Resozialisation - Wie lange dauerts?

  • Hallo Fories,
    kurz zu unserer Geschichte.
    Shelby ist ein DSH und 2 Jahre alt. Er kommt von einem guten Züchter, wo er schon früh viel kennen lernen durfte.
    Da ich aber sehr ländlich wohne und lange kein Auto hatte, hat er vom 3 - 8 Lebensmonat nicht mehr viel kennen gelernt. Ab und zu haben wir Ihn irgendwo mitgenommen, das war aber eher eine Ausnahme und nicht die Regel. Unsere Spaziergänge waren also sehr ablenkungsarm und immer im gleichen Gebiet. Andere Hunde gab es keine.

    Da ich aber einen Hund wollte, den man überall mitnehmen kann, haben wir bei der ersten Gelegenheit mit 8 Monaten die HuSchu besucht.
    Dort war leider ein ziemliches durcheinander, 20 Hunde auf einem Platz, vom Junghund bis zum Oldie, jeder musste selbst schauen wir er mitkommt, am Ende wurden alle Hunde von der Leine gelassen, und es wurde reichlich gemobbt. (Es waren aber nur 6 Stunden) :muede:

    Danach hab ich sehr lange nichts mehr gemacht, bis ich im Dezember (Shelby war dort 23 Monate alt) eine tolle Hundegruppe gefunden habe, wo wir uns sehr wohl fühlen. Es wird auf den einzelnen Hund eingegangen und wir trainieren etwas abseits der anderen Hunde. Wir trainieren dort 1x pro Woche - 1 Stunde.

    So, auf dem Platz wirds langsam, erste Fortschritte sind da.
    Jetzt möchte ich auch mit dem Stadttraining beginnen. Momentan ist es so, dass Shelby sobald er aus dem Auto aussteigt sehr nervös ist, als erstes muss immer was markiert werden - Stress. Es fällt ihm sehr schwer sich auf mich zu konzentrieren und er zieht ziemlich an der Leine. :/
    Ab heute möchte ich mit ihm jeden Tag in die Stadt fahren, ihn dort als erstes in einem eingezäunten Hundeauslauf (wo wir alleine sind) den Stress ein wenig nehmen und dann von dort langsam das Aufmerksamkeitstraining beginnen. Vom Platz aus kann man Autos sehen, hupen hören, Fahrräder und Fußgänger sehen.

    Im Mai wäre dann eine Prüfung (ähnlich der BH) welche in der Stadt abgehalten wird.
    Sie beinhaltet:
    - ordentliches Fuß gehen,
    - Hund vor Supermarkt anbinden,
    - Hund mit in Bar nehmen,
    - Begegnung mit anderen Hunden und Menschen
    - plötzliche Ereignise (zB. Regenschirm der sich öffnet),
    - Maulkorb tragen,
    - ...

    Meint ihr es ist realsitisch, dass ein eher unsicherer (aber nicht ängstlicher) Hund in drei Monaten ein richtiger "Stadthund" wird?


    Meinungen und Erfahrungen sind gerne erwünscht :D

  • Wenn er das tatsächlich alles aus seiner Welpenzeit kennt, dann dürfte das gehen. Ich kann aber gar nicht so richtig glauben, dass er bis zur 12. (?) Woche so gut trainiert wurde, dass das für ihn alltäglich war?

    Wo willst Du denn die Prüfung ablegen? Gibt es dazu keinen Kurs?

    Wenn Du jetzt jeden Tag in die Stadt fährst, dann wird er die Eindrücke nicht verarbeiten können. Du kannst jetzt nicht das durch "Masse" wieder rausholen, was Du die letzten Monate verschlafen hast.

    Ich würde mit einem solchen Hund ca. zwei bis drei Mal die Woche an aufregende Orte gehen und dort nix tun außer rumstehen oder langsam rumlaufen. Jedes ruhige Verhalten wird belohnt. Das ca. zehn Minuten bis eine viertel Stunde. Dann wirst Du sehen wie es läuft - ob Du wirklich auf die Welpenzeit aufbauen kannst oder ganz von vorne anfangen musst.

    Viele Grüße
    Corinna

  • Ich würde auf keinen Fall täglich in die Stadt fahren, denn er braucht ja auch die Zeit, um das zu verarbeiten.
    Außerdem würde ich mit spätabends anfangen, wenn die Geschäfte zu sind und der Verkehr nur noch mäßig ist.
    Hund ans Geschirr, lange Leine dran und dann einfach erstmal schnüffeln lassen.
    Die Fußgängerzone, die Schaufenster etc. wirken lassen.
    Nach drei Tagen wieder und das so zwei Wochen machen.
    Dann früh morgens oder so, wenn kurz bevor die Geschäfte abends schließen.
    Dann ist nicht mehr extrem viel los, aber noch genug.
    Anfangen würde ich auf einem Parkplatz eines Einkaufszentrums. Da kann man schön drum herumlaufen, die Geräuschkulisse ist ja auch nicht ohne.
    Das auch so 2 Wochen mit immer drei Tagen Pause.
    Danach schauen, wenn er dann viel entspannter ist beim Aussteigen, kann man mal Sonntags hinfahren. Da sind oftmals Leute zum Bummeln, also auch wieder anderes Publikum.
    Und erst dann würde ich wirklich in die Stadt fahren, wenn die Geschäfte offen sind bzw. mitten am Tag.

