Hier schießt Du mMn über das Ziel hinaus bzw. missverstehst völlig, was ich gemeint habe, weil Du das Wort „aversiv“ schon mit einer wertenden Bedeutung belegst, die es für mich nicht hat. Aversiv heißt nicht unbedingt Angst oder gar Furcht einflößend/auslösend sein, sondern wörtlich übersetzt „Widerwillen auslösen“.
Nein, damit schieße ich nicht über das Ziel hinaus.
Die allgemeinübliche Anwendung von "Aversion" bezieht sich ausschließlich auf umgangssprachlich menschliche Verhaltensbeschreibungen.
Verhaltensbiologisch betrachtet ist diese Interpretation aber zu "menschlich", und damit zu eindimensional.
Verhaltensbiologisch werden hier Hirnfunktionen (Stichworte: Amygdala; Schlüsselreiz/AAM=angeborener Auslösemechanismus; bedingte Aversion; bedingte Hemmung), die Verarbeitung solcher Reize über das sympathische Nervensystem und die Lernerfolge (wertfrei, im Sinne von: Wie erfolgreich und nachhaltig ist die Verankerung einer solchen Lernerfahrung im Gehirn?) betrachtet.
"Zu menschlich" ist diese Betrachtung von dir auch, weil du vermutlich außer acht lässt, dass die Frontallappen beim Menschen deutlich ausgeprägter sind als beim Hund. Diese sind für das "Denken" maßgeblich verantwortlich - dieses (Nach-)Denken KANN eine (Furcht-)Bewertung der Amygdala "überschreiben", und damit ein Flüchten (Meiden) oder Wehren (Kämpfen) verhindern, wenn über Denken der Schluss gezogen werden kann: Es besteht überhaupt keine Gefahr.
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Einfach nein. Nochmal: „Aversion“ heißt Widerwille, Abneigung, Unlust. Das ist keine allgemeinübliche Betrachtung, sondern die Übersetzung.
Und um Deine eklektisch zusammengeworfenen „Stichwörter“ so auseinander zu basteln: Die Amygdala ist grob gesagt zuständig für die Verarbeitung von Reizen, hauptsächlich Angst-/Schreckreizen. Dafür, Lernerfahrungen aus Stressreaktionen zu generalisieren und verfügbar zu machen. Das kommt aber nicht ins Spiel, wenn es keine emotionale Stressreaktion gegeben hat. Die kannst Du also getrost aus dem Spiel lassen, jedenfalls bei mir.
Als „bedingte Aversion“ bezeichnet man es, wenn ein Tier - klar, oft verursacht durch Handlingsfehler des Halters - bei der zuerst neutraler Reiz und ein schmerzhaft unangenehmer oder die eigene Unversehrtheit bedrohlender Reiz miteinander verknüpft werden und in Folge genau der der neutrale Reiz das Abwehr- oder Meideverhalten prinzipiell Aversion und damit bedingtes Meideverhalten auslöst. Ja, das kann passieren, wenn man es schlecht macht. Und genau deshalb ziehe ich es vor, da sauber zu trennen und fein zu schauen, in welchem Bereich ich gerade agiere. Damit ich dosieren kann und eben nicht in einer aufgeladenen Situation zu heftig und emotional reagiere, weil die Grundlage für eine neutrale Reaktion und die Sicherheit fehlt.
Der Schlüsselreiz/AAM, den Du hier ins Spiel bringst, wäre das in Deinem gedanklichen Szenario - das nichts mit meiner Realität zu tun hat - die Bedrohung der eigenen Sicherheit/Unversehrtheit/Schmerzfreiheit? Wo in meiner Beschreibung hast Du gelesen, dass eine meiner Hündinnen sich einem solchen Reiz ausgesetzt gefühlt haben könnte? Und wie denkst Du, könnte das dazu geführt haben, dass hier gerade eine trotz abendlichen Böllerns sehr entspannte Hündin liegt, der bei Ankunft hier nicht mal in der Lage war, angstfrei zu atmen?
Und da ich meine Hunde nicht in Angst versetze, muss hier auch kein Frontallappen die Bewertung der Amygdala überschreiben.
Ich denke, der Unterschied hier ist, dass Du das Wort „Strafe“ für etwas nutzt, was Angst/Terror auslöst. Ich nicht. So möchte ich 1. selbst emotional nicht strafen und 2. wäre das bei den Hunden hier auch völlig kontraproduktiv, also schlicht dämlich.