Arthrose und keine Schmerzen - ist das möglich?

  • Meine Spitzmischlingshündin ist nun 15 Jahre alt, und gestern habe ich sie zur Vorsorge beim Tierarzt komplett checken lassen.
    Nun wurde beim Röntgen Arthrose in der Wirbelsäule im Endstadium festgestellt und sie bekommt nun Medikamente.
    Ich will natürlich nur das Beste für den Hund.


    Was ich mich nur frage:
    Natürlich läuft sie altersbedingt etwas steif und tapst eher, doch nur im Haus.
    Draußen tobt sie ohne Probleme mit unserem Boxer, rennt und springt ihn an.
    Würde ein Hund das überhaupt machen, wenn er Schmerzen hätte?
    Sie jault auch nicht beim Abtasten oder jegliches.
    Und würden Schmerzmittel dann nicht negativ sein, wenn der Hund keine Schmerzen hätte?
    Einerseits vertraue ich dem Tierarzt, andererseits bin ich mir nicht sicher, ob es ihm evtl. ums Geld geht.

    Bisher bin ich davon ausgegangen, dass sie sich im
    Haus vorsichtiger bewegt, weil sie nicht mehr so gut sehen kann.


    Würde gerne eure Erfahrungen mit euren Hunden hören.


    Danke

  • Sie bekommt nun 1x täglich eine Onsior (Robenacoxibum) Tablette, 20mg und einen Monat lang 2 Befedo MinVit Kauttabletten täglich.
    Onsior soll sie jetzt ihr Leben lang nehmen.
    Sie wiegt fast 15kg

    Am Donnerstag habe ich noch einen Tierarzttermin.
    Dann wird geschaut, wie sie auf diese Medikamente reagiert.

    Danke für die schnelle Rückmeldung :)

  • Bei rezeptpflichtigen Medikamenten kann es dem Tierarzt nur bedingt ums Geld gehen, denn das bekommt zum Großteil der Hersteller der Medikamente (Arzneimittelpreisverordnung).
    Es könnte, mal "böse" gedacht, sein, dass der TA Lagerbestände hat, der er los werden will/muss, weil er die schon bezahlt hat. Aber dann wird er diese nicht Tieren andrehen, die die Mittel gar nicht brauchen, sondern er wird bei dieser Indikation nur lieber dieses vorrätige Mittel verabreichen wollen als eines, was er nicht vorrätig hat.
    (Etwas anderes sind zB Apparaturen, die sich rechnen müssen bzw. abgezahlt werden müssen wie Röntgenapparate.)
    Wenn ich denken würde, er gibt Medikamente, die der Hund nicht braucht und das auch noch aus Eigennutz, würde ich den TA wechseln wg akutem Vertrauensverlust.

    Ich würde das staatliche Alter deines Hundes mit in die Überlegungen einbeziehen. ZB viele Nebenwirkungen, die über die Zeit entstehen, spielen bei hochbetagten Hunden keine Rolle mehr, weil sie die Mittel schlicht nicht mehr so lange nehmen.

    Dass der Hund weniger Schmerzen verspürt, wenn er im Spiel aufgepusht ist und auch wenn seine Knochen "warm gelaufen" sind (vs morgendliche Steife), finde ich nachvollziehbar.

    Andererseits würde ich auch mein eigenes Bauchgefühl als Diagnosemittel verstehen. Frag den Arzt Löcher in den Bauch und ggf. probiert ihr es aus (wahlweise mit oder ohne Tabletten) und könnt das ja wieder ändern/anpassen.

    Hier mal ein sehr hilfreicher Thread für Besitzer älterer Hunde (keine Angst, kannst du quer aufschlagen, musst nicht die Hunderte von Seiten lesen) mit geballter Erfahrung:
    https://www.dogforum.de/post11014553.h…leger#p11014553

    Alles Gute euch!

  • Es gibt ja nicht "DEN" Schmerz, der immer und überall identisch sein muss. Grad Arthroseschmerzen sind da sehr wechselhaft und gehören eher in die Ecke der chronischen Schmerzen, die mehr oder weniger dauerhaft da sind, sich aber häufig auf einem Level bewegen, dass sie als lästig, störend und belastend wahrgenommen werden, sich aber in Momenten, in denen der Hund ein gewisses Erregungslevel erreicht, auch überlagern lassen. So dass das, was Du beschreibst, durchaus in diesen Rahmen hineinpaßt.

    Bei Arthrose gibt es immer mal Schmerzspitzen, die dann auch wirklich deutlich sichtbar sind - sei es bei bestimmten Wetterlagen/Wetterwechsel, nach Überlastungen, nach zu langen Ruhephasen oder aber auch im Fall, dass sich im betroffenen Gelenk gerade ein akuter entzündlicher Prozeß abspielt.

    Arthrose an der WS im Endstadium - damit ist vermutlich eine Spondylarthrose gemeint, bei der die aufeinander zuwachsenden Brücken schon fast fest miteinander verwachsen sind? Das ist im Normalfall dann schon fast der Punkt, an dem tatsächlich nur noch wenig Schmerzen da sind, da die entzündlichen und schmerzhaften Prozesse, die durch aneinanderreibende Knochenhaut entstehen, so gut wie vorbei sind. Da wäre im Vorfeld deutlich eher mit z. T. auch starken Schmerzen zu rechnen gewesen, die sich manchmal sehr deutlich zeigen, aber manchmal auch nur durch sehr diffuse Änderungen des Verhaltens. Meist ist die Rückenmuskulatur deutlich verkrampft, die Hunde haben eine "Lieblingsgangart" in der sie sich fortbewegen, um den Rücken in der seitlichen Pendelbewegung ruhig zu halten, sie tun sich schwer mit Auf- und Ab-Sprüngen und Treppensteigen und wirken in allem oft etwas langsamer als sonst. Rückenschmerzen beim Hund müssen nicht zu einer deutlich sichtbaren Lahmheit führen, können es aber. Denn im Gegensatz zu einer Arthrose an einem rechten Hinterbein, liegt der Schmerzpunkt bei der Spondylose ja mittig, so dass der Schmerz sich hauptsächlich bei Pendelbewegungen des Rückens, bei der Schubentwicklung aus der Hinterhand und bei Stopps bemerkbar macht. Das führt weniger zu einer deutlichen Lahmheit, als zu einer eher zu einem sehr verhaltenen Vorwärtsschub - die Hintergliedmaßen treten beide deutlich kürzer unter und so kommt es zu dem etwas stakeligen Gang mit eingeschränkter Bewegungsamplitude.

