Angst und noch mehr Angst

  • Hallo zusammen,

    ich wende mich an euch, weil ich ein Problem habe. Mein Mann und ich haben uns vor fast vier Wochen Fanny ins Haus geholt. (Unser erster Hund)

    Die Maus kommt ursprünglich aus Italien und ist dort vermittelt wurden, wurde aber an einer Kette im Hof gefunden, als man die Leute dort besucht hat. Dann kam sie in eine Pflegefamilie in Deutschland wo sie bei einer alleinerziehenden Mutter und drei anderen Hunden und ihrem Bruder gelebt hat.

    Nun soll sie den Rest ihres hoffentlich langen Lebens bei uns verbringen. Die Maus ist jetzt 19 Wochen alt und ein Pinschermix. Nun zu unseren kleinen und grossen Sorgen und Fragen.

    Zum ersten hat sie die erste Zeit in meinem Bett geschlafen. Sie ist sehr kuschelbedürftig und sucht so oft es geht Körperkontakt (nur bei mir und meinem Mann). Nun wollen wir ihr das abgewöhnen, Sie hat einen Korb neben dem Bett, den hat sie auch gern nur wenn wir im Bett sind will sie zu uns und fängt an zu Jaulen...Sollen wir sie ins Bett lassen oder das durchziehen bis sie sich daran gewöhnt...ist es überhaupt gut sie an den Korb zu gewöhnen? Ich mein sie stört mich nicht wenn sie bei mir schläft (sie liegt an meinem Bauch) aber ich habe gelesen, dass wir ja die Rudelführer sind und bestimmte Plätze für uns behalten sollten als Zeichen unserer Dominanz...Tja und jetzt weiss ich nicht was machen...Bett oder versuchen das Jaulen zu ertragen und sie im Korb lassen.

    Das ist mal das kleine Problemchen...jetzt zu den grossen. Wir haben festgestellt, dass sie grosse Angst hat. Schlimm sind fahrende Autos, Lärm, Fussgänger oder Jogger, Kinder und Radfahrer zudem lässt sie sich von niemanden ausser von mir und meinem Mann aufassen (Seltsam ist das wir gar keine Mühe hatten, sie ist sofort zu uns gekommen und wollte gestreichelt werden.). Hunde gehen inzwischen solange sie nicht bellen. Wir gehen jeden Samstag mit ihr in die Hundeschule. Sie kann Sitz und geht super bei Fuss...tja und sobald sie merkt das es raus geht fängt sie doll an zu Zittern und klemmt den Schwanz ein, am Anfang versucht sie immer wieder umzudrehen. Wenn sie etwas sieht was ihr Angst macht (so ziemlich alles was nicht in unserer Wohnung ist) bleibt sie stehen und setzt sich...Kommt es näher versucht sie zu flüchten und reist an der Leine und versucht nur wegzukommen total unkoordiniert. Ist sie frei und ihr kommt was entgegen so reisst sie aus weil sie sich auch auf einer 2m breiten Strasse nicht vorbei traut. An der Leine geht es einigermassen, wobei sie immer ausweicht und Zittert. Sie bellt nicht, hat aber Leute die in mein Büro kommen schon angeknurrt. Bin ich draussen lässt sie sich gar nicht beeinflussen, weder von Spielzeug noch Leckerli oder gar von uns...Sie Kommt nicht wenn man sie ruft und reagiert auf nichts mehr. Ich ignoriere jetzt ihr Verhalten und ziehe sie hinter mir her wenn sie sich steif macht oder flüchten will. So hat man es uns in der Hundeschule geraten. Geht sie bei Fuss lob ich sie ganz viel. Sie hat aber die ganze Zeit Angst und die Rute eingeklemmt und Zittert...da denk ich manchmal ich unterstütze mit dem Lob doch ihre Angst oder?
    Menschen mag sie nicht...sie knurrt nicht, schnappt auch nicht, reisst einfach aus wenn man ihr zu nahe kommt, sie kommt dann zu mir. Wenn ich sie auf dem Arm hab lässt sie sich streicheln, aber auch da zittert sie und man merkt, dass es ihr nicht recht ist. Bekommen wir Besuch verkriecht sie sich hinter meinem Rücken oder sitzt ganz nah bei mir...und zittert, auch da nimmt sie keine Leckerchen oder Spielzeug an...

