Hund aus Tötungsstation wird aggressiv auf freier Fläche

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  • ich habe vor ein paar Monaten einen mittelgroßen Mischling (ca. 3 Jahre) direkt aus einer spanischen Tötungsstation aufgenommen, wo er länger als sein halbes Leben war. Diese wurde wegen ihrer grauenhaften Tierhaltung von der Stadt geschlossen.

    Alle 3 Tage bekamen die über 1000 Tiere Hühnerabfälle oder bereits vestorbene Artgenossen zu fressen. Die Angestellten kamen nur zum Einsammeln der übrig gebliebenen Hundeköpfe etc.. Die meisten Tiere starben durch Beißereien und Krankheiten. Teile der Station konnten auf Grund der Gefährlichkeit von manchen Tieren nicht betreten werden.

    Mein Hund ist sehr lieb, aber manchmal dreht er draußen völlig durch.
    Er entfernt sich nie vom Wegesrand weiter als 2 Meter. Sobald ich mit ihm auf eine Wiese oder freie Fläche gehen will (oder auch wenn er Männer mit Schaufeln sieht), weiten sich seine Augen stark, er knurrt, springt herum, stranguliert sich dabei oft selber, beißt in die Leine, beißt sehr um sich, zerrt zurück zum Weg und will flüchten.

    Ich weiß nichts über seine Vorgeschichte. Was kann ich tun??? Er reagiert dabei nicht mehr auf Kommandos oder Leckerchen und ist nicht mehr wieder zu erkennen. :???:

  • Das hängt ziemlich offensichtlich mit seiner schlechten Vergangeheit zusammen! Schau Dich mal nach einem guten Trainer um der zu euch nach Hause kommt und Dir und Deiner Fellnase hilft.
    So tiefsitzende Probleme (und ich finde das ist eins) lösen sich nicht von alleine auf und meist kriegt man das auch ohne professionelle Hilfe nicht in den Griff.

  • Wie Tamara schon geschrieben hat ist es für euch sicher sinnvoll, euch eine mit solchen Fällen erfahrene Person als Hilfe zu holen.

    Wenn du die Möglichkeit hast, dann gehe vorerst mal in einsamen Gegenden spazieren. Und wenn dein Hund so auußer sich ist und an der Leine zerrt etc. dann versuch nicht mit ihm zu kämpfen, sondern lass die Leine so locker wie möglich und gib ihm nach. Denn wenn dein Hund einen solchen Panikanfall hat, dann wird es durch den Zug an der Leine nur noch schlimmer.

    Solche Probleme lösen sich leider nicht innerhalb von ein paar Monaten, weil es einfach tiefsitzende seelische Verletzungen sind, die dein Hund in den Jahren in der Tötungsanstalt erfahren hat.

    Mit der Wiese oder anderen freien Flächen könntest du versuchen, ihn ganz langsam daran zu gewöhnen. Auch jeden noch so kleinen Schritt, den er auf die Wiese macht loben und belohnen. Auch innerhalb seiner Grenze, in der vom Weg abkommt.

    Wie ist er denn mit anderen Hunden? Vielleicht würde es ihm helfen, mit einem anderen Hund zusammen zu laufen.

    Gib ihm Zeit. Das ist sicher nicht einfach und es erfordert sehr viel Geduld. Aber was sind ein paar Monate in einem neuen, guten Zuhause, wenn man jahrelang unter schlimmsten Bedingungen gelebt hat, um sein Leben fürchten und kampfen musste. Versuche die Fortschritte zu sehen und überlege, wie du sie erreicht hast. Auch das kann dir auf deinem, bzw. eurem Weg helfen.


    Edit:
    Wie verhälst du dich denn in solchen kritischen Situationen? Wie gehst du mit ihm um?

  • Danke, Tamara Ich glaube auch das es ein tiefsitzendes Problem ist. Ich traue mich leider schon gar nicht mehr mit ihm außerhalb der Stadt Gassi zu gehen, denn in der Innenstadt oder an Straßen passiert so etwas nicht. Dort fühlt er sich wohl. Letztes Mal hat er nämlich schon meine Bekannte stark in den Jackenärmel gebissen, obwohl sie nur da stand. Ich habe die Befürchtung, dass er denkt, dass ich ihn auf der Wiese erhängen möchte.
    Denn im Alltag weicht er mir sonst nicht von der Seite.

