Schutztrieb

  • Hi,
    Sino ist eindeutig ein Schutzhund. Einer von der angenehmen Sorte. Selbstbewusst, sicher und geht eigentlich erst dann richtig vor, wenns wirklich brennt. Die Aufgabe gerade nachts besteht aber eindeutig darin, immer sicherzustellen, dass der Hund nicht fälschlicherweise jemand verdächtigt gefährlich zu sein. Ich vermeide deshalb nachts jeden Kontakt zu fremden Menschen. Hier ist viel Platz, da geht das. Manchmal hab ich den Eindruck dass ihm nachts fremde Jogger mit Kapuze über den Kopf gezogen suspekt sind. Tagsüber ist er in Alltagssituationen Menschen gegenüber lammfromm, es sei denn es nähert sich wirklich jemand aggressiv.
    Wachtrieb, ja aber lässt sich gut steuern. Für Besuch sind die ersten Minuten ausschliesslich wir zuständig, wenns schellt gibts ein wau und er bleibt auf der Decke liegen. Im Garten am Zaun achten wir drauf dass er nicht ausflippt wenn ein anderer HH mit Hund kommt, allein ist Sino im Garten niemals.

    Territorialtrieb: Ja leider. Er hat sich vorgenommen 100 km nördlich unseres zuhauses und 100 km südlich alle unkastrierten Rüden zu vertreiben, Ordnung muss sein. In der Hundeschule kam Sino mit einem kastrierten Rüden relativ gut klar, er machte keine Anstalten den anderen zu verjagen. Jetzt haben wir den HH nebst Hund zufällig 100 m von unserem Haus entfernt getroffen, die Hunde erkannten sich auch, aber Sino war außer sich wie sich der andere Hund hierher wagen könne. Da wärs mit Frieden vorbei gewesen. Natürlich war Sino an der Leine und es ist nichts passiert.

    Einbrecher möcht ich bei uns nicht sein allerdings würde Sino bereits den Krach beim versuchten aufbrechen bemerken und warnen.

    Ich bin für die Gesamtkonstellation eigentlich recht dankbar. Dafür hat er wenig bis keinen Jagdtrieb. Es ist sehr witzig wenn wir durch einen Schwarm Kanadagänse laufen oder auf der Weide alle Ponnies angelaufen kommen um ein bisschen an Sino rumzuschnüffeln. Da brauch ich keine Sorge haben dass was passiert.

    Die Körpersprache von Sino ist klar erkennbar, jeglicher geplanter Angriff ist gut ablesbar. Manchmal seh ich schon am Kopfrucken dass er irgend etwas anpeilt und kann sofort eingreifen, ohne dass er sich überhaupt aufplustert. bei solchen Hunden ist es wirklich wichtig, wenn man weiss was grad in dem Hund vorgeht. macht das Helikoptern etwas einfacher.

    LG

    Mikkki

  • Einfach weil es gut ist zu wissen, wie der Hund in Situation xy reagiert.

    Aber genau das ist doch das Problem. @dagmarjung hat es schön geschrieben: Der Hundeplatz ist NICHT die Situation, die Straße ist die Situation.

    Ja was wenn es keinen anderen Weg gibt? Wenn kein Auto oder Mann vorhanden sind?

    Aber die Straßenseite wird man trotzdem wechseln können ;) Ja wenn das alles so ist, und es nicht anders geht, und der Hund in erster Linie zum Schutz da sein soll, dann lass den Hund halt ausbilden aber erwarte von einem unsicheren und untrainierten Hund keinen kontrollierten Schutz. Ich finde diese Anspruchshaltung irgendwie merkwürdig. Mag daran liegen, dass ich die Erfahrung gemacht habe, das laienhaft geförderter Schutztrieb anstrengend und auch gefährlich sein kann und einem das Zusammenleben mit dem Hund unnötig erschwert und vor allem den Hund auch stresst. Es ist wichtig, dass ein Hund weiss, wann eine Reaktion von ihm erwartet wird und wann nicht. Der Hund DARF nicht selbst entscheiden, sonst können genau diese Dinge passieren, die wir aktuell wieder überall reißerisch zu lesen bekommen.

