• Da mein Vorstellungsthread geschlossen wurde, hier nochmal mein Post in der Hoffnung auf hilfreichen Rat.

    Hi. Ich bin Loupi, 36 Jahre alt, wohne in Nordfriesland und habe mir vor wenigen Tagen eine Hündin mit Handicap angeschafft.

    Sie heißt Nani, hatte in ihrer Vergangenheit einen schweren Autounfall, der sie motorisch und neurologisch etwas auffällig zurückgelassen hat, woraufhin ihr ursprünglicher Halter sie nicht mehr wollte. Daraufhin kam sie in einen italienischen Shelter, wo sie dann von deutschen Tierschützern gefunden und auf eine Pflegestelle nach Deutschland gebracht wurde.

    Ihre Geschichte hat mich sehr berührt und ich war ohnehin auf der Suche nach einer Hundeseele, der ich eine wohlverdiente, zweite Chance geben kann.

    Nun ist sie bei mir. Sie ist sehr süß und für das, was sie durchhat, zeigt sie mustergütiges Verhalten.

    Das Problem bin ich.

    Ich glaube, man nennt es "Puppy Blues" in Fachkreisen. Seitdem sie hier ist läuft mein Sympathikus auf Hochtouren. Mein flauer Magen verschwindet nicht und ich ertappe mich immer wieder bei den Gedanken "Was hast du dir nur dabei gedacht?"

    Ich will sie aber auch nicht wieder hergeben. Sie wurde so viel rumgereicht und hat so eine lange Reise hinter sich und einer meiner Freunde hat mich extra von hier oben 10 Stunden nach Berlin und zurückgefahren, um sie zu holen.

    Ich war mir so sicher. Sie ist weder mein erster Hund noch bin ich unerfahren im Umgang mit gehandicappten Lebewesen. Und wie gesagt: Sie ist süß, sogar stubenrein, macht nichts kaputt. Und trotzdem sitze ich hier und mein Körper (nicht mein Verstand. Auf bewusster Ebene weiß ich, dass ich alles richtig mache und dass es ihr bei mir gut geht) will mich davon überzeugen, dass ihre Anschaffung ein Fehler war.

    Was mache ich nur?

    Bitte helft mir.

  • schau mal hier:
    Puppy Blues

  • Puh, das ist traurig, aber meine erste Frage ist: was stört Dich, dass Du emotional so neben Dir stehst?

    Die Hündin ist erst wenige Tage bei Dir und ich hoffe, Dein Gemütszustand wird sich bald ändern

    Doch sollte das nicht so sein, bliebe nur die Abgabe, was nicht schön, aber fair wäre

  • Mach dir bewusst in welcher Situation du bist und woher dieses Gefühl kommt.

    Du sagst selbst, dass sie unkompliziert ist (so weit das bei einem Hund mit Handicap möglich ist) und du auch Hundeerfahrung mitbringst. Ihr Einzug ist erstmal eine neue Situation und neue Situationen werden gerne vom Gehirn erstmal als Gefahr eingestuft.

    Lass dir Zeit, mach dir klar was gerade los ist und gebt euch Zeit😊

  • Das wäre auch mein Tipp: gib dir selbst (und natürlich auch der Hündin!) Zeit. Es ist eine Umstellung für dich (und für sie, aber sie macht das ja wohl richtig gut), das braucht Zeit. Du schaffst das!

  • Ich will und werde ihr Zeit geben.
    Um mein eigenes Nervensystem auszutricksen, sage ich mir konstant "Halt' erstmal drei Monate durch und schau' dann weiter", nur dieses Bauchgrummeln geht nicht weg. Ich esse sogar weniger, obwohl ich eher zum Kummerfressen neige.

  • Was du beschreibst, kommt tatsächlich häufiger vor, als man denkt. Gerade wenn man eine Entscheidung trifft, die emotional wichtig ist und Verantwortung mit sich bringt, kann das Nervensystem erst einmal auf Alarm gehen, obwohl rational alles passt.

    Dein Verstand scheint ziemlich klar zu sein. Du siehst den Hund, du beschreibst ihn als unkompliziert, du weißt, dass du Erfahrung hast. Gleichzeitig meldet sich ein anderer Teil in dir und fragt immer wieder „War das richtig?“. Das fühlt sich unangenehm an, heißt aber nicht, dass deine Entscheidung falsch war. Oft ist es einfach ein Teil von uns, der Sicherheit herstellen will und deshalb alles noch einmal hinterfragt.

    Dass dein Körper so reagiert, zeigt eher, wie ernst du Verantwortung nimmst. Dein System versucht gerade, sich auf eine neue Realität einzustellen. Veränderung, auch eine schöne, bedeutet für den Körper erst einmal Anpassung.

    Du machst etwas sehr Kluges, indem du dir Zeit gibst und dir selbst diesen Drei-Monats-Rahmen setzt. In dieser Zeit darf sich alles sortieren. Der Alltag mit ihr wird normaler werden, Routinen entstehen, und oft beruhigt sich genau dadurch auch dieses innere Alarmgefühl.

    Im Moment musst du nichts entscheiden und nichts „lösen“. Es reicht, den Alltag gemeinsam zu leben und zu beobachten, wie sich dein System langsam anpasst.

  • Danke. Das hilft etwas.

    Ich hoffe wirklich, dass sich dieser flaue Magen in den nächsten Tagen legt. Ich bin Diabetikerin und ironischerweise ist es nicht gut, wenn ich nur einmal am Tag eine kleine Mahlzeit esse, aber mehr kriege ich im Moment nicht runter.

    Nani geht es gut und sie benimmt sich wirklich vorbildlich. Sie kaut nichts an, außer ihre Kauartikel. Sie hat gestern (an ihrem zweiten Tag hier) sogar schon ihr Schweineohr "verbuddelt" was mir zeigt, dass sie sich hier häuslich einrichtet. Sie meldet, wenn sie muss (was absolut fantastisch ist) und benimmt sich auch an der Leine sehr gut. Zerrt nicht und nichts.

    Ihre neurologischen Einschränkungen scheinen aber heftiger zu sein als mir ursprünglich mitgeteilt wurde. Ihre Augen halten nie still, sie scheint Probleme damit zu haben, Dinge zu fixieren und setzt sich draußen gar nicht selten hin, um zu beobachten, statt wie ein "normaler Hund" durchgängig rumzulaufen. Wir haben nächste Woche einen Termin beim Tierarzt, ich hoffe, das bringt dahingehend auch nochmal etwas Klarheit.

  • Das mit dem Hinsetzen draußen würde ich auch nicht sofort als neurologisches Problem sehen. Viele Hunde setzen sich bewusst hin, um ihre Umgebung erst einmal zu beobachten. Eigentlich ist das sogar etwas Positives – sie reagiert nicht hektisch auf alles, sondern nimmt sich Zeit, Dinge zu verarbeiten.

    Der Tierarzttermin ist natürlich trotzdem sinnvoll, einfach um Klarheit zu bekommen. Aber vieles von dem, was du beschreibst, klingt nach einem Hund, der gerade langsam in seinem neuen Leben ankommt.

  • Bist du alleine im Haushalt oder gibt es eine andere erwachsene Person, die dich vor Ort unterstützt und mit der du dich austauschen kannst. Das hat uns total geholfen, dieses miteinander sprechen, austauschen, erden.

    Hast du einen Termin bei einem normalen Tierarzt oder hast du direkt einen mit Spezialisierung auf Neurologie rausgesucht? Ich kann mir aber schon vorstellen, dass auch die Hündin gerade ordentlich verarbeiten muss, was in der letzten Zeit alles passiert ist. Und ihr erklärt niemand, warum das, was sie alles durchmachen musste nach dem Unfall eigentlich nur zu ihrem besten ist. Auch wenn nicht alle Erfahrungen positiv waren.

    Von den motorischen Auffälligkeiten her könnte ja vllt. Physiotherapie helfen. Aber eins nach dem anderen. Sie muss erst einmal ankommen und eine gewisse Sicherheit finden.

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