Einem ängstlichen Hund Sicherheit geben

  • Hallo
    Wir haben ja seit Samstag den etwa 1 1/2 jährigen Balu aus Rumänien.
    Zu uns hat er sofort Vertrauen gefasst, aber natürlich ist er insgesamt noch sehr unsicher. Das äußert sich darin, dass er uns innerhalb der Wohnung viel hinterherläuft (hat sich aber in den letzten beiden Tagen schon etwas verbessert), dass er oft bellt, wenn er jemanden im Hausflur hört und dass er Leute, die ihm zu nah kommen richtig anknurrt und die Zähne fletscht. Bei Leuten, die beim Spaziergang an uns vorbei gehen, ist das eigentlich kein Problem, aber heute ist uns zufällig jemand in der Haustür entgegengekommen, da hat er sich natürlich bedrängt gefühlt und das auch zum Ausdruck gebracht.
    Habt ihr vielleicht Tipps für mich, was ich tun kann, um ihm mehr Sicherheit zu geben?
    Haben jetzt 6 Wochen Zeit, bis wir wieder arbeiten müssen. Dann müsste er auch ein paar Stunden allein bleiben.

    LG
    Ramona

  • Lasst den Hund in Ruhe ankommen und den Kulturschock überwinden.

    Ich würde in den ersten Wochen einen möglichst strukturierten/eintönigen Tagesablauf einhalten, der auc schon zum späteren Rythmus passt. Also Aufstehzeiten, Fütterung, Gassiroute (wenn ihr später morgens nur wenid Zeit habt morgens, dann nur die normale morgendliche Pipirunde und längere Gassirunden am Nachmittag). In der Zeit in der ihr arbeiten werdet, jetzt schon Ruhezeiten einführen etc.

    Bezüglich der Unsicherheiten: Am meisten Sicherheit vermittelt man, indem man vollkommen ruhig und entspannt bleibt und sich im Zweifel schützend vor den Hund stellt. Anfangs würde ich Menschenmengen eher meiden und erst einmal schauen, wie groß der Sicherheitsabstand für deinen Hund sein sollte, damit er sich noch wohl fühlt. Weißt du bspw. das es im Treppenhaus zu eng ist, dann würde ich ruhig anfangs auch kommentarlos und ruhig umdrehen und einfach wieder nach oben gehen bis das Treppenhaus ruhig ist (und zwar bevor der Hund anfägnt zu knurren). Dies zeigt dem Hund das du ihn nicht in unsichere Situationen bringst und dich schon ruhig um alles kümmerst.

    Bezüglich dem Alleine bleiben: dies würde ich täglich ganz langsam jetzt schon aufbauen wie bei einem Welpen (Türen schließen, viel Bewegen, kurz rausgehen etc.) und ganz langsam steigern.
    Zusätzlich solltest du für den Notfall allerdings im Hinterkopf vielleicht jetzt schon einen Plan B haben, falls das Alleine bleiben in 6 Wochen nicht klappt!
    Viele Hunde packen erst nach 4-8 Wochen ihre Probleme so richtig aus und zeigen ihr wahres Ich, weil sie dann langsam ankommen! Muss nicht sein, kann aber und man sollte zumindest eine Möglichkeit der Betreuung haben.

  • Wie schon geschrieben wurde, ist es wichtig, dass du ruhig und gelassen bleibst.
    An engen Stellen wie z.B. im Treppenhaus nehme ich meine unsichere Hündin grundsätzlich hinter mich. Falls dann doch plötzlich jemand kommt bilde ich zumindest einen Puffer und kann besser reagieren.
    Die meisten Rumänen die ich kenne sind zudem recht territorial und reagieren in "ihrem" Haus noch stärker als in neutraler Umgebung. Da muss der gefährliche fremde Mensch gemeldet und vertrieben werden. Wenn meine Hündin meldet sage ich ihr " alles okej" (zu Beginn bin ich sogar an die Tür gucken gegangen) und wenn sie dann der Meinung ist immer noch bellen zu müssen schicke ich sie in ihre sichere Höhle (Box), wo sie gut entspannen kann.
    Alles Gute euch!

