SOS...total verangstigter Hund...was tun?

  • Hallo liebe Hundefreunde,
    ich schreibe hier im auftrag einer freundin,die total am ende ist.Sie hat eine huendin,die ca.2 jahre alt ist....ein mittelgrosser mueschlingshund.
    sie hat ihn schon als welpe (ca.3-5 monate alt)bekommen und liebevoll grossgezogen.sie ist erfahren in der haltung von hunden(hatte schon 2 hunde vor diesem)und lebt in einem haus mit garten und anderen haustieren(katzen).
    wo soll ich anfangen....der hund ist total veraengstigt und staendig mit eingezogenem schwanz.total misstrauisch auch zu personen,die sie bereits kennt und mag.nahezu jedes gerausch wie z.b.gardinen zuziehen,tasche fallen lassen,windgeraeusche,fensterklappern etc.(liste ware zu lang um fortzufuehren)bringt sie total aus dem konzept und sie sucht das weite....der hund bekommt viel zuspruch und viel auslauf (lange spaziergaenge am strand etc).
    mit anderen hunden ist es auch ok,also mit meinem ist es ne wahre wonne zuzuschauen wenn sie spielen.der hund woht bei meiner besagten freundin auf einem grundstueck nebenan und kommt uns auch mal besuchen,allerdings ohne,dass sie sich anfassen laesst und mit eingezogenem schwanz und einem gang,der nichts gutes verheisst.....
    auto fahren hasst sie.der zustand wird immer schlimmer und wir wissen einfach nicht weiter,da sie keinerlei schlechte erfahrungen weder mit mensch noch mit tier gamacht hat.ich meine,kann es sein,dass sie die ersten 3-4 monate also bevor sie meine freundin bekommen hat ein traumatisches erlebnis hatte und deswegen so verhaltensauffaellig ist?
    vielleich koennt ihr ja einen tip geben oder habt selbst schon solch eine erfahrung gemacht....
    danke fuer jede antwort!!!

  • Hallo Sofanna,

    Wurde der Hund mit dieser Problematik schon mal dem TA vorgestellt?
    Z.B. kann eine Schilddrüsenunterfunktion zu Angstzuständen führen.

    Das wäre mein erster Gedanke und wenn dann alles i.O. ist ab zu einem guten Trainer. Egal wieviel Hundeerfahrung deine Freundin hat, sie scheint an ihren Grenzen zu sein (nicht bös gemeint). Es ist keine Schande sich jemand kompetenten ins Haus zu holen, dann kanns ganz schnell gehen und alles wird gut!

    LG

  • Ist der Hund so, seit er da ist? Also 1,5 Jahre lang?

    Wurde denn mit dem Hund bisher in irgendeiner Art und Weise an den Ängsten gearbeitet?
    Gibt es Kontakt zu einem dafür geeigneten Hundetrainer?
    Ist der Hund gesund?

    Wenn die Maus schon länger in diesem Zustand der Angst ist, wird man ihr nicht allein mit Training helfen können, sondern man muss erst einmal zusehen, die aufkumulierten Stresshormone runterzufahren - sonst ist und bleibt die Maus in einem Zustand, in dem sie überhaupt nicht aufnahmefähig ist. Das sollte man mit einem TA besprechen, was es da für Möglichkeiten gibt.

    LG, Chris

    Edit - ich hab grad gesehen, dass Du "etwas" weiter weg wohnst... ;) gibt es bei Euch nennenswerte Hundetrainer?

  • Medikamente halte ich auch für eine gute Idee. Zusätzlich aber Stressreduktion, so gut es geht. Alles, was ihr Angst macht, erstmal versuchen zu vermeiden. Mit so hohem Stresslevel wird sie nicht aufnahmefähig sein und sie kann nicht lernen, dass nicht alles furchtbar ist. Ist sie auch zuhause ohne Anwesenheit von anderen Menschen o.ä. so ängstlich? Oder kann sie sich zumindest da entspannen? Das fände ich erstmal am wichtigsten. Herausfinden wann sie sich entspannen kann und versuchen diese Situationen möglichst oft zu haben. Sonst kommt sie aus dieser Spirale ja gar nicht mehr heraus. Hunde brauchen unheimlich lange, um Stresshormone wieder abzubauen. Wenn sie etwas entspannter ist und durch Medikamente gelöster und aufnahmefähiger, kann man dann auch mit einem Training beginnen. Das sollte ausschließlich positiv sein. Mit Zwang wird man nur weitere Rückschritte und großen Stress erreichen.

