Golden Mischling ängstlich

  • Ich fürchte auch, dass ihr bei Gismos Vorgeschichte immer mit einem gewissen "Bodensatz" an Angst leben müßt, und einfach lernen, solche Situationen möglichst zu managen.

    Meine Freundin hat einen wunderschönen, etwa dreijährigen Herdenschutzhund, über dessen Vorgeschichte nur zu erraten ist, daß er mit ziemlicher Sicherheit aus einem Auto heraus "entsorgt" wurde. Der Hudn hat sich ihr total angeschlossen, ist wunderbar souverän und umweltsicher, alles bestens, ABER: wenn er alleine -das heißt, ohne sie, andere Menschen oder Hunde interessieren ihn da nicht - im Auto bleiben muß, klappt er ab und zu ganz unvermittelt komplett zusammen.

    Ich hab das mal miterlebt, und es ist schockierend, wie sich dieser große Hund plötzlich in ein zitterndes, speichelndes, überhaupt nicht mehr ansprechbares Bündel Angst zusammenkriecht. Er tut dann weiter nichts, er sitzt nur da und starrt schlotternd auf den Punkt, an dem sein Frauchen verschwunden ist. Mein kleiner Terrier, den er sehr liebt, hat ihn in dieser Situattion rundum angehüpft, und er scheint das nicht mal gemerkt zu haben - er war ganz weit weg. Ist Frauchen zurück, ist alles gut und er geht sofort gelassen zur Tagesordnung über.

    Wir wissen nicht, warum das manchmal passiert und manchmal nicht, warum er mal entspannt und ausgestreckt im Auto schläft, und dann wieder, in einer für uns gleichen Situation, so in Angststarre verfällt. Sein Tierarzt nennt das eine "posttraumatische Streßreaktion": Irgend etwas holt für den Hund plötzlich ein altes Schockerlebnis hoch, und er erlebt es neu.

    Was du von Gismo schreibst, klingt ein bißchen ähnlich: Er hat Übles durchgemacht, und plötzlich scheint es wieder "da" zu sein. Meine Freundin bekam den Rat, in solchen Situationen (es gab am Anfang noch einige mehr) den Hund kurz zu beruhigen und dann einfach "selbstverständlich" weiterzumachen, als sei nichts Besonderes los. Er hat so tatsächlich vieles abgelegt, nur die Situation im Auto holt ihn immer wieder ein. Damit müssen die beiden offenbar leben, und vielleicht hat auch Gismo "Altlasten", die er nie ganz loswerden wir?

  • Ja bei ihm sind die "Angstattacken" auch schon viel weniger gewurden. Ganz am Anfang war ich richtig überfordert. Ich hatte immer mit Hunden mein Leben zu tun aber Gysmo war ein schwerer Fall und ich bin so stolz, dass wir ihn so hinbekommen haben, wie er jetzt ist, denn so wie er am Anfang war, hat niemand gedacht, dass er je so sein wird wie er jetzt ist.

    Und wenn ich schon sage, ich war mit einem Hund überfordert, dann bedeutet dass schon ne Menge. Aber wir haben es hinbekommen und ich würde Gysmo für nichts auf der Welt wieder hergeben, er ist das Wichtigste in meinem Leben.

    Mir tut es immer nur so leid, wenn die Angst wieder hoch kommt, ich mag das nicht sehen.

    Ich will gar nicht wissen, was die Familie dem Hund angetan hat, als ich nicht dabei war. Ich habe ja schon gesehen, wie er geschlagen, getreten usw. wurde, als ich dabei war. Und ich wette, dass wo ich die Wohnung verlassen habe, der Hund gleich noch mehr geprügelt wurde. Kaum vorstellbar, wenn ich nur daran denke kriege ich Gänsehaut... :(

  • Als ich deinen ersten Beitrag gelesen habe, war auch mein erster Gedanke, dass du ihn durch zu viel
    Mitleid in seinen Ängsten bestätigst. Dass du eben nicht die Führung übernimmst und ihm sagst was
    getan wird, sondern zu zögerlich bist. Kann aber natürlich täuschen.
    Hinsichtlich der Kastr und der möglichen Folgen wenn man den Hormonhaushalt über den Haufen wirft,
    gerade in der Pubertät, in der sich noch wichtige Nervenverbrindungen im Hirn bilden findest du hier schon
    etliches. Sonst Google mal unter Dr. Gansloßer, falls es dich noch interessiert.
    Viele Hunde mögen es nciht gerne von obern angetatscht zu werden nur die meisten nehmen das hin. Streichle
    ihn doch so wie er es gerne mag. Meist seitlich am Kopf oder unterm Kinn. Würde ich jetzt nicht so als
    Problem ansehen.
    Wenn er dir beim apportieren abhaut (versuchen fast alle Hunde) mach zunächst ne Schleppleine dran. Und
    freu dich wie verrückt wenns klappt. Nasenarbeit müßte ihm auch liegen, wie siehts z.B. mit ZOS aus.

  • Ich kann dich so gut verstehen. Mich hat das auch total mitgenommen, diesen wunderbaren Hund so zusammenklappen zu sehen und überhaupt nicht helfen zu können - er ist dann wirklich nicht mehr zu erreichen.

