Ziehen und mentales Abschalten bei anderen Hunden
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Hallo,
seit knapp 2 Wochen habe ich eine etwas über 1-jährige Hündin aus Griechenland zur Pflege bei mir. Sie kommt von der Straße, kennt bzw. kannte also rein gar nichts.
Anfangs hat sie ganz fürchterlich an der Leine gezogen, wir arbeiten jedoch intensiv daran (mit der klassischen Stehen bleiben Methode, heißt also, sobald sie zieht bleibe ich stehen und bewege mich erst dann wieder wenn die Leine locker wird bzw. sie bestenfalls zu mir kommt) und es wird zusehends besser. Allerdings funktioniert das Ganze bisher auch nur dann so lange keine Ablenkung in Sicht ist.
Und Ablenkung ist momentan noch so ziemlich alles: Radfahrer, andere Menschen, Leute mit Kinderwagen, und ganz besonders fremde Hunde.
Madame kennt dann kein Halten mehr, reagiert auf nichts mehr und zieht. Im Moment ist es (bei Artgenossen) einfach nur Aufregung und Spannung, sie ist im Freilauf mit jedem Hund verträglich. Ich möchte es aber erst gar nicht zu einer Leinenaggression kommen lassen und da bin ich an einem Punkt, an dem ich mir bzgl. der Intervention noch nicht sicher bin - soll ich in solchen Momenten stehen bleiben oder weiterlaufen?
Bleibe ich (ganz nach Methodik) wie gewohnt stehen, geht sie auf die Hinterbeine. Würde ich einfach weitergehen, würde ich in dem Moment ja gegen die Anti-Zieh-Methode arbeiten und sie mit dem Ziehen durchkommen lassen. Andrerseits empfinde ich persönlich das Weitergehen als grundsätzlich besser, beim "Warten" auf den anderen kann sich die ganze Energie ja erst so richtig konzentrieren und man misst dem ankommenden Reiz unnötige Bedeutung bei.
Ablenkung in Form von Ansprache, Spielzeug etc. funktioniert bei ihr nicht wirklich, sie schaltet die Ohren komplett auf Durchzug. Dann gibt es ja noch so nette Methoden wie mit Wasser spritzen, mit einem Geräusch erschrecken usw. Bin da eher skeptisch da ich mir vorstellen könnte dass sie dadurch auf andere Hunde negativ konditioniere und als Folge evtl. Aggressionen sogar fördere.
Ich muss dazu sagen, dass wenn wir im Hundegebiet spazieren gehen, wo uns nach und nach im Schnitt zwanzig Hundehalter begegnen, sie ab dem 6., 7. Hund nur noch an lockerer Leine ohne großes Interesse vorbei läuft. Das extreme Verhalten zeigt sie nur bei den allerersten Hunden, irgendwann wird es für sie uninteressant weil "kommt ja alle paar Meter ein Neuer". Wenn uns aber lange Zeit niemand begegnet und dann wieder, geht das Spiel von vorne los.
Lange Rede, kurzer Sinn: Wie würdet ihr vorgehen bzw. wie habt ihr ein solches Verhalten bei euren Hunden in den Griff bekommen?
Ich bin dankbar für jeden Tipp.
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Hallo,
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Moin,
ich hatte ja auch einen ehemaligen Straßenhund und auch er zog an der Leine wie ein Karrengaul.... bei uns hat das klassiche Stehen bleiben aber mal so gar nichts gebracht, weil Diego draußen einfach unansprechbar war.
Bei Hundebegegnungen, wie Du sie beschreibst, habe ich ihn kurz genommen und bin so schnell als möglich einfach stur an allen anderen vorbei gerauscht. Da hatte der Hund keine Chance zum ziehen, sondern ich zog..... später, als er ansprechbar war, hab ich ihn mit Leckerchen ablenken können (die nahm er zu Anfangszeiten draußen aber gar nicht, null Interesse) und es wurde im Laufe der Zeit immer besser.
Leichter war es, wenn er die anderen Hunde begrüßen durfte - das hab ich aber nur zugelassen, wenn ich Hund und Halter kannte - weil ich leinenagressiven Hunden strikt aus dem Weg gehen wollte. Wenn er die bekannten Hunde dann traf, ging`s auch super an der Leine vorbei.
