Bindung? Jagen von Joggern

  • Ich hab meinen ebenfalls 3 Monate. Er ist 2 Jahre alt und auch aus dem Tierschutz.

    Auch er rennt generell allem nach, was "flieht". Autos, Motorräder, Fahrräder, LKWs und Jogger. Wobei er bei Joggern nicht nachläuft, sondern auch ganz gerne von vorne ran will.

    Was mir aufgefallen ist, wenn er ausgelastet ist, interessiert ihn der Straßenverkehr gar nicht mehr. Er reagiert mittlerweile sofort auf "Nein" und beim Warten am Straßenrand schaut er solange mich an, bis ich "komm" sage.

    Ich habe vom ersten Tag an aus der Hand gefüttert und nur draussen. Spielen kannte er nicht, doch er hat sehr schnell spaß am Spielen mit mir bekommen, so dass ich nun auf dem freien Feld seine 100% Aufmerksamkeit habe. Über die Reizangel hab ich ihm Platz und Bleib beigebracht. Das Nein konditionierte ich über Futter in der Hand, welches er sich nur nehmen darf, wenn ich es erlaube.

    Er ist von allem weitgehend abrufbar. Andere Hunde, Vögel, denen er nachjagen möchte. Fährten von Kanninchen und sogar fliehende Katzen. Motorräder sind noch ein Problem. Hier auf dem Campo fahren neuerdings einige Cross und da muss ich noch sehr aufpassen, jedoch ist das auch eine prima Übung. Die Faher passen sehr gut auf, dass nichts passiert und bis jetzt lies sich mein Hund auch abrufen. Ich hab mal geschaut, was mein Hund macht, wenn ein laufendes Knatterteil neben uns stehen bleibt. Er hat erst mal gekläfft und wollte vor. Ich sagte Nein und er schaute mich an und war ruhig. Gab natürlich leckerli. Beobachtet hat er dieses laute Ding dann noch, aber machte keine Anstalten hinzulaufen.

    Er achtet sehr auf mich, behält mich immer im Auge und sobald ich die Richtung wechsel, hört er mit allem auf, was er gerade macht und kommt angerannt.

    Ich hätte anfangs echt nicht gedacht, dass ich das alleine so hinbekomme, weil hier gibt es keine Hundeschulen.

    Was machst du mit ihm draussen. Gehorsamsübungen klingen irgendwie so trocken. Für die Bindung musst du super spannend sein. Gemeinsam Spaß haben.

  • Der Hund ist erst seit 3 Monaten bei dir, vorher lebte er 3 Jahre frei. Da wirds noch ne Weile dauern mit der Bindung. Das darfst du ihm nicht übel nehmen. Wenn ich 3 Jahre woanders lebte und jetzt seit 3 Monaten wieder in Deutschland bin, wirds auch noch ne Weile dauern, bis ich sage hier ist es schöner, hier will ich bleiben.

    Dazu kommt, der Hund weiss nicht, dass Jogger und Radfahrer nicht zum Spielen da sind. Die tauchen aus dem Nichts auf, rennen so toll und so schwupp di wupp schnell und wenn die auftauchen springt mein Frauchen auch noch ganz aufgeregt rum, das muss was ganz Besonderes sein. Also nix wie hin........

    Kennen wir übrigens auch. Bei uns war zu Anfang noch jede Begegnung was Besonderes, allerdings wurden viele Leute auch verbellt und auch Radfahrern und Joggern wurde bellend und nach ihnen schnappend hinterher gerannt. :verzweifelt:
    Na ja, das machte Schara genau ein oder zweimal, von da an ging es an die Schlepp, bzw. im Freilauf zu mir und an die Leine. Ich muss die Personen jedoch definitiv vor ihr sehen, sonst kanns wieder nach hinten los gehen. Also immer schön den Horizont scannen.

    Heute nach 1 3/4 Jahren, weiss sie, dass dieses Verhalten nicht erwünscht ist und unterläßt es in meinem Beisein. Wäre sie jedoch ausserhalb meines Wirkungskreises, oder es taucht überraschend jemand auf, kann ich immer noch nicht für einen ruhigen Hund garantieren.

    Ich bin der Hoffnung, dass es sich noch bessern wird und wenn Schara mal eine Seniorin ist, werden sie Jogger usw. hoffentlich kalt lassen. Aber von heut auf morgen geht das nicht.

    Die Aussage, dass mein Hund zu mir keine bzw. keine gute Bindung hat, habe ich auch immer wieder hören dürfen. Sogar hier im Forum meinte mal jemand ich sollte den Hund schnellstmöglich wieder abgeben. :muede: Das tut sehr weh, vor allem wenn man sich so bemüht.
    Mein Hund weiss genau wann Bindung gefragt ist und wann nicht. In ihrem Terrain, wo sie sich auskennt und von überall heim findet, entfernt sie sich auch mal etwas weiter, bzw. geht ihren Interessen nach. Ist von mir natürlich so nicht gewünscht.
    Allerdings in fremdem Terrain, wie z.B. unseren Sonntags Gassigängen mit Mitgliedern von hier, wo sie definitiv nicht nach hause finden würde, schaut sie ständig nach mir, orientiert sich an mir und weicht mir zum Teil gar nicht von der Seite.
    Es geht also und die Bindung ist da, zumindest so weit, wie sie unter unseren Umständen da sein kann. Ich halte zu meinem Hund und lass mir von niemand einreden, dass wir keine Bindung hätten. Ich glaube an diesen Hund und daran, dass wir ein gutes Team sind und noch besser werden.
    Dies musst du dir immer vorhalten, dann wirds auch bei euch nur besser werden und auf keinen Fall schlechter. Gib deinem Hund und auch dir Zeit. Die werdet ihr noch brauchen. Du wirst sehen, die Zeit geht so schnell vorbei, es kommen auch immer wieder Rückschläge, aber dein Hund weiss bestimmt schon jetzt, dass du ihm nichts böses willst.

