Problemhund aus Ungarn, bitte um Rat

  • Hallo zusammen,

    Seit Sonntag gehe ich mit dem Neuzugang von meinem Nachbarn 2 - 4x pro Woche Gassi. Der Hund ist 1.5 Jahre alt, von der Grösse und vom Aussehen her sieht er aus wie ein Mix zwischen Labrador und Golden...Er ist frisch kastriert, er kennt nichts, er hat scheinbar sein bisheriges Leben um ein Wohnwagen verbracht.

    Sonntag 1. Spaziergang: sehr ängstlicher Hund (Autos und Lastwagen gehen gar nicht). Ruft man ihn, kommt so zu sagen keine Reaktion. Der Hund ist gestresst und versucht oftmals zu flüchten.

    Montag 2. Spaziergang: in etwa das selbe, immer noch verängstigt, aber ein kleines bisschen besser. Ruft man ihn, lobt man ihn: kommt er zwar, aber kein Schwanzwedeln, keine Freude gar nichts.

    Dienstag: neue OP, da Entzündung von Kastration --> Halskrause, kein Spaziergang mit mir, ich hatte keine Zeit.

    Mittwoch: Ich kaufe ein Geschirr und Schleppleine, da ich mit dem Hund arbeiten möchte (möchte das Abrufen üben). Verlange vom Besitzer, dass die Hauskrause weg genommen werden kann für den Spaziergang und ich ihm ein Geschirr anlegen darf (ich darf, jupii). Der Hund ist fast ausser sich vor Freude! Hüpft umher, legt sich plötzlich ruckartig ins Geschirr, will spielen. Häääää??? ist das der selbe Hund???? Er hat immer noch Angst vor vorbei fahrenden Autos, vergisst es aber teilweise vor lauter Laufeifer.

    Ich bin nun völlig verunsichert. Ich möchte, dass der Hund lernt, bei Fuss zu gehen, ohne an der Leine zu ziehen. Wie mache ich das bei einem Hund, der eigentlich verängstigt ist, aber totaaaaaal lauffreudig ist? Ich habe selber ein hohes Lauftempo, so hält sich das Ziehen an der Leine in Grenzen. Was wenn ich mal etwas langsamer gehen möchte?

    Ich möchte den Hund spielen lassen, wie geht das an der Schleppleine ohne verheddern? Er hüpfte heute ein paar mal in die Luft und schnappte nach der (normalen) Leine, wohl einfach aus Freude (woher kommt die eigentlich so urplötzlich??)

    Ich kann mir das Verhalten des Hundes nicht erklären im Moment. Ev. war es, weil er endlich mal für 1.5h die Halskrause los war, ev....was weiss ich. Tatsache ist, dass so ein grosser Hund dringend Erziehung braucht, nur will ich natürlich nichts versauen. Ich wäre um möglichst genaue Vorschläge froh (das NICHT an der Leine ziehen wäre mir sehr wichtig).

    Danke!

  • Lass den Hund doch erstmal ankommen.
    Im Moment würde ich von ihm gar nicht' s verlangen. Der muss sich erstmal eingewöhnen und dann ... erst dann kann man mit ihm laaaaangsam anfangen, das Leben zu entdecken.

  • Dann soll er sich an der Leine ziehen "angewöhnen"? Ich will ihm ja nicht schon weiss was alles bei bringen, da er aber v.a. für die ältere Frau, die ihn tagsüber betreut, fast unhandlebar wird, dachte ich, es wäre sinnvoll, ein wenig an den absoluten Basics zu arbeiten...

    Was ist mit der 180 Grad Wendung bezüglich Freude und rum hüpfen, sich plötzlich ruckartig ins Geschirr legen?

  • Hallo,

    freu Dich doch einfach mit ihm.
    Bei Hunden aus dem Ausland kann es teilweise Wochen und Monate dauern bis sie etwas lockerer draußen werden.
    Im Moment würde ich ihn nach der Nach-OP noch gar nicht an die Schleppleine machen. Darf er schon rumhüpfen und rennen?

