Treiben oder Hüten?

  • Ich habe eine Frage: es gibt doch einen Unterschied zwischen Hüten und Treiben oder? Sicher wird ein Hütehund auch eine Veranlagung zum Treiben haben und andersherum. Ich selbst habe einen Entlebucher Sennenhund, also einen Treibhund. Das ihr diese Arbeit in den Genen liegt ist täglich zu spüren.


    Getrieben haben die Entlebucher vor allem Rinderherden. Sicherlich haben sie diese auch gehütet. Wo genau liegt der Unterschied? Und ist es sinnvoll einen Treibhund zur Beschäftigung eine Treibaufgabe zu bieten? Was kann das Spiel Treibball erfüllen? Oder ist es sinnvoller ein Treibseminar zu machen und als Hobby Treibarbeit mit echten Tieren zu machen? Wie schwer ist es einem 2-jährigen Hund das Treiben beizubringen und wie verhält es sich mit der Gewöhnung an Vieh, wenn sie es nicht von Geburt an gewöhnt sind?


    Bedeutet ein Hüteseminar auch gleichzeitig ein Treibseminar? Und gibt es das auch in Hauptstadtnähe?
    Fragen über Fragen :smile:


    Wer hat Antworten ;) ?
    Liebe Grüße

    • Neu

    Hi


    hast du hier Treiben oder Hüten?* schon mal geschaut? Dort wird jeder fündig!


    • Hi,


      "Treibseminare" ... von sowas hab ich noch nie gehört. Die Treibarbeit eines entlebuchers hat mit der Hütearbeit eines Koppelgebrauchshundes ( Border Collie, Kelpie und Co. ) oder eines Herdengebrauchshundes ( Altdeutsche, Füchse etc. ) nix zu tun.


      EInem Entlebucher wird man auch nicht im Ansatz die Arbeit eines Border Collies beibringen können, weil die se Arbeit liegt in den Genen.


      Nur als Erklärung zum BC:


      Ein Border Collie hat genetisch die Veranlagung, Schafe zu umkreisen und sie dem Menschen zuzutreiben. Und dies tut er alles leise und mit viel Abstand ( Schafschonend ). Natürlich muss er auch in der Lage sein, sich bei renitenten Schafen durchzusetzen, darf dies aber ausschließlich mit einem kurzen Schnappen in die Nase, wenn zwingend notwendig, tun. Ansonsten setzt er sich eigentlich durch seine Presenz durch ( Auge ).
      Zudem wird er, wie es der Name Koppelgebrauchshund sagt ) hauptsächlich für die Koppelarbeit genutzt. Einsammeln, separieren, sortieren etc. Das aber im Ursprungsgebiet auf unendlich großen Flächen und Weiten. Oftmals Meilenweite Distanzen selbständiges Einholen der Schafe auf Pfeiffkommandos des Menschen. Ebenso sangte Feinarbeit im Stall, Sortieranlage etc. Ein Spezialist für wilde Schafe, die vorsichtig und behutsam gearbeitet werden müssen. Nichts desto trotz eigenet er sich auch für Arbeiten an der großen Herde und für Umtriebe an dieser. Ach ja, sein stilvolles Arbeiten ist atemberaubend ;-) Hierzu werden von der ABCD eV ( Arbeitsgemeinschaft Border Collie Deutschland eV. Seminare und Trainingsmöglichkeiten angeboten )


      Herdengebrauchshunde arbeiten an Großen Wanderherden und sorgen dafür, dass die Herde in Gang bleibt, niemand abdriftet oder zurückbleibt und läuft Furche. Alles auf freiem Gelände. Er arbeitet auch viel dichter an der Herde auch mal lautstark und "griffig", was beim BC nicht erwünscht ist. Sie arbeiten aufrecht.


      Ach ja, Hüten hat in diesem Fall nicht die Bedeutung aufpassen oder beschützen !!!! Das wären Herdenschutzhunde und die haben ganz andere Aufgaben und Veranlagungen.


      Das nur in Kürze
      Alexandra

    • Mmh, das ist alles etwas konfus bei Deinen Fragen.


      Treiben bedeutet, dass der Hund das Vieh vorwärtsbewegt. Koppelgebrauchshunde können das, Hütehunde auch und Treibhunde erst recht. Doch letztere können dafür vieles nicht, was ein Koppelgebrauchshund und ein Hütehund kann. Dafür können z.B. Koppelgebrauchshunde einiges nicht, was der Treibhund kann. Nämlich, gut ohne Treiben leben zu können ;) Denn sie haben ja auch noch ihren zweiten Job, den Wächterjob.


