Hilfe bin mit meinem Latein am Ende... Wer kann helfen ?

  • FRAGE: UNGEWÖHNLICHES UND ÄNGSTLICHES VERHALTEN EINES PARSON-JACK-RUSSEL MIX
    Servus,

    ich wende mich heute mit folgender Frage an Euch: Wir haben aus einem spanischen Tierheim eine ca. 3 Jahre alte Parson-Terrier-Mix Hündin. Sie ist ein ganz wunderbarer Hund, ist zuhause lieb, folgt und ist absolut anhänglich und verschmust. Mir würde Sie (das Gefühl habe ich) nie etwas tun.

    ABER: Ich bin mittlerweile schon ziemlich angestrengt, auch wenn ich den Hund versuche dies nicht spüren zu lassen. Das Verhalten meiner Hündin ist ausserhalb der Wohnung völlig konträr zu innerhalb der Wohnung. Sie bellt, knurrt und fletscht wirklich angsteinflössend alles, aber wirklich alles und jeden an. Große und kleine Hunde, sämtliche Menschen, Kinder (extremst) - es ist wirklich anstrengend und im Moment nicht so schön mit Ihr Spaziergänge zu unternehmen - ich kann Sie niemals - auch nicht für kürzeste Zeit von der Leine lassen, da man Sie überhaupt nicht einschätzen kann.

    Es gibt verschiedene Möglichkeiten: Entweder schlägt Sie sofort sehr laut Krach und Alarm wenn Sie irgendein Objekt sieht, oder Sie ist erst sehr ruhig, wedelt mit dem Schwanz und gibt Menschen das Gefühl Sie wäre freundlich gestimmt. Sie geht dann auf die Menschen zu - selbst wenn diese Ihr ein Leckerli geben und in die Hocke gehen, schiesst Sie plötzlich nach Sekunden völlig aggressiv hoch und führt sich auf wie eine Kampfmaschine. Nur weil die Leute immer vor lauter Schreck wegspringen ist bisher noch nichts passiert. Alleine heute hat Sie dies ca. 8 mal bei verschiedenen Menschen gemacht. Ich mag Sie schon gar nirgends mehr hinlassen weil ich Sie nicht einschätzen kann. Sobald Sie mit mir alleine zuhause ist, ist Sie wie eine Katze. Sie kann nicht genug schmusen und bellt den ganzen Tag nicht einmal.

    Ich habe mir bereits zur Unterstützung eine Hundetrainerin geholt, die Einzelstunden mit Ihr macht. Ich habe alle Ratschläge der Trainerin befolgt - von Bellen ignorieren (bringt gar nichts - wird immer mehr) , über Hund hochnehmen und wegdrehen damit Sie den Auslöser der Situation nicht mehr sieht ( hat auch gar nichts gebracht Sie knurrt und bellt weiter) - bis hin zu Umdrehen und auf den Rücken legen, sowie die Schnauze zuhalten (ich finde das ganz furchtbar - aber ich habe wirklich alles ohne Erfolg probiert). Das habe ich heute 5 mal gemacht, gebracht hat es auch gar nichts ...

    Ich habe Sie nie gehauen und immer versucht Sie für alles positive zu loben bzw. bei negativen Verhaltensweisen keine Aufmerksamkeit zu geben und konsequent zu sein.
    Nun in ich mittlerweile am Ende mit meinem Latein und meiner Kraft - ich hoffe irgendjemand kann mir hierzu noch einen Rat geben. Ich kann mich doch nicht mit diesem tollen Hund 24 Stunden zuhause in der Wohnung einschliessen ?

    Ganz herzlichen Dank im voraus aus München / Holger

  • Leider bist du an eine schlechte Trainerin geraten; wahrscheinlich hat sich das mit dem - auf den Rücken drehen und Schnauze zu halten - noch verschlechtert.
    Warum läßt du sie zu fremden Menschen :???: ich würde zügig mit dem Hund an den Leuten vorbei gehen.
    Viell. kann dir hier jemand aus dem Forum, einen guten Trainer in deiner Gegend, empfehlen.