    Wir fragen uns nun, was können wir tun das es ihr besser geht, wie können wir die Angst mildern? Einen richtigen Rat konnte uns noch keiner geben. Sie leidet doch sehr denk ich und das tut mir im Herz weh. Sind wir auf dem richtigen Weg und brauchen einfach Geduld? Gibt es vielleicht Tricks die es leichter machen für sie. Ich habe gemerkt, das wenn ich sie trage es nicht so schlimm ist...aber das ist sicher nicht die Lösung, oder?

    Ich danke euch von Herzen für eure Hilfe und bin dankbar für jede eure Antwort.

    Liebe Grüsse

    Melanie und Fanny

  • Liebe Melanie und Fanny,

    kan im Moment nicht ausfürhlich schreiben, aber melde mich die Tage nochmal.

    Zu dem im Bett schlafen: Man hört und liest Unterschiedliches: Die Hardline-Verfechter der Hausstandsregeln würden Hunde erhöhte Liegeplätze in jedem Fall verbieten. In einem Artikel von Thomas Baumann und bei Bloch habe ich wiederum gelesen, dass Hunde durchaus auch im bett schlafen dürfen, wenn ansonsten in der Beziehung die Rangordnung geklärt ist. Umgekehrt gilt das auch: Wenn ich insgesamt für den Hund kein zuverlässiges Leittier darstelle, dann hilft es auch nichts, wenn ich ihm erhöhte Liegeplätze verbiete. Will sagen: Es kommt grundsätzlich auf die Beziehung an.

    Das verknüpft ich auch mit dem Thema Angst (Sally ist auch so ein Fall, sie hat sich aber schon gut gebessert! :D ). Man soll den Hund nicht betüddeln und trösten- das erhöht die Angst - , sondern Ruhe ausstrahlen, dem Hund durchaus auch schutz gewähren (falls er sich hinter einem versteckt), aber nicht bedauernd auf ihn einreden und streicheln. ruhig ausstrahlen, dass alles in Ordnung ist, und dass man als "Mama" die Lage im Griff hat.

    Ängstliche Hunde brauchen, nachdem was ich so gelernt habe, vor allem eine klare Linie. Sie müssen die Erfahrung machen, dass Frauchen/Herrchen absolit zuverlässig, transparent und vertrauenswürdig sind. "Nein" heißt "Nein", "Sitz" heißt "Sitz" usw. Ich würde das mal als liebevolle und geduldige Konsequenz bzw. Beharrlichkeit bezeichnen. Es geht nicht darum, dem hund mit Gewalt Komandos beizubiegen, aber es geht darum, zu seinem Wort zu stehen und dem Hund so Orientierung zu geben, wenn man schon mal Kommandos/Signale gibt. Fürs Bett gilt demnach: Erlauben oder nicht, aber klare Linie, nicht mal so, mal so -dann weiß die Kleine einfach nicht, woran sie ist - und das verunsichert. Wichtig ist vielleicht auch, dass der hund ansonsten keine "strategisch wichtigen" Liegeplätze einnimmt, etwa nahe an der Wohnungstür. Dann fühlen sie sich nämlich schnell dafür verantwortlich, "feinde" abzuwehren - womit ein ängslticher Hund dann wohl eher überfordert wäre ... Sally zum Beispiel ist immer auf eine breite Fensterbank gehüpft und hat den Hauseingang beobachtet. Damit hat sie sich aber auch für die Sicherheit verantwortlich gefühlt und geknurrt und gebellt, wenn jemand vorbeiging. Nachdem ich ihr diesen Platz genommen und ihr ein schönes geschütztes Plätzchen im Wohnzimmer neben der Couch (ohne Blick auf die Wohnungs- oder sonstige Tür) eingerichtet habe, hat sie angefangen sich in der Wohnung zu entspannen und mit die Verantwortung für die Sicherheit zu überlassen.

