Ist das Mobbing?

  • Folgende Situation: seit einem Jahr treffen wir uns an jedem Wochentag zu einer kurzen Morgenrunde in einem kleinen Waldstück. Ein kastrierter 4jähriger Rüde ( Australian Shepherd), die im gleichen Haushalt lebende 1jährige Border Collie - Hündin und mein gleich alter Hund. Die jungen Hunde spielen die ganze Zeit, der ältere Rüde beschützt, reguliert, sobald er es für nötig erachtet, es kommt aber selten zu Streitereien. Seit kurzem ist zu dieser Truppe eine beagleartiger 10 Monate alter Rüde dazu gestoßen. Er ist sehr zurückhaltend, aber interessiert.
    Die beiden anderen Rüden halten den ziemlich in Schach. Er darf nicht zu nah an die Hündin, nicht zu nah an uns Menschen, eigentlich gestatten sie ihm lediglich, in der Gruppe mitzulaufen.
    Heute (die Hündin wird gerade läufig) haben die beiden ihn zunächst gejagt, dann gestellt, der junge Rüde hat sich sofort unterworfen. Während aber der ältere Rüde daraufhin von ihm abließ, hat mein Assi wohl Gefallen an der Aktion gefallen. Er hat ihn gejagt, Kehlbiss angedeutet, geknurrt, unablässig. Der Beagle hat eigentlich die ganze Zeit beschwichtigt. Der ältere Hund, sonst eigentlich immer total bossy stand völlig entspannt daneben, ehrlich, als ob er die Aktion gutheißt.
    Ich habe meinen Hund, als ich ihn dann endlich mal zu fassen bekommen habe, an die Leine genommen und weg geführt.
    Wie würdet ihr das bewerten? Normal? Zulassen? Oder schon im Keim ersticken? Aus menschlicher Sicht ist das Mobbing, ich finde das Verhalten abstoßend. Aber gut, ich finde auch Pipilecken abstoßend und lasse ihn trotzdem gewähren. Wie kann ich mich adäquat verhalten?

  • Ich finde es ist Mobbing.

    Kommt ja immer öfter vor, wenn ein neuer Hund zu einer festen Gruppe dazukommt.

    Was man machen kann- den Beagle schützen. Notfalls den auslösenden Hund an die Schlepp nehmen, dass er nicht mehr die Chance hat mit dem Jagen anzufangen.

    Und gegen dieses ganze in Schach halten würde ich auch arbeiten. Ich bin selber groß, da hat keinen Hund irgendwen in Schach zu halten. Aimee hatte z.B. sehr starke Eifersuchtsprobleme. Musste ich ihr auch klar machen, dass es gar nicht cool ist Hunde die mir Hallo sagen unter dem Deckmantel 'Ich mag mit dir Spielen' zu 'attackieren' (sie spielte den Hund tatsächlich von mir weg- wenn auch ein bisschen grober).

    Ich bin bestimmt niemand der ständig eingreift, aber Mobbing finde ich nervig und schlimm für den betreffenden Hund- da liegt es meiner Meinung nach beim Menschen wieder ein Gleichgewicht herzustellen.

  • Hört sich schon nach Mobben an. Wenn dazu seine Ohren stets nach vorn gerichtet waren, er immer das Beageltier im Blick hatte, kann man schon was reininterpretieren.

    Da man von vielen Hunden heutzutage keine gute Kommunikation erwarten kann, würde ich den Beagle nach einer Weile beschützen. Es aber immer wieder probieren, und die Hunde aneinander gewöhnen.

    Sobald ich merke ein Hund will Wege abschneiden, greife ich ein. Das geht mir zu weit, das dürfen Hunde nicht die mit mir unterwegs sind, weil es einfach eine totale Disharmonie bringt, und für jede Seite nicht angenehm ist, auch nicht für den Mobbenden Hund. OB das jetzt richtig oder falsch ist, könnte ich Dir noch nichtmal sagen, ich handle da nach Gefühl und individuell.

  • Danke euch. Ja, es gibt noch andere Anzeichen für Respektlosigkeiten. Das " Wegspielen" hätte ich nie als solche interpretiert, echt interessant, das macht er auch. Oder die jeweiligen Hundehalter anspringen, immer mit einem Nebenblick zum Hund. Ganz eindeutig. Mir darf auch keiner, den er für unwürdig hält, zu nahe kommen. Jemand hat mir mal den Tip gegeben, unmittelbar nach jeder Anmaßung Übungseinheiten durchzuführen. Ist das sinnvoll?
    Schleppleine finde ich im Wald sehr schwierig. Die Wege sind sehr schmal, im Grunde wuseln die Hunde fast immer durchs Unterholz. Und letztlich ist es so, dass die Hunde toll spielen. Nur wird der Neuankömmling eben ausgeschlossen. Im Grunde wird er, so lange er den Abstand einhält, komplett ignoriert. Sobald er in unterschreitet, gibt es Ärger. Zunächst gibt es also nicht den Plan " cool, ein Opfer, den mobben wir mal...". Was mich irritiert hat war, dass er dann bei der Maßregelung nicht mehr von ihm abließ. Das verstehe ich nicht oder ich habe etwas übersehen.

  • Da Fina auch so ist, bin ich seit 1.5 Jahren mit dem Thema konfrontiert.

