Hund hat heute Spaziergänger angebellt

  • Hallo liebe Foris!

    Wie fang ich denn am Besten an? Also, unser Goldi ist 14 Monate alt und eigentlich ein total unproblematischer, braver und freundlicher Hund.
    Vor einiger Zeit fing er an, Fußgänger, die entgegenkamen, anzubellen. Sobald er von ihnen aber angesprochen wurde, stand er hinter mir und suchte Schutz. soweit so gut, wir haben dann einfach angefangen, im Fuß an uns entgegenkommenden Personen vorbei zu gehen. Inzwischen kommt er schon von allein zu mir, wenn uns jemand begegnet, bleibt wunderbar im Fuß und lässt sich nicht mal mehr von ihn lockenden Personen ablenken. Es reicht eigentlich, wenn wir 2-3 Schritte an den Spaziergängern vorbei sind. Dann kann ich ihn auch nach vorne schicken und sie sind völlig egal.
    Heute, nach ca. 1 Monat dann ganz was Neues. Bisher war es immer egal, wenn Leute vor uns gingen. Hat ihn bis heute nicht die Bohne interessiert. Heute bei der Morgenrunde dann folgendes: Ein ganzes Stück vor uns 2 Männer. Rocky schnuffelt in ca 2 Metern Abstand vor mir am Wegrand. Bevor ich wirklich realisiert habe, was los ist, sprintet er los, zu den beiden Männern und bellt. Es hat auch eine ganze Weile gedauert, bis er sich wieder abrufen ließ. Hab mich dann natürlich tausend Mal entschuldigt und die beiden fanden es Gott sei DAnk nicht weiter schlimm. Wir liefen dann an der Leine weiter. Auf der nächsten Freilaufstrecke haben wir eine Gruppe Wanderer überholt, Rocky wurde abgeleint und alles kein Problem. Hundi wie immer im "paar Meter Radius" um mich, kein einziger Blick zu den Leuten, on´bwohl sie versucht haben ihn mit "Oh, bist du ein Feiner. Ja komm mal her zum streicheln" gelockt haben.
    Hatte jemand schon mal ein ähnliches Erlebnis und kann mir ein paar Tipps geben? Ich weiß selbst, dass ich in der beschriebenen Situation zu langsam reagiert habe. Ich war einfach so perplex, weil ich sowas eben gar nicht von ihm kannte. Und bevor es darum geht, dass er allgemein nicht abrufbar ist: doch, ist er eigentlich aus jeder situation. Beim Spielen mit anderen, wenn er vor mir läuft, wenn er hinter mir ist, oder einfach durch die Wiese tobt. Auch heute war er nach diesem Erlebnis wieder vollkomen der "Alte" und ließ sich auf ein "Komm" immer abrufen (wurde natürlich beim nächsten Freilauf gleich getestet).
    Für Tipps oder ähnliche Erfahrungen wäre ich sehr dankbar.

  • Abhaken unter blöd gelaufen. ;)
    Mit 14 Monaten kommen viele Hunde nochmal in eine zweite Unsicherheitsphase. Wer weiß, was ihn an den beiden Männern stutzig gemacht hat. Ganz bestimmt waren schon vorher Anzeichen an ihm zu erkennen, dass er sie seltsam findet. Achte verstärkt auf diese Anzeichen und greif schon ein bevor was passiert. Für die nächste Zeit würde ich ihn immer an der Leine an Fremden vorbei führen. Für Nicht-Hundehalter ist es nicht gerade schön so von einem Hund angebellt zu werden.
    Wenn es doch mal wieder vorkommt, nicht den Hund abrufen, sondern sofort hin und einsammeln. Nimm ihn an deine Seite und vor allem nimm ihn sofort wieder unter ein Kommando, z.B. Fuß. Da der Grundgehorsam ansonsten gut zu sein scheint, bin ich zuversichtlich, dass ihr diese Phase gut übersteht. ;)