  • Zitat

    Wenn er das tatsächlich alles aus seiner Welpenzeit kennt, dann dürfte das gehen. Ich kann aber gar nicht so richtig glauben, dass er bis zur 12. (?) Woche so gut trainiert wurde, dass das für ihn alltäglich war?


    Hmm, also er wurde recht gut sozialisiert, auto fahren, leine, stubenrein, alles kein Problem, er hatte vor nichts angst (das hat er sich auch bis heute bahalten). Besonders trainiert wurde er meines wissens nicht.

    Zitat

    Wo willst Du denn die Prüfung ablegen? Gibt es dazu keinen Kurs?


    Die Prüfung wird von meiner Hundeschule aus organisiert, dort trainieren wir auch 1x pro Woche

    Zitat

    Wenn Du jetzt jeden Tag in die Stadt fährst, dann wird er die Eindrücke nicht verarbeiten können. Du kannst jetzt nicht das durch "Masse" wieder rausholen, was Du die letzten Monate verschlafen hast.

    Ich würde mit einem solchen Hund ca. zwei bis drei Mal die Woche an aufregende Orte gehen und dort nix tun außer rumstehen oder langsam rumlaufen. Jedes ruhige Verhalten wird belohnt. Das ca. zehn Minuten bis eine viertel Stunde. Dann wirst Du sehen wie es läuft - ob Du wirklich auf die Welpenzeit aufbauen kannst oder ganz von vorne anfangen musst.

    Viele Grüße
    Corinna


    Ok, dann werde ich das Training ein bisschen reduzieren.
    Aus der Welpenzeit aufbauen - ich denke das ist zu lange her. Da er aber sonst eher unerschrocken und allem aufgeschlossen ist, müsste das mit ein bisschen Training doch in die richtige Bahn zu lenken sein.

  • Zitat

    Da er aber sonst eher unerschrocken und allem aufgeschlossen ist, müsste das mit ein bisschen Training doch in die richtige Bahn zu lenken sein.

    ersetze das "bisschen" durch "lange Zeit trainieren".

    Wichtig ist, dass du deinen Hund jetzt nicht überforderst. Da ist es schon mal gut, wenn du nicht täglich sondern weniger oft an einen belebten Platz fährst. Den Hund sozusagen dosiert über lange Zeit den neuen Eindrücken aussetzen.
    Die 'Prüfung' würde ich mir aus dem Kopf schlagen, alleine deshalb, damit du dir und vor allem dem Hund keinen mentalen Druck machst. Der Hund wird so lange Zeit brauchen wie er es eben braucht. Das können 2 Monate sein, das kann aber auch ein halbes Jahr sein. Wichtig ist, nach SEINEM Tempo zu arbeiten, dann kommt das bestimmt gut und nichts wird über's Knie gebrochen.
    Schön Schritt für Schritt, das klappt schon!

  • Schließe mich den beiden an - 3 Monate sind zwar vielleicht machbar, aber sehr (zu) kurz.
    (edit: hatte nach den ersten beiden Posts geschrieben - darauf beziehe ich mich - mittlerweile sind zwischendurch weitere geschrieben worden...)

    Kommt halt auch auf den Hund an, manche lernen und gewöhnen sich sehr schnell, manche brauchen halt länger.
    Die Frage, die sich mir stellt: warum machst du dir (und deinem Hund) so einen Stress?
    Geh's doch langsam an ...
    Sicher ist so eine "Prüfung" eine schöne Sache, auf die man hinarbeiten kann - aber die werden doch meist mind. 1-2 x im Jahr abgehalten - nimm dir doch lieber den Prüfungstermin im Herbst oder nächsten Jahr zum Ziel.

    Für sehr wichtig halte ich tatsächlich ebenfalls die Ruhetage zwischendurch - sowohl beim körperlichen, als auch geistigem Training. M.E. braucht kein Hund tägliches Komplettprogramm - damit "erzieht" man sich eher einen Hund, der ständig abfordert und auf etwas wartet.
    Lieber auf einen Tag Training (welcher Art auch immer) einen bis zwei "Ruhe"tage einbauen - dann kann sich der Körper erholen und im Kopf das Erlernte festigen.... (so sollten Menschen übrigens auch trainieren....).

    Also mein Fazit:
    lass dir lieber mehr Zeit und hab dafür ein gutes Lernergebnis und auch noch ein bißchen Spaß ohne Erfolgsdruck mit deinem "Freund" Hund.....

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