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AUSWIRKUNG VON LEINE & HALSBAND AUF DAS VERHALTEN DES HU

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    Das Verhalten von Haustieren ist bei weitem nicht nur ein Schwerpunkt in der täglichen Veterinär-Praxis. Verhaltensprobleme bei Tieren und ihre Folgen werden der breiten Öffentlichkeit – z.B. durch themenbezogene TV-Sendungen – immer mehr bewusst gemacht. Gerade das Verhalten von Hunden während des Spaziergangs und Probleme bei der Begegnung mit anderen Hunden beschäftigt unzählige Hundebesitzer.
    Dieser interessante Artikel beschreibt die Auswirkung von Halsband und Leine auf das Verhalten des Hundes bei der Annäherung an einen fremden Hund.

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    Untersucht wurde das Verhalten von 10 Hunden bei der Begegnung mit anderen Hunden. Es wurden pro Hund 10 Begegnungen dokumentiert, womit die Daten von 100 Hundebegegnungen zur Verfügung standen.


    Die Dokumentation erfolgte durch die Hundebesitzer, die bei jeder Begegnung einen vorgefertigten Fragebogen ausfüllten, so dass jeweils die gleichen Beurteilungskriterien vorlagen. Beurteilt wurde das Verhalten der Tiere bei einer Entfernung von noch etwa 10m voneinander.
    Bei der Auswertung wurde das Hauptaugenmerk auf die visuelle Kommunikation der Hunde unter Einwirkung der Leine gelegt. Ebenfalls wurden die physischen sowie psychischen Veränderungen von angeleinten Hunden, sowie deren Auslöser erörtert.


    Physiologische Veränderung:


    Wie verändern sich Hunde physiologisch wenn sie an der Leine gehalten werden?


    Hunde verständigen sich untereinander vor dem ersten (Körper) Kontakt visuell. Hierbei tauschen Sie schon Informationen (optische Einschätzung des Gegenübers) aus.
    Die Körpersprache signalisiert, wie das Aufeinandertreffen ablaufen soll bzw. muss. Es werden normalerweise schon visuell Rangordnungsfragen (Auswertung der Körpersprache und Mimik zur Klärung der Durchsetzbarkeit der eigenen Ansprüche) geklärt, die Hunde kommunizieren.
    Durch das Kurzhalten (Verkürzung der Halter-Hund-Distanz) wird aber die Körpersprache des Hundes schon stark verändert, der Hund kann sich gar nicht mehr äußern, er wird in eine Körperposition gebracht, welche vielfach nur einen Schluss für den entgegen kommenden Hund zulässt. `Ich muss mich rüsten, der andere ist bereit zu kämpfen!`


    Im einzelnen verändert sich der Körper wie folgt:
    Der Hund will nach vorne, wird aber gestoppt mit dem Halsband.
    Ergebnis: Der Hund strotzt vor Kraft und richtet sich auf.
    Die gesamte Kopfpartie richtet sich auf, der Hals steht steiler und der Hund wirkt größer.
    Der Brustkorb kommt nach vorne, wird breit und die Vorderhand geht etwas auseinander.
    Die Muskulatur im Rumpf spannt sich an.
    Die Öffnung der Ohren zeigt meist nach vorne, die Augen werden groß (teilweise auch durch den Sauerstoffmangel beim Ziehvorgang, der Hund würgt sich selber, nicht zu verwechseln mit der Pupillenerweiterung im Ausdruck des defensiven Drohens, bzw. der Angst) und der andere Hund wird fixiert, denn da will er ja hin.
    Das Rückenfell sträubt sich.
    Eine Beurteilung der Situation über die Rutenhaltung kann hier nur individuell erfolgen, da die Rutenhaltung rasseabhängig, und somit nicht pauschalisierbar angewendet werden kann.


    Der Hund strahlt hier also absolute Kampfbereitschaft / Verteidigungsbereitschaft und gegebenenfalls Dominanz aus, bedingt durch die Vorwärtsbewegung des Hundes und die `Stop`- bzw. Rückwärtsbewegung des Halters, die auf den Hund durch das Halsband übertragen wird.
    Es besteht für den Hund keine -für den anderen Hund eindeutige- Möglichkeit sich zu unterwerfen bzw. Beschwichtigungssignale auszusenden!


    Psychologische Veränderung:


    Wie verändert sich der Hund psychisch?


    Der Hund verfügt über ca. 200 - 220 Millionen Riechzellen. Im Vergleich dazu verfügt der Mensch über 5 Millionen Riechzellen.
    Der Hundeführer denkt: `Da kommt schon wieder ein Hund, gleich gibt´s Ärger. Ich halte meinen Hund jetzt ganz kurz, dann passiert nichts.`
    In diesem Moment jedoch spannt sich der Halter an und erregt sich. Bei nervöser Erregung (Stress) des Menschen beginnt die Schweißsekretion u.a. an Handtellern und Fußsohlen.
    Die Schweißdrüsen werden durch das vegetative Nervensystem reguliert. Bei Tieren werden durch den Schweiß die Geruchsreize für Artgenossen intensiviert. Bedingt durch das Heranziehen des Hundes an den Halter (und somit Verkürzen der Halter- Hund-Distanz) kommt die `schwitzende` Hand, welche die Leine hält, noch näher an die Nasenpartie des Hundes heran.