    Schlussendlich hat geholfen : viel Zeit.

    Mein Sitterhündchen Joy war am Anfang Finas grösste Feindin. Fina wollte sie besteigen, kontrollieren, ermahnen. Quasi ne Finapolizei. Die beiden kennen sich nun ein halbes Jahr, und schlafen nun imselben Bettchen.

    Ich habe nicht besonders viel dazu beigetragen. Gewisse Dinge wie eben, Wege abschneiden, Anpföteln um zu besteigen, wegdrängen, habe ich konstant ermahnt, und mit Fuss/Leine quittiert. Hat gefruchtet!

  • Zitat

    Danke euch. Ja, es gibt noch andere Anzeichen für Respektlosigkeiten. Das " Wegspielen" hätte ich nie als solche interpretiert, echt interessant, das macht er auch. Oder die jeweiligen Hundehalter anspringen, immer mit einem Nebenblick zum Hund. Ganz eindeutig. Mir darf auch keiner, den er für unwürdig hält, zu nahe kommen. Jemand hat mir mal den Tip gegeben, unmittelbar nach jeder Anmaßung Übungseinheiten durchzuführen. Ist das sinnvoll?

    Ja, so ist Aimee auch. Ganz habe ich es nicht wegbekommen, aber relativ gut eingeschränkt. Puh, einen Tipp, das kommt auf den Hund drauf an. Aimee reagierte früher (heute zum Glück seltener) sogar auf Ansprache von Leuten gegenüber mir und fuhr dann das ganze Programm auf- Knurren, Bellen usw... Ich bin ehrlich, ich habe teils über Ignorieren, teils abgestraft (nicht hauen o.ä. normales 'abstrafen' eben, sei es 'nein' oder Rausschmeißen oder oder- nur bevor hier wieder jemand was anderes reininterpretiert).

    Auch mit andren Hunden. Ich habe sie an der Leine neben mir absitzen lassen, andere Hunde gestreichelt oder mit Menschen interagiert- korrektes leises Verhalten wurde gelobt, falsches eben ignoriert oder 'bestraft'.

    Ob da eine Übungseinheit hilft- Aimee hätte gesagt 'ja, Frauchen, so ist's brav, beschäftige dich mit mir, ich bin dein Mittelpunkt'. Kommt eben auf den Hund drauf an. Ich persönlich musste anfangen die Situation konkret zu regeln. Aimee hat das relativ schnell verstanden und ihre Anfälle sind wesentlich seltener geworden :smile:

    Zum Mobben- mhm wenn Schleppleine schlecht ist würde ich es wahrscheinlich wie wooni halten. Dauert ggf. etwas länger, weil es eben länger dauert bis ihr sie habt (evt.), aber mit Sicherheit auf Dauer genauso effektiv.

    Dass sie nicht von ihm abgelassen haben finde ich auch nicht so ungewöhnlich. Ist doch super, wenn das Opfer gefunden ist, warum aufhören, in der Gruppe gegen einen ist man stark. Halte ich in dem Zusammenhang nicht für außergewöhnlich oder 'bedenklich' (insgesamt natürlich bedenklich- ich hoffe es ist verständlich was ich meine).

  • Vetständlich und hilfreich, vielen Dank.
    Ich "bestrafe" ihn auch durch Ignoranz und Sauersein. Vorher fordere ich ihn natürlich deutlich und m.M. nach auch frühzeitig dazu auf, bestimmte Dinge sein zu lassen. Das überdenke ich nicht, das sind einfach die Gefühle, die ich habe. Und er registriert das durchaus, nur "kämpft" er halt dagegen an. Ich sehe schon, wie er sich bewusst entscheidet zwischen Spaß am Assiverhalten und Frieden mit Frauchen.
    Morgen früh werde ich mal die beiden anderen Hundehalter dazu ermuntern, ebenfalls gegen seine Übergriffe/ Anspringereien vorzugehen. (Ich bin immer fassungslos, wie mädchenhaft Leute auf solche Frechheiten reagieren. Huch, ups, haha. Also, Hundehalter müssten es ja nun mal gelernt haben.) Aber letztlich bin ich natürlich verantwortlich.
    Vielleicht ermahne ich ihn besser auch gar nicht zwei Mal, wenn er anfangt, sich als T aufzubauen oder den Lütten abzudrängen, sondern nehme ich nach der zweiten Missachtung an die Leine für ein paar Minuten.
    Auf jeden Fall vorerst vielen Dank :smile: Geduld und Konsequenz, ich werde es beherzigen.

  • Hört sich doch super an dein Plan :smile:

    Mich würde interessieren wie es weiter geht, vielleicht magst du es ja berichten. Aber ich denke er wird das sehr schnell raushaben, wenn alle an einem Strang ziehen!

  • Zitat

    Würde an einem verlässlichen Rückruf arbeiten ;)


    Unablässig ;)
    Unter normalen Umständen klappt der auch vorbildlich, aber wenn er merkt, dass ich pappig bin leider noch nicht. Bei neutraler Stimme habe ich z.Z. eine Erfolgsquote von 100%. Zur Zeit... im Flegelalter ist ja von heute auf morgen die Erde eine Scheibe :roll:
    Ich berichte :smile:

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