  • hallo holger,

    was die trainerin betrifft, schliess ich mich bentley an: alles was dazu geeignet ist, dem hund noch mehr angst zu machen oder noch mehr in aufregung zu versetzen, wird das verhalten nicht verändern.

    der sog. alphawurf (auf den rücken drehen) und er sog. schnauzgriff fällt genau in die kategorie.

    ich finds gut, dass du das selber schon so siehst.

    wer weiss schon, was deine hündin schon alles erlebt hat. event. kommt ihr verhalten aus der summe von vielen über jahre gemachten schlechten erfahrungen.

    das kann unter umständen lange dauern, bis sie dieses verhalten ablegen kann - und bedarf viel zeit und geduld.

    am besten könnte dir hierbei ein trainer helfen, der bereit ist, mit dir länger zu arbeiten und vorallem, auf alphawurf und co. verzichtet.

    bis du so einen trainer gefunden hast - ich denke, es werden noch empfehlungen kommen - wäre es wohl zu empfehlen, dass du deine hündin aus für sie bedrohlichen situationen möglichst raushältst.

    lass definitiv keine menschen oder anderen hunde draussen mehr zu ihr - auch nicht, wenn die menschen in bester absicht mit leckerchen ankommen. das ist ihr zuviel - du merkst es selber. bevor du es so probieren kannst, musst du viele schritte "zurück" machen.

    versuch mal, rauszufinden, ob es einen "wohlfühlabstand" gibt - sprich: wie weit muss man von dem "objekt" weg, damit sie ruhig bleiben kann. (das kann sehr sehr weit sein!). da fängst du an. du bestätigst jedes ruhig bleiben. immer. mit leckerli, mit verbalem lob, mit allem, was deine hündin als belohnung empfindet - ohne sich hochzuschaukeln.

    ziel ist es, dass sie einen abstand akzeptieren kann in dem sie "böse dinge/objekte/menschen/hunde" ruhig betrachten kann - bzw. gar nicht beachten muss. es kann sein, dass deine gassi-gänge dann eine zeitlang eher einem "weglaufen" ähneln - ist natürlich lästig und doof - aber dennoch wichtig. deine hündin wird irgendwann tatsächlich gelassener werden - sie wird lernen, dass man weggehen kann, dass man sich nicht aufregen muss - eben weil herrchen dafür sorgt, dass der wohlfühlabstand immer eingehalten wird. diesen kann man dann ganz ganz langsam verkleinern.

    aber bevor du mit verkleinern anfängst, solltest du wirklich nochmal eine/n trainer/in hinzuziehen.

  • Danke für Die Antwort Euch beiden, ich habe gerade schon auf die erste Nachricht geantwort - Sie ist hier aber leider nicht sichtbar, ich versuche es nochmal ...

    Den Alphawurf hat die Trainerin nicht empfohlen - ich habe das gelesen und habe dies gestern ausprobiert. Das war das erste und einzige mal. Ich dachte mir ebenfalls das dies absolut nicht förderlich ist und habe es deshalb auch bisher unterlassen. Gestern war ich jedoch wirklich fix und fertig und dachte ich komme mit diese Hund vom Spaziergang nicht mehr heim ohne dass er jemanden anfällt !

    Ich lasse Sie nicht zu fremden Menschen. Dies sind Freunde und Familie die Sie kennt und vor Freude mit dem Schwanz wedelt. Alles scheint ok, Sie geht selbst hin wann Sie mag und bleibt ruhig sitzen. Wie ich beschrieben habe springt Sie dann aus unerklärlichen Gründen plötzlich auf die Hinterbeine und greift an ...

    Ich habe von meiner Trainerin eigentlich einen sehr guten Eindruck bisher. Das mit dem Wohlfühlabstand könnte tatsächlich sein. Ich habe dies auch beobachtet. Da Sie sehr gut sieht und hört scheinen dies ca. fast 50 m zu sein. Da ich in der Innenstadt wohne gibt es natürlich immer wieder etwas was Ihren Weg kreuzt. Auch wenn ich ganz bewusst Routen und Wege gehe die ruhig sind um Stress für Sie zu vermeiden.

    Natürlich gehe ich auch zügig weiter wenn das Verhalten von Ihr beginnt, ich spreche mit Ihr - lenke Sie ab. Es funktioniert nicht. Man kann Sie dann fast nur noch wegzerren (furchtbar) oder hochheben und zähnefletschend wegtragen ... daran zu denken Sie von der Leine zu lassen ist unmöglich. Manchmal steigert Sie sich so hinein, dass Sie sogar vor Ihrem eigenen Schatten erschrickt bzw. von einem Blatt das umherfliegt.

    Könnte es eigentlich prinzipiell damit zu tun haben, dass Sie an der Leine ist. Ich habe das Gefühl, wenn wir ganz alleine auf einem Feld sind und ich Sie tatsächlich einmal laufen lasse, ist es besser. Habt Ihr damit Erfahrungen ? Im voraus ganz ganz herzlichen Dank für Eure Hilfe.