  • Aber die Straßenseite wird man trotzdem wechseln können ;) Ja wenn das alles so ist, und es nicht anders geht, und der Hund in erster Linie zum Schutz da sein soll, dann lass den Hund halt ausbilden aber erwarte von einem unsicheren und untrainierten Hund keinen kontrollierten Schutz. Ich finde diese Anspruchshaltung irgendwie merkwürdig. Mag daran liegen, dass ich die Erfahrung gemacht habe, das laienhaft geförderter Schutztrieb anstrengend und auch gefährlich sein kann und einem das Zusammenleben mit dem Hund unnötig erschwert und vor allem den Hund auch stresst. Es ist wichtig, dass ein Hund weiss, wann eine Reaktion von ihm erwartet wird und wann nicht. Der Hund DARF nicht selbst entscheiden, sonst können genau diese Dinge passieren, die wir aktuell wieder überall reißerisch zu lesen bekommen.

    Nun ja, ich würde mit meinem Hund so etwas auch nicht ausprobieren, einfach weil ich die Einstellung habe, dass ICH auf meinen Hund aufpasse und nicht umgekehrt. Ich kann aber trotzdem verstehen, dass man die Sicherheit benötigt, zu wissen, wie sich der Hund benehmen könnte (und ja ich weiß die Situation am HP ist eine andere als woanders). Wie gesagt, es könnte helfen um selbst zu lernen, wie man so eine Situation im Sinne aller Beteiligten lösen kann.

    Ich bin ebenfalls der Meinung, dass der Hund erst gar nicht in die Lage kommen sollte, zubeißen zu müssen - das ist für mich immer noch der schlimmste Ausgang, vor allem für den Hund.

    Klar kann ich die Straßenseite wechseln, aber mir ist es auch schon passiert dass Männer dann ebenfalls die Seite gewechselt haben - ich finde es einfach unmöglich dem "Opfer" eine Teilschuld an einer solchen Situation zu geben.

  • Hi,
    @day-flying moth: Ich muss mal nachfragen wie groß und wie schwer dein Hund ist. Ich fürchte in einem Ernstfall könnte ein 15 kg Hund bei einem oder mehreren 1,85 m Typen nicht viel ausrichten. Wär eine ganz üble Situation.
    Meide solche Situationen, wenns irgend geht. Trainieren würd ich nicht glaub ich. Entweder ein Hund hat dieses Wesen oder nicht, ich würds dabei belassen wie es ist.
    Wenn Du möglicherweise mit Pfefferspray üben würdest, könntest du für dich ein besseres sicherheitsgefühl errreichen. scheint mir leichter zu sein.

    LG

    Mikkki

  • Schutztrieb? Hier!
    Wachtrieb? Hier!

    Beides vorhanden und beides nicht zu knapp. Leider gepaart mit Unsicherheit und fehlender Souveränität. Deswegen wird eng geführt und viel Wert auf Gehorsam gelegt.

    Bei unvermittelten Ansprachen auf der Straße geht er durchaus mal mit Getöse nach vorne in die Leine, ist aber schnell runtergeholt und dankbar wenn ich ihn aus der Situation hole. Kommt auch selten vor, da wir selten angesprochen werden. Wenn, dann in der Regel von Männern die ihn toll finden (ist optisch halt ein Männer-Hund). Findet er eher mittelprächtig.

    Für ihn fällt schnell etwas in die Katogerie bedrohlich oder unheimlich, insbesondere wenn es dunkel ist. Anfangs (kam erst mit knapp zwei Jahren zu mir) war er ständig auf habacht Stellung und hat alles unablässig gescannt. Inzwischen überlässt er das weitgehend mir und nimmt Führung dankbar an. Da reicht ein Schnalzen/Nein und kurzer Blickkontakt.

    Fremde Menschen in meiner unmittelbaren Nähe? Bus? Bahn? City?Kein Problem. Doof wird er (wenn er frei agieren dürfte) wenn fremde Menschen Interaktion mit mir oder ihm wollen.

    Ich habe draußen immer ein Auge auf ihn. Er ist ein Hund dem man Entscheidungen abnehmen muss, der klare Führung und einen eng gesetzten Rahmen braucht. Dann ist er entspannt und alles gut.

    Leider kann er sich selbst schlecht regulieren. Es gibt nur wenige Abstufungen in seinem Schutztrieb. Da ist der Wachtrieb deutlich nuancierter. Er knurrt und grummelt zunächst wenn er etwas hört was seiner Meinung nach nicht dahin gehört. Nur wenn wir nicht reagieren wird gebellt und gucken gegangen. Wenn er aber was/wenn findet, dann wird in den Schutztrieb geswitcht, der - sich selbst überlassen - wieder sehr heftig und beeindruckend ist.