    Alles in allem muss ich sagen, dass uns der Besuch einer guten Hundeschule wirklich prima geholfen hat. Wir haben dabei auch richtiges Angsttraining - gut dosiert - gemacht. Wahrscheinlich bleibt immer etwas Angst oder Menschenscheue übrig, aber es wird besser und Sally (und ich) haben bisher schon viel an Lebensqualität gewonnen.

    Ein ganz brauchbares Buch zum Thema ist übrigens Nicole Wilde: Der ängstliche Hund (Kynos).

    Hoffe, das ist jetzt nicht alles zu wirr. Wollte nur schnell schreiben, da ich selbst sehr unter Sallys Ängsten gelitten habe und weiß wie es sich anfühlt, einen ängsltichen Hund zu haben ...

    Wünsche euch viel Glück und holt euch gute, professionelle Hilfe, das Thema ist recht komplex ... Vielleicht mögt Ihr ja weiter berichten?
    LG,
    Kerstin und Sally

  • Huhu,

    unsere Erfahrungen zum Thema ängstlicher Hund:
    Nur loben/Leckerchen anbieten, wenn der Hund keine Angst zeigt, sonst bestärkt Ihr die Angst noch bzw. der Hund wird, wenn er wirklich Panik hat, gar keine Leckerchen nehmen oder sich für Spielzeug interessieren (so wie Du ja auch geschrieben hast). D.h. Ihr solltet versuchen, immer soviel Abstand zu halten zu den Dingen, die ihr Angst machen, dass sie sie zwar sieht und registriert, aber eben noch keine Angst hat. Und dann immer Futter, Futter, Futter rein.... (sollte natürlich in ihrer üblichen Futterration berücksichtigt werden, sonst habt Ihr bald auch noch ein Gewichtsproblem... ;) )
    Und dann langsam näher an das Objekt der Angst ran (wenn sie kein Futter mehr nimmt, seid Ihr zu nah). So kann der Hund die Verknüpfung aufbauen "Auto kommt = Futter kommt = guuuuuuut"

    Wenn der Hund zittert etc. bloß nicht streicheln, oder auf sie einreden, das bestärkt den Hund in seiner Angst noch zusätzlich. Am besten ignorieren, gar nicht darauf eingehen. Vielleicht solltet Ihr zu Anfang Fanny ein Geschirr anlegen, damit sie Euch nicht versehentlich entwischt.
    Es wäre natürlich besser, wenn Ihr solche Situationen am Anfang möglichst ganz vermeiden könntet, damit Ihr sie eben nicht hinter Euch herziehen müsst.
    Schaut Fanny Dich denn an, wenn sie trotz Angstanzeichen bei Fuß bei Dir geht? Wenn sie Dich anschaut, würde ich sie fürs Fußgehen loben (Leckerchen geben), sonst nicht.

    Hast Du evtl. jemanden, der auf dem freien Feld (wo ihr genügend Abstand halten könnt) an Euch x Mal vorbeijoggt, Fahrrad fährt, Auto fährt?

    Auf unserem Hundeplatz hatten wir auch einen Berner Sennenhund, der sich vor anderen Menschen gefürchtet hat. Er hat dann (was sonst bei uns strengstens verboten ist) von allen anwesenden Menschen auf dem Platz Leckerchen angeboten bekommen - am Anfang ohne direkten Augenkontakt, später dann nur wenn er sich vorher hat anfassen lassen und ganz viel später haben wir es ihm wieder abgewöhnt, dass er auch von anderen Leuten was kriegt... :^^:
    Und ansonsten: Dein Hund muss sich überhaupt nicht von allen (wildfremden) Menschen anfassen lassen, und schon gar nicht vom "Rüberbeug-Armefuchtel-Istdiesüüüß"-Typ.

    Was das mit dem Im-Bett-Schlafen angeht, schließe ich mich Melitaia an.

    LG,
    D.