  • event. wirklich auch mal beim TA vorstellen - und mal fragen, ob die schilddrüsewerte in ordnung sind. ich nehms fast an, denn soweit ich mitbekommen hab, ist sie in allen anderen situationen zuhause ruhig? (wenn z.b. besuch kommt?)

    du schreibst, du hast den starken eindruck, sie würde tatsächlich zubeissen? aber ohne leine eher nicht?


    lies dir mal das durch

    https://www.dogforum.de/leinenaggression-t61551.html

    da kannst du vielleicht einiges übernehmen.

    ist aus der ferne immer schwer, zu raten.

  • Ich kann mich nur anschließen: der Hund sollte schnellstens einem guten Tierarzt vorgestellt werden.

    Ich würde mich auch noch einmal mit den PflegerInnen im Tierheim auseinandersetzen. Vielleicht gab es hier schon Beobachtungen und / oder Informationen zur Vorgeschichte.

    Vielleicht schauen Abessinnerin, Schlaubi oder Marion noch rein ... da könnten auch noch ein paar gute Tipps bei rumkommen.

  • Guten Morgen,

    ich möchte mich ganz herzlich bei Euch für Eure Anregungen bedanken. Ich war letzte Woche mit Ihr bei einer sehr guten und engagierten Tierärztin, die sich auch sehr viel Zeit für Sie genommen hat. Es ist alles in Ordnung.

    Es scheint einfach so als würde Ihr Alles in jeglicher Form, dass sich mir bzw. uns auf 50 m Nähe nähert und sei es ein Blatt im Wind nicht passen - aber wie gesagt, das geht ja im normalen Alltagsleben nicht. Ich kann mich ja nicht die nächsten 6 Monate mit Ihr zuhause einschliessen.

    Wie ich geschrieben habe ist Sie unglaublich schwer einzuschätzen - auch Auslöser sind in diesen Situationen schwer zu erkennen. Es kann sein, dass Sie bei Besuch zuhause ganz lieb ist und gar nichts macht und dann passiert es plötzlich wieder. Oder, man trifft auf der Strasse einen Freund, den Sie kennt und mag und alles scheint bestens - Sie freut sich, und plötzlich explodiert Sie ... mir ist schon klar, dass Sie Angst hat - nur wie ich geschrieben habe, ich bin mittlerweile ratlos ...

  • Zitat


    Es gibt verschiedene Möglichkeiten: Entweder schlägt Sie sofort sehr laut Krach und Alarm wenn Sie irgendein Objekt sieht, oder Sie ist erst sehr ruhig, wedelt mit dem Schwanz und gibt Menschen das Gefühl Sie wäre freundlich gestimmt.

    Dass andere Menschen nicht wissen was mit der Rute wedeln alles bedeuten kann, ist Alltag. Aber ich frage mich, ob DU um die Bedeutung weißt? Du gehst hoffentlich nicht davon aus, dass sie wedelt, weil sie sich freut?

    Zitat

    Sie geht dann auf die Menschen zu - selbst wenn diese Ihr ein Leckerli geben und in die Hocke gehen, schiesst Sie plötzlich nach Sekunden völlig aggressiv hoch und führt sich auf wie eine Kampfmaschine. Nur weil die Leute immer vor lauter Schreck wegspringen ist bisher noch nichts passiert.

    Es wird auch nichts passieren, solange die Menschen wegspringen, denn dann ist das Ziel dieser Aktion. Sie hat gelernt mit welchem Verhalten sie sich die Leute vom Hals hält und wendet es an. Solange Du da nicht erzieherisch tätig wirst - bzw. sie immer wieder hinlässt - wird sie diesen Weg weitergehen. Und ganz klar wird sie, wenn mal einer nicht mehr wegspringt, zum nächsten Schritt übergehen und dem das deutlicher mitteilen. Kurzum: Sie wird lernen ihre Zähne einzusetzen.

    Zitat

    Alleine heute hat Sie dies ca. 8 mal bei verschiedenen Menschen gemacht. Ich mag Sie schon gar nirgends mehr hinlassen weil ich Sie nicht einschätzen kann.

    Da frag ich mich: Warum lässt Du sie dahin?

    Zitat

    Sobald Sie mit mir alleine zuhause ist, ist Sie wie eine Katze. Sie kann nicht genug schmusen und bellt den ganzen Tag nicht einmal.

    Das heißt, sie knuddelt dauernd mit Dir? Folgt Dir? Fordert Zuwendung?

