So, und nachdem ich mich wieder beruhigt habe (mein Nervenkostüm ist gerade auch nicht das, was es sein sollte) nochmal den Bogen zur Eingangsfrage von Dir, Nyriah . Zu dem Teil, warum ich trainiere, wie ich es tue.
Ist eigentlich recht einfach: Ich bin faul. Ich erwarte, dass meine Hunde nichts zerstören, unsere Mitgeschöpfe nicht über Gebühr belästigen, gerne zu mir kommen, wenn ich das einfordere und insgesamt in meinen Einflussbereich bleiben und etwas lassen, wenn ich das einfordere. Und ganz wesentlich: Dass wir viel Spaß zusammen haben 
Wir wohnen im Eigentum, Alleinlage in der Pampa, haben unterwegs wenig Begegnungen mit Menschen, noch weniger mit Hunden. Unser Umfeld ist nicht hundefeindlich. Die Umgebung ist wildreich. Das ist die größte Herausforderung für die Hunde. Untertags ist das Wild allerdings größtenteils im reichlich vorhandenem Unterholz, da bekommen wir nicht so viel zu Gesicht.
Meine aktuellen Hunde mögen fremde Artgenossen nicht besonders, haben aber keinen ausgesprochenen Wunsch, die Welt von ihnen zu befreien. Sie haben keinen ausgeprägten (Momo) bis gar keinen Hang zu fremden Menschen. Jagdtrieb ist moderat (Momo) bis kaum (Lilly) vorhanden und über einen Abbruch gut regulierbar. Das „gemeinsam mit ihren Menschen Spaß haben“ ist bei Momo eingebaut. Bei Lilly war es wegen ihrer generalisierten Umweltangst und ihren Lernschwierigkeiten ein längerer Weg. Die Arbeit an ihrer Angst und der Beziehung zu uns war tatsächlich auch das Intensivste, was wir an „Trainingsarbeit“ zu leisten hatten. Die war aber so individuell, dass ich da gar keine „Methoden“, wie man es hier versteht, benennen könnte.
Hier sind die Voraussetzungen also so, dass wir mit einem Minimum an nötigem Handwerkszeug sehr viel von unseren Bedürfnissen befriedigen können. Unter der Voraussetzung, dass sie Abbruch, Rückruf und Einwirkbarkeit befolgen, können meine Hunde größtenteils tun, was sie möchten. Alles, was an Training dazu kommt, ist für mich Kür und passiert ohne Druck.
Hier gibts z. B. kein „Giftködertraining mit Anzeige.“ Es liegt kaum was Fressbares rum und die Hunde haben keinen Hang (in Lillys Fall keinen Hang mehr) zur Kotfresserei oder Aufnahme von möglicherweise gefährlichem Mist. Und sie dürfen aus Pfützen trinken.
Ich habe da also kaum Regulierungsbedarf und sehe keine Notwendigkeit für Perfektionismus. Wenn doch mal was rumliegt, verbiete ich es. Da kanns natürlich auch mal passieren, dass ich nicht schnell genug bin. Wenn das alle Jubeljahre einmal vorkommt, habe ich damit kein großes Thema, weil meine Risikoabwägung es nicht als solches einschätzt.
Da wir kaum Hundebegegnungen haben, haben meine Hunde auch keinen Stress damit. Leinenpöbelei oder Artgenossenaggression sind hier keine Themen. Wenn sie doch mal anfangen, sich an der Leine aufzuplustern, dann breche ich das verbal ab, also verbiete es. Kommt so selten vor, dass ich da keinen Bedarf für ausgefeiltes Training habe.
Leinenführigkeit brauchen wir kaum, weil wir kaum Leine brauchen. Ist daher tatsächlich auch nicht besonders, da könnten wir mehr dran arbeiten. Bei Momo ist es nur eine Frage der Konzentration. Die ist nicht ihre Stärke. Können wir prima über Belohnung regeln. Bei Lilly ist es eine Frage, ob ihr Fluchtdrang ausgelöst wird. Da arbeite ich mit Abbruch und angeleitetem Alternativverhalten. Positive Verstärkung erreicht sie in diesem Moment nicht. Lilly lernt nicht so, wie Hunde gängigerweise lernen. Aber hier im Umfeld passt das.
Hat natürlich Schwächen, das so Laissez Faire zu handhaben. In einer Situation wie aktuell mit Manns gebrochener Schulterpfanne und rutschigen Straßen wäre es schon besser, wir hätten eine tadellose Leinenführigkeit. Aber es funktioniert auch mit unserem halbherzigem „wir lassen uns nicht durch die Gegend ziehen.“ 
Alles, was so in den Bereich „Verhaltensformung“ geht, also Arbeit an Lillys Ängsten und ihren eingeschränkten Reaktionsmöglichkeit, an Momos Hang zum Überdrehen, zur Zorngickeligkeit und zu Wirrköpfigkeit und ihrer Zorngickeligkeit ist völlig individuell. Da gucken wir jeweils situativ, was wir meinen, dass sie brauchen, um besser mit ihren Emotionen umgehen zu können.