Soll ich mich lieber doch auf mich verlassen?

  • Zitat

    Auf der Hacienta ist er mit anderen Hunden und Pferden aufgewachsen. Er wurde dort betüddelt und hatte denke ich allerdings auch viele Freiheiten, er war bis zu seinem 7. lebensmonat da.

    Die Leinenagression ist so, dass er Hunde schon von weitem anfixiert, und dann, wenn der Hund parallel zu uns ist, wird er verbellt. Dabei hat er stets einen Iro. Bei Motorrädern ist es ähnlich.

    Die Unsicherheit bezieht sich zum einen auf Hundekontakte. Wenn z.B. ein Hund mit offensichtlicher Spielabsicht auf uns zu gerannt kommt, dann spielt er zu 90 % immer mit, egal, ob Rüde oder Hündin. Ist ein anderer Hund ruhiger, und Oskar hat mehr zeit sich reinzusteigern, gibt es zoff.
    Außerdem ist er Menschen gegenüber unsicher, er tastet sich sehr vorsichtig an leute ran, und schreckt zurück, wenn diese ihn Streicheln wollen. Das ist auch noch teilweise bei uns so.


    So wie du es beschreibst ist er einfach nur unsicher. Tobeabsichten kennt er, Rest kann er nicht einschätzen.
    Ich weiß es schreibt sich immer so leicht, lasse nicht zu, dass er fixiert. Drehe dich schnell und kommentarlos um und gehe in eine andere Richtung. Gibt Oskar Ruhe und konzentriert sich auf dich, dann bestätige das Verhalten. Das Problem mit fremden Menschen habe ich auch. Da hilft nur die Zeit, jede Menge Leckerchen und starke Nerven. Ganz abbauen wirst du das Verhalten nie können, allerding ist es möglich, dass Oskar lernt, dass nicht alle Menschen schlecht sind.
    Und ansonsten Ruhe bewahren. Die Südländer sind in der Regel sensibler und auch ein stückweit intelligenter. Getreu dem Motto "wer schreit hat Unrecht" reagieren sensible Hunde extrem auf übertreibenes Gebahren. Ruhe, Gelassenheit und liebevolle Konsequenz sind hier die Schlüsselwörter. Vertrauen musst du dir erarbeiten und verdienen, nicht erschreien. Deshalb sind auch viele HuPlä nicht die erste Wahl. Man kann einen Südländer nicht mit einem DSH oder sonst einer Rasse vergleichen.
    Zurück pöbeln würde ich nicht machen. Ende der Geschichte? Du merkst es ja selber...er kann sich nicht mehr auf dich verlassen, weil du für ihn nicht einschätzbar bist.
    Mach dir am besten einen Plan, wie du in gewissen Situationen verfahren willst. Und dann reagiere immer gleich. Pöbelt er, dreh dich um und gehe. Hört er nicht auf Rückruf, dreh dich um und gehe. Er muss lernen, dass es sinnvoll ist dir zu vertrauen.
    Wie hast du denn bisher mit ihm gearbeitet? Stetig übers Futter oder auch über Beute (Spieli)?

    Beste Grüße

  • Zitat

    Wie hast du denn bisher mit ihm gearbeitet? Stetig übers Futter oder auch über Beute (Spieli)?

    Wir machen zu Hause Suchspiele, und er krabbelt mit den Kids durch den Tunnel um die Wette, er lernt innerhalb kürzester Zeit tricks, allerdings ist seine liebste Beschäftigung zu Hause schlafen (podenco halt).
    Draussen interessiert er sich wenn überhaupt für Stöcke. Haben schon versucht ihn für ne Frisbee zu begeistern, aber alles uninteressant. wenn dann Apportiert er ne zeit lang Stöcke, aber nur im Garten, woanders ist er immer sehr abgelenkt, da muss nur ein rascheln sein im Gebüsch.
    Was er will ist immer erstmal nur RENNEN. Zum Glück haben wir 800m2 Garten wo es dann auch mal ohne Leine geht.
    Unterwegs wird sehr viel am "hier" gearbeitet, steh, sitz, bleib usw, was man halt so macht.

