Keine Aufmerksamkeit: Sind wir nun uninteressant für Hundi?

  • Seufz,

    es wird immer frustrierender. Emil (knapp 9 Monate, 4 M bei uns) interessiert sich immer weniger für uns - aber dafür für alle anderen. Wie ein altes Ehepaar. Es wird irgendwie immer schlimmer. Eben bin ich schon nach Hause gekommen, Emil quält sich hoch, wedelt ein bißchen, geht wieder auf seinen Platz. Leckerchen: brauch ich nicht.

    Herankommen klappt draußen eigentlich auch nicht mehr. Ich kann da noch so sehr auf Party machen oder Leckerchen dabeihaben, wenn es wichtiges zu beobachten gibt, nimmt er keine Leckerchen, das war mir aber schon immer klar. Angelmethode an der Schleppleine: Er bewegt sich dann 1-2 Meter zu mir, setzt sich aber wieder und dreht sich prinzipiell weg. Und es ist alles wichtiger.

    Gestern in der HuSchu war es auch ganz grandios. Ich hatte den einzigen Hund, der halt immer irgendwoanders hingeschaut hat. Ich habe seine Aufmerksamkeit nur selten kriegen können. Jedoch alle anderen waren interessant. Scheißegal, was sie in der Hand hatten, ob es nur ein vergammeltes Stück Käse war, es war ein interessantes Leckerchen und Emil hat die Leute angebetet. Angehimmelt, Ohren nach Kräften aufgestellt. Bei uns: Kopf wegdrehen.
    Alle anderen Hunde haben mehr oder weniger gut Blickkontakt mit ihren Herrchen/Frauchen aufgebaut, nur bei uns ging mal gar nichts. Es ist doch immer herrlich, in der Gruppe aus der Reihe zu fallen...

    Haben wir eine Beziehungskrise :D? Ist das die Jugendzeit? Was wir mit dem Hund machen, ist schon ein bißchen was und ich will und kann ihn aber nicht vollzeit-bespaßen. Morgens gehts raus, 45m Gassi an der Leine, bei bestimten Hundetreffen auch Freilauf. Er ist meist mit Rüden-Business beschäftigt (Schnuffeln/markieren). Abends gehts in ein schönes Freilaufgebiet, da turnt er ordentlich mit anderen Hunden. Tagsüber ist er max. 4 Stunden alleine. Döst meist bis Nachmittag und dreht dann auf. Ich mache zwischendurch mal 1-2 Spiele mit ihm, meist Suchspiele.
    Ich achte auch darauf, dass wir immer wieder woanders hingehen. Gehe auch gerne abseits der Pfade und lasse ihn mal hier und da über Hindernisse springen, einfach für die Motorik. Wenn wir alleine unterwegs sind, folgt er mir auch über alle Hindernisse und gibt sich Mühe, das muss ich schon sagen.

    Ähnliche Erfahrungen? Ich kann momentan einfach schwer mit ihm arbeiten, da es schon an der Aufmerksamkeit scheitert und so scheitern auch schon einfache Übungen oder Anweisungen.

    Allgemeiner bin ich wohl auf der Suche nach Methoden, die Bindung zu stärken. Vielleicht findet er uns ja auch einfach blöd.

  • Hallo callean,
    willkommen im Club! Mit unserem einjährigen Rüpel hatten bzw. haben wir zur Zeit auch diesen Spaß :headbash: - und es ist sooooo peinlich auf dem Platz, wenn der Herr mal wieder der einzige ist, der die süße Hündin nebenan tausendmal spannender findet als Frauchen :ops: !
    Die Tips, die ich von unserer Trainerin bekommen habe und momentan auch versuche umzusetzen:

    Der Hund wird nur noch von mir angesprochen bzw. gestreichelt, wenn ich es will, d.h. kommt er an und will Schmuseeinheiten, wird er erst mal wieder auf den Platz geschickt - nicht für Ewigkeiten, vielleicht fünf bis zehn Minuten, je nachdem. Wenn er entspannt liegt, kann ich ihn ranrufen und kraulen. Aber ich schicke ihn dann auch wieder weg.
    Gemütliches mit- auf- dem- Sofa-liegen bzw. auf Frauchens Füssen ist erst mal nicht mehr. Mit im gleichen Raum, ja, aber auf seinem Platz.

    Futter gibt es nur noch aus der Hand und muss erarbeitet werden, also erst mal ein kurzes Sitz, Platz, gib Pfötchen, egal was, aber nur Leistung wird mit Futter belohnt.