      Ich mach es mal kurz: Hast Du nicht vor Dir Rinder zu kaufen, die Du täglich rein und raustreiben möchtest, dann mach einfach was anderes Schönes ;)


      Treibball hat mit Vieh treiben übrigens soviel zu tun wie Papierhüte falten mit Spaghetti kochen.


      Viele Grüße
      Corinna

    • Indianheart: das ist ja genau das was ich meine und mich aber lieber nochmal rückversichern wollte: ein Treibhund und ein Hütehund sind zwei paar Schuhe. Die Arbeit und Aufgabe eines BCs ist mir vollkommen klar und ich bin vertraut mit der Arbeitsweise und ihrer leisen, distanzierten und präzisen Art und Weise. Es ist faszinierend diese Hunde beim Arbeiten zu beobachten!


      Meine Hündin ist eindeutig ein Treibhund und zeigt dies mit typischem Verhalten. Sie umkreist und treibt auf mich zu was ich an einer Schafherde schon beobachten konnte und war dabei ebenso still, denn die Tiere sind sensibel und reagieren sofort auf die Bewegung des Hundes. Nachdem sie die Tiere in einer Ecke positioniert hatte, kam sie zu mir und setzte sich neben mir um ihren "Lohn" abzuholen. Natürlich, und so soll es bei einem Treibhund ja auch sein, kann sie störrische Tiere auch laut antreiben und wie man es zum Teil kennt in die Hinterläufe zwicken, was besonders bei Kühen manchmal nötig ist. Dieses Verhalten lässt sich im Spiel mit störrischen Artgenossen beobachten. Und abbrechen.


      Herdenschutzhunde sind natürlich nochmal was ganz anderes und sind ja auch neben dem Hütehund und dem Vieh zum Schutz von Herde und auch Hütehund da.


      flying-paws: kurz ist zwar gut, aber ich hätte da doch gern mehr Infos :smile:. Ich würde mir gern Kühe kaufen, aber das sehen meine Nachbarn im Mietshaus wohl nicht so gern, vermute ich ;) Trotzdem habe ich mir mit vollem Bewusstsein einen Treibhund ins Haus geholt, den ich mit vielen Aufgaben sehr gut beschäftigen kann. Allzu gern würde ich meinen Hund aber gern mal beim richtigen Treiben arbeiten lassen. Vielleicht ist das ohne Kuh vollkommen illusorisch? Oder gibt es doch Möglichkeiten diesen robsuten, ausdauernden, sensiblen(!), intelligenten und lernbegierigen Hund mit einer Treibaufgabe auszulasten? Was sagen denn andere Treibhundbesitzer dazu? Also Appenzeller Sennenhund, Australian Cattledog, Cardigan Welsh Corgie, Entlebucher, Kelpie, Pembroke Welsh Corgie?


      Ich hatte gedacht, das Treib- UND Hütehunde für Treibball prädestiniert sind. Sicherlich kann auch ein Mops Treibball-Meister werden. Aber so wie Labradore eben prädestiniert für Arbeit im Wasser sind, sind es vielleicht Treibhunde für Treibball? Ist der Gedanke so fern?


      Liebe Grüße


      Eine ganz vernünftige Erklärung zu Treibhunden: Edit: Gelöscht - Urheberrechte beachten.

    • Hallo!
      ich habe einen Appenzeller Sennenhund (also dem entlebucher sehr ähnlich). ich weiss nicht genau wie die arbeitsweise von anderen reinen treibhunden aussieht (die sennenhunde sind ja auch hof-/wachhunde), aber seine aufgabe ist schon etwas anspruchsvoller als reines vorwärtstreiben. abgesehen vom vorwärtstreiben hilft der appenzeller/entlebucher auch beim ein- und ausstallen des viehs und hält die herde auf der weide zusammen. ich habe auch mal gelesen, dass die hunde angeblich sogar 2 ineinander geratene herden wieder trennen können (aufgrund des geruchs). in einem gewissen maße bewacht er die herden auch, allerdings keineswegs so intensiv wie ein herdenschutzhund (beim herdenschutzhund sorgt der soziale rudeltrieb für sein schutzverhalten da er die herde als sein rudel betrachtet, bei sennenhunden ist es eher der territorialtrieb, er bewacht also eher den hof und die weide), er ist nicht dazu da die herde zu verteidigen sondern schlägt eher alarm und versucht bestenfalls mal eindringlinge selbstständig zu vertreiben, im gegensatz zum herdenschutzhund würde er aber nicht auf die idee kommen mit wölfen o.ä. zu kämpfen.


