Können Welpen Leinenaggressionen entwickeln?

  • Hallo liebe Forengemeinde,

    Ich bin neu hier und habe bereits die erste Frage, bei der ich hoffe, dass ihr mir helfen könnt.
    Es geht um meinen 16 Wochen alten Sheltie Welpen Paul. Er kam mit 9 Wochen zu uns und bisher lief alles Super. Er lernt total schnell und hat sogar nach 2 Wochen nicht mehr in die Wohnung gemacht. Das einzige was uns von Beginn an aufgefallen ist, dass er sehr ruppig im Umgang mit uns ist, sehr selbstbewusst, kein bisschen ängstlich. Eigentlich ist das für seine Rasse ja eher untypisch. Es kam am Anfang schon mal vor, dass er uns Hosenbeine zerfetzt hat und meine Hände waren fast die ganze Zeit blutig gebissen :headbash: Aber das haben wir soweit alles gut im Griff.

    Nun zu meiner Frage: Seit ca. einer Woche prescht Paul nach vorne in die Leine und kläfft wenn wir andere Hunde treffen. Als er noch kleiner war hat er mal ein unsicheren Wuff in Richtung des anderen Hundes angegeben aber das hat sich schlagartig verändert. Er rennt wirklich nach vorne und hängt kläffend in der Leine. Ich frage mich wirklich ob das normal ist für einen Welpen :hilfe:
    Wenn wir weit genug weg sind schaff ich es ihn mit Leckerli abzulenken aber oft kommen Hunde unverhofft um die Ecke und dann ist es zu spät. Ich lass ihn an der Leine natürlich nicht zu anderen Hunden hin und ich mach ihn auch nicht los wenn er so verrückt in der Leine hängt.

    In der Hundeschule hab ich die Trainerin darauf angesprochen und sie meinte dass es zu einem ernsten Problem werden könnte, wenn er in diesem Alter schon so heftig reagiert.

    Ist das wirklich so? Entwickelt Paul in diesem Alter schon eine Leinenaggression? Und wie kann ich rechtzeitig Abhilfe schaffen? Bin wirklich etwas verzweifelt... :verzweifelt:

    Ich freue mich auf eure Antworten!

    Liebe Grüße Lexi

  • Zitat


    Ist das wirklich so? Entwickelt Paul in diesem Alter schon eine Leinenaggression? Und wie kann ich rechtzeitig Abhilfe schaffen? Bin wirklich etwas verzweifelt... :verzweifelt:

    Ich freue mich auf eure Antworten!

    Liebe Grüße Lexi


    Ja, das ist der Beginn einer Leinenaggression.
    Ich finde Zeigen und Benennen fantastisch. Gerade bei so kleinen noch recht unverdorbenen Hunden geht das schnell.

    Das ist kein Grund den Kopf in den Sand zu stecken. Das passiert in den "besten Familien".
    Hunde verknüpfen nun mal sehr schnell und zack...
    Kann dir deine Trainerin denn helfen?

    Guck doch hier mal in den Tread: Zeigen und Benennen..

    LG

  • Ich glaube zwar, dass es normal ist, dass Welpen in dem Alter anfangen, auch Artgenossen mit Emotionen zu verknüpfen, aber da sollte man dann gegensteuern. Wege zum Ziel gibts viele. Man muss den richtigen für sich finden.

  • Zitat

    Ich soll eine Einzelstunde bei ihr nehmen :/
    Ich dachte nur ich frag vorher mal bei euch nach, vielleicht ist das ja in dem Alter irgendwie normal? Oder jemand hatte ein ähnliches Problem :hilfe:

    Das Hunde vor manchen Dingen Angst haben ist normal. Nur wie damit umzugehen ist, ist Erfahrungssache. Das müssen sie lernen.
    Das gehört zu den wichtigsten Dingen in dieser Zeit.

  • Hallo!

