Emma - ein letzter Versuch

  • Hallo,

    da ich selber einen ängstlichen Hund hatte, kann ich dir vielleicht sagen, wie ich es gemacht habe. Alles, was mein Hund komisch fand, habe ich angefasst und mit Leckerchen näher gebracht. Also z.B. ein einsames Fahrrad am Feld weg. Mein Hund in Panik, in Kreisen haben wir uns genähert, dabei habe ich meinen Hund gefüttert. Zum Schluß habe ich das Fahrrad angefasst und Leckerchen darauf gelegt. Gut wars. So habe ich es mit allem gemacht. Schneemänner, Wasserhydranten, umgefallenen Gießkannen, Dreiräder, gelbe Säcke, Traktoren....

    Es hat immer geholfen. Noch heute kann sie mit steif stehenden Menschen nichts anfangen und gerät in Panik. Früher habe ich geschimpft. Heute gehe ich hin, zeige ihr, was da ist. Jedesmal kommt ein Ups-Ach-das-ist-das-Effekt! Es ist dann ok. Das Wort ok habe ich dazu eingeführt und gerade heute festgestellt, dass sie sich bei diesem Wort entspannen kann.

    In der Stadt habe ich früher ein Halti gebraucht, aber seitdem sie gut Fuß laufen kann, brauchen wir das nicht mehr. Sie bekommt ihre Aufgabe und es geht.

    Wichtig ist in kleinen Dosen anzufangen und langsam zu steigern. Den Hund nicht überfordern und aufhören, wenn es gerade gut ist. Alles was Emma richtig macht, würde ich mit Futter loben, damit sie weiß, was das gewünschte Verhalten ist. Außerdem beruhigt das Schlucken.

    Ohren massieren beruhigt übrigens auch.

    Je entspannter und souveräner du bist, umso besser wird Emma sein. Es überträgt sich einfach. Es hat was mit Vertrauen zu tun. Vielleicht merkt Emma, dass du ihr was zutraust. Und sie findet es vielleicht gar nicht so schlecht, was du da mit ihr machst. Und wenn Emma in der Bahn schlafen kann, dann kann sie doch entspannen. Bei Stress könnte sie das nicht.

    LG Schopenhauer

  • So, ich wollte euch mal auf den neuesten Stand bringen...
    Wir sind kräftig am Trainieren und im Moment bin ich mit Emma etwa 2-3 Mal in der Woche ausserhalb unseres Wohnorts unterwegs.
    Insgesamt ist schon eine Verbesserung zu sehen (über die ich mich sehr freue), so ist Emma in fremder, reizarmer Gegend bei weitem nicht mehr so aufgekratzt und hektisch wie noch vor einigen Monaten, sie hat zumindest ihre Angst vor großen Fahnen fast abgelegt (kleine Fahnen sind erstaunlicherweise aber immer noch ein großes Problem) und auf dem Unigelände klappt es, von kleinen Aussetzern abgesehen eigentlich auch schon sehr gut.
    Insgesamt also schon eine Entwicklung in die richtige Richtung.
    Trotzdem bleibt es anstrengend und schwierig.
    So ist sie mir heute auf dem Weg zur Uni das erste Mal seit langem wieder richtig in Panik verfallen. Wir waren an einer mäßig belebten Straße unterwegs und Emma lief an lockerer Leine absolut entspannt neben mir her.
    Von einer Sekunde zur anderen hat sie mich allerdings fast von den Füßen geholt...ich hab keine Ahnung was es war, aber sie wollte mit aller Kraft die sie hat dort weg, hätte sich dabei fast aus ihrem Halsband befreit und dann hätte ich echt nur noch beten können...
    Und genau diese Situationen sind es, die mir immer noch große Probleme bereiten, diese unvermittelten Angst- und Panikattacken, denen ich einfach nichts entgegen zu setzen habe...
    Positiv an dieser Sache war allerdings, dass es schon gereicht hat die Straßenseite zu wechseln und innerhalb von 10 Minuten hatte sie sich wieder vollständig beruhigt...normalerweise dauert das nach so einer Attacke Stunden...
    Aber egal...grundsätzlich glaub ich schon, dass wir auf dem richtigen Weg sind und etwas anderes als weiter zu trainieren bleibt uns ja sowieso nicht...