  • Hallo

    Ich kann meinen 2 Vorredner nur Recht geben. - Es ist sehr schwer, Hunden mit so grossen Aengsten die nötige Ruhe und Sicherheit zu geben. Was ich keinenfalls machen würde (aus eigener Erfahrung), den Hund hinter mir herschleifen. Versuche die Situationen mit Leckerli's möglichst schon bevor die grosse Angst aufkommt zu "neutralisieren" und den Hund abzulenken. Wichtig hierbei ist, dass Du eine unglaubliche Ruhe in dem Moment ausstrahlen solltest, was sicher nicht immer möglich ist. Ich habe selber einen äusserst ängstlichen Hund aus Spanien und arbeite schon seit 3 Jahren an seinen Aengsten und noch immer bricht er mir ab und an mal aus, weil ich die Situation zu spät erkannt habe.

    Ich singe häufig *smile* - klingt jetzt doof, ist aber sehr wirksam. Nicht nur in "Notfällen" sondern einfach mal so zwischen durch beim Gassigehen, zu Hause u.ä. Es holt mich und den Hund etwas runter und entspannt uns beide ungemein. Ich erwische mich immer wieder mal, dass ich z.B. schon beim Entdecken eines Fahrrades zusammen zucke :kopfwand: - es wird immer besser, aber immer hab ich mich nicht im Griff oder bin einfach nur etwas abgelenkt. - Es ist enorm, wie meine Signale sofort zum Hund dringen...

    Den Hund ins Bett nehmen fände ich in Eurer Situation nicht verkehrt, stärkt sicher die gegenseitige Bindung und wenn's für Euch passt, steht da nichts im Weg.

    Was ich ehrlich gesagt auch nicht machen würde: Sobald der Hund Angst gegenüber jemandem/etwas anderem zeigt, würde ich ihn (vorallem da er erst seit 4 Wochen bei Euch ist) nicht mit dieser Situation so direkt konfrontieren. Lass ihm Zeit und gib ihm die Change, sich selber anzunähern. Sei es, dass ihn jemand auf Deinem Arm streicheln möchte oder sei es, dass er sich hinter Dir versteckt. Er zeigt ja schon ein unglaubliches Vertrauen Euch gegenüber und gib ihm dem Schutz den er braucht. - Ich habe mich am Anfang auch so verhalten bis jemand die Situation ausgenutzt hat und meinen Hund gegen seinen Willen sehr unsanft gestreichelt hat. - Er hatte über eine ganze Zeit lang das Vertrauen zu mir verloren. - Ich hab die Situation damals falsch eingeschätzt (es war mein Hundetrainer :kopfwand: )

    Ich hoffe es ist nicht sehr wirr, was ich geschrieben hab, aber ich geht mir grad leider ganz ähnlich wie Melitaia... die Zeit ist grad etwas knapp, mir war aber ganz wichtig ein paar Zeilen zu schreiben weil ich, wie geschrieben, einige Erfahrung gesammelt habe.

    Liebe Grüsse
    Sabine mit Champ

  • Das lässst mich gerade icht so recht los ... also hier nochmal ganz kurz ...

    Kann nur bestätigen, was Pocke und Champ geschrieben haben. Dazu noch zwei Ergänzungen.

    Zum Leute-wollen-meinen-Hund-streicheln: Der hund sollte nicht von fremden Menschen bedrängt werden. Ich sage meinem Besuch und Gassi-Begegnungen immer, sie sollen Sally einfach ignorieren und sich nicht zu ihr herunterbeugen (das ist für sie eine richtige Bedrohung); wenn jemand versuchen will, Kontakt zu ihr zu bekommen sollen sie sich in gut 1-2 Meter Abstand hinhocken (also klein machen) und warten, ob Sally auf sie zukommt; sie sollen Sally auch nicht mit den Augen fixieren, sondern eher weggucken, sie also weiter ignorieren; Das geht natürlich nicht mit jedem und die unverbesserlichen "Die ist aber süß-mit dem-Ärmel-fuchtel-Vornüber-Beug-Leute" sind da wohl eher der Normalfall. Ich stelle mich dann vor Sally, fasele was von "es ist aber wirklich schon spät ich muss los" und gehe meiner Wege (wieder ganz ruhig und souverän, so ich das hinkriege) - d.h. ich setze Sally solchen Begegnungen nicht aus. ;) Auch Streicheln lassen, wenn ich sie auf dem Arm habe lasse ich lieber, da sie ja nicht ausweichen kann - hätte Angst, dass das nach hinten losgeht ...


