Beiträge von Billieshep

    Zeit, Geduld, Ruhe und Konsequenzen zu Investieren.

    Ja und nein. Ich spreche jetzt mal aus dem Fall "Schäferhund" heraus:

    Ja, auch ein Schäferhund lernt bei uns seine Emotionen selbständig zu regulieren und das sollte jeder Hund (und Mensch) auch können. Nichts hetzen, nicht grundlos rumbellen, nicht ziellos stellen und manisch Kreise drehen auch nicht. Nichtsdestotrotz braucht solch ein Hund Möglichkeiten seine "Anlagen" in irgendeiner Form auszuleben bzw. im Einklang damit zu Leben.

    Es gibt ja Menschen zum Beispiel, die unter keinen Umständen einen Hund haben wollen, der irgendwen stellt - wenn du so ein Mensch bist, dann wird es für dich mit so manch einer Rasse schwierig. Da kannst du noch so konsequent und geduldig sein. Ich möchte das mit unseren menschlichen Liebesbeziehungen vergleichen:

    Es gibt immer Gründe, warum zwei sich trennen. Langwierige, gesunde Beziehung bauen nicht drauf auf, dass einer den Anderen so sehr verbiegt, dass dieser nichteinmal mehr den Raum für seine angeborenen Aspekte des Selbst hat. Ich verstehe nicht, warum es bei Hunden okay ist solch eine Mentalität an den Tag zu legen, sie sind keine Spielzeuge, denen man nach Belieben neue imaginäre Charakterzüge und Eigenschaften zuschreiben kann. Deine Annahme, so sehr sie auch in positiv konnotierten Worten formuliert wurde, ist in höchstem Maße respektlos gegenüber dem Leben.

    Zurück zu mir und meinen Schäferhunden:

    Ich habe mir einen Deutschen Schäferhund ausgesucht, weil ich mir mit der Rassewahl bestimmte Eigenschaften erhoffe. Ein Rassehund ist eine Ansammlung erhöhter Wahrscheinlichkeiten auf ganz bestimmte Eigenschaften zu treffen, wie so oft im Leben, gibt es auch diejenen, die ihrer "Bestimmung" so gar nicht entsprechen (habe das Mal mit einem Mali erleben dürfen). Darauf zu hoffen, der eigene Rassehund entwickelt keine seiner vom Menschen gewollten Eigenschaften ist vergebene Liebesmüh. Ich habe aktuell einen 6 Monate alten DSH bei mir. Für die Arbeit, die sie später machen soll (kein Dienst, kein Hundesport) braucht sie gewisse Eigenschaften. Sie muss direkt sein, nicht viel um den heißen Brei herum reden und möglichst von sich selbst überzeugt. Genetisch fixierte Anlagen, die da rein spielen sind:

    Kurze Reaktionszeit, aggressiv* statt vermeindend, hohe Belastbarkeit, Tendenz zur Unsicherheit**

    Das bedeutet, dass ich diese Anlagen haben möchte. Denn auf Grundlage dieses Sets, kann ich den Hund im Laufe seines Lebens dabei begleiten selbstbewusst mit diesen Eigenschaften umzugehen. Würde ich jetzt versuchen, diese Charaktereigenschaften mit viel Ruhe, Geduld und Konsequenz, zu umgehen, dann verneine ich ja das, was den Hund ausmacht. Das macht den Hund auf lange Sicht krank, psychisch, und du wirst Zeit seines Lebens damit vergeuden den Hund übermäßig zu kontrollieren, ständig Signale(Kommandos) für jeden Pups zu geben und das ganze Wesen des Hundes durch künstliche Konditionierung verhunzen. Ich gebe dir Recht, wenn du sagst, dass man prinzipiell jede Rasse erziehen kann. Die Grundlegenden Dinge, die ich meiner Hündin hier beibringe, würde ich ausnahmslos jedem Hund hier beibringen, gleichzeitig bin ich in der Lage dies auch bei der Mehrheit der Hunde zu tun (das ist mein Job). Es ist aber ein großer Unterschied, ob ich mit dem Hund nur einige Stunden interagiere, oder ob ich den 10+ Jahre am Arsch kleben habe. Ich suche mir den Hund in erster Linie nach MEINEN Charaktereigenschaften aus, und auch nicht nach denen, die ich gerne für mich hätte, sondern die, die ich tatsächlich habe, auch die Unangenehmen.

    Ja, als Ersthundehalter hat man absolut kein Bild davon, das kann ich verstehen. Ich kann jedem nur empfehlen den allerersten Hund aus der Intuition heraus zu wählen. (Wenn's ne Qualzucht ist dann... Hol dir keinen Hund). Egal welchen Hund man wählt, es wird sau anstrengend, das hat weniger mit der Rasse zu tun, mehr mit einem Selbst und der grundlegenden Natur des Hundes. Und bedenke immer:

    Nur, weil andere einen Hund haben, heißt das nicht, dass auch du einen Hund brauchst. Heute haben zu viele Menschen einen Hund, nur, weil es "dazu gehört"; zur Karriere, Eigenheim/teure Wohnung in der Stadt und gut geführtem Social Media Auftritt. Aber selbst für so eine Art Mensch gibt es Hundepersönlichkeiten, die angenehm für diesen Lebensstil sind. Begleithunde. Oder auch: unglaublich arrogante, unselbständige, verwöhnte Muttersöhnchen/töchterchen, die immer so süß gucken, dass man gar nicht anders kann als sie zu verziehen |) *hustgebtmirkeinenspitz

    Nein, nicht jede Rasse wäre für mich geeignet, nur, weil ich gut mit Hunden kann. Ich hätte z.B. mit einem Terrier jeglicher Form mit hoher Wahrscheinlichkeit tagtäglich Konflikte. Warum soll ich mit jemandem zusammen leben, den ich nicht leiden kann?

