Hund vermittelt, es läuft aber nicht so gut (lang)
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Ich würd mich gern mal ausheulen.
Eine Bekannte hat den letzten Sohn meiner Terry aus Rumänien adoptiert. Der Kleine war seit seiner Geburt in einem Hundelager untergebracht – also mehr als eineinhalb Jahre. Die Bekannte und ihr Mann hatten bereits vor 20 Jahren einen Hund von mir vermittelt bekommen, nach dessen Tod wieder einen Hund aufgenommen. Beide Hunde waren anfangs sehr problematisch im Umgang und das bekamen diese Leute gut gehändelt. Deshalb freute ich mich natürlich riesig, als sie sich für Terrys Bub interessierten. Der Verein und auch ich haben den Interessenten erklärt, wie die Hunde dort gehalten werden, das sie ein Dach über dem Kopf meist gar nicht kennen und in welchem Zustand sie in der Regel nach D kämen. Jedenfalls liessen wir die Leute nicht im Unklaren, dass es Probleme geben wird. Sie wussten somit ansatzweise, was da auf sie zukommt und sie erklärten sich ausdrücklich bereit. Ich stellte ihnen meine Hündin vor, erzählte von den Baustellen und Problemen mit ihr. Ich bot mich an, im Auftrag meines Vereins und natürlich auch im eigenen Interesse, diese Familie bei Adoption des Hundes weiterhin zu betreuen.
Ich war also ab Übergabe des Hundes dabei und stand nicht nur im telefonischen Kontakt, sondern bin auch täglich bis zur Kastration meiner Hündin mit meinen Hunden zusammen mit ihr und dem Hundchen spazieren gegangen. Vordergründig, damit sich der Hund an gefestigten Hunden orientieren konnte, was auch super funktionierte, denn die Tiere verhielten sich sehr harmonisch und der Hundebub taute in der Gruppe täglich etwas mehr auf und wurde von mal zu mal sicherer.
Der Hund ist jetzt knapp 4 Wochen in der Familie. Ich trau mich schon gar nicht mehr, dort anzurufen. Immer wenn ich frage, wie es voran geht, höre ich: „Ganz gut …. aber …“. Der Hund kannte bis vor vier Wochen gar nichts. Bereits nach 2 Tagen war er sauber !!! Aber es wird gemeckert, dass er beim Gassigang sich nur hinhockt und nicht das Bein hebt und auch eine Weile braucht, bis er sich löst. Er hält lange ein – das sei doch nicht normal. Andere Hunde aus solchen Verhältnissen brauchen Wochen oder Monate, um stubenrein zu werden. Viele können sich monatelang nur in der Wohnung lösen. Ich fand jedenfalls, dass der Hund sehr schnell verstand, was man von ihm verlangt.
Am ersten Tag in D lag der Hund beim Gassigang mehr auf dem Bauch, als das er lief. Gras, Asphalt – kannte er ja nicht. Bereits nach 3 Tagen lief er locker und entspannt neben her – aber es wird beanstandet, weil er noch recht unsicher bei Begegnungen (Fahrräder, Rollstühle) wäre. Man habe auch das Gefühl, er würde Frauchen dann eventuell nicht verteidigen, wenn Not am Hund wäre. Ich versuchte zu erklären, dass man heutzutage froh sein sollte, keinen verteidigungsbereiten Hund zu führen, sondern eigentlich stolz auf so einen pfiffigen Hund, der so schnell lernt - zu sein hat. Alleine die Leinenführigkeit in so kurzer Zeit – fand ich wirklich aussergewöhnlich.
Nächster Anruf: Der Hund habe die Schlafzimmertüre verkratzt, als das Paar länger einkaufen gewesen sei. Solche Wiederholungen wären natürlich unschön. Der Hund habe aber nicht gebellt. Er würde nie bellen, wenn er allein ist. Was für ein Traum – mein Hund hat wochenlang wie hysterisch gebellt, wenn sie allein bleiben musste. Wozu gibt es eine Hundehaftpflicht ? Man macht sich jetzt Sorgen, ob er wohl wieder kratzen würde. Sonst macht er überhaupt nichts kaputt.