    Zum Angsttraining von Pocke: Ich denke das ist ein guter Weg, aber ich fürchte, da seid Ihr noch gar nicht, oder? Als Brücke dahin vielleicht so: Wir haben Sally anfangs auch rausgetragen, dann erstmal für ein paar Minuten in der Nähe des Hauseingangs abgesetzt (am besten zu Zeiten, wo nicht vel los ist). Hatte immer noch eine Freundin dabei, vor der Sally auch keine Angst hatte. Wir haben uns dann ganz locker (Motto: Es-ist-alles-ganz-normal-und-ungefährlich) unterhalten; dann wieder reingehen; das Ganze mehrmals am Tag; dann die Dauer ausdehnen; dann die ersten Schritte; und Radius ausdehnen; Bei unerwarteten Begegnungen (lässt sich halt nicht vermeiden) wurde Sally auch panisch; habe Panik abgewartet und versucht nicht hysterisch zu werden; sobald Sally ruhiger wurde lob und weitergehen (Lobennicht in der Panikphase, weil Ihr dann die Angst bestätigt, wie Pocke schon gesagt hat); zurückgehen nicht in Panikphase einleiten, da Hund dann denken könnte: "Ah, Frauchen geht zurück, ist die Situation also doch gefährlich"); zurückgehen also nach erfolg, wenn Hund relativ entspannt

    Wenn das in vertrauter Umgebung klappt, dann würde ich Freunde fragen, ob sie mal den Jogger mimen können usw. so wie Pocke das schön beschrieben hat.

    Das alles dauert - man braucht viel Geduld. Freut Euch auch über kleine Erfolge - das motiviert.

  • Also erst einmal einen ganz lieben Dank an euch!

    Also dann wird sie weiter bei mir im Bett schlafen, da sie sonst keine weitern Anzeichen hat die Alpharolle zu übernehmen. Da fühlt sie sich wohl und ich mag es auch :^^:

    Sie hat in der Wohnung einen Korb neben der Couch der in der ruhigsten Ecke steht wo sie auch nichts sieht. Sie schläft aber meist auf der Couch wo wir sitzen und kuschelt. In der Arbeit hat sie ein Kissen auf der Erde, sie sieht die Tür, schläft aber sehr entspannt. (Sie schläft etwa 20h am Tag...also fast immer).

    Ich habe mir bereits zur Angewohnheit gemacht den Leuten zu sagen, dass sie nicht gestreichelt werden will...aber ich glaub die Leute reagieren wie verzaubert auf Welpen...ohh wie süüüsss und alle wollen anfassen....

    Leider lassen sich die Autos und der Lärm nicht vermeiden um auf Arbeit zu kommen...weder zu Fuss noch im Buss oder im Tram...laut wird es immer. In Buss und Tram verkriecht sie sich unter der Bank, oder in der Tasche in der ich sie manchmal trage. Da Zittert sie nicht so schlimm. Ich hab auch schon überlegt sie so daran zu gewöhnen, das ich sie einfach rumtrage in der Tasche und sie so merkt das nichts is...

    Ich versuche ganz ruhig zu sein...aber inzwischen reagier ich auch schon auf Fahräder...Selber fahren stört sie übrigens nicht, da ist sie in ihrem Korb ganz ruhig und streckt die Nase in den Wind...mein Mann fährt viel Rad, der hat auch schon geübt, da hat sie aber keine Angst...

    Wenn wir im Treppenhaus vor der Tür stehen fängt sie schon an zu zittern, dann ist es schon zu spät und Leckerlis werden nicht mehr genommen...dann hüpft sie an mir hoch und will auf den Arm und fängt an mit Fiepen...ja und dann geht es raus wo es dann schlimmer wird, dann verucht sie zu entkommen.