    Zitat

    Mach dir am besten einen Plan, wie du in gewissen Situationen verfahren willst. Und dann reagiere immer gleich. Pöbelt er, dreh dich um und gehe. Hört er nicht auf Rückruf, dreh dich um und gehe. Er muss lernen, dass es sinnvoll ist dir zu vertrauen.


    Ich drehe mich zwar nicht um, aber stelle mich vor ihn und belohne ihn mit Futter wenn er ruhig bleibt, das klappt meistens ganz gut, aber halt nicht immer.
    Was allerdings von anfang an super geklappt hat, war das verhältnis zu den Kids. Er hat eine sehr innige und vertrauensvolle Bindung zu den beiden,vorallem zu meinem Großen 5 Jährigen Sohn. Bei denen zeigt er keine Unsicherheit aber er will sich auch nicht behaupten.

  • Klar, es ist immer eine gute Idee noch mal mit jemandem zu sprechen, der Erfahrung mit Podencos und deren Mixen hat.

    Ich beschreibe dir mal meine Geschichte mit Timon. Seines Zeichens Teckel, also klar -- ganz andere Rasse. Aber eben auch Hund. Vielleicht ist die ein oder andere Anregung dabei

    Klein-Timon kam vor einem knappen Jahr zu mir. Timon hat anfangs dermassen an der Leine gepöbelt (obwohl sonst absolut verträglich), dass ich nicht mehr wusste wo mir der Kopf stand. Ich war nur froh, dass Kleinteil nur 7 kg wiegt und ich ihn wenigstens gut halten konnte. Er tickte komplett aus, wie ein Berseker, und war oft noch 30 Sekunden nachdem der andere Hund schon aus dem Blickfeld war, nicht ansprechbar.

    Trainer, Forum -- na ja, die übliche Odyssee. Alle guten Ratschläge umgesetzt -- absolut nichts gebracht. Mittlerweile, das war die einzige Macke, habe ich den Hund lieben gelernt und mir gesagt: okay, vielleicht finde ich irgendwann mal einen Weg -- aber jetzt anscheinend noch nicht. Ich muss mich zumindest auf die Möglichkeit einstellen, dass er immer ein Leinenpöbler bleiben wird. Und ich muss lernen, damit umzugehen und es erstmal zu akzeptieren.

    Ansonsten habe ich mich auf die guten Seiten meines Hundes konzentriert. Ihm viel beigebracht. Bei Menschenbegegnungen war er auch manchmal unruhig, hat aber nie gepöbelt. Also haben wir bei Menschen geübt: sitz und vorbeilaufen lassen. Dann ruhig an der Leine vorbeigehen. Später das ganze dann in geeignetem Gelände ohne Leine.

    Nach und nach wurde auch die Leinenpöbelei etwas (!) besser. Aber weit entfernt von gut.

    Eines Abends hat er wieder mal so einen "Anfall" gehabt. Da ist es -- wirklich als Reflex einfach mit mir durchgegangen und ich habe ihn kurz mit voller Lautstärke angebrüllt: Himmeldonnerwetternochmal!!! Ich habe den Hund vorher und nachher nie wieder angebrüllt, das ist einfach so passiert und es hat mir auch sofort leid getan -- aber es hat Eindruck gemacht, vielleicht weil ich sonst eher sehr leise mit ihm spreche. Danach wurde es wieder spürbar besser, aber noch nicht gut.

    Dann haben wir, nachdem wir mit der Hundeschule durch waren, angefangen mit Mantrailing. Macht uns beiden Spass und Timon ist ein Supertalent. Ich bin so stolz auf meinen kleinen Hund und mein Hund ist stolz wenn er merkt dass ich stolz bin. Und wieder wurde es besser. Noch nicht ganz gut, aber fast.

