Angstaggressiver Leinenpöbler - Eure Einschätzung?

  • Hallo,

    wäre nett, wenn ein paar von Euch schreiben würden, was sie davon halten.

    Ich hatte schon in einem anderen Thread geschrieben, dass Ally einen neuen Kumpel hat - einen Schäferhund. Hier nochmal kurz seine Geschichte: Besitzer haben ihn mit 11 Wochen bekommen, jedoch das ganze erste Jahr über nicht mit ihm draußen gewesen und nicht erzogen. Dann wurde er mit einem Jahr in ein "Hunde-Internat" abgegeben, wo er in 6 Wochen zum perfekt erzogenen Hund wurde - angeblich ganz gewaltfrei. Seine Besitzer haben das "schon immer so gemacht", weil sie das "selbst nicht können und es zu lange dauert". Nunja...

    Dieser Hund ist ein absolutes soziales Wrack - er hat panische Angst vor großen Rüden, er ist extrem leinenaggressiv und ein Angstbeißer.
    Mit Ally versteht er sich super, und wenn beide ohne Leine sind, spielen sie perfekt miteinander. Sobald die Leine wieder dran ist, knurrt er sie an und schnappt.

    Heute war er mit Herrchen bei uns zu besuch und ist die Treppe hochgelaufen. Hatte aber Panik wieder runter zu gehen. Er hatte wirklich Angst, und als Ally ihm zu nahe kam, hat er sie richtig böse angepöbelt, ich musste sie wegsperren, weil er immer wieder auf sie los ist. Es war nichts schlimmes - aber der dreht jedes Mal so durch, wenn er Stress hat.

    Und er hat scheinbar immer extremen Stress, wenn er an der Leine andere Hunde sieht, oder wenn er Angst hat und ein anderer Hund kommt ihm zu nahe. Das ist unglaublich, aber dieser Hund ist so schnell mit einer Situation überfordert, dass er dann gleich durchdreht und auf andere Hunde losgeht - er hat es scheinbar nie gelernt, sich zurückzuziehen, er kennt nur die Flucht nach vorn.
    Dabei beißt er aber nie - er schnappt nur in die Luft und knurrt. Es ist also ziemlich eindeutig Angstaggression.

    Sein Herrchen, der täglich mit ihm rausgeht (nicht der Besitzer) schätzt den Hund aber absolut falsch ein und verhält sich falsch - z.B. wenn er gerade anfängt sinnlos rumzuknurren, packt er ihn am Halsband oder droht ihm, wodurch er den Stress noch mehr verstärkt. Oder er streichelt ihn, wodurch er ihn natürlich bestätigt.

    Nunja, der Hund ist aber ein lieber und erst 1,5 Jahre alt - trotz katastrophaler Sozialisierung glaube ich, dass man dran arbeiten kann. Denn ohne Leine verhält er sich zumindest Ally gegenüber absolut sozial und freundlich.

    Trainer lehnen die Leute ja komplett ab (der Hund hört ja!), und Ally ist der einzige Hundekontakt, den dieser Hund hat. Nun würde ich gerne ein paar Tipps haben, wie ich diese Stressituationen am besten entschärfen kann - ich weiß auf jeden Fall, dass auf engem Raum es gar keinen Hundekontakt mehr gibt. Und ich habe dem Herrchen gesagt, er soll den Hund an der Leine ablenken, wenn ein anderer kommt. Funktioniert auch super.
    Fällt euch noch was ein? Irgendwie tut er mir so leid, und ich will ihm unbedingt helfen... Warum macht er auch Ally an der Leine an, obwohl er vor 5 Sekunden noch mit ihr gespielt hat? Ist er duch die fehlende Sozialisierung jetzt endgültig "vekorkst" oder kann man vielleicht was tun?..

  • Hallo,

    ich glaub nicht mal, dass es unbedingt die Leine ist, sondern vielmehr nach meiner Erfahrung das "Anhängsel" an der Leine. Versuch mal den Hund anzubinden und dann mit Deinem Hund ranzugehen, dann weiss Du, ob es die Leine ist oder dass der Halter dabei ist und z.B. verkrampft die Leine hält oder das Halsband hochzieht und den griff verstärkt usw....

    Wenn es der Halter ist, sollte er an sich arbeiten, also bewusst locker lassen bzw locker bleiben (ggf. singend und pfeifend üben). Unterstützende könntet Ihr versuchen, Halsband und Geschirr oder andersrum zu tauschen, um das Signal zum "jetzt gehts los" zu durchbrechen. Andere Alternative würde ich darin sehen, mal mit der Leine spielen zu lassen, also Leine schleifen zu lassen.

    Daneben gibt es einen Thread von Staffi zu Leinenagression, da sind auch gute Tipps drin.

    Das ersetzt natürlich keinen guten Trainer!!! Wenn das aber von den besitzern abgelehnt wird :motz: , was soll man tun? Ich könnte mir noch vorstellen, nachdem es den Besitzern wohl nichts auf Geld ankommen (siehe Internat), dass Dein Bekannter mal mit Ihnen spricht und sagt, dass es schade um den Hund ist, bei dem Potential nicht mehr zu machen, und vorschlagen in einen Hundesportverein zu gehen. Dann fühlen sich die Halter nicht auf den Schlips getreten, wenn sie überzeugt sind, ihn Hund würde horchen und im Verein in einer Basisgruppe kann man sicher mit dem Hund dran arbeiten.

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