fehlende Souveränität? Durchsetzungsvermögen?

  • Also, wenn ein Trainer mir zeigt, daß mein Hund bei ihm an der Leine anständig geht, dann hilft mir das ja besonders weiter.... *hust..... *ironieoff......

    Und wenn er dann noch 20 Minuten immer dasselbe übt, mit einem nicht mal 1 Jahr alten Hund, der sich so lang doch noch gar net konzentrieren kann - dann würd ich mich fragen, ob das der Trainer für mich ist, wenn ihm nix Anderes einfällt....

    Daß ein Trainer mal austestet, ob dies oder jenes bei dem Hund funktioniert, ok - aber er muß es Dir dann halt auch erklären können, was er gemacht oder anders gemacht hat, sodaß der Hund verstanden hat, was er tun soll. Einfach Dir vormachen, daß bei mir Dein Hund anständig läuft, das kann ich auch, das ist keine Kunst - neue Person am anderen Ende der Leine, da ist die Aufmerksamkeit automatisch bei dieser, Unsicherheit, weil Hund net weiß, was von dem Menschen kommt, andere Körpersprache (vielleicht bisserl souveränes Auftreten o.ä.), das beeindruckt nen Hund im ersten Moment immer. Sagt aber noch lang net, ob ich DIE Lösung für Deinen Hund gefunden hab.

    Daß der Hund auf Dich aufmerksam sein soll und "empfangsbereit" für Deine Kommandos, klar - insofern versteh ich schon, daß wenn schon das Leinegehen so ausschaut, daß der Hund auf alles guckt, nur net auf den Halter, daß man da net hergeht und den Hund auch noch von der Leine läßt und erwartet, der nimmt einen Rückruf auch nur wahr unter diesen gesteigerten Ansprüchen, das ist schon klar. Aber das teste ich kurz, dann weiß ich Bescheid, da geht es net eigentlich um Leinenführigkeit, sondern darum, ob der Kopf beim Halter sein kann und der Hund empfangsbereit ist für Kommandos vom Halter.

    20 Minuten am Stück (egal was) üben sind zu viel (grad für nen Junghund), und die Anwesenheit der anderen Hunde offenbar auch noch - such Dir ein ruhigeres Übungsgebiet aus, bis der Hund auch länger als 10 Meter halbwegs nach Deinen Vorstellungen leinenführig ist (mit der bislang für Euch offenbar erfolgreichen Methode und ein bisserl Konsequenz), führe DANN leichte Steigerungen ein, was die Ablenkung betrifft, und erhöhe nach und nach mal die Strecke.

    Und wenn der Hund ne kurze Zeitspanne schön aufmerksam ist auf Dich (Tagesziel setzen - z.B. "heut mach ich 20 Meter aufmerksames Leinegehen"), dann beende die Übung damit erfolgreich und bestätige sie.

    Wenn der Hund dazu schon in der Lage ist, sich auf Dich zu konzentrieren, oder zumindest empfangsbereit zu sein, ist es auch kein Problem, den Rückruf zu üben. Dafür rufe ich ihn erstmal nur (notfalls gesichert an der Schlepp - aber ich zieh mir NIE den Hund an der Leine her, ich verhindere ausschließlich ein Wegrennen so - denn der Hund lernt ganz schnell, daß Du nicht ziehen kannst, wenn die Leine ab ist, und geht Dir dann später stiften ohne Leine), wenn er eh grad gelangweilt rumsteht, zu mir guckt oder schon zu mir unterwegs ist (nicht, wenn er grad ein Reh sieht, nen Hundekumpel, oder mit selbigem am Spielen ist!). So bin ich 99,9 % sicher, daß er auch kommen wird, weil ihn nix ablenkt, und er ja eh schon halb zu mir unterwegs ist. Das immer toll bestätigen.

    Unterwegs Spieli/Leckerli dabeihaben, und jedes Zeichen von Aufmerksamkeit auf Dich bestätigen: Hund wartet an ner Ecke auf Deine Richtungsentscheidung, Hund bleibt stehen und wartet auf Dich, Blick zu Dir während des Schnupperns, Dich angucken, wenn ein Hund kommt (á la "darf ich hin?"), das alles immer unterwegs bestätigen, damit der Hund lernt, sich an Dir zu orientieren, und er wird immer öfter und länger "empfangsbereit" für Deine Kommandos sein-weil es sich für ihn lohnt, weil er ein positives Feedback von Dir kriegt, wenn er das tut. Bei Dir hat er Spaß, bei Dir erlebt er was. Da kommt man gerne. Ob das ein Leckerli fürs gucken ist, oder ein Suchspiel fürs Herkommen, egal. Hauptsache, er findet´s toll.

    Und dann kannst auch mal aus etwas (! langsam steigern!) schwierigeren Situationen abrufen: wenn er weiter weg ist, oder vorn grad ein Hund vorbeigegangen (aber schon weg!) ist, er ein Mausloch entdeckt hat etc. etc.