    Um beim Abtasten Schmerzen zu zeigen, muss ein Hund nicht gleich Aufjaulen - das wäre dann schon eine ziemliche Nummer bei mach einem eher "hartgesottenem" Vertreter. Manche Hunde verkrampfen sich in der umgebenden Muskulatur in dem Abtastmoment nur leicht, andere lecken sich beschwichtigend die Schnute oder wenden nur den Blick ab - das ist also gar nicht immer leicht einzuschätzen, ob und in welchem Ausmaß da Schmerzen vorliegen. Auch ist der Erregungslevel beim TA bei vielen Hunden recht hoch, aus Streß oder Angst, auch da wird vieles an Schmerzen dann einfach überlagert.

    Unsere Hunde sind extrem auf unsere Beobachtungsgabe angewiesen - würde man eine umfassende Untersuchung bei 15-jährigen Hunden starten und die von Hacken bis Nacken durchröntgen, würde man vermutlich keinen einzigen finden, der nicht irgendwo eine Arthrose in den Gelenken sitzen hat.

    Arthrose ist aber meist kein Weltuntergang, sondern eine Erkrankung, bei der uns zig Hilfsmittel zur Verfügung stehen, um sie dem Vierbeiner gut erträglich zu machen. Neben zahlreichen Zusatzfuttermitteln, die sich auf die Bildung/Unterstützung der Gelenkflüssigkeit auswirken und/oder entzündungshemmend wirken, stehen uns auch zahlreiche physiotherapeutische Methoden zur Verfügung - Wärme- oder Kälteanwendungen (das muss ausprobiert werden, jeder Arthrosepatient reagiert da unterschiedlich), Rotlicht, Körnerkissen, feuchte Wärme, Magnetfeld, spezielle Bewegungsübungen und Massagetechiken. Das kann man sich von einem Physiotherapeuten für den Hausgebrauch zeigen lassen.

    Aber natürlich gehört auch die angemessene Anwendung von Schmerzmitteln dazu.

    Grad bei der Erst-Diagnose einer Arthrose ist es hilfreich, über einen längeren Zeitraum (mindestens 2 Wochen) eine Schmerzmittel-Probe zu machen, um zu sehen, ob sich das Verhalten des Hundes unter diesem Schmerzmittel deutlich bessert.
    Bei chronischen Schmerzen, von denen man bei einer Arthrose ausgehen muss, genügt ein kürzerer Zeitraum für eine verwertbare Aussage nicht.

    Stellt man dann fest, dass es dem Hund im Allgemeinzustand unter dem Schmerzmittel deutlich besser geht, tastet man sich an ein Schmerzmittel heran, das für diesen Hund geeignet ist - in der Dosierung, in der Wirkstoffgruppe und in der Art der Anwendung. Für Hunde gibt es da verschiedene Möglichkeiten, die man zusammen mit dem TA herausfinden kann und sollte.

    Was ich zu etwa 112% ausschliessen möchte, ist, dass es einem TA, der einem recht betagten Hund mit sicher diagnostizierter Arhrose Schmerzmittel angedeihen lassen will, um Geldmacherei geht.

    LG, Chris

  • Vielen vielen Dank BigJoy und Chris2406 für eure tollen und detaillierten Antworten.

    Hatte nichts von der Arzneimittelpreisverordnung gewusst. Da bin ich erstmal beruhigt.

    Die Kleine ist immer noch lebensfroh und lässt sich die Schmerzen nicht anmerken, legt auch kein merkwürdiges Verhalten an den Tag, deshalb meine doch recht merkwürdige Frage.

    Das die Schmerzen durch die Erregung beim Spielen überdeckt werden und durch den Grad der Erkrankung vermutlich nicht mehr ganz so stark sind, klingt plausibel.

    Habe jetzt auch nach Hundephysiotherapeuten in der Nähe geschaut und werde dort nach Rücksprache mit dem Tierarzt einen Termin machen.

    Dieser meinte, dass meine Kleine noch viele Jahre leben kann, da sie bis auf die Arthrose top fit ist (normale Blutwerte, keine Tumore, gesunde Leber und ein unfassbar gutes Herz!
    Zitat: "Da kann sich manch 8-jähriger Hund eine Scheibe von abschneiden" :)

    Sie hatte in der Vergangenheit auch nie gesundheitliche Probleme oder Verletzungen.

    Ich war leider für mein Studium 3 Jahre in Hamburg und bin erst jetzt wieder zur Familie gezogen.
    Meine Eltern hatten es einfach als altersbedingte Wehwehchen abgeschrieben. Sonst hätte man in der Vergangenheit mit speziellem Futter der Arthrose entgegenwirken können, klärte mich der Tierarzt auf.

    Ich hoffe einfach das Beste und werde mich nach dieser Diagnose intensiv mit dem Thema beschäftigen.

    Danke euch!!!

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