Frustrationstoleranz aufbauen

  • Hallo ihr Lieben,

    mich würden ein paar Übungen interessieren, mit denen ihr die Frustrationstoleranz trainiert und ausgebaut habt.

    Wir haben momentan das "Problem", dass Brix seinenFrust in Pöbelei umsetzt und ich würde deshalb gern an der Frustrationstoleranz etwas üben.

  • Leinenführigkeitstraining. Das ist DIE Übung zu Frustrationstoleranz überhaupt. Steigerung ist dann Leinenführigkeit unter immer schwereren Bedingungen - sprich immer höherer Ablenkung.

    Ansonsten sind auch viele solche Übungsideen im Buch von Ariane Ullrich "Impulskontrolle" beschrieben.

    Es geht ja immer um das Vorenthalten einer Belohnung und Aufbau eines alternativen Verhaltens über Belohnung.

    Viele Grüße
    Corinna

  • Gut, dann ist es vielleicht auch gar nicht die Frustrationstoleranz die ich mit ihm trainieren muss.
    Er ist in jeder Situation zu 100% leinenführig, ansprechbar und lenkbar..

    Situation ist jetzt z.B. beim spazieren gehen.
    Hat ereine Aufgabe und steht in direkter Verbindung zu mir (anständig am Pferd oder Fahrrad laufen, Fuß gehen, etwas tragen, bestimmte Dinge melden, what ever) ist alles für ihn in Ordnung und der andere Hund interessiert zum Beispiel gar nicht.
    Wenn wir jetzt aber einfach nur an der Leine an einem anderen Hund lang gehen, ohne das ich ihn direkt anspreche, dann möchte er gern hin, weiß aber das er nicht an der Leine ziehen will und setzt das dann in gepöbel um (er hängt dabei nicht in der Leine, sondern steht neben mir und macht Terz).
    Spreche ich ihn an, dann fällt seine Konzentration vom Hund sofort wieder ab und er kann ruhig an ihm vorbei gehen, weil er dann ja scheinbar eine Aufgabe bekommen hat, die ihm über das "ich will zu dem Hund hin" geht...das kann auch ein einfaches Abbruchkommando sein...er lässt dann sofort ab...

  • Wir üben (je nach Hund):

    - Quietschie fliegt, quietscht vor der Nase, macht lustige "Fang-mich"-Bewegungen und Hundi sitzt entspannt
    - Hund liegt und Beute fliegt neben ihn / an ihm vorbei
    - Hund sitzt und Beute fliegt (Bringen nach Freigabe)
    - Hund sitzt entspannt, während arg animierende Bewegungsreize ihn verlocken
    - Futter in beiden Händen, Hund sitzt vor HF, himmelt diesen an und ignoriert beide Hände, die ggf. auch seine Nase berühren

    Bei dem, worauf Brix reagiert, würde ich so vorgehen:

    Jede Hundesicht wird gelobt (ggf. Clicker) und Alternative ist Futter oder Spieli von Dir. Reden würde ich da kaum, denn im Moment scheint er mir etwas "anhängig" davon zu sein um diese Situation zu lösen. Im Prinzip bietest Du ihm eine wortlose Alternative, die selbst unser Herder schnell umgesetzt hat.

  • Ich würd auch versuchen, mitm Clicker umzulenken. Seit mein Schnupp das ein Mal richtig verstanden hat, bellt er viel viel weniger Hunde an, oft nur noch, wenn die zuerst loslegen. Aus der Distanz fürs Hundegucken klicken, mit der Zeit wirst du merken, dass die Fremden immer näher kommen können und die Reizschwelle sich verschiebt.
    Manchmal klicke ich am laufenden Band, um die Aufmerksamkeit bei mir zu halten. Ich geb ihm dann die Leckerchen so, dass er erstmal dran knabbert und kurz damit beschäftigt ist, es aus meiner Hand zu holen. Wenn ich ihm das Ding direkt gebe, besteht die Gefahr, dass er es nur nebenher verschlingt, seinen Fokus weiter auf dem fremden Hund hat und die Anspannung steigt. Die Arbeit mit dem Clicker hat auf ihn eine sehr beruhigende Wirkung, also perfekt, um solche Situationen zu handhaben!