  • Hört sich nach der typischen Unsicherheitsphase an. Würde ich mir keine großen Gedanken machen.
    Meine Lotte hat das auch (ebenfalls 14 Monate), in 99% der Fälle interessieren sie andere Menschen nicht & bei 1% fängt sie an unsicher zu bellen. Den genauen Auslöser konnte ich noch nicht finden. Auch wenn es nur 1 % ist, schaue immer dass sie neben mir ist wenn wir Menschen direkt begegnen. Als wir die erste Unsicherheitsphase hatte war es etwas schlimmer, da habe ich sie neben mich geholt und bei jeder Menschenbegegnung bei der sie nicht reagiert hat gabs ein Leckerlie, so hat sich das Ganze sehr schnell erledigt.

  • Huhu,
    Wir haben das Problem auch so in der Art.
    ABER nur wenn ich alleine mit Ari unterwegs bin. Ist mein Freund dabei oder mein Freund geht alleine mit ihm... ist es kein Thema, da interessiert ihn das nicht.

    Bei uns ist es aber besonders schlimm wenn dann jemand direkt auf mich zu kommt oder mich anspricht.
    Einen Tag ist mir ein Fußgänger (Männlich) entgegen gekommen, auf der gleichen Seite am Bürgersteig.
    Er sagte nur Hallo und der Hund ist ihm direkt entgegen gesprungen (hat ihn aber nicht angesprungen) und gebellt.
    Ich glaube nicht, dass er ihm was getan hätte. Aber ich hab und der Mann haben sich total erschrocken.

    Da er das nur bei mir macht, sind wir davon ausgegangen, dass er es macht weil er denkt er muss mich beschützen.
    Sehen wir das richtig?

  • Ich denke eher, dass du nicht die natürliche Gelassenheit und Autorität ausstrahlst wie dein Mann das wahrscheinlich tut. Mir als Frau tut es schon fast weh das zu sagen, aber das ist oft ein Frauenproblem in der Hundeerziehung.:D Wir denken zu viel. Der Hund hat einmal einen Passanten angebellt und beim nächsten Passanten denken wir garantiert: Hoffentlich bellt er jetzt nicht wieder! Wir sind zu verkopft. Männer sind da gelassener. Ist bei uns genauso. :D

  • Ich würde es nicht abhaken unter " Dumm gelaufen"

    Dein Hund ist unsicher und hat gelernt, Schutz suchen bei dir bringt nichts, da du ihn im Fuss weiter führst.

    Kennst du die 4 "F"s?

    Freeze ( einfrieren), Flight ( Flucht), Flirt und Fight ( Kampf)

    Dein Hund hat das ganz typische Muster abgespielt. ;)

    Erst versuchte er hinter dir Schutz zu suchen. Hat ihm, in seinen Augen, nicht viel geholfen, denn er musste im Fuss weiter laufen.
    Nun hat er einen neue Alternative entdeckt um Sicherheitsabstand zu bekommen. Fight. Also geht er nach vorne und bellt.

    Ich kann dir nur empfehlen auf die Signale deines Hundes zu achten. Bleibt er auf einmal stehen, oder stockt ganz kurz, dann hast du die Chance ihn abzurufen, ran zu nehmen und hinter dich zu nehmen. Achte darauf was sein Wohlfühlabstand ist. Und arbeite in diesem. Biete ihm Sicherheit. Bleibt er im Kopf bei dir, lobe ihn. Gestehe ihm aber auch zu, nicht im Fuss laufen zu müssen, sondern seinen eigenen Abstand zu haben. Wenn er stehen bleiben möchte, bleibe mit ihm stehen und beobachte mit ihm das unheimliche.
    Du kannst mit ihm auch ein "Schau" auftrainieren.

    Schau mal, hier ist noch ein bisschen Leselektüre die dir hilft.
    http://markertraining.de/der-unsichere-hund/

  • Vielen Dank schon mal an alle für die aufbauenden Kommentare. Ich weiß, dass ich definitibv falsch reagiert habe und möchte daher das nächste Mal alles richtig machen. Aber schön zu hören, dass auch andere mit diesen Problemen zu kämpfen haben/hatten.