    Zwischendurch aber immer wieder in einfachen Situationen abrufen (damit er Erfolg haben kann), und den Rückruf immer super bestätigen. Beste Bestätigung ist das, was der Hund gerade wollte: Mauslochschnuppern kann das sein, nen anderen Hund begrüßen (nach Absprache mit dem anderen Halter), ne Runde rennen und Abspacken - dafür kannst auch mal nen Ball werfen, dem er hinterherrennen kann, weil er sich hat abrufen lassen, etc. etc.

    Mein Bossi rennt einfach nur gerne wie ire - den abzurufen ist das schönste Spiel überhaupt, weil er da im gestreckten Galopp zu mir rasen darf, und er weiß, er darf dann auch wieder wegrasen.... Das Rennen an sich ist für ihn die schönste Bestätigung, daher kommt er super gerne, weils einfach Spaß macht. Vollbremsung, umdrehen, wegrennen (wenn Du beim Wegrennen dann noch ein Freigabe-Signal einbaust, schlägst 2 Fliegen mit einer Klappe).

    Irgendwann wird das Ganze so verfestigt sein, daß er nicht mehr nachdenkt, wenn Du rufst, sondern er ganz automatisch lossprintet, wenn er gerufen wird, das muß quasi zum Reflex werden.

    Wichtig: gerade anfangs generell niemals als Strafe (nach dem Herkommen) anleinen, oder immer dann anleinen, wenn Du grad ein Reh gesehen hast - sonst hast ganz schnell die Verknüpfung "wenn die Alte ruft, ist der Spaß vorbei" (mit der Folge, daß der Hund Fangerlenz spielen wird beim Abruf), oder "wenn Fraule mich abruft, muß da irgendwo ein Reh stehen", und der Hund das Scannen anfängt, sobald Du ihn rufst. Du mußt 90% nur deswegen abrufen, damit der Hund bei Dir Spaß haben kann, eine Bestätigung kriegt etc., und dann wieder laufenlassen. Wenn Du den Hund anleinst nach dem Abruf, dann mit einem im Tonfall vielversprechenden "komm, wir gehen ein Stück zusammen", meine Hunde kann ich damit so beeinflussen, daß sie dann sogar Leinegehen toll finden *gg Hey - mit mir zusammen gehen zu dürfen ist toll!

    Was natürlich nicht heißt, daß Du ihn jetzt 1.000mal am Tag abrufen mußt - aber man sollte halt im Hinterkopf haben, daß man nicht nur abruft, um einen Spaß zu beenden, oder weil Gefahr droht, weil der Hund das einfach zu schnell verknüpft, sondern auch zwischenrein mal. Und wenns nur ist, daß man (nach der Bestätigung fürs Kommen!) ein kurzes SITZ einbaut, wenn der Hund da ist, das man dann wiederum bestätigen kann. Oder mal 5 Meter eine spaßige Leinenführung macht, um Hundi dann wieder düsen zu lassen: "Spaß ist nicht zu Ende, wenn Fraule ruft, der Spaß kann vielleicht kurz unterbrochen werden (natürlich für Spaß beim Fraule!), aber später darf man wieder düsen." So sollte das ankommen. So kriegst auch ohne teure Rückruf-Kurse nen zuverlässigen Rückruf - auch bei Jagdhunden wie meinen....

  • @BieBoss

    Wow . Vielen vielen Dank für deinen Beitrag! =)
    Der gibt mir super viele Einblicke.

    Im Eingangspost ist etwas falsch rüber gekommen - wir haben nicht 20min Leinenführung geübt sondern sie hat sie sich Eingangs angesehen und dann sollten wir "ordentlich" zum Platz laufen - keine 5 Minuten Weg.
    Für diesen 5 Minuten haben wir aber laaaange gebraucht. Sodass die anderen Hunde schon agespackt hatten und wir uns Stück für Stück dem Platz näherten und wieder entfernten... Als dann die Rückrufübungen begannen kam unsere Trainerin mich abholen.

    Es war mein Anspruch "ordentlich zu laufen" der Fenja völlig überfordert hat. Mein Starrsinn war der Grund weshalb wir so lange gebraucht haben.

    Beim Abruf handhabe ich es auch so, dass ich sie nicht nur rufe um an zu Leinen oder sie aus ner Gefahren-Situation rauszuholen. =)
    Wenn sie zu mir kommt darf sie auch gleich wieder losdüsen, bekommt was leckeres oder wir zergeln ne Runde.

    Für mich ist der Kurs nur so "praktisch" weil wir hier mit der Ablenkung üben können die natürlich die schwerste für uns ist.
    Im Alltag haben wir leider viel zu wenig Hundekontakte einfach weil viele Hundehalter hier der Meinung sind "die machen das unter sich aus". Da verzichte ich dann lieber gänzlich..

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