Gewalt an Hunden in der Öffentlichkeit

  • Ich finde auch, dass es ein sehr schmaler Grat ist. Also wann man eingreifen sollte und wann nicht, wie man die Situation adäquat beurteilen kann...

    Ich muss mich da an eine Situation mit Whiskey erinnern. Whiskey ist ja nun nicht gerade der ruhigste und normalste Hund. Er hat ein "Faible" für Lichtreflexe und will die immer unbedingt jagen. Wenn er das nicht darf fängt er an zu fiepen und zu bellen, dann zu jaulen, dann zu schreien (besser kann ich es nicht beschreiben, es ist einfach nur laut und schrill und heftig). Je nachdem, wie er vorher drauf ist, dauern die einzelnen Phasen mal länger, mal kürzer.
    Letzten Herbst bin ich mit ihm runter zum Auto gegangen, keine Ahnung mehr warum.
    Jedenfalls hatte irgendwer auf einem Balkon ein Windspiel mit Glaseinsatz hängen und die Sonne stand so, dass der Lichtreflex von dem Glas ständig über den Parkplatz wanderte.
    Whiskey sah das und wollte da unbedingt hin. Das fiepen, bellen und jaulen hat er fast komplett ausgelassen und ist quasi sofort ins schreien übergegangen.
    Ich hatte ihn nur am Halsband, was mir dann auch noch aufgegangen ist (NIE wieder Klickverschluß!), also musste ich ihn im Nacken packen (das hat er in seinem Wahn überhaupt nicht registriert), während er rumgeschrieen hat und recht unsanft ins Auto verfrachten, damit ich ihm das Halsband wieder ummachen konnte.
    Sah von außen sicherlich nicht gerade sanft und nett aus, aber die Alternative wäre ein komplett "nackiger" Hund auf der Straße gewesen.

    Ich habe noch Wochen danach drauf gewartet, dass wir einen Brief oder sogar Besuch vom Vetamt bekommen. Dabei habe ich in der Situation nur so gehandelt, wie ich musste. Ich habe meinem Hund mMn keine Gewalt angetan (wie gesagt hat er den Griff ins Nackenfell nichtmal bemerkt und sobald er im Auto war, war er auch wieder ruhig und ansprechbar), auch wenn es von außen so ausgesehen haben MUSS.
    Deswegen bin ich vor allem was Lautstärke angeht sehr vorsichtig. Dadurch kann man wenig beurteilen.

    Das war das eine. Meine Erfahrungen mit anderen HH sind folgende:

    Unsere ehemaligen Nachbarn haben einen kleinen Straßenhund, der mega unsicher ist und deshalb bei allem, was ihm Angst macht, erstmal laut kläffend nach vorne geht. Die Besitzer haben ihn angeschrieen, mit Wasser nass gespritzt, ihm Klappse auf den Hintern gegeben, sie hat ihn sogar einmal mit einem (vollen) Kotbeutel auf die Nase geschlagen.
    Da habe ich das Gespräch gesucht, habe Tipps gegeben, Trainer empfohlen... Gebracht hat es leider nichts.
    Für mein Empfinden kann ich hier nichts mehr tun. Der Hund kriegt zu fressen, wird ausgeführt, ist in einem guten gesundheitlichen Zustand und die Besitzer lieben ihn trotz aller Überforderung.

    Ein Rentner hier in der Gegend geht öfter mit der jungen Viszla-Dame (glaube die müsste jetzt so 6 Monate jung sein) seiner Tochter spazieren. Das Hundliein war noch nicht leinenführig (ist sie mittlerweile) und weil sie so gezogen hat, hat er ihr mit der Einkaufstüte eine übergezogen, sich über sie gebeugt und ange"blafft". Das habe ich nur vom Fenster aus gesehen.
    Irgendwann habe ich die beiden mal getroffen und das Gespräch kam auf das Thema Leinenführigkeit. Ich habe dann versucht zu vermitteln, dass der kleine Hund ja nichts kann, was man ihm nicht vorher beigebracht hat und dass man ihn dafür nicht bestrafen darf. Schon gar nicht mit Gewalt.
    Er musste dann ganz schnell weiter.
    Seitdem konnte ich so etwas nicht mehr beobachten. Sollte er das nochmal tun, werde ich das Gespräch mit seiner Tochter suchen.

    Es gibt noch mehr solcher Situationen, die ich erlebt habe, aber das würde hier den Rahmen meines Posts sprengen, deswegen beschränke ich mich jetzt auf die zwei konkreten und folgende allgemeine Situation:
    Wir sind viel auf großen Veranstaltungen (Mittelaltermärkte, Messen,...) unterwegs, auf denen auch Hunde erlaubt sind. Auf jeder Veranstaltung gibt es mindestens(!) einen Hund, der mit Stachelwürger geführt wird. Das ist leider so etwas wie ein Gesetz. Dort greife ich nicht aktiv ein.
    Mir tun die Hunde zwar Leid und ich finde es extrem scheiße von den Besitzern, dass sie nicht in der Lage sind ihren Hund anders zu halten und ihn dann auf solche Veranstaltungen mitschleppen, aber ich muss ganz ehrlich sagen, dass ich für diese Diskussionen keine Kraft (mehr) habe. Ich habe sie ein, zwei mal geführt, mir wurde gesagt, dass das nicht meine Sache sei und ich mich verpissen soll.
    Ich werde bei sowas viel zu schnell emotional (=aufgewühlt, unsachlich, aggressiv) und damit ist niemandem geholfen. Ich rege mich auf, verunsichere damit meinen Hund und die anderen HH werden vll. aggressiv und lassens evtl. noch an ihrem Hund aus.
    Würde jemand hier in der nahen Umgebung, den man öfter sieht, ein solches Halsband an seinem Hund nutzen, würde ich das Gespräch mit Sicherheit suchen, weil man dann einfach eine ganz andere Grundlage hat.

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