  • Danke Leute,
    also einem Tierarzt wurde sie deswegen nicht vorgestellt,aber auf die idee das problem medikamentoes zu behandeln sind wir noch nicht gekommen.das werden wir jetzt mal versuchen.der hund entspannt eigentlich nur zuhause wobwei es da ja auch stresssituationen gibt,hervorgerufen durch die besagten geraeusche....er war schon immer aengstlich,dachten aber ,dass sich das mit der zeit und dem vertrauen legen wurde.....wird aber leider immer schlimmer.mit nem trainer is leider auch so ne sache.....leben auf ner insel und da gibt es nur einen,der allerdings keinen so guten ruf hat und sehr teuer ist....also eher nicht.
    vielen dank erstmal.....

  • HALLO!
    Medikamente verabreichen wollen aber nicht zum TA gehen!? Also man kann mit ALLEN Problemen zum TA gehen und wer der einen nen Tipp für Trainer ect. gibt. Und um einen guten Trainer mit Privatstunden wird deine Freundin nicht umhin kommen, wenn sie ihrem Hund helfen will. Da reichen alle Forentipps nicht, wenn ein Hund eine so ausgeprägte Angstproblematik hat. Angst ist das aller allerschlimmste und einschränkenste für einen Hund und sollte von uns Menschen nicht unterdramatisiert werden, denn es ist ein Drama.

    Medikamente ohne TA niemals verabreichen. Sie sind nur im Extremfall zu empfehlen und kein Heilmittel sonder max. eine Hilfe mit einem guten, strukturierten und disziplinierten Training.

  • Medikamente sind ja nicht das Einzige, was ein TA einem bei einem derart gestreßtem Angsthund empfehlen kann.

    Es gibt noch zahlreiche andere Möglichkeiten, z. B. DAP (als Halsband bei solchen Hunden empfehlenswert, da Dauerwirkung über ca. 4 Wochen)),
    http://www.vetpharm.uzh.ch/tpp/00000000/V0001-XX.HTM , auch Bachblüten, Homöopathie, Aromatherapie, Tellington-Touch, besondere Entspannungstechniken können dabei helfen, bei solch einem Hund überhaupt erst mal das Tor zur Lernfähigkeit aufzubekommen.

    Auch besonders tryptophanhaltige Zusatzfuttermittel können helfen - ebenso wie eine besondere Form der Fütterung, bei der ca. 30 Minuten nach einer eiweissreichen Futterportion extra kohlenhydrathaltiges Futter gegeben wird, damit bestimmte Aminosäuren es leichter haben, die Blut-Hirn-Schranke zu durchqueren.

    Zylkene wäre auch noch eine Möglichkeit aus dem Bereich der Nahrungsergänzungen. Wenn Du die forumsinterne Suche benutzt, findest Du dazu einen ausführlichen Thread.

    Und ja, zuguterletzt gibt es auch Medikamente, die man geben kann. Die gibt es beim und vom TA und sollten nicht ohne dessen Rat gegeben werden, aber so habe ich das auch gar nicht verstanden, ich hatte es mehr dahingehend verstanden, dass Euch bisher der TA als möglicher, hilfreicher Ansprechpartner nur noch gar nicht in den Sinn gekommen ist.

    Aber bitte richtig interpretieren - es geht nicht um Medikamente, die die Angst irgendwie "behandeln" sollen, sondern es geht um Methoden, den Hund überhaupt erst mal so weit zu bekommen, dass er in der Lage ist, Lernen zu können. Das geht unter extremer Dauerangst nicht. Medis/Zusätze sind also nur Helfer bei der restlichen Arbeit mit dem Hund - kein Ersatz.