    *aggressiv: nach vorne gehend, auf einen zukommend: nicht im Sinne dessen, was der Volksmund unter "Aggression" versteht.

    **Tendenz zur Unsicherheit: typische Hütehundeigenschaft, die den Kontakt zum Hundeführer (trad. Schäfer) genetisch ermöglicht/vereinfacht. "Hund fragt nach". Im Border Collie besonders klar zu beobachten.

    Ich finde diese Debatte über "auf seine Kosten kommen" irgendwie schwachsinnig. Als wäre der Hund unglücklich, nur, weil er nicht das Leben führt, was irgendwer sich aufgrund irgendwelcher Informationen von sonstwoher für Hunde vorstellt. Man kann doch nur von sich aus sprechen, ob man selbst damit überfordert ist/wäre oder nicht.

    Am Ende steht und fällt die Mehr-/Vielhundehaltung doch mit den mentalen Kapazitäten des Hundehalters. Ich könnte es nicht, ich mag so ein Gewusel einfach nicht und würde mich freiwillig nie damit belasten. Andere finden es toll und können dann erst so richtig "denken". Ich glaube auch, dass Personen, die sowas aus ganzem Herzen machen und damit total fein sind, einen an der Waffel haben - nicht im Negativen gemeint. Ich habe das Gefühl, dass viele immer nur von einer Art Mensch ausgehen, als wären wir alle gleich.

    Sowas meinte ich. Ich hab im weiteren Umfeld auch jemanden, der den Hund nach dem Füttern auf den Arm nimmt, damit er sein "Bäuerchen" machen kann, der die Hände vor die Augen nimmt und entzückt ruft: Wo ist denn mein Schnucki-wucki-wutzi-butzi, die Hände wegnimmt und erfreut ruft: Daaaaaaaaa ist mein Schnucki-wucki-wutzi-butzi, der auch mit am Tisch sitzt, für den der Speiseplan geändert wird, weil er ja Spaghetti lieber mag als Gemüserisotto, dem abends vorgelesen wird und der "seinen Schnuller" (immerhin ein Hundespielzeig) bekommt.

    Uff, Junge |)...

    Ich habe eine meiner Katzen, wir hatten eigentlich drei, an ein Familienmitglied abgegeben, weil sie hier zu kurz kommt. Dieses Familienmitglied spricht mit allen Katzen in einer unglaublich nervtötenden Utzi-Wutzi-Sprache. Ivy, die Katze, fühlt sich dort aber pudelwohl und kommt richtig aus sich raus. Vielleicht wären für solche Menschen Katzen einfach besser geeignet, denn meine anderen beiden stehen auch total auf diese Art des Umgangs.

    Für richtige Katzenmenschen bin ich "unnormal", wie ich mit Diego und Eliza umgehe. Mir wird andauernd unterstellt ich würde sie nicht lieben:lol:.

    Ich glaube viele verwechseln diese Schubladen mit Mobbing.

    Das wäre nicht meine Sorge.
    Ich selber versuche jedoch Schublandendenken zu vermeiden, weil ich mich irren kann, den anderen folglich falsch einordne und etwas wieder raus aus der Schublade zu holen, bzw ein einmal aufgeklebtes Label wieder abzukratzen ist immer schwerer, als jemandem einfach völlig offen entgegenzutreten.

    Kann man Leuten wirklich "völlig offen" entgegen? Ich bezweifle das. Wie gesagt. Vorurteile müssen nicht negativ sein und führen bei mir nicht dazu, dass ich andere diskriminiere oder schlecht behandle, wenn du das damit ansprechen möchtest. Ich habe mit ihnen nur die Möglichkeit früher zu erkennen ob ich mich wirklich mit einer Person auseinander setzen möchte oder nicht.

    Und ganz ehrlich finde ich es auch relativ albern, Menschen allein aufgrund dessen, wie sie sich selbst ihrem Hund gegenüber bezeichnen, in eine Schublade zu stecken.

    Ich teile Menschen gerne in Schubladen ein. Für mich selbst. Das macht das Leben wesentlich einfacher. Genauso werde ich von anderen in Schubladen gesteckt. Mich nervt eher dieses ewige Gerede davon, dass man Menschen nicht in Schubladen stecken soll. Ich stecke sogar Hunde und Katzen in Schubladen. Ich finde, wenn man die Dinge mal genau betrachtet, kann man schon Gemeinsamkeiten verschiedenster Individuen unter bestimmten Umständen finden. So kann man sich doch am besten auf das Gegenüber einstellen, oder sich sogar abgrenzen.

    Ich glaube viele verwechseln diese Schubladen mit Mobbing. Oder glauben, dass man diese niemals verlässt. Oder man interessiert sich zu viel für das, was andere von einem denken könnten.

    Vielen lieben Dank für deine ausführliche Antwort! Ich habe zu Ares ebenfalls eine nicht ganz "normale" Bindung gehabt, nur in einer anderen Form, von daher habe ich beim Lesen etwas Pipi in den Augen gehabt. Ich bewundere deine Offenheit und teile deinen Schmerz über den Verlust. :streichel: