Pudel beißt extrem - wie soll ich eingreifen?

  • Hallo! Wir haben einen 7 Monate alten Zwergpudel, der als Zweithund zu uns gezogen ist. Er ist an sich ein sehr lieber Kerl, im Vergleich zu meinem Ersthund damals als Welpe, würde ich sagen, dass er im Alltag auch ziemlich ausgeglichen ist. Nur das Problem ist: Er dreht total schnell hoch, sobald ihm etwas nicht passt und beißt dann um sich wie eine wilde Bestie. Es ist wirklich ganz extrem und er knurrt und vibriert dabei auch noch, so als ob er absolut gestresst wäre. Die Situationen sind unterschiedlich, beispielsweise:

    - Wenn wir ihm ein Geschirr anziehen/ausziehen

    - Wenn ich ihn abends die Treppe hochtragen möchte (er kann nicht alleine die Treppen hoch, weil er zu klein ist)

    - Wenn er gerade an etwas knabbert und man zu nah dran ist

    - Wenn man ihn mit einem Handtuch abtrocknet, auch wenn es noch so vorsichtig ist

    - Wenn ich ihn bürste/kämme (schlimm)


    Unser Ersthund hat keinerlei Probleme in die Richtung, ganz im Gegenteil. Ich weiß, das klingt erstmal so, als seien wir zu grob mit dem Kleinen. Ich kann aber auch sagen, dass es viele Momente gibt, in denen möchte er angefasst werden oder springt sogar auf meinen Arm, einfach so. Das heißt, er ist nicht abgeneigt von jeglichem Körperkontakt, sondern scheint einfach nur sehr schnell aggressiv zu werden, wenn er sich übergriffig behandelt fühlt.


    Meine Frage: Hat er "recht" und sollte ich ihn in solchen Situationen einfach in Ruhe lassen? Manchmal geht es schlecht, ich muss ihn ja schließlich bürsten und er möchte ja auch abends nach oben und alleine kann er es halt nicht. Wenn ich dann zB ohne ihn hochgehe, weint er, wenn ich dann runtergehe, springt er plötzlich freiwillig auf den Arm, aber einfach die Tatsache, dass er vorher immer so ein Theater macht... Habe das Gefühl, es ist eine Vertrauensfrage und er fühlt sich einfach noch nicht sicher genug...


    Würde mich über eure Meinung freuen

    Lg

  • Ist dein Pudel neu bei euch oder habt ihr ihn schon seit der Welpenzeit?


    Falls ihr ihn schon seit Welpe habt, verhält er sich schon von Anfang an so?


    Verhält er sich allen Personen im Haushalt gegenüber gleich mit seinem Abwehrverhalten?


    Warum ist er zu klein, um alleine die Treppe hochzulaufen?


    Normalerweise ist ein Zwergpudel mit 7 Monaten doch schon weitgehend ausgewachsen, zumindest was die Größe angeht, da sollte eine Treppe kein Problem mehr sein.

    Treppenlaufen nach oben ist sowieso weit weniger belastend als abwärts. Daher wundere ich mich, daß du ihn aufwärts trägst, aber nicht abwärts. Gibt es spezielle gesundheitliche Gründe dafür?

    Falls nicht, kannst du euch beiden schon mal einen täglichen Konflikt erparen, wenn er die Treppen alleine hoch und runterlaufen kann.


    Scherst du ihn selbst oder macht das eine Hundefriseurin? Falls letzteres, wie verhält er sich bei ihr?


    Wenn er beim bürsten oder abtrocknen knurrt, hörst du dann auf oder machst du weiter? Oder hältst du kurz inne und machst dann weiter?

  • Was mir erst mal auffällt ist, dass alle genannten Situationen mit Nähe/Körperkontakt zu tun haben.


    Als Mensch ist einem gar nicht bewusst, wie sich so eine Situation für den Hund anfühlen muss. Da kommen zwei Hände von (anfangs noch unbekannten) Menschen und reissen einen hoch, so dass man den Boden unter den Füßen verliert. Eigentlich wollte man grade spielen oder schlafen oder müsste dringend Pipi machen, aber dann schleppen sie einen über einen eigenartigen Hügel, den sie Treppe nennen und plötzlich ist man wo, wo es ganz anders aussieht und riecht.


