Beiträge von Phonhaus

    Aber gut - gebärende Ziegen, ein kaputter Kühlschrank, das Mustang-Makeover - interessante Auswahl des "Grauens".

    Ganz unironisch: Ja, eigentlich schon, finde ich :smile:. Die gebärenden Ziegen fand ich durchaus selbst auch recht verstörend. Der Kühlschrank hatte auch Folgen. Und diese Szene mit dem toten Kind, der Konfrontation mit eigener Hartherzigkeit, eigenen Dünkeln. Eines sehr starke Passage, wie ich fand.

    Da geht es um die Momente, in denen das „Fremde“ (oder Andere) in die eigene Vorstellung von Realität und/oder von sich selbst einbricht. Und dieses Fremde kann auf ganz banalen Füßen daherkommen, es muss einen nur mit dem konfrontieren, was sich der eigenen Einsicht, Wahrnehmung oder Vorstellung entzieht. Oder mal gepasst hat, aber durch irgendwas so ver-rückt wurde, dass es nicht mehr passt.

    Mich erinnert das Buch an die Abschlussarbeit der Dozentin, die zu meinen Studienzeiten den größten Einfluss auf meine Interessen und mein Denken hatte. Ich mag es schon alleine deswegen sehr und habe da seitens der Autorin tatsächlich weder Selbstverliebtheit noch Kalkül empfunden. Sie ist nunmal Philosophin. Und das „nicht Fassbare“ hat etwas Faszinierendes, die Beschäftigung damit eine Sogwirkung. Dass sie in dem Kontext schreibt, der sie fasziniert, das würde ich ihr nicht vorwerfen (im Gegenteil). Es fällt mir nur sehr schwer, dieses Buch als Roman zu lesen.

    .l.

    Und jetzt der Deutsche Buchpreis - da fand ich schon die letzten beiden so semi, aber "Die Holländerinnen" hat mich gar nicht erreicht. Ich fand die Struktur furchtbar gewollt und gezwungen. Der Text ist (fast) durchgehend in indirekter Rede - die Protagonistin hält eine Vorlesung, die indirekt wiedergegeben wird, und darin erzählt sie wiederum in indirekter Rede, was ihr andere erzählt haben. Ok, kann man machen, wenn man unbedingt was Besonderes machen will. Nur, die ganzen Geschichten, die auf diese Art erzählt werden, fügen sich nicht zusammen, ergeben kein Bild, haben oft nicht mal ein richtiges Ende. Klar, das ist alles Absicht und soll uns irgendwie die Sinnlosigkeit des Erzählens oder sowas nahebringen. Ich fand, man hätte es dann auch gleich lassen können. Ich habe gar nichts gegen einen anspruchsvollen Stil - aber hier fühlte es sich für mich wie Selbstzweck an. Unzugänglich machen, um exklusiv zu wirken.

    Ich hätte „Die Holländerinnen“ ja sehr interessant für die Leserunde gefunden, habe aber nicht dafür gestimmt. 1. weil ich es schon kannte und 2. weil ich zu diesem Buch einige Fragezeichen auf der Stirn stehen hatte. Mir hat das Buch tatsächlich sehr gefallen, aber habe es eher als eine intellektuelle Fingerübung denn als Roman empfunden.

    Die Autorin macht selbst ja überhaupt keinen Hehl daraus, worauf sie zurückgreift. Bereits im Verlauf der ersten 10 Seiten bekommt man in indirekter Rede über indirekte Rede Adorno, Arendt, Merleau-Ponty, „einige französische Soziologen“, Brueghel d. Ä., Coppola und Werner Herzog um die Ohren gehauen. Später kommt „fast Lacan“ dazu (den Bezug auf das Lacansche Reale grenzt sie selbst mit „fast“ ein), ein indirekter Bezug auf Slavoj Zizek einige Bezüge auf Walter Benjamin und auf einen Anthropologen, dessen Name ich schon vergessen habe. Das ist schon eine ambitionierte Ansage (im Nichtgesagtem :lol:)

    Ich fand das durchaus sehr spannend zu lesen, wie sie in Bezug auf diese Autor*innen und Künstler das angerissen hat, was sich nicht erzählen lässt, was nicht kommensurabel ist bzw. nicht aufgeht, was als Nichtgesagtes hinter dem lauert, was man als Realität definiert hat (wozu das Lacansche „Reale“ im Gegensatz steht, das „Reale“ bei Lacan ist das, was sich weder Symbolisieren noch Imaginieren lässt, im wahrsten Sinn also unsagbar und grauenvoll ist). Sie lässt berichten von dem, was durch die Lücken durchschimmert bzw. nur in den Leerstellen zu erkennen ist, die es hinterlässt. Im Außen wie im Innen. Dem man sich nur nähern, aber das man nicht ergreifen kann, weil es sich entzieht, sobald man (sprachlich) zupacken will.

    Aber zur Frage, warum es Empfänger des „Deutschen Buchpreises“ geworden ist, hat mich dieses Buch ähnlich verwirrt zurückgelassen wie vor 10 Jahren Witzels „Die Erfindung der Roten Armee Fraktion durch einen manisch-depressiven Teenager im Sommer 1969“.

    tinybutmighty Noch eine Ergänzung, ich habe über den Bezug zur wiederholten Vergewaltigung von Gisèle Pelicot nachgedacht, den Du angesprochen hast. Geografisch und kulturell deutlich näher bei uns.