    Insgesamt soll das ganze darauf hinaus laufen, dass der Gute merkt, dass nur ich bestimme, wann und welche Aktion angesagt ist. Erfolg bis jetzt (wir üben seit ca. vier Wochen, wobei es mir ehrlich gesagt manchmal mit der Konsequenz hapert) noch nicht durchschlagend, aber Besserung zu bemerken...

    Vielleicht hilft Dir das ja ein bisschen, ansonsten fühl´ Dich einfach getröstet, das wohl fast jeder mit einem Hund im "Teenageralter" das Spielchen mindestens teilweise wiedererkennt... :D

    LG Sonja

  • Ich denke mal der hat die Schnauze voll, m.M. machst du zuviel mit ihm, Lass ihn mal 8 Tage in Ruhe und mache weniger, dann wird das auch wieder.

  • Hallo erstmal,

    also ich kenn das so ähnlich, aber nicht ganz so heftig von unserem Hund (1 Jahr alter Rüde).
    Laufen wir an der kurzen Leine, dann schaut er immer nur auf den Boden und nach vorne, aber nicht wie andere mal zu Herrchen oder Frauchen hoch.
    An der Schleppleine siehts ähnlich aus, hier lässt er sich zurück rufen und mit Leckerlie belohnen wenn die Umgebung gerade nicht spannender oder interessanter ist. Sieht er allerdings einen anderen Hund oder schnüffelt ganz aufgeregt an einem Mauseloch, dann kann man ihn rufen und locken wie man will. Er reagiert dann gar nicht. Bei einem anderen Hund geht er ab wie eine Rakete, da will er dann unbedingt hin und spielen und man selbst hat nur das Nachsehen. Deshalb läuft er meistens an der 20 m Schleppleine, denn so kann er sich frei bewegen und wir haben totzdem noch eine gewisse Kontrolle über ihn.

    In der Hundeschule waren wir auch immer diejenigen die besonders aufgefallen sind, da der Herr meinte er muss immer seinen Dickkopf durchsetzen und Kommandos nur ausführen wenn er Lust darauf hat. Da machen alle schön brav sitz und bleib und bleiben auch tatsächlich wo sie sollen, nur er meint wieder gehen zu müssen sobald man sich ein wenig entfernt hat.

    Wenn er aber merkt, dass wir uns von ihm entfernen und in die andere Richtung laufen, dann kommt er nach kurzen Überlegen auch wirklich angerannt. Wir sind im also nicht völlig egal. Ich erwarte nicht von meinem Hund, dass er mich beim Gassi ständig anschaut oder sich nicht mehr als 1m von mir entfernt, sondern einfach nur, dass er trotz Ablenkung besser auf mich und meine Freundin reagiert.

    Ob das am Alter liegt? Kann sein, ich weiß es nicht. An Vorschlägen zum stärken der Bindung wäre ich interessiert.

    Mfg

  • Zitat

    Ich denke mal der hat die Schnauze voll, m.M. machst du zuviel mit ihm, Lass ihn mal 8 Tage in Ruhe und mache weniger, dann wird das auch wieder.

    Dagegen spricht, dass er mich gg. Nachmittag selbst immer auffordert, etwas zu tun. Dann will er toben oder rüpeln, mir schick in die Hand beißen, zerren, so Dinge eben. Und ich betreibe Übungen, bspw. Suchen ja auch nicht bis zum Erbrechen sondern beende das schon, bevor er die Lust daran verliert. Nur ist es eben so, dass wenn wir nicht mehr nur zu zweit sind, alles andere interessanter ist und ich da kaum dran rütteln kann.

    dakenacela: Diese Herangehensweise kenne ich sonst eher aus dem Umfeld "Hund will Herrschaft und soll erfahren, wer die Hosen anhat". Warum ist da ein Zusammenhang mit meinem Fall?

    Wir sind in einer HuSchu mit fast nur HSH, doch trotzdem war es bei uns gestern schon besonders extrem. Trainer hat auch gleich erstmal mangelnde Bindung diagnostiziert, die Baustelle ist also auch an der Huschu schon aufgemacht.

  • Zitat

    Nur ist es eben so, dass wenn wir nicht mehr nur zu zweit sind, alles andere interessanter ist und ich da kaum dran rütteln kann.

