Der "gefährliche" Hund

  • Grob herunter gebrochen müsste das ansich ungefähr bedeuten, dass nicht etwa sehr aggressive Hunde potentiell gefährlicher sind, sondern sehr beuteorientierte.

    Ich finde deine Gedanken ja ganz spannend, aber es ist für die Beurteilung der GEFÄHRLICHKEIT nicht die Frage entscheidend, ob der Hund aggressiv oder nicht aggressiv ist, sondern eben, ganz einfach, ob er gefährlich ist.

    Und ja, selbstverständlich ist extremes Beutefangverhalten oder wie immer man es nun nennen möchte, sehr gefährlich. Gerade die typische Auslöserkette - Mensch rennt weg, fällt hin, Hund beisst zu - liegt darin begründet.

    Von daher ist die Frage - ist das Jagdverhalten oder ist es Aggression, z.B. gegen Konkurrenten oder Eindringlinge - total irrelevant. Beides ist, kontextabhängig, für Menschen gefährlich, WENN es auch noch mit der entsprechenden Größe/Kraft einhergeht.

  • Persönlich, vielleicht habe ich da einen Denkfehler:ka:, halte Jagdverhalten für gefährlicher als Schutz/Wach/Territoriales Verhalten.

    Weil wenn der Hund mich als Beute sieht, kann ich nicht einfach aus der Situation raus, aber in der anderen Situation kann ich dafür sorgen das ich nicht mehr als Bedrohung wahrgenommen werde.

  • Persönlich, vielleicht habe ich da einen Denkfehler:ka:, halte Jagdverhalten für gefährlicher als Schutz/Wach/Territoriales Verhalten.

    Weil wenn der Hund mich als Beute sieht, kann ich nicht einfach aus der Situation raus, aber in der anderen Situation kann ich dafür sorgen das ich nicht mehr als Bedrohung wahrgenommen werde.

    In der Theorie ja.

    In der Praxis wird der erwachsene Mensch als Beuteobjekt wohl eher selten vorkommen und die Ansicht " bei Territorialer Aggression kann ich ja weg gehen", ist in der Realität einfach etwas naiv gedacht, weil man da körperlich einfach im Nachteil ist und du ja nicht weißt, wo der Hund die Grenze zu seinem Wachbereich zieht.

    Nur weil da ein Zaun ist, bedeutet es lange nicht, dass der Hund nicht der Meinung ist, dass sein Zuständigkeitsbereich noch 100m weiter geht.

  • Also bislang habe ich es noch immer geschafft, ob nun 100m oder 10m oder sogar "deeskalierend" stehen bleiben.

    Kann natürlich Glück sein, 4 Fälle von eigener Dummheit sind keine statistisch relevante Menge:pfeif:.

  • Grob herunter gebrochen müsste das ansich ungefähr bedeuten, dass nicht etwa sehr aggressive Hunde potentiell gefährlicher sind, sondern sehr beuteorientierte.

    Das wage ich zu bezweifeln... alle reinen "Beutehunde", die ich kenne, würde ich eher in Pflege nehmen, als die linkslastigen (Aggressions-) Hunde. Letztere sind deutlich gefährlicher imHandling durch Fremde. Nicht umsonst werden reine Beutehunde im SD ja oft als "Beutelutscher" belächelt. Reine Beutehunde brechen unter Belastung im SD erfahrungsgemäß auch eher ein, als Hunde, die im Aggressionsbereich arbeiten.

  • Grob herunter gebrochen müsste das ansich ungefähr bedeuten, dass nicht etwa sehr aggressive Hunde potentiell gefährlicher sind, sondern sehr beuteorientierte.

    Das wage ich zu bezweifeln... alle reinen "Beutehunde", die ich kenne, würde ich eher in Pflege nehmen, als die linkslastigen (Aggressions-) Hunde. Letztere sind deutlich gefährlicher imHandling durch Fremde. Nicht umsonst werden reine Beutehunde im SD ja oft als "Beutelutscher" belächelt. Reine Beutehunde brechen unter Belastung im SD erfahrungsgemäß auch eher ein, als Hunde, die im Aggressionsbereich arbeiten.

    Ich meinte es ein wenig anders bzw nicht zwingend auf SD bezogen.

    Auch @frauchen07, weil mir persönlich im Moment wo was passiert auch eher wurscht wär, aus welcher Motivation raus der Hund handelte und ob das nun Aggression oder Beutefangverhalten gemäß Lehrbuch war. Ich steh nicht drauf, wenn ein Hund mich oder andere verletzt. Auf den Schaden bezogen, der entsteht, ist es gewissermaßen egal, aus welchem Funktionskreis raus er passiert. Tut gleich weh.

    Für die Prävention aber womöglich nicht.

    Vielleicht wird es anhand eines Beispiels klarer, anders kann ich es grad nicht gut beschreiben, was ich ungefähr mein.

    Hatte eine Weile einen Sittinghund. Bis ich verweigerte nochmal mit ihm raus zu gehen und die Halterin inständig anflehte, nen Trainer aufzusuchen, der sich genau ansieht, was der Hund da macht. Das führte zu einseitigem Kontaktabbruch, denn der Hund ist ja nicht aggressiv. Nein, eh nicht, der hat gejagt.