  • Hallo,

    das ist ja wirklich blöd, gerad wenn es bisher gut geklappt hat.
    Ich könnte mir vorstellen das sie sich inzwischen Sicherer bei dir fühlt und deshalb mal weiter weg läuft, bzw austestet wie weit sie gehen kann.

    Ich würde es mal mit einer Schleppleine versuchen, oder geht sie dann nicht hinterher?

    Kleiner Tip, ich würde nicht "Nein, hier" rufen, ich glaube das könnte den Hund verwirren, ich würde das "Nein" einfach weglassen und sie nur zu mir rufen, mit Spielzeug oder Leckerchen herumwedeln um mich Interessant zu machen.

    Lg

  • So ... dann erstmal vielen lieben Dank für die tollen hilfreichen Antworten!! :gut:

    Ich beginne seit heute Morgen mit dem Schleppleinentraining (ich hab die Dinger ja auch, 5 und 15 m). Die kommen jetzt zum Einsatz, damit Madam nicht wieder ausbüchsen kann und ich vermeiden möchte, dass sie womöglich Gefallen daran findet, Radfahrern hinterherzurennen. Ich hatte sie davor nur gerne von der Leine genommen, damit sie sich beim rennen richtig auspowern kann ... aber mit der 15 m Schleppleine kann sie das beim Stöckchenspielen natürlich auch.

    Ich übe viel mit ihr die Grundgehorsamsübungen, ich baue das täglich in unsere Spaziergänge ein. Spielen kommt natürlich nicht zu kurz. Ich habe schon das Gefühl, dass ich mich für sie interessant mache (ich latsche nicht nur ne Stunde monoton hinter ihr her). Futtersuchspiele, Baumstämme erklimmen, rumtoben und fangen spielen, um die Wette rennen ... das mache ich täglich mit ihr.

    Aber ich bin zu dem Schluss gekommen, dass ich vllt. für den Anfang zu euphorisch war und wir beide erst aneinander "wachsen" müssen.

    Zu meinem Trainer: Der ist ganz ganz toll und korrigiert mich permanent beim Training und gibt mir Tipps für Übungen und Spiele, die die Bindung stärken. Meine Tennesse ist eben ein noch sehr unsicherer Hund (die Vorgeschichte kenne ich wie gesagt nicht aber als ich bekommen habe da kannte sie praktisch nichts ... keinen Aufzug, keine U-Bahn, kein Autofahren und waren immer aufgeregt wie die Sau). :lachtot: Das wird mit der Zeit immer besser und ich hoffe, dass diese Erfahrungen uns auch zusammenschweißen, wenn sie merkt, dass die U-Bahn sie nicht auffrisst und große Container sie auch nicht anfallen. =)

    Alles in allem bin ich guter Dinge und vllt. auch manchmal etwas zu ungeduldig.

    Was mir grad noch einfällt: Als sie dem Radfahrer hinterherjagte habe ich kurz zuvor mit ihr Stöckchenholen gespielt ... vllt. war sie noch zu aufgepeitscht und der kleine Adrenalin-Junkie wollte noch mehr davon haben :headbash:

    Ich berichte auf alle Fälle, wie das Training läuft.

  • Zitat

    Ich würde es mal mit einer Schleppleine versuchen, oder geht sie dann nicht hinterher?

    Kleiner Tip, ich würde nicht "Nein, hier" rufen, ich glaube das könnte den Hund verwirren, ich würde das "Nein" einfach weglassen und sie nur zu mir rufen, mit Spielzeug oder Leckerchen herumwedeln um mich Interessant zu machen.

    Lg


    Mit der Schleppleine - wenn ich sie abgerufen habe - kam sie immer angerannt und dann habe ich sie absitzen lassen und da war ihr der Radfahrer immer Wurscht ...

    Das mit dem Nein, hier habe ich gedacht, weil mein Hundetrainer gesagt hat, dass - wenn ich sie absetze - und sie nicht hört ich sagen soll "nein, sitz" ... aber vllt. war das in dem Moment auch falsch? Ich habe es in dem Moment gesagt, als sie die Radfahrer gesichtet hat und ich schon merkte, dass sie das jetzt ganz super spannend findet und ich schon quasi den Hund von dannen rennen habe sehen :dead:

  • So rein Intuitiv hab ich schon bei meinem ersten Hund alles auf ein einzelnes Wort begrenzt.

    Also kein einziges Komando ist länger als ein zusammenhängendes Wort.

    Nein, komm... Nein, sitz.. lass es dir mal auf der Zunge zergehen. Wieso nicht einfach nur Sitz oder Komm.. Wozu das Nein?

    Der Abruf bei mir ist zum einen sein Name, er schaut ich rufe Hier, er kommt.
    Komm dient bei mir rein zum Begleiten. Zum Beispiel beim überqueren einer Straße. Erst kommt das Stopp. Er steht und schaut mich an, bis ich sage komm. Auch wenn ich schon einen Schritt mache, hat er zu warten, bis das komm folgt. Macht er auch meistens.

    Ich muss immer daran denken, was der Rütter in seiner Show fragt: Hat ihr Hund einen Nachnamen? Und dann heißt es: Paul Komm, Luna Hier, Fina Aus....

    Und hier ( Gran Canaria ) heißen alle Hunde: oye. Ist spanisch und bedeutet: hör! Die rufen hier selten den Namen des Hundes, sondern immer Oye. Ohne was davor.. einfach nur Oye. Da muss ich immer grinsen.

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