  • Hey, das ist doch schon mal etwas. Und zwar gerade, dass sie allgemein weniger hektisch ist, ist ein großer Schritt und einfach toll.
    Vermutlich wird es noch ein sehr langer Weg, aber ihr seid offensichtlich auf dem richtigen!

    Nur noch eine Frage: Hast du mal daran gedacht, ihr gerade für Ausflüge in aufregendere Gebiete wie die Stadt ein Geschirr zu kaufen?
    Ich hatte bei unserer Hündin auch immer sehr große Angst, dass sie sich losreißt und das geht bei einem Hund in Panik verdammt schnell...! :schockiert:
    Nachdem es dann tatsächlich einmal mitten in der Stadt passiert ist, hatte sie bei solchen Spaziergängen immer ein Geschirr um, weil sie da einfach nicht so schnell rausflutschen kann.
    Ich würde es dir dringend empfehlen, denn glaub mir, den Tag, an dem der Hund quer über die Straße und man selbst kopflos hinterher rennt, vergisst man nicht so schnell...

    Sonst noch alles Gute und viel Erfolg! ;)

  • Zitat

    Positiv an dieser Sache war allerdings, dass es schon gereicht hat die Straßenseite zu wechseln und innerhalb von 10 Minuten hatte sie sich wieder vollständig beruhigt...normalerweise dauert das nach so einer Attacke Stunden...

    Das ist doch super! Ich bin sicher, das ist schon mehr, als Du Dir oft erhofft hast!

  • Zitat


    Positiv an dieser Sache war allerdings, dass es schon gereicht hat die Straßenseite zu wechseln und innerhalb von 10 Minuten hatte sie sich wieder vollständig beruhigt...normalerweise dauert das nach so einer Attacke Stunden...

    Genau von sowas sprach ich :D :2thumbs:

    Das zeigt, dass Ihr auf dem richtigen Weg seid.

    Viele Grüße
    Corinna

  • Hallo,

    auch wir haben einen Hund mit Panikattacken. Leider ist dies nicht gleichzusetzen mit Ängsten. In der Panik ist der Hund nicht mehr in der Lage äußere Umwelteinflüsse, Kommandos oder anderes aufzunehmen. Er versucht nur noch aus der Situation zu flüchten. Ignorrieren der Panik, bringt keinen Erfolg, da der Hund uns in dieser Situation nicht mehr wahrnimmt. Allerdings ist meiden von gewissen Situationen leider auch nicht die Lösung. Aus Erfahrung kann ich nur sagen, kleine Schritte bringen einen eher an das Ziel, als grosse Gewaltmärsche. Das heißt nur so lange üben, bis der Hund noch ansprechbar ist, somit hat er auch eine positive Verknüpfung damit. Das gilt erstmal für deine Übungseinheiten mit Emma. Schaue auch genau wie du dich fühlst, wenn du merkst, dass du bei euren Übungen gestresst bist, auf alles achtest, was euch entgegenkommt, wird sich das sofort auf Emma übertragen. Jede noch so kleine Unruhe in dir, wird sich auf Emma übertragen. Also nur so lange üben, wie du dich gut und sicher mit Emma fühlst.

    Meine Frau hat sich mit unserem Hund, wenn er hektisch und panisch wurde, eine ruhige Ecke gesucht und den Hund durch leichte Massagen ohne dabei mit ihm zu reden zur Ruhe gebracht. Eines Tages hörten wir von einer Trainerin unserer HuSchu, dass es in Berlin eine Therapeutin gibt, die Yoga für Hunde und Halter anbietet. Anfangs haben wir noch gedacht, was soll das bringen- Wir waren erst 4 mal dort, aber unser Hund ist wie umgewandelt und Frauchen tut es auch gut. Unser Hund war noch nie so entspannt und ausgeglichen. Vielleicht gibt es so etwas auch bei euch in der Nähe. Es ist zwar noch kein Wunder geschehen, aber wir haben einen Weg gefunden, unseren Hund aus seiner ständigen Anspannung zu holen und weiterhin stärkt es unwahrscheinlich das Vertrauen zu uns.

    Gruß Henner

  • So...wird mal wieder Zeit für ein kleines update...es hat sich nämlich einiges getan in den letzten Monaten.

    Ich nehme Emma jetzt wieder regelmäßig mit zur Uni - klappt eigentlich ausgezeichnet.

