SOS...total verangstigter Hund...was tun?

  • Ja, ich rede auch nicht von trösten. Und es hat mir garantiert an Führung gefehlt, gar keine Frage.

    Trotzdem kann man Angst nicht bestätigen. Der Hund ist gar nicht lernfähig, wenn er wirklich Angst hat. Zudem ist Angst ein Gefühl und nicht bewusst steuerbar von einem Hund. Mit übertriebenden Mitleidsarien kann man den Hund vielleicht zusätzlich verunsichern, da es ja auch ein völlig unhundliches Verhalten ist. Aber Zuspruch und einen freundlichen Umgang halte ich für wichtig, wenn ein Hund schon Angst hat. Unsicherheit und Angst ist ja auch noch ein Unterschied. Wenn ein junger Hund bei seiner ersten Begegnung Angst vor einer Mülltüte hat, würde ich ihn auch ermuntern freiwillig näher ran zu gehen, um zu verstehen, dass man gar keine Angst haben muss. Aber ein so gestresster und verängstigter Hund, wie in diesem Fall, wäre damit garantiert überfordert. Da würde ich eben per Gegenkonditionierung die Erwartungshaltung des Hundes bei Wahrnehmung eines Angstauslösers verändern.

  • Ich denke, wir reden aneinander vorbei. Du sprichst von der IST-Situation, ich von der Entstehung des Problems und da denke ich kann die Reaktion der Halterin auf diese Angstmomente eine nicht zu unterschätzende Stellschraube gewesen sein, die zur Problementwicklung beigetragen hat.

  • Ja, das mag sein. Leider neigen Hunde ja so zum generalisieren, wenn nicht rechtzeitig dagegen gearbeitet wird und der Stresspegel geht höher und höher. Wenn nicht sogar noch was gesundheitliches wie z.B. die Schilddrüse dazu kommt. Die Ängstlichkeit dieser Hündin hört sich ja doch extrem an. Ich würde auf jeden Fall mal ein großes Blutbild machen lassen + alle Schilddrüsenwerte.

  • Zitat

    Da hat deinem Hund aber nicht das Trösten gefehlt in der Situation sondern die Führung..

    Natürlich kann man Angst bestärken. Bei Hunden genau so wie bei Kindern. Dass die Töchter von Müttern mit Spinnenphobie in der Regel selbst eine Spinnenphobie entwickeln ist ja kein Zufall - sie lernen es halt von der Mutter. Und genau so lernt auch ein Hund von seinem Menschen, welche Dinge bedrohlich sind und welche nicht.


    Das sind aber ganz andere Mechanismen - hier zeige ich selber extreme Angst, und Hund oder Kinder lernen aus meinem Vorbild. Wenn Cheffe solche Angst hat, muss das ja gefährlich sein!

    Zitat


    Wenn der Hund vor etwas scheut und ich ihn in diesem Moment durch Trösten darin bestärke, dann kommuniziere ich, dass die ängstliche Reaktion vollkommen richtig ist.


    Da widersprichst du dir selber - der Mensch zeigt im Gegensatz zu oben keinerlei Angst, kann dem Hund also auch nicht vermitteln, dass Gefahr im Verzug ist. Im Gegenteil, er zeigt dem Hund, dass alles okay ist.

    Nochmal, Angst kann man zwar schüren durch Angstmacherei, man kann sie aber nicht bestärken, indem man dem Hund (oder Kind!) was Gutes tut, so dass er sich besser fühlt. Verstärken kann man so höchstens ängstliches Verhalten, nicht die zugrundeliegende Emotion. Und wenn der Hund schauspielert, um Zuwendung zu erhalten, hat man das Grundproblem eigentlich längst gelöst, der Rest ist easy.

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