Allerdings haben wir daran (so viele Hunde treffen wir hier nicht, das sind mal 3 bis 4 und das sind dann wahnsinnig viele für eine Runde) lange Jahre gearbeitet.
Du musst sie einschätzen, ich hab alle Methoden die über Schreck arbeiten, nicht anwenden können, weil das Diego total verstört hätte und unserem Vertrauensverhältnis Schaden zugefügt hätte. Ich - war immer die Gute, die ihn vor allen anderen beschützt hat. Dazu gehörten auch nette, sich ihm zubeugende Herren.... sich über ihn beugen war für ihn ein Angriff. Straßenhunde kennen das ja, angeschrien, geschlagen, getreten, beworfen und sonst was erschreckt werden - wer aber Angst hat, der kann nicht lernen -nur flüchten. Ich wäre da sehr vorsichtig und würde lieber zu Zeit, Ruhe und Geduld raten.
Sundri
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Zitat
seit knapp 2 Wochen habe ich eine etwas über 1-jährige Hündin aus Griechenland zur Pflege bei mir. Sie kommt von der Straße, kennt bzw. kannte also rein gar nichts.
Bitte, gib ihr doch etwas mehr Zeit!!
Wenn sie wirklich nichts kannte vorher, dann würd ich mit ihr eh nur dahin gehen wo so wenig wie möglich los ist. Ihr kleines Köpfchen ist wahrscheinlich schon mit den ganzen neuen Eindrücken ziemlich voll - dann soll sie auch noch was lernen.............Leinenführigkeit unter - für diesen Hund - grosser Ablenkung ist momentan noch ein zu hoher Anspruch!!
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Schon einmal vielen Dank für eure Antworten! :-)
Ich glaube, ich werde es dann erst mal mit sturem vorbei laufen probieren.
ZitatLeichter war es, wenn er die anderen Hunde begrüßen durfte - das hab ich aber nur zugelassen, wenn ich Hund und Halter kannte - weil ich leinenagressiven Hunden strikt aus dem Weg gehen wollte. Wenn er die bekannten Hunde dann traf, ging`s auch super an der Leine vorbei.
Das empfinde ich auch am leichtesten. Nur wenn jemand auf dem Fahrrad mit Hund an der Leine ankommt oder ein anderer schiebt einen Kinderwagen - da geht hinlaufen und begrüßen halt nicht. Wir haben hier z.B. auch einige HH, die Bikejöring oder Canicross machen...da reagiert sie auch am stärksten.
Von diversen Schreck-Methoden bin ich absolut kein Fan und die habe ich auch nie ernsthaft in Erwägung gezogen, hoffe, das kam in meinem Beitrag nicht missverständlich rüber. Nicht weil sie von der Straße kommt (sie zeigt so gut wie keine Ängste, ist auch nicht geräuschempfindlich), sondern in erster Linie da ich sie nicht negativ auf fremde Reize konditionieren möchte.
ZitatBitte, gib ihr doch etwas mehr Zeit!!
Wenn sie wirklich nichts kannte vorher, dann würd ich mit ihr eh nur dahin gehen wo so wenig wie möglich los ist. Ihr kleines Köpfchen ist wahrscheinlich schon mit den ganzen neuen Eindrücken ziemlich voll - dann soll sie auch noch was lernen.............Leinenführigkeit unter - für diesen Hund - grosser Ablenkung ist momentan noch ein zu hoher Anspruch!!
Leinenführigkeit ist das einzige, an dem wir derzeit arbeiten. Aber das ist mir einfach wichtig - ich möchte nicht, dass sich dieses Verhalten unnötig weiter festigt. Perfektion erwarte ich dabei auch gar nicht, aber ich möchte zumindest schon mal anfangen gegenzusteuern. Und da die Hündin nicht gerade klein ist muss ich das auch, habe keine Lust durch die Gegend gezerrt zu werden.
Leider habe ich - je nachdem wo ich bin (da 2 Wohnsitze) - nicht immer die Möglichkeit auf irgendwelchen verlassenen Wegen spazieren zu gehen. In der Großstadt lassen sich regelmäßige Hundebegegnungen nicht vermeiden, jedenfalls dort wo ich lebe.
Hat vielleicht sonst jemand Tipps?
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