    Heute reicht meist ein leises "schschschsch", wenn ich merke er will fixieren im schnellen Wechsel mit einem freudigen "jaaaaa" wenn er das fixieren wieder lässt. Was ich auch gemerkt habe, was super funktioniert: wenn wir ohne bellen und pöbeln vorbei sind: nicht nur ein Leckerli -- sondern Zeit nehmen. Ich gehe in die Hocke und füttere ihm langsam (!) drei. vier kleine Leckerli und spreche ganz ruhig und freundlich mit ihm. Ähnlich wie beim Mantrailing wenn er die Versteckperson gefunden hat. Dann dauert die Belohnung länger und er konzentriert sich ganz auf mich und ist wieder ganz bei mir.

    Irgendwann kam mal so ein (nicht unfreundlicher) aber grobmotorischer und rücksichtsloser junger Großhund auf ihn zugestürmt. Ich hatte einfach keinen Bock drauf und habe ganz spontan (und deshalb wohl überzeugend) mich vor meinen Hund gestellt und den anderen mit einem energischen: "verschwinde" weggeschickt. Der ist auch abgezogen. Timon hat mich danach angeschaut als wäre ich sein Held in der schimmernden Rüstung. Das war echt witzig.

    Seitdem ist pöbeln die Ausnahme, und wenn, dann nur noch kurz.

    Mir wurde auch gesagt, Timon sei ein Draufgänger und ich müsste mich durchsetzen. Vielleicht ist er das manchmal. Aber irgendwann hatte ich das Gefühl, dass das so nicht stimmt -- dass er eher ein Sensibelchen ist -- und habe angefangen, ihn entsprechend zu behandeln. Sehr ruhig und sehr respektvoll (dennoch mit freundlicher Konsequenz). Ich habe nie explizit an der Leinenpöbelei gearbeitet, weil alles, was direkt darauf ausgerichtet war, nichts gebracht hat. Ich habe mich auf unsere Beziehung konzentriert und ihn beschützt und mich ansonsten auf meine Intuition verlassen.

    Und heute können wir ziemlich entspannt spazieren gehen. Es gibt nur noch wenige Ausrutscher.

    Ich bin übrigens eine Zeit lang nicht mit ihm durch die Stadt gegangen (obwohl er auch beim Vorbesitzer ein "Stadthund" war). Das hat sicher auch geholfen. Ich habe "Stadt" erst vor ein paar Wochen langsam wieder aufgebaut.

  • Zitat

    Mir wurde auch gesagt, Timon sei ein Draufgänger und ich müsste mich durchsetzen.


    Ich finde sowas ist immer schnell gesagt in den Hundeschulen etc. Irgendwie habe ich ein besseres Gefühl dabei auf meinen Bauch zu hören mittlerweile. Und es ist wirklich so, wenn ich entspannter bin, ist Oskar es auch. Diese Verkrampftheit unterwegs, alles umzusetzen,was mir geraten wurde hat alles nur schlimmer gemacht.
    Auch wenn ich manchmal am liebsten wieder die Wasserflasche mitnehmen würde aus lauter Verzweiflung. :headbash:

  • So, jetzt wollte ich mich gerne nochmal melden, um zu berichten, wie es weiter gelaufen ist.
    Wir hatten jetzt 3 Wochen keine Huschu, und ich empfinde meinen Hund als wesentlich enspannter irgendwie. Da ich die methoden alle weg gelassen habe, die mir geraten wurden.
    Statt dessen habe ich mich mit dem Thema "zeigen und benennen" mehr befasst, was hier ja auch als Vorschlag kam.
    Dabei habe ich aber den Clicker weg gelassen, da ich schon öfters mal damit arbeiten wollte, aber ich den Eindruck habe, dass Oskar sich nicht für den Clicker interessiert.
    Ich bin ja eh schon sehr interessant unterwegs, da ich ihn mit der Hand füttere, und ich finde es immer so umständlich Leine,Leckerli, Clicker zu händeln.
    Dafür habe ich jetzt begonnen, wenn ein Hund kommt, mir einen Ast abzufreuen, und zu sagen :"Kuck mal Oskar, wie fein, ein Hund". Bei dem Wort FEIN denkt er sowiso immer nur ans essen, kann man also wie ein Click geräusch sehen.
    Dabei gab es immer was Leckeres in die Schnute, wenn er mich angesehen hat, und das Fixieren unterbrach.
    Ich muss sagen mein HUnd lernt sehr schnell (hoffentlich freue ich mich nicht wieder zu früh). Er hat vielleicht noch 2 von 10 Hunden trotzdem angebellt.
    Mit dieser Methode habe ich es diese Woche sogar geschafft, einen Hund den wir abends immer um die gleiche Zeit sehen, den er anfangs gehasst hat, zu seinem Freund zu machen. Erst hat er nicht mehr gebellt, einen Tag später nicht mehr ihn anfixiert, dann wurde der andere schon fast ignoriert, und Mittwoch habe ich (mit einverständnis des anderen HH), Oskar mal näher dran gelassen, und was soll ich sagen... sie haben zusammen gespielt. Oskar hat sich auf dem restlichen Nachhauseweg, noch einen abgefreut, dass er soo mutig war.
    Das hat mir nur wieder gezeigt, dass mein Hund keine Agressionen hat, wie es schon erwähnt wurde.
    Für mich steht jetzt feste, dass ich mir keine Ratschläge mehr von Trainern geben lasse, die kaum oder wenig Ahnung von Podencos haben.
    Es hat lange gedauert,aber jetzt habe ich glaube ich einen guten weg gefunden meinen HUnd besser zu verstehen.

  • hallo
    wir haben keinen südländer,aber auch einen mit den eigenschaften super sensibel,sehr inteligent, und eigenständig.
    und uns gehts ähnlich wie was verhalten anderen hunden gegenüber angeht
    ich habe jetzt 1,5 jahre mit sam,ein hütehundmischling, geübt ruhig an anderen hunden vorbei zu gehen.
    wir haben so ziemlich alle von trainern/hundeschulen empfohlene übungen durch.
    so richtig geholfen hat nichts.
    es wurde besser,aber dann auch tageweise wieder schlechter,es gab viele rückfälle und
    nach 3 vorfällen,bei denen sam ,er war angeleint,von freilaufenden hunden(die von ihren besitzern nicht abrufbar waren) angegriffen wurde,ist er sehr unsicher geworden.
    ich selbst bin recht änsgtlich,sam ist herzkrank und ich habe ständig angst um meinen kleinen.das macht das ganze sicher auch nicht einfacher... inzwischen suche ich mir zeiten zum laufen wo ich weiß wen ich treffe o. wo ich ganz allein im wald unterwegs bin.

    eine lösung ist dies allerdings nicht

    bei hunden die er kennt(von unseren waldgängen),die wir oft treffen, klappt das vorbeigehen eigentlich .... wenn man ihn vorweg anspricht und ablenkt.
    auch übungen wie z.b. mit dem anderen hu8ndehalter ein paar worte wechseln und beide hunde liegen zu unseren füßen,klappt auf abstand,ca 2 m. gut.sam beruhigt sich dann relativ schnell.

    wir haben jetzt noch einmal einen termin mit einer trainerin.mir ist bewußt das ich an mir arbeiten muß und vom bauch her ist auch das gefühlt das es mit sammy dann besser wird.
    mir fehlt einfach die anregung wie ich meinem hund mehr sicherheit geben kann,allein finde ich dafür leider keine lösung.

    bis auf dieses sicherheit geben ist unsere beziehung sehr gut.

    lg kirsten

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