    Leinenführigkeit kannst Du üben indem Du ihn immer wieder an Deine Seite holst wenn er zu weit vor geht und ihn lobst wenn er da bleibt.
    Ich würde auch nicht zu viel erwarten, denn noch ist alles neu und er muss sich ja auch erstmal an die Umgebung gewöhnen. Da kann man noch nicht so viel an Aufmerksamkeit erwarten, aber dennoch langsam anfangen ihm das Leineziehen abgewöhnen. Wenn er jetzt erst wochenlang ziehen darf, dann wird das schwerer als wenn man zu Beginn gleich anfängt.

    Ich würde nur sehr kurze Übungszeiten ansetzen und ihn den Rest vom Spaziergang, wenn er denn darf, an der Schleppleine laufen lassen.

    Liebe Grüße

    Steffi

  • Also wenn du _unbedingt_ was üben willst, dann mach es doch ganz einfach so:
    Geschirr + Schlepp = toben, ziehen ist auch okay
    Halsband + kurze Leine = Training - und das am Anfang eben nicht länger als wenige Minuten - und als erstes Trainingsziel auch nur "schau mich an, sei aufmerksam, lauf nicht weg" Das lässt sich dann schön aufbauen und er wird relativ schnell den Unterschied zwischen Geschirr+Schlepp sowie kurze Leine+Halsband erkennen.

    Findest Du übrigens nicht, dass der Threadtitel ein wenig übertrieben ist? :roll:

  • Wieso gehst du mit dem Hund (und kaufst Zubehör - Geschirr - für ihn?) und willst ihn erziehen und nicht der Besitzer selber?

    Finde ich für einen unsicheren Hund aus dem Ausland eine sehr unglückliche Lösung

  • Hallo,

    also Problemhund sehe ich hier erstmal nicht. Um mit dem Hund zu arbeiten brauchst du eine gute Bindung. D.h. er muss Vertrauen zu dir bekommen. Laß ihm dafür Zeit sich an dich zu gewöhnen und deine Handlungen abschätzen zu lernen. Bindung schaffst du unter Anderem dadurch das du ihn viel lobst, in für ihn unabsehbaren Situationen schützt (wenn z.b. Autos bei ihm Angst auslösen stelle dich immer zwischen ihn und das vorbeifahrende Auto, lenk die Aufmerksamkeit auf dich und lobe ihn dann oder bestätige zusätzlich mit Leckerli.) Und vor allem viel Spiel und Spaß. Gemeinsame Aktionen schweißen zusammen.

    Bei einem Hund der zieht würde ich persönlich gar kein Geschirr verwenden (außer es liegen medizinische Ursachen vor die ein Halsband verbieten). Geschirre wurde erfunden um den Hunden (beim Zugsport) das ziehen zu erleichtern. Von daher finde ich es kontraproduktiv einen Hund der extrem zieht auch noch einen Vorteil zu verschaffen. Warum kümmert sich der Bisitzer eigentlich nicht selber?

    LG Andrea

  • Zitat


    Geschirr + Schlepp = toben, ziehen ist auch okay
    Halsband + kurze Leine = Training - und das am Anfang eben nicht länger als wenige Minuten - und als erstes Trainingsziel auch nur "schau mich an, sei aufmerksam, lauf nicht weg" Das lässt sich dann schön aufbauen und er wird relativ schnell den Unterschied zwischen Geschirr+Schlepp sowie kurze Leine+Halsband erkennen.


    :gut:
    So würde ich es auch machen.
    Aber nicht sofort. Lass den armen Kerl doch erstmal richtig ankommen.

    Ich habe eine Straßenhündin aus Griechenland. Die kannte auch weder Straßenverkehr, noch Leine, noch sonst was. Ich hab die ersten 14 Tage nichts anderes getan als darauf zu achten, dass sie mir vor Angst nicht abhaut. Erst als sie ein ganz klein wenig angekommen war hab ich langsam angefangen ihr zu zeigen, was ich an der Leine von ihr erwarte.

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