    Ich habe den Prozess aus Gründen des Selbstschutzes nicht näher verfolgt und kenne die Aussagen der Täter nicht. Doch bestimmt gibts auch bei diesen Taten einen gesellschaftlichen Hintergrund, der Täter und Zeugen zu ihrem Verhalten befähigt hat. Mir kämen da drei Annahmen in den Sinn, die wohl leider immer noch vorhanden sind: 1. Dass der Körper der Frau verfügbares Fleisch und somit Ware ist, 2. Dass der Ehemann Eigentümer dieses Fleischs ist und es nutzen oder eben zu Markte tragen kann, und 3. Dass diese Transaktion, wenn sie stattfindet, Privatangelegenheit ist.

    Frankreich hat ja in der Zwischenzeit das Gebot der aktiven Zustimmung ins Strafrecht aufgenommen. Ein wichtiger Schritt, aber wiederum nur ein kleiner Teil dessen, was eigentlich nötig wäre.

    Ich muss gestehen, dass ich auch froh war, dass ich recht schnell lese und es so einigermaßen zügig hinter mich bringen konnte :hust: Definitiv kein Buch, das zum Verweilen oder gar Schwelgen einlädt. Aber gerade deshalb spannend, weil es halt lohnend ist, da hinzuschauen, wo es wehtut.

    tinybutmighty

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    Ich finde nicht, dass Du „zerdenkst.“ Das Buch will ja durchdacht und nicht genossen werden.

    In irgendeinem Interview hat die Autorin gesagt, dass Marquez‘ „Herbst des Patriarchen“ ihr die Inspiration für die Erzählweise gegeben hat. Es ist sehr, sehr lange her, dass ich dieses Buch gelesen habe, aber der Hinweis hat ein wenig beim Einsortieren geholfen. Im „Herbst“ wird die „Biografie“ des sterbenden bzw. toten Patriarchen gewoben als Flickerlteppiche aus Berichten Anderer über Episoden seines Lebens. Und über den ganzen Roman hinweg bleibt er mehr Symbol als Figur. Um die Erzählenden geht es nicht.

    Bei der „Saison der Wirbelstürme“ ist es ähnlich, aber nicht ganz so. Denn um die Hexe geht es hier ja irgendwie so ganz und gar nicht. Und das fuchst mich immer noch ziemlich. Es geht mehr um die Erzählenden als um die Hexe, aber letztlich auch nicht um sie. Es geht meiner Interpretation nach um das Bild ihrer Lebensumstände, das sie zeichnen.

    Ihre Handlungen werden mMn auf persönlicher Ebene weder erklärt noch entschuldigt, weil das nicht erforderlich ist. Sie tun das, was sie tun, weil es ihnen so von dem Leben, das sie führen müssen, vorgegeben ist. „Täter“ ist schon fast zu ein starkes Wort für sie, weil ihnen im Raum dieser Erzählung nicht wirklich eigene Agenda für ihr Handeln zugestanden wird. Sie sind Menschen, keine Monster. Monströs sind ihre (von Menschen gemachten) Umstände.

    Es erinnert mich ein wenig an das „epische Theater“ nach Brecht. Brecht wollte weitgehend weg von der antiken Erzähltradition, das Publikum per „Furcht und Schrecken“ zu erschüttern und ihm so zur Erkenntnis zu verhelfen, oder von der klassischen Tradition (die daraus „Angst und Mitleid“ gemacht hat), zur Erkenntnis zu verhelfen über Verständnis für das Handeln der Personen und Empathie. Was er zeigen und „verstanden“ wissen wollte, waren die Umstände und Zustände, unter denen seine Figuren so handeln, wie sie es tun. Er hat sich wohl seinerzeit noch erhofft, dass man die ändern könnte (und vielleicht sogar will), wenn man sie versteht. Identifikation mit seinen Figuren wäre für ihn ein Missverstehen dessen gewesen, um was es ihm geht. Und ein bequemer Ausweg.

    Und ähnlich würde ich es hier lesen. Die Figuren sind für mich jenseits von Schuldzuweisung oder Vergebung. Was nicht zu vergeben ist, ist das Leben, das sie führen (müssen). Die Schuld sitzt da, wo zugeschaut wird. Und da dieses Buch mich als Leserin konsequent in die Position des Zuschauers verweist, ist die Schuldfrage, die ich mir am Ende stelle, die nach meiner Eigenen.

    Das Scheußliche daran ist, dass es wiederum individuell tatsächlich nicht so viel gibt, was man tun könnte. Außer Hinsehen.

    Die Autorin selbst ist Journalistin, was für mich auch ein Stück weit beim Einsortieren hilft. Sie zeigt und bezeugt das Elend, macht es sichtbar. In einer Welt, deren relatives Wohlgefühl mit darauf beruht, das zu verdrängen, was aus dem Raster fällt.

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    Für mich hat sich das so angefühlt, als wären die einzelnen Figuren eigentlich nur verschiedenen Stimmen zum eigentlichen Grundthema. Es ist für mich die Chronik des Elends in diesem Dorf, die erzählt wird, nicht die des Lebens der Figuren, die die Sprache des Elends sprechen. Es ist für mich das Leid, das hyperrealistisch und kondensiert dargestellt wird, nicht die einzelne Figur.

    Gestern - 15.11. Noch wirklich schöne Steinpilze und ein Hexenröhrling. Heute kamen noch ein paar Totentrompeten dazu.

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    Heute gabs nochmal Hähnchenherzen, Kürbis und Topinambur, dazu Manouri und Porridge. Und weil Sonntag ist, gabs jeweils ein kleines Stück Apfeltarte im Napf.

    Und ein paar Spaghetti haben sie auch abgegriffen :smile:

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