Hundebegegnungen an der Leine

  • Hey,

    ich eröffne mal den wahrscheinlich 100. Thread über Begegnungen an der Leine, aber ich bräuchte mal ein paar Tipps von euch.
    Die Situation ist folgende: Mein Hund ist jetzt 9 1/2 Monate alt und wiegt knapp 45kg - also eine ganz schöne Nummer, wenn er zieht. An der Leinenführigkeit bin ich natürlich dran und ohne Ablenkung klappt das für sein Alter inzwischen super! Allerdings ist er eben immer noch sehr auf spielen aus und wenn wir an der Leine einen anderen Hund treffen, zieht er und fiept, wenn er nicht hin darf.
    Zu fremden Hunden hat er an der Leine nur in unausweichlichen Situationen Kontakt, sonst nur mit bekannten Hunden beim üben bzw. bei gemeinsamen Spaziergängen. Hier ist er anfangs ebenfalls sehr aufgeregt und ich laufe etwas hinter der anderen Person, damit er den anderen Hund nicht permanent anpielt. Sobald er sich beruhigt hat, kann man teilweise auch entspannt nebenher laufen.

    Meine Frage ist jetzt: wie übe ich am besten, damit er lernt, seine Aufmerksamkeit auf mich zu richten?
    Ist der andere Hund noch ein Stück weg, ist er ansprechbar, reagiert auf das Kommando "Schau", kommt der andere aber näher, klappt das nicht. Momentan manage ich, indem ich ausweiche und ihn absitzen lasse und währenddessen ins Geschirr greife, dann fiept er nur, aber springt nicht los.
    Im Prinzip muss ich ihm ja zeigen, dass ich interessanter bin als der fremde Hund, oder?
    Ich habe außerdem gelesen, dass man Hunde quasi bei Sicht benennt, und ein Leckerli gibt, damit mein Hund weiß "Ah, ein Hund, bei Frauchen gibt's was tolles." Meint ihr das macht Sinn?
    Habt ihr noch andere Vorschläge und Ideen?

    Ach ja: eine Trainerin habe ich und ich bin auch für einen Kurs "Sozial Fit" angemeldet, aber ich würde gerne jetzt schon daran arbeiten, damit es nicht schlimmer wird! :)

    Danke schonmal :)

  • Hallo!

    st der andere Hund noch ein Stück weg, ist er ansprechbar, reagiert auf das Kommando "Schau",

    Daran und damit würde ich arbeiten wollen.
    Das ist die Distanz, wo der Hund noch "funktioniert".
    Also noch nicht näher dran, sondern genau diese Distanz einhalten, und für das richtige Verhalten bestätigen.

    kommt der andere aber näher, klappt das nicht.

    Logisch.
    Noch hat er nicht verstanden, was er soll / darf.
    Und wenn die Ablenkung noch zu groß ist, schaltet sich auch das Gehirn, und somit die Trainingsbereitschaft ab.

    Ich würde den Abstand so weit vergrößern wollen, so daß der Hund auch arbeiten kann.
    Das vereinfacht ihm, und somit auch Dir, das Training!

    Im Prinzip muss ich ihm ja zeigen, dass ich interessanter bin als der fremde Hund, oder?

    Ähm,
    kommt auf die Definition an.
    Ich mache mich in so einer Situation bestimmt nicht zum Hampelmann, damit meine Hunde sich nicht für andere Hunde interessiert.

    Allerdings kann ich meinen Hunden "erklären", daß es sich lohnt, andere Hunde zu ignorieren.

    Ich habe außerdem gelesen, dass man Hunde quasi bei Sicht benennt, und ein Leckerli gibt, damit mein Hund weiß "Ah, ein Hund, bei Frauchen gibt's was tolles." Meint ihr das macht Sinn?

    Meinst Du Zeigen und Benennen?
    Dazu gibt es hier im DF ein Thread. Kannst Du Dich dort mal einlesen.


    Es kommt auch ein bißchen darauf an, wie Du arbeiten willst.
    Wenn Leckerchengabe (keine Bestechung) kein Problem für Dich ist, kannst Du tatsächlich mit Deinem Hund so üben, daß er für sein richtiges Verhalten am Ende eine Futterbelohnung bekommt.

    Ob Du es vorab "benennst", oder doch ein bißchen anders daran arbeitest, bleibt Dir ja überlassen.


    Schöne Grüße noch
    SheltiePower

  • Ich habe außerdem gelesen, dass man Hunde quasi bei Sicht benennt, und ein Leckerli gibt, damit mein Hund weiß "Ah, ein Hund, bei Frauchen gibt's was tolles." Meint ihr das macht Sinn?

    Ja, das macht Sinn. Da kannst du dich ja noch ein bisschen einlesen.

  • Mal eine Frage andersrum: wenn er dann ab und an mal Kontakt haben darf oder du ihn von der Leine lässt, wie sieht das aus?

    Wenn du da vielleicht ansetzt, dass er auch erst mal sich kurz hemmen und abwarten und auf deine Freigabe warten muss, wäre das Ableinen und hinlassen dann die Belohnung, die im direkten Zusammenhang mit dem Konflikt steht.

    Wäre also insgesamt günstig, dass er lert, das Warten und Frust aushalten, sich auch für ihn lohnen kann.

    Und auf der anderen Seite sollte er natürlich lernen, dass er nicht immer zu anderen Hunden darf, sich aber trotzdem ruhig verhalten soll.

    Je nachdem, inwieweit dein Hund schon ein Abbruchsignal kennt, könnte man es ihm auch verbieten und das alternative, ruhige Verhalten dann wieder belohnen.