    Lies dir den Satz noch 3 mal durch :D
    DEIN Hund bestimmt, wann er was von dir will und was er interessant findet. Du "biederst" dich an, bist dankbar für jede kleine Aufmerksamkeit und trägst ihm den Popo hinterher ... mal überspitzt gesagt.

    Warum sollte er nach dir schauen ? Du achtest doch ständig auf ihn !

    Gruß, staffy

  • Hmmm, also der Zusammenhang ist mir nun wieder unbekannt...und das mein Hund hier die Herrschaft an sich reisst, war eigentlich auch in meiner Hundeschule nie Thema.
    Es geht nur darum, dass Teddy klar werden sollte, dass ich nicht selbstverständlich immer zur Verfügung stehe, wenn ihm danach ist, sondern dass Aufmerksamkeit und Zuwendung halt etwas besonderes sind. Es war schon wirklich so, dass der Zwerg hier Mittelpunkt im Haus ist, bei fünf Familienmitgliedern ist halt immer eine Hand zum Streicheln da, irgendwo kommt immer ein Leckerlie vorbei, für Aktion ist auch immer jemand zu haben. Und wenn ich tagsüber allein mit ihm bin, machen wir natürlich auch viel zusammen, er ist immer mit da, wo ich bin. Und warum sollte man sich um etwas bemühen, was sowieso immer da und somit schon langweilig ist?
    Und so, wie Du erzählst, bist Du ja für Deinen Hund auch immer zur Verfügung, bemühst Dich um seine Aufmerksamkeit und machst, so wie Bentley das ja auch schon sagte, so viel, dass es ihm schon quasi "zum Hals raus hängt". Du bist einfach nichts besonderes mehr für ihn, so wie ich nicht für Teddy, und das sollte mit den Tipps der Trainerin wieder geändert werden.

    LG Sonja

  • Ich verstehe euren Ansatz, aber ich glaube immer noch nicht, dass er zuviel Aufmerksamkeit bekommt. Denn mir ist die Problematik eigentlich bekannt und ich achtete darauf, auch nicht zu viel Aufmerksamkeit wegen jeder Kleinigkeit zu schenken. Ich sehe andere Hundehalter, die sprechen immer mit Babystimme mit ihrem Hund und knuddeln und machen den ganzen Tag - und trotzdem scheint mehr Bindung da. Typisches Erziehungsdilemma. Zwischen "ich mache zuviel" und "ich mache zu wenig" ist alles möglich und vor allem große Ratlosigkeit.

    Zumindest glaube ich schon, dass unter den vielen Dingen im Leben ich für den Hund der im Moment uninteressantere Part bin.

    Zitat

    Lies dir den Satz noch 3 mal durch :D
    DEIN Hund bestimmt, wann er was von dir will und was er interessant findet. Du "biederst" dich an, bist dankbar für jede kleine Aufmerksamkeit und trägst ihm den Popo hinterher ... mal überspitzt gesagt.

    Ja, aber das "nicht daran rütteln können" bezieht sich natürlich vor allem auf Situationen, wo ich unbedingt was von ihm will, Hundeschule zum Beispiel. Ansonsten halte ich es so, dass ich ihn zum Beispiel nicht abrufe, wenn es sinnlos ist (es gibt bspw. interessanteres und ich ohne Einfluß->Schleppleine). Das spare ich mir dann.

  • Zitat


    Ist das die Jugendzeit? Was wir mit dem Hund machen, ist schon ein bißchen was und ich will und kann ihn aber nicht vollzeit-bespaßen.

    Flegeljahre :smile: Klare Ansagen, klare Regeln stärken die Bindung. Der Hund wird sicherer. Du mußt nicht immerzu etwas mit ihm veranstalten. Dein Hund hat zu viel Abwechslung, Hunde sind pragmatisch. Sie gehen lieber immer den selben Weg, spielen die selben Spiele und liegen in der selben Ecke. Unser jetztiger Hund war mit etwa 15 Monaten abrufbar von anderen Hunden. Das kam wie von selbst.

  • Deine Schilderungen dürften hier allen früheren Welpen- und Junghundebesitzern mal mehr, mal weniger bestens bekannt sein: Hund in der Pubertät!

    Dein Hund wird erwachsen, sucht „seinen“ Platz im eigenen Rudel und in der Hun-dewelt.

