Anknurren
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Das stimmt nicht so ganz, dass das Knurren die vorletzte Stufe in der Hundekommunikation ist. Das Knurren an sich hat schon mehrere Stufen, dann kommt Knurren mit Lefzen-Ziehen, dann kommt das Abschnappen (in die Luft schnappen ohne Beschädigungsabsicht) und dann kommt das Beißen in Beschädigungsabsicht. Möglicherweise hab ich sogar noch einige Stufen übersehen bzw. jetzt hier nicht aufgeschrieben.
Man sollte nicht bei jedem Hund und in jeder Situation auf das Knurren deeskalierend wirken, das kann bei dem ein oder anderen furchtbar nach hinten losgehen.
Hier ist Knurren erlaubt, allerdings heißt es nicht, dass ich diese Grenze immer berücksichtige, sondern es gibt durchaus Situationen, wo ich mich bewußt als Hundehalter darüber hinweg setzen muss: Behandlung oder Beurteilung von Schmerzpunkten/Verletzungen zum Beispiel.
@TS
Du hast sehr gute Tipps hier herhalten, weswegen ich dazu nix mehr direkt schreibe. - Vor einem Moment
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Hi,
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Zitat
(...)
Man sollte nicht bei jedem Hund und in jeder Situation auf das Knurren deeskalierend wirken, das kann bei dem ein oder anderen furchtbar nach hinten losgehen.
(...)Magst Du diesen Satz mal erklären ? Mit nem Beispiel vielleicht ?

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Klar:
Satoo ist ein Hund, der unsicher ist und dabei etwas nach vorne geht. Er hat bei den Vorbesitzern anscheinend gelernt, dass er sich mit Knurren und nachvornegehen unliebsame Dinge (Dinge, die er grad nicht haben will oder die er nicht kennt) definitiv vom Hals halten kann; das geht soweit, dass er bei gezeigter Unsicherheit und zögern selbst unsicherer wird aber auch gleichzeitig noch mehr nach vorne geht.
Ein Erlebnis war hier bei unserer Tierarztpraxis mit 2 unterschiedlichen TÄinnen:
die eine setzte sich ruhig aber bestimmt über das Knurren hinweg und untersuchte weiter. Es ging dabei um das Abhören, also etwas, was keinerlei Schmerzen verursacht. Satoo wurde also trotz Unsicherheit weiter behandelt und seine Unsicherheit ließ innerhalb von Sekunden nach (Körpersprache, Lautäußerungen), er merkte ja, dass ihm nix wildes passierte. Diese TÄin durfte bei späteren Besuchen alles mit ihm machen, durfte ihn berühren usw.
Eine zweite TÄ sollte ihn später mal untersuchen, auch ohne Schmerzen zu haben oder verursacht zu bekommen. Satoo knurrte, TÄ wurde unsicherer, wich zurück und brach das Vorhaben ab. Folge war: Satoo bekam Oberwasser, hat gelernt, dass er sich diese Person vom Hals halten kann, darüber hinaus wurde er aber auch immer unsicherer. Insgesamt konnte diese TÄ nichts mehr an ihm machen und es war ein Teufelskreis der Unsicherheiten.Beliebtes anderes Beispiel:
Hund liegt auf Couch und soll den Platz räumen, weil Besitzer sich hinsetzen will. Hund möchte das aber nicht, sondern will natürlich auf dem bequemen Sofa liegen bleiben, also setzt Hund mit dem Knurren eine Grenze und signalisiert: "nö lass mich in Ruhe, ich bleib hier liegen". Jetzt hast du als Hundehalter 2 Möglichkeiten:
a) du signalisiert dem Hund: "nö, wenn ich dahin will, hast du zu gehen, ich beanspruche den Platz für mich" und sorgst dafür, dass der Hund den Platz verlässt.
b) du weichst zurück und setzt dich woanders hin, deeskalierst. Du zeigst damit aber auch Schwäche und der Hund lernt, dass er sich durchsetzen kann und seinen Willen bekommt, wenn er nur knurrt. Das kann bei einigen Hunden zum Lerneffekt führen, dass sie nur noch ihren Willen durchsetzen und keinerlei Grenze mehr akzeptieren.Das heißt jetzt aber nicht im Umkehrschluss, dass ich mich über jede vom Hund gesetzte Grenze hinwegsetzen muss und nie deeskalierend agierend sollte. Sondern es kommt wirklich auf die Situation insgesamt an, auf die Wichtigkeit meines Tuns, auf den Hund, auf die Art des Knurrens und natürlich auch auf mich persönlich an.
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Ich bin nicht der Meinung, das ein Hund knurren darf, nur weil ihm was gerade nicht gefällt. Ich finde satoo hat da sehr gute Beispiele aufgezeigt, das das nach hinten losgehen kann.
Wenn ich versuche meinem Hund alles recht zu machen, ihn ungehemmt in jeder aus seiner Sicht unangenehmen Situationen knurren lasse und dann einen anderen Weg einschlage, werde ich unglaubwürdig und habe auf lange Sicht verloren.
Gerade in Situationen wo es notwendig ist, den Hund auch trotz Schmerzen zu berühren (z.b. Nach einem Unfall oder wenn er sich was eingetreten hat) muss er sich darauf verlassen können, das ich genau weiß was ich da tue und Vertrauen haben egal was ich mache. Ich kann ihm ja nicht erklären das das jetzt sein muss.
