Erst Angst dann Knurren

  • Hallo, vor zwei Jahren stand mein Ex-Chef morgens mit einem braunen Wollknäuel in der Werkstatt. Dritter Hund, erstes Weibchen, Hoverwart-Labrador-Mix. Die anderen zwei sind Appenzeller und Rüden.
    Ich hab mich der Kleinen immer wieder angenommen und so meine Bindung zu Ihr vertieft. Da alle drei Werkstatthunde sind kennen die halt nur Werkstatt und Zwinger. Ist zwar schade um die schönen Tiere, liegt aber nicht in meiner Hand.
    Zumindest bekam ich jetzt aufgrund der Krankheit vom Chef die Möglichkeit das Weibchen mit nach hause zu nehmen was ich natürlich auch gerne gemacht hab. Inzwischen ist das schon über zwei Wochen her und Sie wird jeden Tag mehr heimisch. Das vieles Fremd ist war zu erwarten bei der Vergangenheit und so kommt es täglich zu solchen Situationen.

    Jetzt aber zum eigentlichen Problem. Wir leben zu viert, meine Freundin, meine Eltern und ich, jetzt halt samt Hund. :-)

    Mich kennt der Hund wie gesagt seit Welpenalter, meine Freundin hat sich auch immer wieder mit beschäftigt und spätestens seit der ersten Autofahrt sind die beiden ein Gespann.

    Meine Mutter ist für das fressen zuständig und hat sich durch mehrstündige Spaziergänge beliebt gemacht.

    Nur wenn mein Vater auf der Bildfläche erscheint kommt es zum Stress. Der Hund läßt sich nur in Ausnahmefällen von Ihm anfassen, schrickt sonst eher zurück. Geht es ums Fressen läßt Sie sich von Ihm mit Wurst füttern, verschwindet dann aber sofort wieder. Inzwischen kommt es jedoch sogar schon vor, dass mein Vater nach Hause kommt, den Hund vor sich hat, Ihm zum streicheln die Hand hinhält und dafür angeknurrt wird.

    Was da genau passiert weiß keiner, hab ähnliches Verhalten des Hundes aber auch schon bei Arbeitskollegen erlebt.

    Ist natürlich ne blöde Situation. Bei drei Personen ist es die Schmusebacke schlechthin, bei einem gibts nur Geknurre und Angst, was will man da also tun?

    Habt Ihr ne Idee?

    Mein Vater is natürlich inzwischen schon genervt von dem Verhalten und droht mit Konsequenten wenn das nicht besser wird.

    Danke für eure Tipps.

    LG Chris

  • wahrscheinlich hat dein Vater etwas an sich was er mit einer schlechten Erfahrung aus der Vergangenheit verbindet.
    Es ist aber auch sehr ungünstig sich zu einem Hund mit ausgestreckter Hand zuzubewegen wenn man weiß dass der Hund angst hat. So fühlt er sich bedrängt und das knurren ist noch eine "faire" Vorwarnung. Es gibt auch Hunde die in so einer Situation gleich zuschnappt.
    Ich würde vorschlagen dass dein Vater gar keine Annäherungsversuch mehr initiiert, aber alle Annäherungsversuch seitens des Hundes mit Futter belohnt.

  • Ich würde die Hündin einfach nicht bedrängen, also auch kein hand-hinhalten oder sondtiges.
    Sunny mochte meinen schwiepa in spe auch nicht am Anfang, hat geknurrt und ist abgehauen...
    Jetzt nach ca nem halben Jahr ohne bedrängnis, bestechen oder sonstiger großer Beachtung gehts komplett gut ;) sie lässt sich manchmal streicheln ud er streichelt auch nur wenn sunny von sich aus kommt!

  • Habe das selbe bei nem Bekannten von mir, der wird durch meine grundsätzlich angeknurrt, wenn er redet. Da muss was in der Stimme sein, was der Hund nicht abkann.
    Dachte erst, es liegt daran, dass sie "dicke Männer" nicht mag, sie macht das aber auch ohne Sicht durch die Tür.