    LG, Chris

  • Zitat

    .... bringt sie total aus dem konzept und sie sucht das weite....der hund bekommt viel zuspruch ...


    Hm, ich bin hier dran hängengeblieben beim Lesen.
    Bekommt der Hund Zuspruch, wenn er sich erschreckt hat?
    Falls ja: Hat Deine Freundin immer so gehandelt? Du schreibst ja, daß der Hund von Welpe an sehr ängstlich war.
    Zuspruch ist Bestätigung. Erfolgt er in einer Schrecksituation wird beim Hund die Angst bestätigt.
    .
    Sobald es tierärztlich abgeklärt ist und ggf medikamentell angegangen wird, wäre ein Trainerbesuch ratsam.
    Schade, daß die Wohnsituation (Insel) da etwas gegenspielt ....
    .
    VG Bianca

  • Angst kann man nicht bestätigen, weil es kein bewusstes Verhalten, sondern eine Reaktion des Körpers ist. Als ich meinen Welpen bekam, der ziemlich ängstlich war (wenn auch auch weniger extrem als dieser Fall, bzw. nicht so generalisiert), habe ich auch gedacht, dass ich die Angst bloß nicht bestätigen darf und habe so getan als wäre nichts. Mein Hund fühlte sich allein gelassen und hielt mich für bescheuert, weil ich die Bedrohung nicht erkannte. Auch wegen seiner genetischen Anlagen war das Ergebnis Angstaggression. Er regelte selbst, weil er sich auf mich nicht verlassen konnte. Den richtigen Weg konnten wir erst mit der dritten Trainerin und Clickertraining einschlagen. Ja, Außenstehende sagen, dass ich den Hund für seine Angst oder gar Aggression bestätige. Eigentlich konditioniere ich ihn um und habe endlich Erfolg mit einem Training. Sein Verhalten war nie besser und einige Probleme sind bereits ganz verschwunden. Übrigens hat er eine subklinische Schilddrüsenunterfunktion und eine schlechte Sozialisation, was beides mit rein spielt. Außer Forthyron für die Schilddrüse bekommt er nichts.
    Ich könnte mir für diesen Fall, wenn der Stress erstmal reduziert wurde, auch sehr gut ein Clickertraining vorstellen. Aber das sollte von einem kompetenten Trainer angeleitet werden. Gerade weil die Angst so extrem ist und man die Hündin auf keinen Fall überfordern sollte.
    Gibt es denn auf dem nächsten Festland bessere Trainer? Vielleicht sogar jemanden, der zu euch kommen würde? Wenn jemand gut ist, muss er ja nicht ständig kommen. Selbst ein einzelner Termin kann schon sehr viel Klarheit schaffen. Der erste Schritt sollte aber auf jeden Fall ein Tierarztbesuch sein. Chris hat ja schon alles aufgezählt, was man in Absprache mit dem Tierarzt versuchen könnte.

  • Da hat deinem Hund aber nicht das Trösten gefehlt in der Situation sondern die Führung..

    Natürlich kann man Angst bestärken. Bei Hunden genau so wie bei Kindern. Dass die Töchter von Müttern mit Spinnenphobie in der Regel selbst eine Spinnenphobie entwickeln ist ja kein Zufall - sie lernen es halt von der Mutter. Und genau so lernt auch ein Hund von seinem Menschen, welche Dinge bedrohlich sind und welche nicht.

    Wenn der Hund vor etwas scheut und ich ihn in diesem Moment durch Trösten darin bestärke, dann kommuniziere ich, dass die ängstliche Reaktion vollkommen richtig ist. Niemand spricht davon die Reaktion des Hundes einfach zu ignorieren, aber es macht einen gewaltigen Unterschied, ob ich ein ängstliches Zurückweichen durch Trost bestärke oder ob ich den Hund animiere, das fremde Ding genauer zu inspizieren und jeden Schritt drauf zu bestärke.

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