    Wir waren vor einigen Wochen das erste Mal seit bestimmt zweieinhalb Jahren in der Kasseler Fussgängerzone - zwar nur 100 Meter die Straße rauf und dann wieder runter, aber in Anbetracht der sonst gezeigten kopflosen Panik war das ein absoluter Quantensprung für uns. Sie war zwar ziemlich angespannt und nervös, hat sich aber gut lenken lassen und keinerlei Panikanzeichen gezeigt - da kann man auf alle Fälle weiterarbeiten.

    Am WE waren wir mit den Hunden auf einem großen Mittealtermarkt. Vor einem Jahr waren wir dort schonmal und so konnte man Emmas Verhalten wunderbar vergleichen: Vor einem Jahr war sie ziemlich hektisch, hat versucht allen Ständen und Verkaufsbuden großräumig auszuweichen und nach ungefähr 20 Minuten war sie so reizüberflutet, dass gar nichts mehr ging und wir sie ins Auto bringen mussten.
    Ganz anders dieses Jahr, sie war so entspannt, dass sie sich die Zeit damit vertrieben hat nach Essensresten auf dem Boden zu suchen, sie ist ziemlich gelassen bis direkt an die Stände mit rangekommen und der absolute Hammer:
    Es hat dort eine ziemlich bekannte Band gespielt und dementsprechend war es vor der Bühne recht voll und auch laut. Emma hat sich mitten in dieser lauten, tobenden Menschenmasse hinlegt, hat sich irgendwann auf die Seite fallen lassen und die Augen geschlossen - entspannter kann sich ein Hund wohl nicht zeigen... :D

    Jedenfalls läuft es momentan so gut, dass ich plane Emma, wenn ich das nächste Mal meinen Bruder in Berlin besuchen fahre mitzunehmen...meint ihr das ist ne gute Idee? Vor nem halben Jahr hätte ich da nicht im Traum dran gedacht, im Moment denke ich aber, wenn ich dort sehr vorrausschauend mit ihr laufen werde und nicht die Haupteinkaufstraßen nutze, dann könnte es klappen.

    Insgesamt ist sie in stressreichen Situationen gelassener geworden und orientiert sich mehr an mir. Auch bei akuter Angst lässt sie sich von mir lenken, was früher absolut nicht gegeben war. Insgesamt bin ich mit ihrer Entwicklung sehr zufrieden, abgesehen von zwei Aspekten:
    1.) Man kann sich immer noch nicht auf sie verlassen, ihr ganzes Verhalten ist immer noch sehr tagesformabhängig und manchmal reicht immer noch ein Geruch oder ein alltägliches Geräusch um sie sehr in Stress zu versetzen.
    2.) Ich hab sehr große Probleme sie an angstauslösende Dinge heranzuführen vor denen sie sich in der Vergangenheit oft gefürchtet hat. Viele Dinge laufen in unbekannter Umgebung erstaunlicherweise besser als zuhause. So kann ich sie bei uns im Ort immer noch nicht an unserer Dönerbude vorbeiführen (sie hat Angst vor dem Geruch), in fremden Orten geht das aber sehr wohl...

    An diesen beiden Punkten müssen wir echt noch arbeiten, aber ich glaube wir sind auf einem guten Weg...

  • Hi,

    entschuldigt, ich habe jetzt nicht alles durchgelesen und dadurch kann es sein das es meinen Tipp schonmal gab :ops:

    Eine Freundin hatte vor etlichen Jahren eine Boxerhündin von 5 Monaten bei sich aufgenommen die ihr Leben zuvor nur in der Wohnung und da meißt in einer Box verbracht hat. Sie kannte garnichts und fürchtete sich vor allem: Mülltonnen, parkende Autos, Schilder, Grenzsteine usw.
    Bei ihr hat es geholfen wenn Frauchen zu den Gegenständen hin ist und mit ihnen gesprochen hat und sie streichtelte. Sieht zwar total dämlich aus wenn da jemand mit einer Straßenlaterne spricht und sie streichelt und umarmt aber es hat geholfen. Nach wenigen Monaten konnte man mit diesem Hund ohne Angstattacken normal durch die Straßen gehen und später sogar durch belebte Innenstädte.
    Auch wenn andere Hunde die sie kannte sich direkt neben solche Gegenstände setzten oder an ihnen schnüffelten ging es ihr besser. Sie musste nur immer jemanden haben der ihr zeigte das man keine Angst davor zu haben braucht.

    Vielleicht würde sowas deine Maus ja auch helfen.

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