    Ich hab seit vielen Jahren Gebrauchshundrassen. Wenn ich mit Schutz- und Wachtrieb gar nichts anfangen könnte, wären es andere Rassen geworden. Moderat ausgeprägt ist es absolut willkommen. Ist es stärker ausgeprägt, muss ich enger führen. Ich komme gut damit zurecht, wünsche mir aber oft mehr Souveränität beim jetzigen Hund.

  • Hi,
    @day-flying moth: Ich muss mal nachfragen wie groß und wie schwer dein Hund ist. Ich fürchte in einem Ernstfall könnte ein 15 kg Hund bei einem oder mehreren 1,85 m Typen nicht viel ausrichten. Wär eine ganz üble Situation.
    Meide solche Situationen, wenns irgend geht. Trainieren würd ich nicht glaub ich. Entweder ein Hund hat dieses Wesen oder nicht, ich würds dabei belassen wie es ist.

    LG

    Mikkki

    Er wiegt derzeit 21kg und ist 60cm groß. Ich glaube du hast mich da missverstanden, ich will ja überhaupt nicht dass mein Hund jemanden beißt - ich löse das Problem, auch wenn ich eine zierliche 160cm Frau bin :pfeif: Ich würde es nie darauf ankommen lassen, mein Hund ist noch nicht einmal 1 Jahr alt!

    Schutz würde ich sowieso nie machen (können), Ernie ist viel zu freundlich zu anderen Menschen, der würde sie umwerfen weil er sie begrüßen möchte :lol:

  • ich finde es einfach unmöglich dem "Opfer" eine Teilschuld an einer solchen Situation zu geben.

    Wieso eine Teilschuld? Es geht nicht darum wer woran Schuld hat, sondern das einen solche Situationen zum nachdenken anregen sollten, etwas zu ändern und sich ggfs. nicht erneut in eine solche zu begeben. Ich denke, jedem ist schon einmal etwas in der Art passiert und man hat für sich seine Konsequenz daraus gezogen, um so eine weiter Erfahrung mit größtmöglicher Wahrscheinlichkeit zu vermeiden. Ein Hund kann dich im schlimmsten Fall auch nicht schützen.

  • Mir ist schon wichtig zu wissen, ob er mich im Ernstfall beschützen würde.
    Vielleicht fahre ich mal mit ihm auf einen Hundeplatz um es dort testen zu lassen?

    ich habe das grade nicht richtig im Kopf, aber du schreibst, dein Hund hätte schon öfter auf Menschen 'reagiert' bzw geantwortet. Ist er ein Hund, der auch mal Menschen anpöbelt?

    Dann würde ich ehrlich gesagt nen Teufel tun, das auch noch irgendwie auf nem Hundeplatz zu fordern oder zu forcieren..

    Ich finde es bei Hunden, die recht häufig Menschen anpöbeln einfach schwer zu sagen, wo da die Grenze zwischen Unsicherheit und Schutztrieb ist. So vom Lesen her. Daher wäre ich da einfach extrem vorsichtig..
    Zum einen, um nicht ungewollt den Hund in seiner Unsicherheit zu bestärken und zum anderen um nicht einen vor handenen Schutztrieb im Alltag noch mehr nach außen treten zu lassen.


    ich finde die Frage nach dem Schutztrieb auch irrsinnig schwer zu beantworten.. ich überlege schon, wie ich es beschreiben könnte, seit ich den Thread hier gestern entdeckt habe...

    Bei Ares merkt man es am ehesten an der Körperspannung.. ist er neutral, latscht er einfach nur durch die Gegend. Schaltet sich wegen irgendwas der Schutztrieb ein, ist da auf einmal eine ganz andere Spannung im Hund. Er hat dann auch eine ganz andere Aufrichtung bei Kopf, Ohren und Rute..
    Man merkt ihm einfach von einer auf die andere Sekunde an, dass er plötzlich 'ernst' wird.. Dabei ist er aber absolut leise. Menschen anbellen oder anknurren ist aber auch nicht erlaubt.

    Mia ist da anders, da schaltet sich Schutztrieb viel später ein. Die hat so gesehen in den 5 Jahren bei uns einmal sehr deutlich Schutztrieb gezeigt, da war sie aber auch echt bedingungslos nach vorne gegangen. :verzweifelt: Sie löst tatsächlich aber auch erst gefühlt ne Sekunde bevor sie los geht aus.

    solange ich nicht aktiv angegangen werde, haben meine Hunde die Backen zu halten (wenn es mal nur um mich geht). Ich fuer mich ganz persoenlich erlaube max. ein beobachten, solange nicht mehr vom Gegenueber kommt.

    genau so halte ich das im Alltag auch.

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