    Zitat

    Das einzige was uns von Beginn an aufgefallen ist, dass er sehr ruppig im Umgang mit uns ist, sehr selbstbewusst, kein bisschen ängstlich. Eigentlich ist das für seine Rasse ja eher untypisch. Es kam am Anfang schon mal vor, dass er uns Hosenbeine zerfetzt hat und meine Hände waren fast die ganze Zeit blutig gebissen

    Das von Dir beschriebene ist teilweise typisch für einen Welpen.
    Er kennt Euch ja, bzw. lernt Euch im täglichen Umgang immer besser kennen.
    Und Welpen "testen" die Umwelt nun einmal gerne mit den Zähnchen und im spielerischen Umgang.

    Ist es allerdings einen Ticken zu heftig, kann dies ein Zeichen der Überforderung sein. Der Hund weiß nicht, wohin mit der überschüssigen Energie, weiß nicht, wie er "das Problem" lösen soll, und verfällt in Übersprungsaktionen.

    Das scheint mir bei Euch der Fall zu sein.
    Da hilft nur eines, in einer ruhigen Phase, wo er lernbereit ist, wichtige Begriffe wie NEIN und/oder AUS beibringen.
    Wenn die Übersprungsaktionen etwas überhand nehmen, würde ich mal schauen, ob tagsüber nicht doch etwas zu viel war für den Hund, und gegebenfalls diese etwas kürzen.


    Zitat


    Nun zu meiner Frage: Seit ca. einer Woche prescht Paul nach vorne in die Leine und kläfft wenn wir andere Hunde treffen. Als er noch kleiner war hat er mal ein unsicheren Wuff in Richtung des anderen Hundes angegeben aber das hat sich schlagartig verändert. Er rennt wirklich nach vorne und hängt kläffend in der Leine. Ich frage mich wirklich ob das normal ist für einen Welpen :hilfe:

    Das mit der Unsicherheit kann hinkommen.
    Jetzt ist die Frage, was habt Ihr gemacht, als er nur einmal unsicher gewufft hat?
    Wenn Ihr es eventuell ignoriert habt, könnte dies eine Erklärung für diese "Steigerung" sein. Der Hund weiß nicht, was er tun soll, bekommt von Euch keine Hilfe, oder ein Alternativverhalten gezeigt, hatte mit dem ersten Wuff eventuell noch einen "Erfolg" gehabt, also hilft er sich jetzt selbst weiter, indem er sich in seinem Tun hineinsteigert.
    Hinzu kommt noch, daß das Bellen eine Selbstbelohnung ist.
    Und Shelties gehören schon zu den Hunden, die sich in Rage bellen können.


    Zitat

    Wenn wir weit genug weg sind schaff ich es ihn mit Leckerli abzulenken aber oft kommen Hunde unverhofft um die Ecke und dann ist es zu spät.

    Ich persönlich halte von Ablenkung nichts.
    Ich würde eher versuchen wollen, den Hund für das richtige Verhalten zu belohnen.
    Der Unterschied dabei ist, daß da nicht mit einem Leckerchen vor der Nase "herumgewedelt" wird, und beim "erfolgreichen Vorbeigehen" dieses als Belohnung bekommt. Sondern der Hund bekommt ein positives Feedback vom Halter (es könnte zum Beispiel ein Clicker sein), daß das, was der Hund gerade tut, toll ist und dafür bekommt er eine Belohnung (was ein Leckerchen sein kann, oder eine Runde spielen).

    Dabei würde der Hund lernen, daß es sich für ihn eher lohnt, bei Fremdhundesicht, still vorbei zu gehen, eventuell sogar seinen Halter dabei anzuschauen.


    Zitat


    Ich lass ihn an der Leine natürlich nicht zu anderen Hunden hin und ich mach ihn auch nicht los wenn er so verrückt in der Leine hängt.