    Dieser Vorgang dauert von der Auslösung des `Stresses` beim Halter durch das Bild des entgegen kommenden Hundes bis zur Wahrnehmung der `veränderten` Ausgangssituation durch den eigenen Hund, und somit das Einstellen des eigenen Hundes auf die neue Situation ca. 1 - 4 Sekunden.
    Wenn man eine normale Fußgängergeschwindigkeit von ca. 4 km/h zu Grunde legt, und einen Mittelwert in der Reaktionszeit von 2 Sekunden veranschlagt, wird gerade einmal eine Strecke von ca. 2,2 m zurück gelegt in der eine Entscheidung des Halters für das Verhalten des Hundes getroffen wird.


    Der Hund riecht die Erregung in dem er die Botenstoffe für Gefahr, Adrenalin und Noradrenalin, wahrnimmt - und denkt: `Oh, der Halter rüstet sich, Kampf ist angesagt!`
    Hierbei liegt eigentlich die Unsicherheit des Hundehalters zugrunde, die Situation kontrollieren zu können, und das spürt der Hund: durch das Zusammenleben in einer Mensch / Hundbeziehung unterstützt der Hund den Halter und `hilft` diesem, die Situation zu kontrollieren. Dieses Verhalten des Hundes anderen Hunden gegenüber festigt sich immer mehr, so dass der Hund dieses ungewünschte Verhalten schon bald prophylaktisch anwendet.


    Auswertung:


    Die Auswertung von 100 Hundebegegnungen besagt eindeutig:
    Hunde haben keine generelle Abneigung gegen alle großen / kleinen, schwarzen / weißen, dicken oder dünnen Hunde. Selbst wenn Hunde mit einem bestimmten Hund negative Erfahrungen gemacht haben, pauschalisieren sie ihr Verhalten nicht. So kann es bei einer Annäherung an einen Hund dieser Rasse (optische Gleichheit) kurzfristig zu einer Verhaltensänderung kommen, diese ist aber sofort vergessen, wenn sich die Hunde `beschnüffeln`.
    Selbstverständlich gibt es Hunde die `ihren erklärten Lieblingsfeind` haben. Hierbei handelt es sich bei Rüden meist um (nicht geklärtes) Territorialverhalten, während es bei Hündinnen sehr oft um die Rolle des `Alphatieres` (und somit das Recht der Fortpflanzung) geht.
    Im einzelnen beurteilt wurde das Verhalten von 5 Rüden (davon 1 kastriert) sowie 5 Hündinnen (1 kastriert) im Alter von 11 Monaten bis 8 Jahre. Die Fellfarbe reicht von falben über grau bis schwarz-rot.


    Dominantes Verhalten des Rüden:
    Dominantes Verhalten zeigte der eigene Rüde in 14 Fällen gegenüber anderen Rüden, gegenüber anderen Hündinnen in einem Fall.
    In 12 von 15 Fällen war der eigene Rüde angeleint, in 7 von 12 Fällen waren beide Hunde angeleint. In 3 Fällen war kein Hund angeleint.


    Dominantes Verhalten der Hündin:
    Dominantes Verhalten zeigte die eigene Hündin gegenüber Rüden in 5 Fällen und in 6 Fällen gegenüber Hündinnen.
    In 9 von 11 Fällen war die eigene Hündin angeleint, in 4 von 9 Fällen waren beide Hunde angeleint.
    In einem Fall zeigte die nicht angeleinte Hündin dominantes Verhalten gegenüber einem angeleinten Rüden.


    Freundliches Verhalten:
    Als freundlich zu bezeichnendes Verhalten zeigten 43 Hunde, wobei hier kein Unterschied zwischen Geschlechtern feststellbar ist.


    Neutrales Verhalten:
    Neutrales Verhalten zeigten 30 Hunde, wobei auch hier kein geschlechtsspezifischer Unterschied erkennbar ist. Jedoch war auch hier feststellbar, das mehr unangeleinte Hunde als angeleinte Hund neutrales Verhalten zeigten.


    Devotes Verhalten:
    Devotes Verhalten zeigten zwei unangeleinte Hunde (Rüde und Hündin) gegenüber angeleinten Hunden. Die beiden Hunde zeigten bei den übrigen Begegnungen neutrales bis freundliches Verhalten anderen Hunden gegenüber.

  • Grüß Dich,
    das hört sich alles wissenschaftlich fundiert an. Ich erkenne meinen Max auch wieder. Er stellt sich ebenfalls hin in John Wayne Macho Manier, hängt bis zum Erwürgen in der Leine, bellt wie irre, und wehe der andere kommt her zum schnuffeln. Dann legt er los. Beruhigen ist nicht mehr angesagt. Er gebärdet sich von seiner wildesten Seite. Die meisten "gegnerischen" Hundehalter haben dieses Problem nicht, ihr Hund geht meist - vielleicht ein bißchen Gebell - ruhig weiter. Nicht mein Max, solange er ihn (den Gegner) im Blickfeld hat, wir gebellt und geläfft was das Zeug hält.


    Sabina

  • Hallo,


    das ist auch eine wissenschaftlicheStudie.


    Das Verhalten Deines Hundes kann man auch als unsicher (gegenüber anderen Hunden) werten! Solange er an der Leine ist - mit dir im Hintergrund ist er stark - aber reagiert er auch genauso ohne Leine? In der regel reagieren solche Hunde eher verhalten - die meisten Hunde scheuen dann doch eine offene Konfrontation , natürlich wenn frauchen sich demonstrativ wegdreht und dem Hund damit signalisiert - it your turn alone boy. Ist natürlich auch oft eine Frage des Gehorsams.


    LG


    Ute

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