    Ziggy: So, wie von dir beschrieben reagiere ich in vielen Situationen, da unser Rocky nicht gerade der mutigste Hund der Welt ist. So haben wir zB. bei Kühen mit Glocken, gefährlichen Grenzsteinen, Schneemännern und Ähnlichem gearbeitet (hat auch funktioniert und ist nicht mehr schlimm und gefährlich :smile: ). Generell darf er eh alles zusammen mit mir näher betrachten, was ihm Angst macht. Das Abwarten und Schauen lassen, dann langsam darauf zugehen und zeigen, dass die Situation absolut ungefährlich ist, kenn ich auch von meiner langjährigen Arbeit in der Pferdeausbildung.
    Und ich hab mich diesbezüglich falsch ausgedrückt (habe meinen Post gerade nochmal gelesen). Am Anfang, als er wirklich aus Angst und Unsicherheit Fremde anbellte, haben wir mit Stehenbleiben, Sitz-Machen usw gearbeitet. Ich bin dann immer in die Hocke und zwar so, dass ich zwischen den bösen Menschen und Hundi bin. Das hat nach ner zeit so gut funtioniert, dass wir dann natürlich angefangen haben, an meiner Seite auch vorbeizulaufen. War das denn so falsch?
    Und natürlich noch vielen vielen Dank für den Link. Klingt nämlich schlüssig, was du geschrieben hast und ich werd mir alles heut Nachmittag genau anschauen. Danke!

  • Zitat

    Ich denke eher, dass du nicht die natürliche Gelassenheit und Autorität ausstrahlst wie dein Mann das wahrscheinlich tut. Mir als Frau tut es schon fast weh das zu sagen, aber das ist oft ein Frauenproblem in der Hundeerziehung.:D Wir denken zu viel. Der Hund hat einmal einen Passanten angebellt und beim nächsten Passanten denken wir garantiert: Hoffentlich bellt er jetzt nicht wieder! Wir sind zu verkopft. Männer sind da gelassener. Ist bei uns genauso. :D

    Da könntest du durch aus recht haben.

  • Viki,

    nicht unbedingt falsch, sondern vielleicht zu schnell?

    Sitz machen, hat es denn auf Anhieb funktioniert? War er ansprechbar?

    Sitz machen kann für ihn auch bedeuten, das er der Situation ausgeliefert ist. Er kann nicht flüchten.

    Er ist ja jetzt wieder in ein Unsicherheitsphase, das heisst, du darfst noch mal von vorne anfangen. Nur diesmal wird es schneller gehen.

    Versuche es mal mit umdrehen und weg gehen vom angstauslösenden Objekt. Sobald er dann sich wieder beruhigt, bzw. ansprechbar wird, er ist wieder in seiner Wohlfühldistanz, kannst du mit ihm ein "Schau" trainieren. ;)

    Wenn du dann anfängst wieder auf das angstaulösende Objekt zu zugehen, schau mal wie er reagiert. Wirkt er angespannt? Fängt er an an der Leine zu zerren? Wird er unruhig? Manchmal sind es nur ganz kleine Signale die zeigen, das es ihm jetzt zu nah ist. Und ab da solltest du dann auf Abstand gehen und ihn umlenken.

    Du wirst merken es wird sich schnell wieder legen, denn das Training hast du ja schon gemacht. ;)

    Willst du noch ein paar Trainingstipps oder Beispiele von den Signalen die er dann zeigt?

  • Ziggy: Ja sehr gerne. Ich finde deine Tipps bezüglich meines Problems unheimlich hilfreich und werde beim Spazieren in nächster Zeit ganz konkret auf alles achten, was ich so von dir gehört habe. Finde es ganz toll, was für Ansätze du mir lieferst.
    Rocky orientiert sich inzwischen schon in so vielen Situationen ganz toll an mir und ich möchte natürlich, dass er sich gerade in Situationen, die Unsicherheit in ihm wecken erst recht, dass er weiß, dass er sich voll und ganz auf Frauchen verlassen kann.

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