    Das ist gut so!
    Es gibt auch Halter, die schon mal gerne ihren Hund beim Rabatz an der Leine losmachen, damit diese mit anderen Hunden spielen können. Der Nachteil dabei ist, daß sie somit, oft aus Versehen, das negative Verhalten ihres Hundes belohnt haben.
    Ich persönlich würde eh nur, wenn überhaupt, Hundekontakt ohne Leine erlauben.

    Zitat

    In der Hundeschule hab ich die Trainerin darauf angesprochen und sie meinte dass es zu einem ernsten Problem werden könnte, wenn er in diesem Alter schon so heftig reagiert.

    Kommt ein wenig darauf an, aus welchen Gründen der Hund bellt.
    Wichtig ist aber eher, daß sie Dir gezeigt hat, wie Ihr in solchen Situationen mit Eurem Hund arbeiten sollt. Sie wird Dir sicherlich Lösungsansätze gezeigt haben.

    Zitat


    Ist das wirklich so? Entwickelt Paul in diesem Alter schon eine Leinenaggression? Und wie kann ich rechtzeitig Abhilfe schaffen? Bin wirklich etwas verzweifelt...

    Es kann, ja.
    Es kommt immer darauf an, aus welchen Gründen der Hund bellt.
    Ursache gibt es so einige:
    Hunde bellen, weil sie unsicher sind.
    Hunde bellen, wenn sie Frust schieben, weil sie etwas wollen, aber nicht können, bzw. dürfen.
    Hunde bellen, weil sie sich "stärker machen" wollen, als sie sich eigentlich fühlen.
    Hunde bellen, weil sie "Erfolg" mit ihrer Methode hatten (Briefträger verschwindet wieder).
    Der Nachteil dabei ist, Bellen ist selbstbelohnend!

    Da gilt es, herauszufinden, was die Ursache ist, und dem Hund zu "erkären", daß dieses Verhalten nicht so gerne gesehen wird. Dafür sollte man diesem aber auch zeigen, was für ein Alternativverhalten in so einer Situation erwünscht ist.
    Dieses kann man dann trainieren.
    Mit der Zeit wird der Hund merken, daß es für ihn viel lohnenswerter ist, das Alternativverhalten zu zeigen.


    Schöne Grüße noch
    SheltiePower

  • Vielen Dank für deine ausführliche Antwort SheltiePower :gut:

    Zitat

    Hallo!


    Das stimmt, wir haben es tatsächlich ignoriert. Ich hab immer gelesen, dass man ängstliches oder unsicheres Verhalten ignorieren soll um es nicht zu bestätigen... Aber das ging wohl nach hinten los :/

    Aber wie schaff ich es denn, dass er mich überhaupt anschaut? Sobald andere Hunde in Sichtweite sind, bin ich total abgeschrieben. Da bekomm ich absolut keinen Blick von ihm, den ich belohnen könnte :sad2:

  • Zitat


    Aber wie schaff ich es denn, dass er mich überhaupt anschaut? Sobald andere Hunde in Sichtweite sind, bin ich total abgeschrieben. Da bekomm ich absolut keinen Blick von ihm, den ich belohnen könnte :sad2:

    Die zu Grunde liegende Emotion ist ANGST.
    Dein Hund hat ANGST. Er kann NICHT von dem Objekt weggucken.
    Und das ist auch gut so.

    Müssen meine Hunde auch nicht. Ich ermuntere sie sogar zu gucken. Denn nur wenn man die echte oder auch unechte Gefahr ansieht kann man auch handeln.

    Dein Hund bricht dann allerdings in Panik aus oder "geht in Angriff " über. Und nun muss er lernen, dass ihm nichts passiert.
    Sobald dein Hund dich ANSCHAUT kooperiert er. Aber das tud er zur Zeit ja nicht, weil er nicht weiss, was von dir zu erwarten ist.
    Sobald er das weiss, schaut er dich an.

    Ihm zu versuchen ein SCHAU mich an anzutrainieren kann bei manchen Hunden auch funktionieren.