Anfang dieser Woche rief ich wieder an und erfuhr weniger schöne Dinge. Hund habe den Mann angeknurrt, als der sich zu ihm ins Körbchen legen wollte. Die Besitzerin sagte, alle Leute hätten ihr gesagt, das dürfe kein Hund und „wehret den Anfängen“ ! Und zu allem Übel - als das Herrchen ihm dann auch noch den Knochen wegnehmen wollte – habe der Hund nach ihm geschnappt. Nicht schlimm, aber eben geschnappt. Dazu ist aber zu sagen, das Herrchen kümmert sich kaum um den Hund, weil er entweder arbeiten ist oder schläft (Nachtschicht). Hab ich auch versucht zu erklären – und empfohlen, ihn mehr in die Betreuung mit einbeziehen, Handfütterung, auch mal ihn mit dem Hund Gassi gehen zu lassen etc. Natürlich schmeichelt es der Bekannten, dass der Hund so auf sie fixiert ist, aber sie ist ja nicht allein im Haushalt.
Draussen ist der Rüde zu jedem Hund freundlich – egal ob M oder W. Zerrt nicht an der Leine, orientiert sich schon super an der Besitzerin. Bei Fahrradbegegnungen verharrt er noch kurz. Man nahm ihn schon mit ins Restaurant, auch da legt er sich hin und ist total lieb und ruhig. Und das nach nicht mal 4 Wochen !
Ich habe wieder versucht, zu erklären, weshalb der Hund wie warum was macht, weshalb auch ein Hund ein Recht auf körperliche Distanz und seinen Knochen hat. Woher er kommt und das sein Leben bisher immer nur Kampf ums Überleben gewesen sei. Ich habe auch gesagt, dass wenn man sich überfordert fühle oder der Hund doch nicht den zuvor gemachten Vorstellungen entspricht, baldigst eine andere Lösung herbei müsse und ggfs. eben auch über eine Abgabe im Interesse des Hundes nachgedacht werden sollte. Das wurde aber vehement abgelehnt.
Meine Tierärztin empfahl den Leuten unsere Hundetrainerin. Ich bestätigte die Wahl auch noch mal den Leuten und sagte auch, sobald mein Mädchen wieder fit ist, ich zumindest wieder abends mit meinen Hunden und Besitzerin incl. Hund spazieren gehen würde.
Ich habe aber auch angemerkt, dass man einfach zu viel in viel zu kurzer Zeit dem Hund abverlangt. Der Rüde ist ein toller Hund, der sich unter Garantie zu einem klasse Kameraden entwickeln wird, wenn man sich Mühe macht und alles langsam angeht. Er braucht nur Zeit. Der Druck tut allen Beteiligten nicht gut. Aber irgendwie wird das alles nicht wirklich akzeptiert. Man habe ja schon Hunde gehabt, wisse den Umgang mit ihnen u.s.w.
Mich macht das alles sehr traurig. Ich mach auch nicht auf Klugscheisser, sondern bin wirklich im Umgang behutsam.
Nach 20 Monaten Isolation kann man einfach nicht innerhalb von 4 Wochen einen perfekten Begleiter erwarten. Der Bub ist eigentlich ein erwachsener Welpe, der aber enorme Fortschritte gemacht hat – nur sehen die Besitzer das einfach nicht. Es geht ihnen alles viel zu langsam. Sie verstehen einfach nicht, dass der Hund vor 4 Wochen von Punkt Null gestartet ist.
Was kann ich denn noch machen. Seit Montag habe ich nichts mehr gehört – mich regt das alles ziemlich auf und ich habe Angst, dort anzurufen und wieder ein … soweit gut, aber … zu hören.. Ich hoffe, es ist alles in Ordnung. Wenn ich die Kapazitäten hätte, würde ich den Hund sofort aufnehmen. Ich hoffe so sehr, dass die Leute sich nochmal berappeln und alles langsamer angehen. Dann hat der Kleine auch eine Chance.