    Ein Geschirr hab ich schon bestellt. Wenn wir sie frei laufen lassen und wir sind direkt neben ihr geht es. Dann geht sie an Menschen vorbei, auch Fahräder einzeln und ohne weitere Ablenkungen, können dann einigermassen vorbei fahren. Sie macht dann einen Bogen und schaut danach, aber versucht nicht zu wegzurennen.
    Beim Fuss gehen sieht sie mich an, aber nur wenn sie keine Ablenkungen hat, das ist eher selten und dann lobe ich sie auch...aber leckerli nimmt sie auch dann nich...da sie auch da sehr nervös ist.

    Also sollte ich das loben beim Fussgehen erst einmal zurückfahren, nicht das ich doch die Angst bestätige?

    Wenn sie sich hinsetzt und nicht mehr weiter will, was mach ich dann? Ich hab das schon versucht "auszusitzen" nach zehn Minuten habe ich aufgegeben, da sie abgesehen von ein paar Positionswechseln nichts getan hat...Müdigkeit ist es nicht, danach wahren wir in einem grossen Sandhaufen spielen, sie rennt wie eine irre...

    Ich kann sie auch nich acht Stunden allein lassen...das ich einfach sag ich geh ohne sie arbeiten...

    Mhhh, das is schon nich so leicht. Unsere Hundeschule ist gut, soweit ich das beurteilen kann...

    Es braucht Geduld, das ist mir bewusst, das bin ich auch bereit zu geben, ich mach mir nur Gedanken ob ich es richtig mache. Bisher habe ich nur ignorieren als Tipp bekommen...Sie muss sich ja auch erst an uns gewöhnen um zu wissen das es bei uns sicher ist...sowas in der Richtung...

    Aber auf dem Hof und in der Wohnung geht es...gut sie hört nicht perfekt...vor allem das Kommen auf Komando macht ihr Mühe...meist is irgendwas interessanter als wir...aber da arbeiten wir gut dran...Ja nur drausen geht es halt nicht.

    Aber ich bin euch sehr dankbar für eure Hilfe und eure Tipps

    Liebe Grüsse

    Melanie und Fanny :|

  • Zitat

    Ich mein sie stört mich nicht wenn sie bei mir schläft (sie liegt an meinem Bauch) aber ich habe gelesen, dass wir ja die Rudelführer sind und bestimmte Plätze für uns behalten sollten als Zeichen unserer Dominanz...Tja und jetzt weiss ich nicht was machen...Bett oder versuchen das Jaulen zu ertragen und sie im Korb lassen.

    Das liegt alleine an Dir zu entscheiden wo sie schlaeft......ein Hund der im Bett schlaeft stellt dadurch nicht deine "Herrschaft" in Frage......und ein Hund der nicht im Bett schlafen darf wird dadurch nicht automatisch zum untergeordneten Rudelmitglied. Solche Dinge machen sich an deiner Fuehrung allgemein fest, nicht daran wer im Bett schlafen darf.

    Zitat

    Ich ignoriere jetzt ihr Verhalten und ziehe sie hinter mir her wenn sie sich steif macht oder flüchten will. So hat man es uns in der Hundeschule geraten.

    Nein!!! So steigerst Du ihre Angst lediglich!!!

    Du darfst sie nicht koerperlich mitziehen sondern musst daran arbeit ihre Angst abzulegen indem Du ihr Verhalten konditionierst.

    Vergiss erst mal den Rat der Hundeschule und arbeite mit ihr an klassischer Konditionierung. Wenn Du magst erklaer' ich Dir wie Du es am besten angehst :)

  • Oh ja das wär gut. Denn davon habe ich keine Ahnung. Ich wohn an einer grossen Strasse, was es sehr schwer macht den Autos aus dem Weg zu gehen, da ist auch Abends und am WE noch was los...ich habe auch schon überlegt an einer ruhigeren Stelle mit ihr mal eine weile sitzen zu bleiben... Leider muss ich sie jeden Tag zwingen mit raus zu gehen, sodass das schrittweise gewöhnen nicht unbedingt einfach wird. Urlaub ist bis mitte September nicht drinn...Bin ich über die Strasse wird es wesentlich ruhiger, dann kommen die Kinder, Jogger und Radfahrer. Etwa einen Kilometer laufe ich durch einen Park, da fühlt sie sich wohl, da hat es nur wenig Leute die beäugt sie und macht einen Bogen, aber sie geht dran vorbei. Das letzte Stück ist dann wieder schlimm. Wieder eine grosse Strasse die sich nicht umgehen lässt und dann 200m durch ein Industriegebiet...das ist auch schlimm. Da kommt sie dann meist gar nich mehr klar. Wenn ich zum Pippimachen rausgehe macht sie immer ganz schnell und ja wieder rein...wehe uns begegenet jemand...grosser Bogen und schnell weg...