  • Zitat


    Das stimmt, wir haben es tatsächlich ignoriert. Ich hab immer gelesen, dass man ängstliches oder unsicheres Verhalten ignorieren soll um es nicht zu bestätigen... Aber das ging wohl nach hinten los :/

    Das ist oft so, wenn man alles ignoriert, was der Hund da so macht.
    Es gibt Situationen, da bringt es weder dem Hund, noch seinen Halter weiter.
    Genau in solchen braucht der Hund eine Art Hilfestellung, eine "Erklärung", was man sich als Halter so wünscht.
    Nur dann weiß der Hund, was er machen soll.

    Ist ein Hund ängstlich, unsicher, was ja in der sogenannten "Unsicherheitsphase" verstärkt auftritt, wäre eine bessere Hilfe, dem Hund zu zeigen, daß das Objekt der Angst nicht "gefährlich" ist.

    Beispiel: Hund bellt eine Mülltonne an, die an der Straße steht.
    Ich habe in so einer Situation erst einmal die Distanz zum Objekt vergrößert.
    War meine dann ruhig und wieder lernfähig, konnte ich sie belohnen.
    Dann habe ich die natürliche Neugier meiner Shelties ausgenutzt. Wir sind also gemeinsam zum "bösen Objekt" gegangen. Solange sie dabei ruhig blieb, sind wir weiter gegangen. Das Tempo habe ich allerdings meine Hunde bestimmen lassen.
    Hatte sie die Mülltonne erreicht. Durfte sie daran schnüffeln, diese umrunden, und so weiter.

    Bei etwas gefährlicheren Gegenständen (fahrenden Autos, Rasenmäher) oder halt anderen Lebewesen (Menschen, andere Hunde, generell andere Tiere) geht dies nicht so einfach.
    Da habe ich einfach Distanz zu den Objekten erhöht, bis meine Hunde ruhiger wurden, für das ruhige Verhalten bestätigt und nur abgewartet.
    War der Junghund entspannt, konnte ich einen Schritt nach vorne gehen.
    Blieb sie entspannt, konnte ich dies bestätigen.
    Auf diese Weise wurde langsam, quasi schrittweise, zum "bösen Objekt" herangetastet, allerdings ohne am Ende direkt daran zu gehen.
    Das "Kennenlernen" erfolgte auf Abstand.


    Zitat

    Aber wie schaff ich es denn, dass er mich überhaupt anschaut? Sobald andere Hunde in Sichtweite sind, bin ich total abgeschrieben. Da bekomm ich absolut keinen Blick von ihm, den ich belohnen könnte :sad2:

    Jetzt kommt es ein wenig darauf an, wie Du mit dem Hund arbeiten willst,
    bzw. was Eure Trainerin lieber hat.
    Ich will ja nicht den Anweisungen Deiner Trainerin widersprechen, oder gar stören.


    Ich persönlich arbeite da wieder über Distanz.
    Denn, je näher die "Objekte" sind, desto größer ist die Ablenkung für den Hund.
    Taucht dann noch Streß auf (Angst, Unsicherheit, Zorn), so kann der Hund nichts dabei lernen.

    Ich gehöre zu den Leuten, die ihren Hunden für das richtige Verhalten bestätigen. Dies kann man über einen Clicker machen, oder mit einem sogenannten Markerwort.
    Da bekommt der Hund seine Bestätigung "das, was du jetzt machst, ist total gut und richtig", und ist gleichzeitig ein Versprechen auf eine Belohnung (Futter, Spiel).

    Klappt dies auf Distanz gut, wird diese etwas verkleinert.
    Wieviel "entscheidet" der Hund.
    Gehst Du zu schnell voran, hast Du wieder einen Hund an der Leine, der Rabatz macht.
    Wählst Du den Abstand richtig, wird er das neu erlernte weiterhin übertragen und Du kannst ihn weiterhin schön bestätigen.


    Schöne Grüße noch
    SheltiePower

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