      zu unterschied zwischen treiben und hüten:
      eigentlich wurde es oben schon gut beschrieben, kurz gesagt kann man sagen, dass hüten größtenteils durch bloße präsenz und blicke geschieht und daher z.B. bei schafen angewandt wird (geht aber auch bei geflügel). treiben hingegen erfordert körperkontakt und ist bei rindern notwendig, da diese sich kaum durch blicke beeindrucken lassen, dazu müssen die hunde natürlich sehr robust und schmerzunempfindlich sein (da man schnell mal nen tritt verpasst bekommen kann).


      so jetzt aber zum TREIBBALL:
      hüte- und treibhunde sind in der tat für treibball prädestiniert. die art wie sie die sache angehen ist allerdings höchst unterschiedlich. mein appenzeller ist z.B. ein absoluter treibball-fanatiker, er rennt dabei wie verrückt hinter dem ball her stößt ihn an und lenkt ihn mit nase, kopf oder auch mal dem ganzen körper, alles läuft über kraft und ausdauer. anders als beim rindertreiben darf er natürlich nicht zubeißen, aber eine gewisse ähnlichkeit ist schon zu erkennen. interessant ist auch, dass man ihm nie zeigen musste was er mit den bällen anstellen soll, er hat ganz von alleine angefangen sie zu treiben und nicht die geringsten berührungsängste (schon als welpe), nur die regeln musste er natürlich lernen (da muss man seine euphorie schonmal bremsen).
      bei dem BC in meiner treibballgruppe sieht das komplett anders aus. der stubst die bälle vorsichtig an und berührt sie eigentlich nur mit der nase, er ist deutlich ruhiger und langsamer, dafür aber auch viel gezielter und geschickter. das ganze ähnelt dem schafehüten, nur dass sich die bälle natürlich nicht mit blicken bewegen lassen. der BC arbeitet weniger mit kraft, sondern viel mehr mit köpfchen.


      beim treibball merkt man beiden arten jedenfalls sofort an wo ihre eigentliche aufgabe lag, die veranlagungen kommen da richtig durch. andere hunderassen tun sich da oft schwer und wissen erstmal nicht was sie damit anfangen sollen. manche trauen sich erstmal nicht an den ball ran und erschrecken sich sobald er sich bewegt, manche stehen davor und bellen ihn an und einige haben ganz interessante techniken entwickelt z.B. den ball mit den pfoten anzustoßen.


      als beschäftigung eignet sich treibball jedenfalls bestens für treibhunde, mein appenzeller hat unglaublichen spass daran und ist mit der aufgabe gut ausgelastet, er hat zwar auch spass an anderen sachen, aber an treibball kommt nichts auch nur annähernd ran.

    • Hallo,


      wir haben hier leider nur noch einen Cattledog auf dem Hof, der unter Rindern aufgewachsen und richtig gut ist als Viehhund.


      Rinder sind starke, wehrhafte Tiere, und ich würde den Teufel tun und einen unerfahrenen Hund damit fuhrwerken lassen, das ist lebensgefährlich.


      Selbst ein gut veranlagter Hund muss lernen, sich unter Rindern zu bewegen, und er muss lernen, das Verhalten der Tiere zu deuten, ansonsten machen die ihn schneller platt, als Du gucken kannst.


      Caterina

    • Zitat

      Rinder sind starke, wehrhafte Tiere, und ich würde den Teufel tun und einen unerfahrenen Hund damit fuhrwerken lassen, das ist lebensgefährlich.


      ...der kann ja vorher an Bällen üben... :lol:


    • Da hast Du sicher recht und ich würde meinen Hund auch nicht einfach mal so auf eine Herde Rinder loslassen. Davon abgesehen hat meine großen Respekt und würde sich gar nicht ohne weiteres trauen. Denn da sie die Tiere kaum kennt, ist sie eher zurückhaltend neugierig. Es hat sicher sehr sehr viel damit zu tun ob die Hunde von Welpe auf mit dem Vieh in engen Kontakt stehen. Daher frage ich ja auch eher nach Alternativen, die es aber kaum zu geben scheint.