    "Meine" Rasse ist ja bekannt dafür, dass sie sehr distanziert zu Fremden ist. Das hat sie uns Nomi als Welpe auch spüren lassen. Streicheln und spielen: ja geht, macht Spaß. Kontaktliegen, anfassen in "gruseligen" Situation bei denen sie hochgehoben werden musste: bleibt mir bloß vom Leib ihr schrecklichen Zweibeiner!


    Nomi war auch eine Zeit lang mega gestresst, hat gezittert und war im totalen Fluchtreflex, wenn es ans Bürsten ging.


    Unsere Strategie, um das hinzubekommen: Geduld und eine klare Vorgehensweise.


    Viel angenehmer für den Hund ist es doch, wenn du berechenbar bist. Hast du schon versucht, hochheben und bürsten ect. mit einem bestimmten Wort zu verknüpfen? Wir verwenden z.B. "Hopp" fürs Hochheben und haben das auch langsam und für den Hund im erträglichen Maße aufgebaut. Hochwertiges Leckerli in die Hand genommen, den Hund gerufen, "Hopp" gesagt, unter den Bauch gefasst, Vorderpfoten ein wenig angehoben, den Hund kurz aushalten lassen, wenn er ruhig und entspannt war war ganz viel loben, Leckerli rein und fertig. Keine ewigen Wiederholungen und ein klares Ende. Das Ganze immer weiter steigern, immer höher, immer länger, ein paar Schritte gehen, aufs loben und belohnen nicht vergessen!


    Wichtig find ich dabei noch, selbst ruhig zu bleiben und in Gedanken beim Hund zu sein. Wenn man nebenbei am Handy daddelt, während man die Treppe hochläuft, übersieht man wichtige Körpersignale. Ziel soll sein, dass der Hund weiss, was als Nächstes kommt und sich daran gewöhnt ohne gestresst zu sein.


    Beim Bürsten ebenso: den Hund am Werkzeug schnuppern lassen, kurze Einheiten (zu Beginn ein paar Bürstenstriche), Pausen machen. Den Hund nicht "entlassen", solange er noch sehr gestresst ist, lieber ohne Bürsten, nur mit ein wenig festhalten noch warten bis er runter kommt, streicheln, je nach Typ ein bisschen spielen und mit was Schönem verknüpfen.


    Bei euch kann ich mir gut vorstellen, dass es schon was bringt, wenn erst mal der Druck wegfällt. Wenn du das Ganze mit was Schönem verknüpfst. Nicht mit zack und hoch sondern mit schmusen und streicheln beim hochheben. Setz dich zum Hund mit einem Spieli auf den Boden, wenn er neugierig angedackelt kommt, hast du die Möglichkeit, ihn wie oben beschrieben mit Ankündigung ein wenig anzuheben, ohne dass gleich allzu viel passiert.


    Wenn du den richtigen Zeitpunkt wählst, spielt dir das auch in die Hände.

    Bürsten kann man ganz in Ruhe üben, wenn der Hund satt ist und schon ein bisschen müde, wenn alle sonstigen Bedürfnisse befriedigt sind wie Blase entleert und gut mit dem Kopf beschäftigt worden zu sein. Dann hat der Hund auch viel besser die Nerven und die Konzentration für gruselige oder nervige Situationen.


    Hast du mit dem Hund geübt oder hast du einfach gemacht, was nötig war (abtrocknen, Geschirr drüber usw.)? Bei manchen Hunden funktioniert das gut, da leben die Besitzer nach dem Motto "da muss er jetzt durch, da muss er sich dran gewöhnen" und es passt. Als Alternative hat man aber die Möglichkeit, zu üben und das ist bei euch mMn der Weg, den ihr euch überlegen sollt.

  • Meine Frage: Hat er "recht" und sollte ich ihn in solchen Situationen einfach in Ruhe lassen?

    Huhu :winken:

    Ich für mich betrachte es so, dass meine Tiere aus ihrer Perspektive grundsätzlich recht haben.

    Sie haben sich nicht ausgesucht bei mir zu leben und ich tue auch darum gut daran bescheiden auf Situationen zuzugehen in denen ich etwas von ihnen will.

    Dass ich „ihn in solchen Situationen einfach in Ruhe lassen“ sollte folgt für mich daraus aber nicht. Dein Pudel lebt bei dir und ihr müsst ganz viele noch komplizierte Dinge miteinander schaffen.