    In meiner Wahrnehmung waren wir kurz davor, dass der Hund Menschen zerlegt, vorallem Kinder, und auf der letzten Runde, die ich mit ihm absolvierte, hab ich gebetet, dass da jetzt niemand läuft oder stolpert und dass ich die 45 Kilo halten kann.

    Für die Besitzerin war er neugierig und aufmerksam.

    Ein Hundetrainer, dem ich zutraue, die Brisanz zu erkennen, hat dann übrigens bestätigt, was ich befürchtete, dass der Hund in nem brandheißen Fahrwasser unterwegs ist. Was aus ihm wurde, weiß ich leider nicht.

    Nur, dass das womöglich so ne Nummer werden hätt können, wie Hamburg 2000 oder Rottweiler beißt Kind, das die Großeltern am Arm schwingen in den Kopf und es verstirbt kurz darauf.

    Also Jagdverhalten, Beute machen. Ein scheiß schief gelaufebes Jagdverhalten.

    Keine große Kommunikation drumrum, keine Eskalation über Tage und Wochen, wie teilweise bei Hunden, die den eigenen Halter beißen und es manchmal vorhersehbar gewesen wäre, sondern Angriff "aus dem Nichts"

    Und sowas könnte man bei manchen Hunden theoretisch doch vorher erahnen, wenn die Wahrnehmung von "Oh oh, das könnte schief gehen" nicht nur auf Verhaltensweisen liegt, die aggressiv wirken.

    Oder als kleines Beispiel. Einer meiner hat ein generelles Hundeproblem. Das sieht aggressiv aus, hört sich so an und ist es auch.

    Hund 2 hat überhaupt kein Problem mit Artgenossen. Und das sieht auch so aus, also nett und friedlich meistens.

    Aber Hund 2 hat in manchen Momenten ein Beuteproblem. Und Hund 2 ist sehr wahrscheinlich in manchen Momenten eher ein Risiko für kleine Hunde, obwohl er anderen Hunden nicht aggressiv begegnet.

    Hund 2, der unaggressive, könnte für kleine Hunde gefährlicher sein, als Hund 1, der aggressive.

    Sollte da jemals was schief gehen, wären betroffenem Hund und Halter vermutlich auch komplett egal, dass ich wahrheitsgemäß sag "Der Hund ist nicht aggressiv".

    Aber um zu verhindern, dass mal was ist, nützt der "Aggressionsblick" nix, weil da keine Aggression ist. Doch da ist Jagdverhalten und die möglichen Risiken entspringen dem auch. Ich brauch den "Jagdblick" um es zu sehen, auf einer aggressiven Ebene passiert da nix, das ankündigt, wenn aus Artgenossen Beute wird.

    Äh. Ist das nachvollziehbar, was ich mein?

  • Klar ist fehlgeleitetes Beutefangverhalten gefaehrlich. Aber ist es wirklich gefaerhlicher als ein Hund der wegen jedem Pups aggressiv reagiert (also eben auch voellig uebertreiben, nur eben nicht beim Beutefangverhalten)?

    Es ist ggf. fuer den Halter einfacher ein Problem zu erkennen, wenn es Aggressionsverhalten betrifft. Aber ich wuerde beides (wenn es uebertreiben/fehlgeleitet/'hirnlos' auftritt) als gleich gefaehrlich ansehen/einstufen :nixweiss:

  • Ja - schon. Nur die Schlussfolgerung ist mir nicht ganz klar :???:

    Dass Beutefangverhalten in puncto Gefahr die von Hunden ausgehen kann nicht gesehen wird, falsch eingeschätzt wird.

    Und dass das sogar der Gesetzgeber tut. Der zb nicht explizit dazu sagt, dass es in Bezug auf manche Rassen gemeint ist, was aber stark anzunehmen ist.

    Das ist jetzt auch etwas vereinfacht, aber es nützt ja eher nix "Aggressionszucht" zu verbieten, wenn das was an den wahrscheinlich gemeinten Linien, zb eigentlich übersteigertes Beutefangverhalten ist. Vermutlich kann man das nicht immer glasklar trennen.

    Wenn, wie ein paar Seiten vorher gemutmaßt, etwa beim Rottweiler fehlgeleitetes Jagdverhalten in der Zucht wirklich häufiger vorkommt und dies der Grund für ein scheinbar gehäuftes Vorkommen schwerer Vorfälle, nutzt es meiner Meinung nach weder der Zucht, den Hunden, den Haltern oder potentiellen Opfern, wenn tendentiell über "Aggression" diskutiert wird, wenn es eigentlich am Jagdverhalten hapert. Dann ist eine problematischer Weg in der Zucht allen Hundeverordnungen zum Trotz keineswegs verhindert oder geregelt.

    Wenn übersteigertes Beutefangverhalten bei den Bull&Terriern ein Thema ist, dann kann ich 1000 Kampfschmusefotos posten und sagen: "Mein Hund ist doch nicht aggressiv" und hat auch noch recht dabei und schaut dann deppert aus der Wäsch, wenn was ist.

    Vielleicht seh ich es falsch, dass das Jagdverhalten in Gefahrhunddiskursen zuwenig vorkommt und bei Hundebesitzern noch weniger. Es kommt mir aber so vor.

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