Wie seht Ihr das ?
Ich möchte Euch bitten, an dieser Stelle keine Diskussion über Sinn oder Unsinn des Imports von Auslandshunden zu führen. Danke.
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15. Dezember 2011 um 13:27
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Huhu :)
leider kann ich dir auch nicht wirklich weiterhelfen, kann deine Sorge und deinen Unmut aber verstehen. Ich selber bin seit ca. 6 Wochen Hundemama von einem kleinen Rüden aus Ungarn. Er ist ca. 5 und auch er verhält sich teilweise wie ein Junghund/Welpe.
Je sicherer er wird, desto "frecher" wird er und auch mir fällt es manchmal schwer ihm Grenzen zu setzen und meinem Freund zu vermitteln, dass ein Hund nicht von heut auf morgen "spurt" und grad ein Hund aus schlechten Verhältnissen oder von der Straße vieles gar nicht kennt.Auch Tobi hat letztens nach Herrchen geschnappt und es folgte eine endlose Diskussion darüber. Aus hundesicht hat Tobi und auch der kleine Racker deiner Bekannten richtig reagiert, er hat sein Revier verteidigt und als Knurren nichts half, hat er geschnappt.
Wie kommt der Mann denn dazu, sich in das Körbchen vom Hund zu legen, das sollte doch sein Rückzugsort sein...
Weißt du, ob die beiden deine Hundetrainerin in Anspruch nehmen?
Vielleicht klappt es ja mit den erneuten gemeinsamen Gassirunden und vllt kannst du ja im Gespräch klar machen, dass es dir nicht um Klugscheißerei sondern um Hilfestellung geht.Ich jedenfalls finde dein Engagement toll und hoffe, dass du, trotz allem Gegenwind dran bleibst.

Liebe Grüße
jana+tobi -
Hallo!
Erst einmal zieh ich meinen Hut vor dir. Du bist mit allem voll dabei und stehst zu dem was du machst.
Es ist doch super das der Bub so fit und lernfähig ist.
Bleib bitte dran. Nerv weiter mit anrufen.
Das sich jemand zum Hund (körbchen, Decke usw.) legt und der Hund es akzeptiert ist doch Vertrauenssache. Warum lassen die Leuten den Hund nicht erstmal einen Ruhplatz.
Irgendwann wird das klappen, der kleine lernt doch erst.
Ich wäre froh mit so einem Glücksgriff. Und warum muss der Hund den Beschützer spielen. Ist es nicht der Hund der Schutz braucht.
Wenn du kein gutes Gefühl hast, dann vertrau dir selbst und such ein neues zu Hause.Also noch mal: Großartig das du dich so bemühst.
LG Anke -
Hmm, blöde Situation.
Ich kann dazu gar nicht viel schreiben, außer, dass ich dich total verstehen kann.
Ich finde es immer wieder beachtlich, was die Leute von ihren Tieren erwarten... Es MUSS sich anfassen und begrabschen lassen, muss von anfang an alles können. Auch die Sache mit dem Knochen und der Decke finde ich nicht fair, nicht mit der Vorgeschichte. Ist doch logisch, dass er so reagiert.
Ich hätte jetzt auch nochmal versucht, ein ernstes Gespräch mit den Besitzern zu führen oder/und eine Trainerin "rüberschauen" zu lassen. Auf jeden Fall dranbleiben, aber eben so, dass es nicht klugscheißerisch, sondern helfend und beratend rüberkommt. Ist allerdings schwierig, wenn die Besitzer so beratungsresistent sind...

Ich hoffe, ihr kriegt das irgendwie gebacken.
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Wenn du dem Hund helfen willst, bleibt dir garnichts weiter übrig, als den Kontakt mit den Leuten zu suchen.