    Da ist meiner Meinung nach langsames rantasten angesagt und stiktes Korrigieren des ungewollten Verhaltens.

  • da bin ich ja froh dass es mir nicht alleine so geht. :rollsmile:

    aber versucht das mal jemandem klar zu machen der zwar immer Hunde hatte aber jetzt kaum Zeit hat die die wenige Zeit nicht sinnvoll nutzt.

    ich sag immer, wenn man nur 3 Stunden am Tag aktiv zu Hause ist und sich sonst nicht kümmert kann das nicht über Nacht gehen.

  • Er sollte sie nicht so bedrängen. Da reicht schon zuwenden, angucken und die Hand zustrecken. Wenn sie das nicht mag, sollte man sie auch nicht dazu zwingen. Dadurch verschlimmert sich die Situation nur.

    Oft ist es auch so, dass durch die Anspannung ein Teufelskreis entsteht. Dein Vater geht sicher mit einer bestimmten Erwartung bzw. Anspannung auf sie zu. Sagst du ja selbst. Meine ältere Hündin reagiert auch ganz stark auf zögerliche, angespannte Begegnungen. "Abwartendes" Hand hinhalten ist für sie wesentlich schlimmer als ein direkter, sicherer Kontakt, wobei auch das keiner erzwingen sollte.

    An Stelle deines Vaters würde ich sie einfach mal komplett ignorieren. Und an deiner Stelle würde ich mit ihr ein Ritual einüben, das sie als Ausweichverhalten nehmen kann, wenn dein Vater nach Hause kommt. Weise ihr einen Platz zu, auf dem sie sich zurückziehen und sicher fühlen kann. Dort sollte sie dann aber auch wirklich in Ruhe gelassen werden. Statte deinen Vater mit Fleischwurst aus, die er, ohne sie weiter zu beachten, ab und an für sie fallen lässt. Aber wirklich ohne ihr Aufmerksamkeit zu schenken - sie soll sich nicht unter Druck gesetzt fühlen, sondern langsam und völlig ohne Zwang lernen, ihn mit etwas Positiven zu verbinden. Hunde sind bestechlich... ;)

  • Hallo Smiddy,

    Also ich schreibe dir einfach mal meine Gedanken auf die mir so durch den Kopf gegangen sind bei deinem Bericht.

    Zuerst denke ich mal, dass der Hund durch die Zwingerhaltung und die Werkstatt wenig Reize kennt und dadurch gewisse Entwicklungsprozesse nicht so gut abschließen konnte. Ich vermute, dass er nicht richtig sozialisiert werden konnte und dadurch die Ängstlichkeit/Unsicherheit bei ihm besteht.

    Nun habe ich einige Fragen. In welchen Situationen tritt die Angst auf? Hast du Ängstlichkeit auch anderen Menschen gegenüber beobachtet? Frauen/ Männer, oder ist das bei ihm geschlechtsneutral? Wie verhält er sich draußen?

    Nun meine Idee für den Umgang mit diesem Hund:

    Ich würde ihm zuerst einen sicheren Ort schaffen, an dem er sich zurück ziehen kann, beispielsweise eine Box. Diese wirkt schützend. Bei Ängstlichkeit des Hundes, sollte man ihm auch einfach nicht bedrängen und die notwendige Zeit geben.

    Schritt 1 wäre mich der Bindungsaufbau zu dir. Der Hund muss dich als imemr verlässlichen Partner wahrnehmen, der ihm Sicherheit gibt. Du agierst im Alltag. Du gibst ihm das Futter nur aus der Hand.

    Schritt 2. Dein Vater sollte den Hund nicht anschauen. zeigt der Hund deinen Vater gegenüber Angst kannst du dich vor den Hund stellen und deinen Vater aus Hundesicht zu seinem Platz manövrieren. Das gibt deinen HUnd Sicherheit.