      Liebe Dank

    • Zitat

      ...der kann ja vorher an Bällen üben... :lol:


      Ja tatsächlich habe ich gedacht ich spiele jetzt eine Woche mit meinem Hund Treibball und fahre dann auf einen Bauernhof und lasse sie Kühe treiben! Das muss doch klappen. Vorher male ich den Bällen noch schwarz/weiße oder braun/weiße Flecken an, oder besser noch lila/weiße, denn ich aus der Stadt habe ja gelernt das Kühe lila sind, Milka heißen und Schokolade kacken! Dann weiß mein Hund gleich: das gefleckte muss ich treiben wie eine geisteskranke und dann ist alles top und Frauchen muht voller Zustimmung! :D


      Und danach werde ich es an Schafen probieren, denn hey mal ehrlich, Schafe sind doch auch bloß kleine Kühe und außerdem guckt meine ja schon eine ganze Zeit Sonntags früh "Shaun das Schaf", da hat sie ja das Verhalten von Schafen theoretisch studieren können und wird jeden Border Collie blass aussehen lassen. :p


      Überhaupt vergleiche ich immer Bananen mit Äpfeln und wenn man sich das ganze schön redet, dann sehen Bananen doch fast aus wie Äpfel und an Bäumen wachsen sie auch. Und Erdbeeren müsste man eigentlich neben den Nüssen im Supermarktregal finden :???: äh das stimmt sogar ausnahmsweise. Ich habs! Die Border Collies sind eigentlich aus den Sennenhundenlinien rausgezüchtet worden, das erkennt man an manchen auch noch an der identischen Färbung des Fells.


      Ich dachte aus meinem Geschriebenen geht hervor, dass ich eine Alternative zum echten Viehtreiben suche. Ein "Hüteseminar" ist nicht geeignet habe ich gelernt und ein "Treibseminar" gibt es nicht. Also gibt es vielleicht Alternativen ohne echte Kuh? Treibball ist Deiner Meinung ja auch etwas völlig anderes, was ich durchaus verstehe und nachvollziehen kann denn ein Ball ist kein Vieh. Aber auf der Abstraktionsebene ist dieses Spiel vielleicht eine sinnvolle Beschäftigung für einen solchen Hund? Nein? Dann bring ich ihr Papierhüte falten und Spaghetti kochen bei ;)

    • Zitat

      ...
      Ich dachte aus meinem Geschriebenen geht hervor, dass ich eine Alternative zum echten Viehtreiben suche. Ein "Hüteseminar" ist nicht geeignet habe ich gelernt und ein "Treibseminar" gibt es nicht. Also gibt es vielleicht Alternativen ohne echte Kuh? Treibball ist Deiner Meinung ja auch etwas völlig anderes, was ich durchaus verstehe und nachvollziehen kann denn ein Ball ist kein Vieh. Aber auf der Abstraktionsebene ist dieses Spiel vielleicht eine sinnvolle Beschäftigung für einen solchen Hund? Nein? Dann bring ich ihr Papierhüte falten und Spaghetti kochen bei ;)


      :lol:
      also treibball ist noch das was am nähesten an deine vorstellungen rankommt. an echte kühe wird dich niemand ranlassen wenn dein hund nicht wirklich für diese aufgabe ausgebildet wurde, denn auch wenn die veranlagung fürs treiben in den genen liegt, so bedeutet das nicht, dass die hunde ohne weiteres perfekt treiben können und nicht dazu ausgebildet werden müssen. und es sollte klar sein, dass niemand riskieren will, dass eine rinderherde ausser kontrolle gerät, da wäre dann nicht nur das leben der hunde in gefahr.


      treibball ist einfach ein spiel bei dem die genetische veranlagung der hunde genutzt wird und logischerweise keine trainingsmethode fürs rindertreiben. als training für den hund ist es aber trotzdem geeignet, da er dadurch lernt kommandos auch unter großer ablenkung zu befolgen (wie links, rechts, voran, stop), außerdem ist es eine gute möglichkeit um gemeinsam mit dem hund zu "arbeiten". ich halte es für eine durchaus sinnvolle beschäftigung, denn du willst aus ih ja keinen arbeitshund machen sondern ihm eine freude machen und spass mit ihm haben.

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