Gebiete laufen kann, das würde sie recht schnell "ausnutzen" und zur lustigen Jagd aufbrechen.
Ich hab mich ne zeitlang da auch selbst ziemlich unter Druck gesetzt, wenn ich mich mit Forums-HH verglichen haben, die immer plakativ raushängen lassen, dass es dies oder jenes bei ihnen ja niemals geben würde. Dass sie Verhalten XY eben einfach unterbinden und fertig. Dem Hund einfach sagen, dass der sich jetzt nicht aufregen soll, Problem gelöst. Alles total easy, aber man respektiert natürlich auch, wenn jemand lieber einen unerzogenen Hund haben will 
Davon bin ich zum Glück weg, weil mir dieses Pochen auf unbedingten Gehorsam ehrlich gesagt den Spaß am Hund nimmt (und ihm vermutlich auch an mir). Ich erziehe meine Hunde so, dass wir stressfrei durch den Alltag kommen und nicht so, dass sie nach Definition Dritter als gut erzogen gelten. Ich überlege mir mittlerweile auch sehr genau, ob ich unbedingt an allem herum trainieren muss, wenn ich Manches auch einfach durch Management lösen kann (entsprechende Situationen vermeiden, Leine dran machen etc.).
Mein Zweithund, der jetzt seit einem knappen Jahr hier ist, ist z. B. auch noch weit entfernt von perfektem Gehorsam, trotzdem finde ich den Alltag mit ihr entspannt. Beim Thema jagen wäre ich aber vermutlich schon weiter, wenn ich konsequent jeden Ansatz "abbrechen", "korrigieren" würde (je nachdem, welcher Foren-Euphemismus für Strafe grad in ist). Wenn ich sie nicht im Freilauf flitzen lassen würde, sondern konsequent ruhiges Verhalten und einen kleinen Radius einfordern würde etc. Aber ehrlich, da lass ich lieber aktuell noch die Leine im Wald dran, als so einen Krampf zu veranstalten. Dann dauert es halt länger, vielleicht wird sie auch nie ein Hund, der überall freilaufen kann, dann ist das halt so.
Und wenn die Hunde nicht in jeder Situation wie ein Uhrwerk funktionieren, sich auch mal aufregen, sich auch mal bewusst dafür entscheiden, was zu tun, was sie nicht tun sollen... Ja mei, dann ist das halt so. Ist mir mittlerweile so dermaßen egal, was ein gut erzogener Hund so alles tun und lassen soll und "wie weit" man in welchem Alter sein sollte.