    Ich würde zuerst so genau wie möglich schauen wo sein Stress beginnt. Ich empfehle bei solchen Fragen immer sehr diese DVDs hier: https://www.rettungspfoten.de/…e-des-hundes-850-008.html Ich selbst habe seit Jahrzehnten Hunde und konnte trotzdem ganz viel wichtiges daraus lernen.

    Dann würde ich auf Wegen wie King-Kong sie schon super beschrieben hat daran arbeiten diese für den Kleinen (Wie heißt er eigentlich?) bisher gruseligen Situationen zu etwas leichtem, erfreulichen zu machen.

    Habe das Gefühl, es ist eine Vertrauensfrage und er fühlt sich einfach noch nicht sicher genug...

    Das denke ich auch. Aber du kannst sein Vertrauen ganz bestimmt gewinnen, wenn du verlässlich für ihn bist und verstehst was der Kleine dir wann sagt, wo er warum Grenzen setzen möchte.

    Das bekommt ihr hin. :nicken:


    Viel Glück und eine ruhige, freundliche Adventszeit 🍀

  • Hallo! Wir haben ihn schon seit er 11 Wochen alt ist, also seit Anfang an. In den ersten Wochen war er sehr ruhig und zurückhaltend, aber nicht ängstlich. Mittlerweile ist er eher manchmal etwas zu mutig, vor allem bei fremden Hunden. Uns Menschen gegenüber ist er die meiste Zeit sehr freundlich und verspielt. Er überdreht auch nicht so, wie ich das von Elmo damals noch kenne. Also eigentlich alles super. Nur solche unangenehmeren Aktivitäten wie Bürsten und Co., da wird er auf einmal richtig sauer. Ich bin diejenige in der Familie, die dafür zuständig ist, daher beißt er dann meist auch nur mich, aber grundsätzlich würde er es bei jedem machen.


    Sorry, ich habe das blöd formuliert, ich trage ihn die Treppe natürlich auch runter. Das Runtertragen findet er meist gar nicht schlimm, weil er nach dem Schlafen auch eigentlich immer sofort nach unten will, allein schon, weil Elmo ja vorrennt und er sich stark an ihm orientiert. Die Treppenstufen sind sehr hoch, also weit auseinander, deswegen klappt es nicht so gut. Er kann sie raufklettern, aber er rutscht manchmal ab und es sieht sehr riskant aus. Runterlaufen hat er auch ein paar Mal probiert, aber dann die letzten drei Stufen springt er ab, was ich nicht so toll finde. Ich hab mich schon gefragt, ob er mit 7 Monaten noch etwas wächst, oder ob es das war. Habe da verschiedene Sachen im Internet gelesen, was ist denn deine Erfahrung?


    Geschert habe ich ihn bis jetzt nur mit einer kleinen Maschine für die Pfoten und den Po. Ansonsten mache ich die Augen nur mit einer Schere frei. Wollte mit dem richtigen Scheren noch warten bis das richtige Haar durchgekommen ist. Er sieht noch immer aus wie ein Welpe, also wirklich noch richtige Wellen, keine Löckchen :thinking_face:


    Wenn er knurrt und beißt, knurre ich zurück und dann guckt er mich immer an mit großen Augen und dreht sein Hinterbein zur Seite, so als ob er sich ergeben würde. Wenn ich ihn dann lobe und weitermachen möchte, knurrt und beißt er wieder. Also, so richtig funktioniert die Taktik nicht.

    • Neu

    Manchmal hilft einfach das richtige Futter - aber wie findet Ihr es?

    Ich hatte schon viele Hunde und die Erfahrungen haben mich gelehrt, dass jeder andere Ansprüche an die Ernährung hat. Mal legen sich Verdauungsstörungen durch eine Futterumstellung, ebenso können Fellprobleme abklingen. Schlanke Windhunde leiden nicht selten unter nervösen Störungen, wenn der Proteingehalt zu hoch ist; sie benötigen eher Kohlehydrate zur sofortigen Energiefreisetzung. Andere Rassen wie sportliche Huskys brauchen stattdessen hochwertige Proteine, während Kohlehydrate nur ansetzen würden.


    Das Alter spielt ebenso wie die Konstitution eine Rolle für den individuellen Bedarf und einige Krankheiten erfordern eine spezielle Nährstoffzusammensetzung.


