20. Lies ein Buch mit einer Jahreszeit im Titel - Tarjei Vesaas: Frühlingsnacht
Vesaas ist ein großartiger Autor, allerdings hat mir dieses Büchlein nicht so gut gefallen wie seine anderen. Macht unterm Strich aber immer noch eine großartige dichte Studie über einen Heranwachsenden, der mit den unterschiedlichen Verstrickungen von Liebe/Beziehungen konfrontiert wird.
21. Lies ein Buch mit einem wilden Tier im Titel oder auf dem Cover - Elsa Koester: Im Land der Wölfe
Definitiv ein guter Roman, der auf unterschiedlichen Ebenen zwei Geschichten von Werten und Vorstellungen im Umbruch erzählt. Die erste Geschichte handelt von der Erfahrung der Protagonistin als Wahlkampfberaterin einer grünen Bürgermeisterkandidatennin einer Stadt im Osten mit drohender AfD Mehrheit. In der Auseinandersetzung wird sie damit konfrontiert, die Menschlichkeit ihrer Gegner zu entdecken und darauf, dass auch ihr die Antworten auf einige ihrer Fragen fehlen. Bis zu einer eindrücklich geschriebenen Szene, in der es kippt.
Auf der zweiten Ebene geht es um ihre eigene Familiengeschichte, ihre Konfrontation mit ihrer Schwester, die sich kurz vor dem Geschehen als Transfrau bekannt hat und traumatischen Verletzungen aus der Vergangenheit.
Etwas mühsam ist diese zweite Ebene wegen des Stils - ich finde den auch nicht so gelungen - und insgesamt ist es mir dann auch ein zu viel an behandelten Themen in einer Person. Ein gutes Buch, das zum Nachdenken anregt
22. Lies ein Buch, das mehr als 1000 Seiten hat - Alan Moore: Jerusalem
Ja - schwierig. Einerseits wirklich großartig, bombastisch gut erzählt und geschrieben, ich konnte in den vielen Kapiteln schwelgen, fand auch die Sprachexperimente gelungen und halte den Preis angesichts der Leistung für die Übersetzung durchaus schwelgen. Amüsant, bildhaft, kraft- und saftstrotzend mit allen erdenklichen Säften und auch Ektoplasma entfaltet sich eine großartige Hin und Her Jagd durch die Zeit, in einem überschaubaren Biotop, in dem sich dennoch unendliche Vielfalt entfaltet. Ein Plädoyer gegen Armut, Klassengesellschaft. Aber:
Während die männlichen Figuren differenziert ausgearbeitet sind, sind die weiblichen Figuren allesamt doch sehr deutlich männlichen Vorstellungen von Weiblichkeit entsprungen. Es treten auf das Mannweib, die Hexe/weise Frau, die Hure, die (Kinds-)heilige und die Heilige Hure, die Mutter. Es dem Autor vermutlich nicht bewusster Machismo durchzieht das ganze Buch. Hätte ich vergnügt drüber weglesen können, ist er nicht der Einzige. Aber in einem Kapitel ist es mir bitter aufgestoßen, als sexueller Kindsmissbrauch in den Kontext von Vergebung auch für den größten Sünder, Determination und kultureller Relativierung von Altersgrenzen gestellt wurde. Das mag er bewusst als Provokation gemeint haben, unbequeme Konfrontation mit gesellschaftlichen Verurteilungs- und Vorurteilsmechanismen. Aber für mein Empfinden wäre das eine erneute Instrumentalisierung der Opfer.
Insgesamt hat der alte Anarchist und Kämpfer gegen das Unrecht von Klassengesellschaften scheinbar eins nicht wirklich begriffen, was an sich schon der alte Marx wusste (ohne es in seiner Theorie dann aufzugreifen): Die erste Form von Arbeitsteilung - und damit die Grundlage aller ausbeuterischen Klassenverhältnisse - ist die zwischen Mann und Frau. Und so lange das besteht, wird es keine ausbeutungsfreie Gesellschaft geben. Auch wenn er sich selbst explizit gegen Misogynie und Sexismus äußert bzw. ihn anderen vorwirft, so scheint er doch etwas blind für seine eigenen Flecken zu sein
Schade. Es hätte eins meiner Lieblingsbücher werden können.
23. Lies ein Buch, das nicht in einer realen Welt spielt - Erin Craig: Das 13. Kind
Nettes Märchen etwas düsterer Art, erinnert sehr ab Kingfisher und Pratchett. Gut zu lesen, aber „Böse Wünsche“ fand ich deutlich besser.
26. Lies ein Buch mit einem fremdsprachigen Titel bei einem deutschsprachigen Buch - Wallis Kinney: A Dark and secret Magic
Ziemlich schlecht, Logiklöcher, eindimensionale Charaktere.