  • Mein Problem ist halt, dass dieser Hund die Aufmerksamkeit von mir nicht verliert.
    Ich bräuchte nur einmal clicken und er wüsste direkt, dass das ganze nun auf Arbeit mit mir hinaus läuft und der andere Hund wäre komplett abgeschrieben und entsprechend käme es zu der jeweiligen Situation nie.
    Vielleicht habe ich auch zu hohe Ansprüche :???:
    Ich möchte nicht, dass er den anderen Hund zwingend sofort mit Arbeit für ihn verbindet, sondern er soll einfach daran langlaufen, hierund da weiter schnüffeln, sich verhalten als wäre einfach kein Hund da...

  • Ich kopiere der Einfachheit halber einfach mal meine Antwort aus einem anderen Thread:

    Auch eine gute Übung: Der Hund sitzt vor Dir und Du zählst Leckerchen in die Hand ab - sehr deutlich und auffällig: 1 ... - 2 ... - 3 ... - bis 10. In dieser Situation sollte der Hund ruhig sitzen bleiben (kein jiffen, bellen oder aufspringen). Tut er es doch (vermutlich :roll: ...), wird er korregiert und wieder ins Sitz geschickt. Dann wirfst Du die Leckerchen und gibt's das Kommando "Such". Im ersten Schritt darf der Hund direkt nach dem "Such" + Werfen lossschnüffeln. Die Steigerung ist dann, dass er ruhig sitzen bleibt und erst nach dem Kommando "Such" loslegt.

  • Hm..dann ist es scheinbar wirklich keine Frustrationstoleranz die wir aufbauen müssen.
    Denn auch das ist gar kein Problem...Impulskontrolle generell eh nicht.
    Futter ist zwar nicht so sein Fixierpunkt, aber Spielzeug o.ä. kann ich ohne weiteres hin und herschwingen, wegwerfen, in seine Richtung werfen, etc. und er geht erst nach Freigabe von mir hin und wartet bis dahin still und leisse. Dort hat er keine Ambitionen zu janken oder zu bellen.
    Er sitzt und wartet auf die Freigabe, klar, wie gewünscht, triebig, aber leise.

  • Zitat


    Ich möchte nicht, dass er den anderen Hund zwingend sofort mit Arbeit für ihn verbindet, sondern er soll einfach daran langlaufen, hierund da weiter schnüffeln, sich verhalten als wäre einfach kein Hund da...

    ati

    Du möchtest üben, dass er gar nicht mit anderen Hunden kommuniziert? Oder möchtest Du die Übersprungshandlung Schnuppern?

    Ich trainiere das ganz anders. Ich übe, dass der Hund situationsbezogen lernt - das Signal ein Verhalten auszuführen ist also die "Ablenkung" an sich. Da muss ich dann nix reden und das Timing vom Signal passt immer... ich trainiere nicht, dass meine Hunde andere nicht wahrnehmen und nicht mit ihnen kommunizieren sollen, sondern, dass sie lernen andere Hunde ruhig wahrzunehmen und deeskalierend kommunizieren. Meine Hunde dürfen und sollen andere Hunde sehen dürfen ;) Aber zwischendurch auch mich...

  • Wenn du beispielsweise mitm Clicker arbeiten würdest, dann wäre das eine Möglichkeit, das ruhige Verhalten des Hundes zu belohnen. Ich zieh den Belohnungspart in heiklen Situationen ein bisschen in die Länge, damit Hundi keinen Leerlauf hat. Mir geht es aber nicht grundsätzlich darum, die Aufmerksamkeit zu bekommen, sondern die Begegnungen zu einer tollen Sache zu machen: ruhig schauen = Belohnung. Ich biete ihm also die Möglichkeit, das Beste aus der Situation zu machen, und das tut er auch immer öfter.

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