    Aber ich denke, bei Gismo habt ihr erstmal allen Grund, sehr stolz zu sein, und auch optimistisch: wenn er mit eurer Hilfe schon so viel Schreckliches abgelegt hat, schafft er sicher mit der Zeit noch mehr. Der Hund meiner Freundin ist am Anfang auch schon bei einem runtergefallenen Futtereimer oder beim Anblick mancher Männer zusammengeklappt wie von einer Kugel getroffen und hat nur noch schlotternd am Boden gelegen.

    Sowas hat er inzwischen, nach zwei Jahren ohne neue schlechte Erfahrungen, völlig abgelegt und ihn erschüttert nichts mehr - nur diese eine Auto-Situation. Damit leben die beiden eben, und die Angstattacken sind auch schon seltener geworden. Es ist aber schon erschütternd, wenn der Hund plötzlich so deutlich "erzählt", daß ihm irgendwas ganz Schreckliches passiert sein muß.

    Andererseits auch wieder erstaunlich, wie weit Hunde über Schlimmes hinwegkommen können, wenn die Umgebung stimmt. Da seid ihr doch mit eurem Gismo schon auf einem ganz tollen Weg. Wir drücken euch Daumen & Pfoten, daß die Zeit und die liebevolle Unterstüzung da noch viel mehr bringen!

  • Also in seiner Angst bestätigen tun wir ihn wirklich nicht. Ich ignoriere das eigentlich und streichen dann einfach weiter so nach dem Motto auch wenn du gerade Angst hattest, du siehst ja, dass du das nicht brauchst. Und dann hat er das auch schon wieder vergessen und gibt sich hin und genießt :D

    Ja das mit der Schleppleine werde ich definitiv mal probieren :)
    Ja Nasenarbeit liegt ihm sehr, er liebt das total, egal ob in der Wohnung oder draußen Leckerli suchen oder halt bei diesen Geschicklichkeitsspielen, die es so zu kaufen gibt. Sorry das ich frage, aber was ist ZOS???

    Ja, dass kenne ich auch, also wenn irgendwas runter gefallen ist am Anfang, war er sehr sehr schrecklich, so nach dem Motto, dass das nach ihm geschmissen wird oder so. Aber ich denke so ein "Knall" ist eh für Hunde sehr unangenehm weil es laut ist und die erschrecken sich halt dann mal, hat Gysmo auch jetzt noch.

    Ja das finde ich auch erstaunlich, dass die so gut vergessen können. Es gibt so viele gequälte Hunde die am Ende, dank neuen Menschen, die dieses Tier lieben, ein glückliches Leben leben können.

    Es ist einfach traurig zu sehen, dass manchmal einfach alte Situationen wahrscheinlich in sein Gedächnis zurückkehren und ich verstehe es halt nicht, weil wir ihn nie schlagen würden oder sonst was. Wenn er dann mal so zusammenzuckt und seine Augen verzieht, streichel ich ihn dann meist seitlich des Kopfes am Öhrchen oder am Kragen, dann vergisst er den kurzen Schock schnell und genießt nur. :)

  • Mit euch hat das ja zum Glück erstmal wenig zu tun, wenn Gismo heute noch so erschrickt - da kommen einfach Sachen hoch, die sich tief eingebrannt haben. Ich hab als Kind mal einen Unfall gehabt, also auch eine Schocksituation, und die Erinnerung kam lange ab und zu mal wieder hoch, ganz plötzlich und völlig unabhängig von der Situation oder der Umgebung.

    Ich denke, den Hunden geht es da wirklich ganz ähnlich, das zeigt ja auch, daß du ihn da manchmal "rausholen" kannst: dann ist er aus seinem alten Schrecken wieder bei dir. Wenn das geht, ist das doch schon ein sehr gutes Zeichen.

  • Na ja, erschrecken tun sich auch Hunde die nicht so viel mitmachen mußten, das ist normal. Geh einfach
    drüber weg. Es macht einfach nicht wirklich Sinn ständig darüber nachzugrübeln, was dein Hund alles mit-
    gemacht haben muß. Das kannst du nicht ändern, also ist es Energieverschwendung. Versuche ihm jetzt
    zu zeigen, dass du alles Regeln kannst, dass er dir vertrauen kann.
    Vielleicht wäre auch Agility was für euch, hast du das mal probiert?
    ZOS ist Ziel-Objekt-Suche, eine Gegenstandssuche wo der Gegenstand aber nicht gebracht sondern nur
    angezeigt wird. Findest du hier über die Suche sicher etliches drüber.

  • Ja ich weiß man sollte nicht zuviel drüber nachdenken sondern einfach drüber wegschauen und normal machen. Er weiß ja, dass er uns vertrauen kann.

    Ja Agility haben wir auch ausprobiert, macht super viel Spaß, aber gibt es leider bei uns in der Nähe kaum. Hätte ich einen eigenen Garten würde ich mir selbst so einen Pakour aufbauen :)
    Das Problem bei Agiliity woanders ist, dass mein kleiner manchmal ziemlich jeck ist, wenn andere Hunde dabei sind. Dann will er lieber zu den anderen Hunden und mit denen spielen als auf Frauchen zu achten. Also so habe ich es oft erlebt. Weiß nicht wie ich das abstellen kann?!

    Also ZOS klingt interessant, werde ich mich mal durch Themen lesen, danke für die Info :D

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