  • Hallo Lillina,

    er hat wahrscheinlich ein sehr traumatisches Erlebnis auf einer freien Fläche gehabt, wenn er so panisch reagiert.
    Wie Tamee schon sagte, evtl. kommst du nicht ohne einen guten Trainer aus.

    Gegenkonditionierung ist wohl das einzige, was diese Angst lindern (wenn auch wahrscheinlich nie ganz löschen) kann.
    Leg was ganz tolles in den Bereich, den er noch problemlos betritt, steigere den Abstand zum Weg immer um einige Zentimeter, breche sofort ab, wenn er erste Anzeichen von Angst zeigt.
    Gehe selbst fröhlich und entspannt auf die Freifläche, während jemand auf dem Weg deinen Hund hält. Nur wenn er keine Angst zeigt.

    Die Hündin eines Freundes (von einem Tierheim in Griechenland) hatte anfangs schreckliche Angst vor Menschen mit Gehstöcken. Meine Idee, ihr einen langen Ochsenziemer zu geben, brachte Erfolg. Nachdem sie kapiert hatte, dass das Ding nicht nur harmlos, sondern auch noch lecker ist, übten wir "Ochsenziemer = Gehstock", sie wunderte sich, doch ihre Furcht verschwand zunehmend.
    Heute zuckt sie höchstens noch kurz zusammen, wenn bestockte Männer auf sie zukommen.

  • Nicht böse sein, aber mir drängt sich die Frage auf, warum du diesen Hund immer noch am Halsband führts (du schreibst, er stranguliert sich in seiner Panik regelrecht)? Sei so gut, führ diesen Hund an einem gut sitzenden Brustgeschirr (Infos dazu in der Knowledge Base).

    Seine Vorgeschichte allein schon in der Tötungsstation reicht für ein tiefes Trauma aus. Dass er solche Ängste hat und entsprechend reagiert, wundert nicht.

    Such dir bitte ganz dringend einen guten Trainer. Wenn du Adressen benötigst, melde dich bitte nochmal.

    LG
    cazcarra

  • Du hast es ja schon ziemlich genau geschrieben wie es in der Tötungsstadion zugeht.
    Und wenn Dein Hund ein halbes Jahr da drin war,ist sein Verhalten wirklich kein Wunder.
    Wenn man sich das mal genauer Vorstellt was so eine Hundeseele mitgemacht hat,die Ängste die er Ausgestanden hat...kann garnicht weiter darüber schreiben :oops2: :verzweifelt:

    Meine zwei sind auch aus einer Tötungsstadion aus Spanien,ich habe sie fast 3j.bei mir,mit vielen Situationen kommen sie heute noch nicht zurecht.
    Sie bekommen alle Liebe und Zuneigungen die sie von alleine zulassen und alles was ihnen Stress macht halte ich wenn möglich von ihnen fern.

    Alles wird mit der Zeit besser,es dauert nur viel länger als bei anderen Hunden :sad2:

  • Echt schlimm was manche Hunde in ihrem Leben mitmachen. Bei so einem Trauma was er augenscheinlich hat, kann ich Dir auch nur raten dringend eine Profi zu suchen der Dir bei deinem Problem zur Seite steht. Vielleicht wird dein Hund irgendwann mit viel Liebe von Dir ruhiger aber ich denke die seelischen Schäden werden ihn ein Leben lang begleiten.
    Tiere haben doch ein weitaus besseres Gedächtnis als wir Menschen uns das überhaupt vorstellen können.
    Ich wünsch Dir auf jeden Fall viel Glück.

  • Hallo Lilliana,

    ich kann mich den vorigen Antworten nur Anschließen.
    Von mir :ua_respect: dich für einen solchen Hund zu entscheiden.
    Würde mir wünschen da auch etwas mehr Mut zu haben. Aber mit Kind finde ich das noch keine gute Idee.
    Alle Achtung.

    Viel, viel Glück und Erfolg wünschen

    Kerstin und Joy

  • Danke für die Tipps.
    Auch wenn ihm bekannte Hunde aufs Feld laufen (er liebt alle Hunde), geht er außen herum. Er sonst ein sehr ruhiger Hund.

    In Panik, die er auch bekommt, wenn er von selbst mal ein paar Meter aufs Feld läuft, ignoriere ich ihn oft und versuche mit ihm langsam zurück zum Weg zu gehen, was schwer ist. Ohne eine Ablenkung durch Futter würde er auch dort sich nicht beruhigen. Loslassen kann ich seine Leine mit Brustgeschirr nicht, denn er würde vor das nächste Auto laufen, da er Straßen liebt.

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