    Aber ehrlich, welcher Hunde- oder Katzenhalter blickt bei den vielen Herstellern, Marken und Inhalten wirklich durch? Ich nicht - zum Leidwesen meiner Hunde. Daher habe ich es mit einem unverbindlichen Futtercheck versucht der übrigens nicht nur für Hunde ist, sein Katzenfutter kann man dort auch finden.


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    Einfach den Futtercheck ausprobieren - ich bin sehr glücklich, auf diesem Weg nun das richtige Futter gefunden zu haben.


    Liebe Grüße Tobi hugging-dog-face


  • Das ist ein echt guter Tipp, danke! Wir haben vieles wie bei Elmo damals gemacht und so auch relativ unvorsichtig einfach gebürstet, gewaschen, Geschirr angezogen, etc. ohne das vorher Schritt für Schritt anzugehen, weil die Trainerin von Elmo damals das so erklärt hat, wenn ein Welpe da von Anfang an selbstverständlich heran geführt wird, wird es auch zur Selbstverständlichkeit. Aber Leo ist vielleicht sensibler und wir müssen es vielleicht alles viel langsamer machen.

  • Wenn er gerade an etwas knabbert und man zu nah dran ist

    Abgesehen von dem Punkt hier sind das alles Aktionen mit Körperkontakt im Bereich der Schultern bzw. des Rumpfes. Und je nach dem von welcher Richtung man kommt, könnte auch da die Erwartungshaltung sein, dass dort gleich angefasst wird.

    Ich würde da auch auf jeden Fall mal einen gründlichen Tierarzt Check empfehlen, wenn nicht schon passiert.

  • Ziepts beim Bürsten?

    Warum nicht das Fell kurz halten? dann ziepts weniger.

    Mal ne andere Bürste ausprobieren.


    Ich würde das Bürsten nicht solange machen, BIS er beisst, sondern nur bis er sich steif macht oder andere Zeichen gibt. Dann kurz pausieren. Zeig ihm, dass du auf seine Bedenken reagierst, BEVOR er so deutlich werden muss. Gleichzeitg aber ganz ruhig und konsequent immer ein bisschen weiter machen, viel viel belohnen.


    Das Tragen: Statt nach dem Hund zu greifen, würde ich mich hinsetzen, ihn auf den Schoß klettern lassen und dann mit dem Hund aufstehen.


    Insgesamt IMMER ankündigen, dass du ihn gleich anfasst, immer erst ansprechen, nie ohne Vorwarnung irgendwas tun.

    Geschirr nicht drüberziehen, sondern Kopf durchstecken üben usw.


    Also insgesamt: Den Hund mehr einbeziehen, mehr mitarbieten lassen, mehr auf Kommunikation achten. Nicht wie ein "Ding" behandeln, das man einfach vom boden aufhebt etc.

    Wenn ihr all das schon tut: Dann noch mehr drauf achten. in allen Situationen.

  • Das ist ein echt guter Tipp, danke! Wir haben vieles wie bei Elmo damals gemacht und so auch relativ unvorsichtig einfach gebürstet, gewaschen, Geschirr angezogen, etc. ohne das vorher Schritt für Schritt anzugehen, weil die Trainerin von Elmo damals das so erklärt hat, wenn ein Welpe da von Anfang an selbstverständlich heran geführt wird, wird es auch zur Selbstverständlichkeit. Aber Leo ist vielleicht sensibler und wir müssen es vielleicht alles viel langsamer machen.

    Ich versteh dich gut. Wir hatten auch meist ziemlich abgeklärt Hunde, was das betrifft, richtige Haudraufs, mir-ist-alles-egal-Hunde. Unser deprivierter Jagdhund- Pflegi war ohnehin in allem etwas "äm, speziell", den lass ich mal aussen vor. Nomi ist jetzt der erste Hund, der tatsächlich so unglaublich fein reagiert, die kleinste Stimmungsschwankungen und Körpersignale wahrnimmt. Sie denkt zuerst nach und zieht ihre eigenen Schlussfolgerungen (was auch bedeuten kann" "Nö, gefällt mir nicht, ich geh dann mal"). Im Ansatz kenn ich das von unseren anderen nordischen, aber in der Ausprägung hab ich das auch das erste Mal.


    Es erfordert eben ein Umdenken und sich drauf einlassen. Man muss sich selbst zurücknehmen und viel besser überlegen, was wie beim Hund ankommt, welche Verhaltensketten gebildet werden, wie man am Besten zum Ziel kommt.

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