Spring über deinen Schatten und ruf wieder an, ich weiß dass das schwer ist, aber viell. zahlt es sich aus. -
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Hallo Mollrops,
ich finde deine Hilfsbereitschaft klasse.
Ich habe den Text jetzt so verstanden, das der Hund sich(in deinen Augen) prima entwickelt und es eigentlich keinen Grund gibt, wegen dem sich die neuen Halter "beschweren" dürften/müssten. Richtig?Scheinbar sehen das die neuen Halter anders und haben andere Erwartungen an den Hund und eine andere Einstellung zur Hundehaltung. Ich denke mehr als deine Hilfe anbieten, auf sie einreden und Alternativen im Umgang mit dem Hund aufzeigen, kannst du nicht tun. Würde auf jeden Fall dran bleiben und nicht so schnell die Hoffnung aufgeben.
Eine Chance hat der Hund wohl nur, wenn die Halter ihre Erwartungen dem Hund gegenüber zurückschrauben, ihm mehr Zeit geben und ihr Verhalten ändern. Wenn das nicht passiert, werden sie den Hund wohl eh nicht lange behalten, da sie ja scheinbar nicht die richtigen Halter für den Hund sind und sich von dem Hund etwas anderes erwartet haben.
Gruß Basti
P.s.: Dieses Beispiel verdeutlicht mir mal wieder, das viele Tierschutzvereine und Tierheime das Pferd von der falschen Seite aufzäumen, wenn es um die Adoptionskriterien geht, die die Interessenten erfüllen müssen/sollten. Wichtiger als ein Haus mit Garten, nicht mehr als 4 Stunden am Tag alleine bleiben etc. müsste eigentlich die Einstellung zur Hundehaltung und der damit verbundene Erziehungsstil sein. Aber das ist hier nicht Thema und nur eine kleine Anmerkung meinerseits, die bitte nicht persönlich zu nehmen ist - da sie an die Allgemeinheit gerichtet ist.

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Hallo,
ich kann Dich auch sehr gut verstehen und Du weist selbst, dass Du in Kontakt bleiben musst um dem Hund helfen zu können.
Ich wäre froh gewesen wenn mein spanischer Freund damals so schnell gelernt hätte und ich keine zwei Jahre mit seiner Sozialisierung zubringen hätte müssen. Auf meinen Urlaub verzichten, alle anderen Freizeitaktivitäten und auch Besuche wurden drastisch reduziert. Erst seit letztem Jahr gehe ich wieder ohne Hund in Urlaub. Die Zeit hat er aber einfach gebraucht.
Auch wäre ich froh wenn er nicht so einen Schutztrieb hätte wie er ihn hat, aber damit komme ich nun nach vier Jahren gut klar.
Zu meinem Spanier darf sich übrigens niemand in den Korb legen und auch so wenn er irgendwo liegt hätte er gerne, dass seine Individualdistanz gewahrt bleibt.
Ansonsten warnt er oder geht auch zum Scheinangriff über, was recht bedrohlich aussieht.
Das allerdings nur bei den anderen Hunden und nicht mehr bei uns Menschen.Ich drücke Dir und dem Kleinen die Daumen dass alles gut wird.
Liebe Grüße
Steffi
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Ojeh, das ist schwer auszuhalten, ich fühle mit Dir! Es gibt leider Menschen, die mit der Brechstange an Hunde"erziehung" herangehen und zusätzlich noch beratungsresistent sind. Da Du aber jetzt sozusagen moralische Verantwortung für den Kleinen mit übernommen hast fällt es schwer, sich zurück zu ziehen.
Ich würde versuchen, mit offenen Karten zu spielen und am Ball bleiben. Hundetrainer empfehlen, immer wieder Tipps geben, anrufen, Besuche machen. Wenn das alles erfolglos bleibt würde ich versuchen, den Leuten den Hund abzuschwatzen und ihn, wenn möglich, selber aufnehmen oder ein gutes Zuhause zu suchen. Viel Glück dafür!
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