    Zitat

    Ich habe mir bereits zur Unterstützung eine Hundetrainerin geholt, die Einzelstunden mit Ihr macht. Ich habe alle Ratschläge der Trainerin befolgt - von Bellen ignorieren (bringt gar nichts - wird immer mehr)

    Logisch, denn ihr bestreben ist es Distanz zu den "gruseligen" Dingen zu schaffen. Und das bekommt sie ja hin. Wahlweise hauen die ab oder Du gehst mit dem Hund weg. Das Verhalten belohnt sich also dauernd von selbst.

    Zitat


    über Hund hochnehmen und wegdrehen damit Sie den Auslöser der Situation nicht mehr sieht ( hat auch gar nichts gebracht Sie knurrt und bellt weiter)

    Auch logisch: Warum sollte sie nicht weiter mitteilen, dass sie Distanz will. Sie sieht ja so noch nichtmal, ob das Gruselige näher kommt oder verschwindet. Also muss sie weiter "Geh weg" brüllen.

    Zitat


    - bis hin zu Umdrehen und auf den Rücken legen, sowie die Schnauze zuhalten (ich finde das ganz furchtbar - aber ich habe wirklich alles ohne Erfolg probiert). Das habe ich heute 5 mal gemacht, gebracht hat es auch gar nichts ...

    Nee, wird es auch nicht. Du kannst von Glück reden, dass sie Dich bei der Aktion nicht gebissen hat, denn ein derart gestresster Hund kann schnell in totale Panik geraten, wenn man ihm dann noch sagt, dass man ihm ans Leben will.

    Du solltest Dich nach einem anderen Trainer umschauen. Einem, der so arbeitet, dass der Hund lernt mit den beängstigenden Situationen umzugehen, indem er lernt es in einer bestimmten Distanz zu akzeptieren und ihm beigebracht wird sich zurückzuziehen, wenn es zu "eng" wird. Das Ganze wird nicht von heute auf morgen funktionieren, dass das andere System bereits gut etabliert und sehr gut antrainiert ist.

    Ich hätte da noch eine Frage: Wie lastest Du Deinen Jagdhund eigentlich aus? Terrier sind ja massive Sichtjäger und sind daher sehr augenorientiert. Ich könnte mir vorstellen, dass sie auch deswegen den Horizont im gut im Auge behält.

    Viele Grüße
    Corinna

  • Zunächst einmal: Nein, deine Trainerin ist mit Sicherheit nicht gut. Sie mag schon ein paar Erfolge erreicht haben, aber bestimmt nicht mit so genannten "Problemhunden".

    Für die Aggression gibt es meiner Meinung nach drei mögliche Auslöser:

    a) Gesundheitliche Beschwerden (= Unsicherheit durch Sehschwäche, etc.)
    b) Schlechte Erfahrungen (= Angriff ist die beste Verteidigung)
    c) Ressourcenverteidigung (= mein Mensch, nur mein Mensch! MEINS!)

    Ich wüsste nicht, wie es helfen sollte, dem Hund da die Schnauze zuzuhalten und/oder ihn auf den Rücken zu werfen. Was soll denn der Hund daraus schließen?

    Ich denke, Du kannst die Situation nur durch folgende Schritte wieder ins Lot bringen:

    a) Arzt aufsuchen, alles abklären lassen, inkl. Blutbild.
    b) Individualdistanz wahren, Ruhe bewahren:

    Halte dich im Abstand von etwa 10 bis 15 Metern zu anderen Menschen und Hunden, wenn Du Gassi mit deinem Hund gehst. Führe ihn an der Schleppleine, sodass Du ihn jederzeit _ruhig_ zu dir holen kannst, wenn Du eine gefährdung dieser Individualdistanz siehst.

    Ein Fremder hat deinem Hund kein Leckerchen zu geben, niemals.

    Dann würde ich beginnen, diesen Antrieb langsam auf mich selbst umzulenken. D.h. sobald etwas zu sehen ist, dass die Aufmerksamkeit deines Hundes auf sich lenkt, beginnen, den Hund auf dich zu lenken. Mit ihm sprechen, ihm "Schau!" beibringen, etc. Bis der Reiz vollständig auf dich umgelenkt ist. Das wird dauern, da Du schon einges hochgeschaukelt hast.

    Im Übrigen: Sieh dir bitte unbedingt auch Calming Signals (DVD) von Turid Rugaas an. Ein Hundehalter sollte wissen, dass Schwanzwedeln nicht unbedingt Freude signalisiert.

    Wichtig ist es, den Hund souverän _durch_ diese Situationen zu führen und zwar so, dass der Hund dir das "reden" überlässt. Das erreichst Du nicht, in dem Du den Hund auch noch zusätzlich maltretierst.

    Alles Gute.

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