    Schritt 3: Dein Vater kann mit dem Hund arbeiten, indem er sich ganz klein macht und auf den Boden bzw auf einen Stuhl setzt. Er sollte einen Platz haben, der weit vom Hund entfernt ist, sodass dieser ihm nicht als bedrohlich wahrnehmen kann. Du dienst als Puffer zwischen den Beiden und bist immer in der Nähe deines Hundes und zwischen ihm und deinen Vater. Auf dem Boden, in der Nähe deines Vater sind kleine Wurststückchen verteilt. Dein Vater schaut den Hund nicht beim Fressen an. Wiederholt das am Besten so lange bis ihr das Gefühl habt, der Hund ist sicher. und fühlt sich nicht unwohl

    Schritt 4: Dein Vater läuft durch den Raum, schaut den HUnd nicht an

    Schritt 5: Dein Vater gibt den Hund die Wurst aus der Hand.


    Glg Kassiopeia

  • Zitat

    Schritt 3: Dein Vater kann mit dem Hund arbeiten, indem er sich ganz klein macht und auf den Boden bzw auf einen Stuhl setzt. Er sollte einen Platz haben, der weit vom Hund entfernt ist, sodass dieser ihm nicht als bedrohlich wahrnehmen kann. Du dienst als Puffer zwischen den Beiden und bist immer in der Nähe deines Hundes und zwischen ihm und deinen Vater. Auf dem Boden, in der Nähe deines Vater sind kleine Wurststückchen verteilt. Dein Vater schaut den Hund nicht beim Fressen an. Wiederholt das am Besten so lange bis ihr das Gefühl habt, der Hund ist sicher. und fühlt sich nicht unwohl

    Schritt 4: Dein Vater läuft durch den Raum, schaut den HUnd nicht an

    Schritt 5: Dein Vater gibt den Hund die Wurst aus der Hand.

    Genau, aber all das ohne frontal vor deinem Hund zu stehen. Wenn er sich hin kniet, dann nur seitlich zu ihr, ebenso beim Futter geben.

    Ich würde diese Schritte aber wirklich erst dann durchführen, wenn sie sich wirklich sicher fühlt, solange dein Vater anwesend ist und sie ignoriert. Für den Anfang könnte das sonst schon zu viel für sie sein.

    Ihr müsst versuchen, die Erwatungshaltung ihr gegenüber einmal völlig abzustellen. Einfacher gesagt als getan, klar, aber das ist für die meisten unsicheren Hunde schon die halbe Miete. Ausstrahlung/Gefühle sind für einen Hund wichtiger als alles andere.

    Aber ich denke mal, so war das hier auch gemeint...

  • Ja Shila Shadow, so war das eigentlich gemeint. :D

    Also wichtig ist, um das noch mal zusammenzufassen, dass dein Vater immer eher seitlich zum Hund steht, dass ein Abstand zwischen den beiden ist, gerade bei den ersten Übungen. Du bist die Bezugsperson und gibst dem Hund die Sicherheit, du agierst und stellst dich schützend vor ihm.

    Dein Vater schaut den Hund niemals von Oben an, sucht keinen Blickkontakt und verhällt sich eher passiv.
    Er mancht sich so klein/unbedrohlich aussehend wie möglich.

    Je nach Trainingsfortschritt werden die Übungen gesteigert.

    Lg kassio

  • Habe auch noch überlegt, ob das Verhalten vom Hund eher Männern gegenüber ängstlich ist. Dich schließe ich da mal aus, denn mit dir hat er ja positive Erfahrungen in der Welpenzeit gesammelt. Dein Vater hat vielleicht ein ähnliches Alter wie dein Chef und der Hund erkennt Parallelen die ihm ängstigen.

Jetzt mitmachen!

Du hast noch kein Benutzerkonto auf unserer Seite? Registriere dich kostenlos und nimm an unserer Community teil!