  • Danke :)
    Ich leite ihn schon immer sicher an Menschen vorbei. Das klappt schon gut. Allerdings hab ich echt ein bisschen Angst, dass man das mit dem Knurren und Zähnefletschen nicht aus ihm rausbekommt. Man weiß ja nicht, was er Schlimmes erlebt hat. Das macht er zwar echt nur, wenn jemand zu nah kommt oder wie wild auf ihn einredet, aber es ist trotzdem echt sehr unangenehm, für ihn und uns.

  • Und genau in diesen Situationen ist es die Kunst ruhig und souverän zu bleiben!

    Ich hab ne recht unsichere Dobermannhündin, die sich extrem an mir orientiert. So lange ich entspannt bin, ist eigentlich alles ok.

    Leider passieren irgendwann immer mal Situationen, die eben nicht ideal sind (Hund knurrt doch mal, weil der Abstand zu klein ist oder schnappt vielleicht sogar ab). Ich war anfangs nach einer solchen Situation leider selber angespannt in der nächsten eher brenzligen Situation und so habe ich das Verhalten eher verschlimmert.

    Daher ist mein absoluter Tipp, dass du dich in Souveränität üben solltest und Situationen so gestaltest, dass du sie sicher meistern kannst.

    Wenn ich also merke, dass ich unsicher werde dann atme ich tatsächlich 2-3mal langsam ein und aus und versuche möglichst einen Ausweg und mehr Platz zu schaffen (und wenn ich halt umdrehe, oder ins Feld gehe, oder die Haustür wieder zu mache etc.)!

    Sollte doch mal was schief gehen, dann möglichst zügig damit abschließen (vielleicht drüber nachdenken,w as du hättest besser machen können) und wieder nach vorne blicken, dann wird das schon!

  • Wichtig ist auch, das du deine Mitmenschen instruierst. Ich sage den Leuten wirklich, das sie den Hund nicht direkt ansehen, ansprechen oder anfassen sollen. Das mag sie nicht und das tut sie dann auch laut kund. Solange sich die fremden Menschen an diese drei Dinge halten, ist für Mia in der Regel alles gut. Vor allem die "Aber vor mir brauchst du doch keine Angst haben" Menschen, die sich dann auch noch schön nach vorne beugen und von oben streicheln wollen, findet Mia ganz schrecklich. ;)

  • Wir haben ja seit Samstag den etwa 1 1/2 jährigen Balu aus Rumänien.

    Hast Du Infos, wie lange er dort im Tierheim war?
    Eventuell schon als Welpe dorthin gekommen oder sogar dort geboren von einer trächtigen Hündin?

    Ich würde insgesamt davon ausgehen, dass der Hund keine "Zivilisation" kennengelernt hat. Nie freundliche Kontakte zu Menschen, eventuell auch Deprivationsschäden durch fehlende Erfahrungen.

    Ist harte Arbeit, das ansatzweise in den Griff zu kriegen.
    Langsamer Vertrauensaufbau (dass er Dir hinterherdackelt, tut er aus reiner Not, nicht aus Liebe!).
    Draußen reizarm, nur kurz, immer dieselben Wege. Blocke Menschen und Hunde ab ...

  • Gibt es schon was, was euer Hund gerne mag? Bestimmte Leckerchen? Dann solltet ihr die genau dafür aufwenden. Jeder Menschenkontakt bedeutet im Anschluss große Freude. Mit den Menschen die euch begegnen zu reden macht auch Sinn. Ich beginne so ein Gespräch immer indirekt, indem ich beruhigend und in vollen Sätzen auf meinen Hund einrede... "Ohje, da hast Du Dich jetzt aber erschrocken mein armer Blindfisch" und dann setz ich erklärend an den Menschen gerichtet hinzu, dass mein Hund schlecht sieht und sich deswegen oft erschreckt - das hilft fremden Menschen den Hund zu verstehen und dem Hund ist es letztlich egal was ich ihm da im beruhigenden Tonfall erzähle. Für Menschen auf unserem Grundstück hat sich deshalb über die Jahre auch so ein Ganz-Satz-Kommando entwickelt, sobald ich sage "Das ist okay, der darf hier sein" entspannt sich meine Große - noch besser funktioniert es mit Körperkontakt, wenn ich dem Fremden also gut sichtbar die Hand schüttele und dabei einfach zeige, dass alles super ist.

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