  • Mit Konditionierung haben wir auch jetzt angefangen. Klingt nicht schlecht. Wir arbeiten da mit dem Clicker. Habe Sally auf den Clicker konditioniert und immer, wenn sie in schwierigen Situationen ansatzweise entspannt oder auf jemanden zugeht, wird sie bestätigt.

    Man kann auch versuchen, mit Gegenkonditinierung schwierige Situationen zu neutralisieren - davon hatte Pocke oder Champ vorhin schon gesprochen ....

    zum Gegenkonditionieren bei Angst übrigens noch ein kleiner Buchtipp: Patricia McConnell (das ist die Autorin des lesesnwerten Buches "Das andere Ende der Leine"): Trau keinem Fremden. Es ist ein kleines Büchlein, ganz dem Angsttraining gewidmet :roll:

    Evtl. hilft ja die Tasche, die in der Tram so gut hilft, ja auch über die Straße?

    LG,
    Kerstin und Sally

  • Zitat

    Leider muss ich sie jeden Tag zwingen mit raus zu gehen, sodass das schrittweise gewöhnen nicht unbedingt einfach wird. Urlaub ist bis mitte September nicht drinn...

    Das ist natuerlich schwer wenn Du momentan gezwungen bist sie all diesen Reizen auszusetzen.
    Ideal waere es eben wenn Du langsam mit ihr an das Problem ran gehen koenntest.

    Um ihr die Angst vor Fremden zu nehmen musst Du erst mal normales Hundetraining das auf Belohnung von gutem Verhalten basiert vergessen.
    Um ihr die Angst zu nehmen musst Du ihr Verhalten konditionieren.

    Anfangen musst Du damit in Fanny's eigener Sicherheitszone, also in den Abstaenden von Fremdem in denen sie noch keine Angst zeigt.

    Wichtig ist auch das all dies ohne Zeitdruck und Erfolgsdruck fuer Fanny ablaeuft, deswegen wuerde ich damit warten bis Du Urlaub hast und dann Zeit hast mit Fanny intensiv zu arbeiten und Euch Plaetze auszusuchen die nicht so hektisch und belebt sind.

    Z.B. Angst vor fremden Menschen die Euch begegnen........such' dir ein Leckerlie aus das fuer Fanny absolut unwiderstehlich ist, ein Leckerlie was sie sonst nicht bekommt.....Kaese, Leber......irgendetwas auf das sie gierig ist.

    Geh mit ihr an der Leine an einem etwas abgelegeneren Ort wo Euch nicht sehr viele Menschen begegnen. Spazier' ganz normal mit ihr und sobald euch Menschen entgegenkommen bekommt Fanny das Leckerlie vor die Nase gehalten sobald sie die Menschen wahrnimmt (nicht davor) , also bevor sie wirklich die Chance hat aengstliches Verhalten zu zeigen.
    Wichtig ist das sie das Leckerlie bekommt egal wie sie sich beim Anblick der Menschen verhaelt.........Du arbeitest nicht an gutem Verhalten belohnen sondern daran Fanny's emotionelle Verknuepfung zu aendern. Das Ziel ist das Fanny mit all den Dingen die ihr Angst einjagen etwas gutes zu verbinden lernt. Momentan verknuepft sie Fremde = Angst....euer Ziel ist Fremde = Leckerlie.

    Wenn sie das Leckerlie nicht nimmt bist Du zu Nahe an dem Reizobjekt mit ihr dran......deshalb ist's wichtig das Du in ihrer Sicherheits (Wohlfuehl) Zone arbeitest.

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