LG
Andrea -
Aber es geht doch eben nicht darum, dem Hund das Knurren abzugewöhnen. Es sollte mMn doch eher darum gehen, den Hund so zu trainieren, dass er nicht knurren braucht !!!
Sprich; die Situation, die dem Knurren vorher geht ist interessant und nicht das Ende der Situation. Wenn der Hund knurrt, ist die " Übung" gescheitert. Aufgebaut werden sollte das Training also nicht IN der Konfliktsituation, sondern wenn Hund und Halter entspannt sind. Damit ist nicht gemeint, den Hund antiautoritär oder lasse fair zu erziehen, sondern ein vorausschauendes Training...Tierarztbesuche zum Beispiel kann ich - Notfälle ausgenommen - im Vorfeld trainieren.
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Ich halte auch nix davon, dem Hund das Knurren abzugewöhnen, er lernt nur bei mir, dass es nicht immer von Erfolg gekrönt ist, sondern dass ich mich über eine gezeigte Grenze auch hinwegsetze. Es gibt Konflikte, die stehe ich durch und es gibt Konflikte, da gebe ich nach. Und wenn ein Hund knurrt, ist das nichts anderes als ein Konflikt.
Auch bin ich kein Fan davon, alles im Vorfeld und immer zu üben. Meiner Erfahrung nach geht das gar nicht, das Leben und das Zusammenleben ist nicht immer plan- und somit übbar. Aber das ist jetzt dann das Persönliche und die persönliche Einstellung, die ich vorhin meinte.
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Hallo,
ich dachte eigentlich auch so
, das mein Hund mich nicht anzuknurren hat, aber wenn ich das hier lese, leuchtet es mir ein
.
Ich möchte keinen Hund der ohne Vorwahrnung zuschnappt, kannte dieses Verhalten von meinen bisherigen Hunden nicht
.
Wenn ich aufs Sofa möchte und sie würde mich anknurren, dann würde ich mich natürlich auch durchsetzen.Vielen Dank für eure Aufklärung, werde mir diese sehr zu Herzen nehmen.
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Zitat
Hallo!
dass sie dich angeknurrt hat, heißt einfach, dass sie es nicht wollte, dass du sie hoch nimmst. ihr war es unangenehm. dass sie dich angeknurrt hat, war schon die 2. warnstufe. zuerst zeigen die hunde beschwichtigungszeichen, damit zeigen sie, dass sie etwas nicht möchten und um uns eben zu beschwichtigen. du hast ihre grenzen verletzt, die hat sie einfach verteidigt und dies durch knurren gezeigt. wenn ihr ein gutes team werden wollt, musst du in zukunft darauf achten, dass du ihre grenzen akzeptierst. wenn ein mensch deine grenzen missachtet, er etwas macht, was du nicht wolltest, hättest du ihm eine ohrfeige gegeben. das kann man in etwa mit dem knurren vergleichen.
knurren ist nichts schlimmes, im gegenteil. das ist gut, wenn er es macht. dadurch kommuniziert er mit uns. würdest du das knurren bestrafen, lernt er, dass er nicht knurren darf und beißt dann u.u. gleich zu. das ist die letzte konsequenz, wenn man nicht aufs knurren eingeht.wenn du sie öfter hoch nehmen möchtest, würde ich das schritt für schritt üben. leckerchen bieten sich da sehr gut an, wenn sie die mag. damit fütterst du das hochnehmen einfach schön. das heißt in der lerntheorie von hunden "gegenkonditionieren". schritt für schritt heißt, so weit hochnehmen, dass sie es noch okay findet, leckerchen geben! vielleicht wenn du sie schon hast, aber sie noch die beine auf dem boden hat.
wenn sie in die hände schnappt, würde ich einfach das spiel unterbrechen oder laut "aua" rufen.
alles gute,
stille88.Falsch!

Anders: wenn ihr ein gutes team werden wollt, musst du in zukunft darauf achten, dass der Hund Deine Grenzen akzeptiert.
Wo käme ich denn da hin, wenn mein Hund die Grenzen setzen würde. Was meinen Hund angeht, wäre er ein hoffnungsloses Filzknäuel mit Ohrenentzündung und entzündeten Zähnen, welches mich mit der Nase am Boden Gassi führt, wohin er will.
Es ist anders herum: ich setze die Grenzen und mein Hund hat die einzuhalten. Ich habe im Gegenzug zu erkennen, was meinem Hund gut tut und was nicht.
Was meine angeht, sie hat mich nur einmal ganz am Anfang ein einziges Mal angeknurrt, weil ich sie falsch hochgehoben habe
- obwohl sie sehr gerne knurrt wegen allem Möglichen. Seitdem habe ich gelernt, dass ich sie anders hochheben muss.Für mich ist und wäre es mit meinem Hund nicht normal, dass er mich anknurrt, denn dann habe ich nicht begriffen, was ich ihr zumuten kann und muss sie besser lesen lernen. Trotzdem muss ich ihr manchmal wehtun - beim Ohrenzupfen z.B. - dennoch knurrt sie da nicht.
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Zitat
Falsch! Anders: wenn ihr ein gutes team werden wollt, musst du in zukunft darauf achten, dass der Hund Deine Grenzen akzeptiert.
na gut, ich berichtige mich. wenn man ein gutes team werden will, muss man drauf achten, dass die eigenen grenzen _und_ die des hundes beachtet werden. das bekommt man durch gutes training hin, so dass hundi zb. eben gar keinen grund hat zu knurren. wenn man "entweder oder macht", wirds irgendwann probleme geben.
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