    Ansetzen würde ich momentan nicht mitten im Konflikt, sondern in Stellvertreterkonflikten.

    Also bei geringerer Ablenkung Frust aushalten üben. Oder so was, wie ruhig an einem Schweineohr vorbeigehen, wenn du es ihm verbietest.
    Andere Hund sind momentan vielleicht noch zu schwer, da macht es Sinn, die Frustrationstoleranz erst mal an anderen Stellen zu üben.

    Und ansonsten, weiter fleißig Leinenführigkeit machen.

  • Meinst Du Zeigen und Benennen?
    Dazu gibt es hier im DF ein Thread. Kannst Du Dich dort mal einlesen.

    Ja, genau - das werd ich machen! Hab es gestern auch schon mal mit der Trainerin zusammen geübt und eine ungefähre Idee bekommen. Das ganze bei einem Abstand wo er noch "funktioniert" und der war gestern sogar relativ klein :)

    Mal eine Frage andersrum: wenn er dann ab und an mal Kontakt haben darf oder du ihn von der Leine lässt, wie sieht das aus?

    Naja, das Ding ist, dass es bei reinen Leinenspaziergängen so gut wie nie zu Kontakt kommt - außer bei bekannten Hunden, wenn wir zusammen spazieren gehen. Sonst im Feld ist er ja frei und wenn der Hund, der uns entgegen kommt auch frei ist, dann sag ich bei geeignetem Abstand (bei dem ich ihn noch stoppen könnte) "okay" und er darf Hallo sagen - je nachdem bleibe ich kurz stehen und die beiden rennen eine Runde, oder ich laufe einfach weiter und rufe ihn - dann kommt er auch fast immer (bis auf bei ein paar pubertären Aussetzern |) ) ist der andere Hund angeleint, oder ich sehe, dass kein Kontakt erwünscht ist, rufe ich ihn, leine ihn an und weiche etwas aus - jetzt werde ich hier das Zeigen und Bennen mit einbauen.
    Wenn er noch an der Leine ist und wir mit einem anderen Hund auf einer großen Wiese ankommen, lasse ich ihn sitzen, leine ab und auf "okay" darf er los.

    Also bei geringerer Ablenkung Frust aushalten üben. Oder so was, wie ruhig an einem Schweineohr vorbeigehen, wenn du es ihm verbietest.

    Ja, ich könnte hier wirklich mal mit größeren Schwierigkeiten anfangen - Leckerlis auf dem Boden lässt er liegen, bis er sie nehmen darf, aber ein Schweineohr bzw. Ochsenziemer sind natürlich viel besser :D
    Also allgemein die Frustrationstoleranz ausbauen klingt nach einem guten Plan!

    Danke für eure Antworten :)

    Inzwischen habe ich auch die Termine für den Kurs bekommen, der startet am 21.02, also ist gar nicht mehr sooo lange hin. Und ansonsten meinte die Trainerin gestern auch, dass er an sich ein sehr in sich ruhender Hund ist und das schnell lernen wird, nur die Pubertät steht bisschen im weg :ugly:

  • Wenn du da vielleicht ansetzt, dass er auch erst mal sich kurz hemmen und abwarten und auf deine Freigabe warten muss, wäre das Ableinen und hinlassen dann die Belohnung, die im direkten Zusammenhang mit dem Konflikt steht.

    Wäre also insgesamt günstig, dass er lert, das Warten und Frust aushalten, sich auch für ihn lohnen kann.

    Und auf der anderen Seite sollte er natürlich lernen, dass er nicht immer zu anderen Hunden darf, sich aber trotzdem ruhig verhalten soll.

    Dieses kurze sich zurück nehmen und dann folgt die Freigabe (die der Hund ja dann erwartet, da erlernt: Sitz --> Schau ---> dann mach mal; selbst wenn es nicht jedes Mal die Freigabe gibt "macht Glücksspiel süchtig" :p ), kann ja bei entsprechend veranlagten Hunden auch nach hinten losgehen. Joey ist da eher Typ Sprungfeder, die man durch so etwas noch etwas mehr zusammen quetschen würde, denke ich. Ich habe bessere Erfahrungen gemacht in solchen Erwartungssituationen (allerdings damals mit Grisu), in Bewegung zu bleiben, ihn z.B. hinter mir laufen zu lassen und dann, wenn er wirklich entspannt ist, sehr nebenbei die Freigabe zu geben. Kommt sicher auch auf den Hundetyp an oder ob man auch bei "kurz hemmen und dann Freigabe" wirklich wartet, bis der Hund entspannt ist (der ja aber nichts anderes zu tun hat, als der Freigabe entgegen zu fiebern).

    Ansonsten: Joey hat an sich großes Interesse an Fremdhunden, aber da meist Grisu dabei ist, kennt sie es schlicht nicht, dass man einfach Kontakt aufnehmen darf, weder mit noch ohne Leine. Stattdessen kennt sie sofortige Umorientierung bei Hundesichtung und Bögen laufen, einfach weil ich es mit Grisu so machen muss. Und sie hat es halt von Anfang an mitgemacht. So interessant sie Hunde findet, es funktioniert bemerkenswert gut. Es ist die Erwartungshaltung und was halt normalerweise passiert bei Hundesichtung. Daran ändert auch nichts, wenn ich mit ihr ohne Grisu unterwegs bin und sie dann Kontakt haben darf, die Grundaufregung ist halt kaum da.

    Ich bin nicht sicher, was ich beim nächsten Junghund (ohne Grisu) machen würde. Vermutlich mich über meinen freundlichen, verspielten Hund freuen :ops: und das niemals in der Konsequenz durchziehen. Aber an sich ist das Ergebnis bei Joey optimal...

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