    Ich hatte dieses manchmal zweifelhafte „Glück“ mit zwei Hündinnen und zuletzt jetzt mit Rusty – und zwar rund unendlich dauernde 5 Monate lang: Die Ohren waren auf Durchzug gestellt, Sitz und Platz z. B. wurden, wenn überhaupt, nur noch zögerlich und dann meist nur unter vorherigem, demonstrativen Anpinkeln des nächstbesten Objekts (auch wenns ein „Hosenbein“ war), ausgeführt. Konzentration, Aufmerksamkeit und Lernfähigkeit waren gleich Null. Beim Abruf, der bis dahin bestens funktio-niert hatte, war es schon ein Erfolgserlebnis - für mich! - wenn er sich nach einer Ehrenrunde großzügiger Weise in meine Richtung bequemt hat. Was das „Einfan-gen“ betraf, zog jeder Trick trotz sonstiger absoluter Lernschwäche merkwürdigerweise nur einmal, beim zweiten Mal wußte der Herr was kam und ging weiter seiner Wege. Andererseits war er in dieser Zeit auch überempfindlich: Hatte ich ihn einmal zu laut angesprochen, ist er zusammengezuckt und hat sich winselnd auf den Rücken geschmissen. Versehentliches einmal auf einige Häarchen der Rute treten, hatte großes Gekreische zur Folge, bekam er seinen Willen nicht, war er zutiefst beleidigt und hat mich dann teilweise tagelang mit absoluter Nichtachtung gestraft.

    Interessant und manchmal hochpeinlich war auch, wie sich sein Verhalten gegenüber anderen Hunden geändert hat: Hatte er bislang immer schön friedlich mit anderen Hunden, auch Welpen, gespielt, wurde sich jetzt machomäßig in die Brust geworfen, angepöbelt werden mit zurückpöblen beantwortet und mit anderen gleichalterigen, vornehmlich Rüden, unter teilweise lautem Getöse gerauft was das Zeug hielt, gleichwohl und glücklicherweise ist es nie ernsthaft geworden. Welpen werden seither nicht mehr beachtet, sondern als lästig angesehen. Lustig war es dann, wenn er Hündinnen mit geschwellter Brust hintergestelzt ist und Nebenbuhlern, die ihn in die Schranken gewiesen haben, aus gebührender Entfernung beleidigt nachgekeift hat.

    Auch wenn diese 5 Monate mit einem Macho und Weichei in Personalunion nicht leicht waren und man - empfindlich geworden - meint, mit seinem Untier nur noch peinlich aufzufallen, haben mich vor allem die ungefragten Ratschläge anderer Hundehalter (von „Sturheit rausprügeln“ über „ein ordentliches Stachelhalsband“ bis „Te-letac“ war wirklich alles dabei) und deren Unverständnis für meine „viel zu lange Leine“ und die Tatsache, daß ich meinen „Raufbold“ nach wie vor frei habe laufen und raufen lassen, genervt.

    Mein Tierarzt hat mit bei meiner ersten Hündin, die rund ein ¾ Jahr ihre pubertäre Phase hatte, geraten, mich - auch wenn sie mich zur Weißglut treibt - nicht zu Wutausbrüchen hinreißen zu lassen sondern, immer daran denkend, daß derjenige als Chef anerkannt wird, der souverän, überlegt und vorausschauend handelt, solche Lächerlichkeiten mit Humor zu nehmen, Frechheiten mit Mißachtung abzustrafen und einmal gesetzte Regeln beizubehalten. Verbale oder gar körperliche Angriffe wären für die Entwicklung des Hundes absolut negativ.

    Mit der Zeit und vor allem mit Erfahrung wird man natürlich auch gelassener, im Nachhinein war es zwar anstrengend, hat sich aber gelohnt: Ich habe heute einen Hund, der absolut sozial- und umweltverträglich ist, gelassen auf Pöbeleien anderer Hunde reagiert, daher größtmögliche Freiheiten genießt, aber immer noch seinen Kopf und Charakter hat. Auch wenn ich ihn mittlerweile nicht mehr dabei erwische, weil er es offensichtlich geschickt angstellt, schafft er es durch einmaliges kurzes Fixieren offenbar immer wieder, andere Hunde an der Leine zum Ausrasten zu bringen, um dann seinerseits hierauf absolut gleichgültig zu reagieren und für dieses vorbildliche Verhalten das Lob und die bewundernden Blicke anderer Menschen zu bekommen. Diese Marotte zeigt er ausschließlich vor großem Publikum, vorzugsweise in der Fußgänzerzone oder auf dem Markt.

    Also, Kopf hoch und durch..... Gruß Steffi

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