Grundlose Aggression

  • Ich fände auch ganz wichtig den Hund, bevor man andere Maßnahmen ergreift, erstmal ärztlich untersuchen zu lassen.
    Ich kenne einige Hunde die als agressiv eingeschätz wurden die Probleme mit dem Bewegungsapperat hatten, z.B: HD oder Spondylose.

    Wenn das geklärt ist, wie sahen denn eure Korrekturen dem Hund gegenüber aus?

    Einem Hund der bekannt ist so zu reagieren das Spielzeug aus dem Maul zu nehmen und dann gebissen zu werden, fällt meiner Meinung nach unter "selber Schuld", auch wenn es den Angriff nicht bagatellisieren soll, da müsst ihr einfach aufpassen.

    Die Vorbedingungen für den Hund beim "Hersteller"waren ja schonmal mehr als schlecht, die Mischung ist hochexlosiv.
    Eure Vorbereitung war also nicht wirklich gut um es mal milde auszudrücken.

    Wo kommt ihr her? Vielleich tkennt ja hier jemand einen guten Trainer der nicht mit Brachialmethoden arbeitet.
    Aber wie gesagt, bitte, bitte, erstmal zum Tierarzt und den Bewegungsapperat, Schilddrüse usw abchecken lassen.

  • Zitat

    Leo, warte mal... soweit ich weiß sind unsicheres/ängstliches Verhalten, das sich ja auch im aggressiven .. angstaggressiven Verhalten äußert eines der der Dinge, die sich vererben....

    Angstaggressiver Hund?

    ;)

    Joah, könnte sein, daher mein Zitat zu den Eltern.
    Mein Gedanke war nun, wenn sie den Umgang/Erziehungsmethoden genauer beschreibt, eine vererbte (gesundheitliche?) Störung...
    Oder alles zusammen?
    Warten wir die Antworten erst mal ab.

    Gruß
    Leo

  • Ach ja, wenn ich lese dass ein 16 Monate alter Hund "von Anfang an Dominant" ist, dann gruselt es mich.
    Ich vermute totale Unwissenheit eurerseits was Hundeverhalten angeht, gepaart mit entweder Unter- oder Überforderung des Hundes.
    Darf ich mal frage wie ihr dem Hund die Dominanz abgewöhnt habt?

    Nicht böse gemeint, ist aber meistens das Problem bei solchen Verhalten wenn keine Krankheit zu Grunde liegt.

  • Zitat

    Ach ja, wenn ich lese dass ein 16 Monate alter Hund "von Anfang an Dominant" ist, dann gruselt es mich.

    Mich auch und er war erst 16 Wochen (!) jung. ;)

  • Ich versuche mal alles so genau wie möglich zu beantworten.

    Eins vorweg, ich habe eine wichtige Info vergessen: Bei Nico wurde vor ca. zwei Monaten eine vergrößerte Herzklappe festgestellt. Durch den Druck muss sein Herz schneller und stärker arbeiten, was auf Dauer zu einer Überbelastung führen kann. Eigentlich sollte dieses Gefäß zw. Herz und Lunge im August in einer OP geschlossen werden.

    Fangen wir mal so an, wir hatten vor Nico nur einen Hund, den wir auch ohne jegliche Erfahrung aufgenommen haben. Wir haben keinerlei schlechte Erfahrungen mit Funny gesammelt, sie hat nie gebissen und hat kein einziges Mal ein aggressives Verhalten gezeigt.
    Also kann ich ganz klar sagen, Erfahrung war im Nachhinein NICHT vorhanden.

    Die Leiterin der Welpenschule war gleichzeitig die erste Hundetrainerin von Nico.
    Kommandos lernen, bei Fuß gehen lernen sollte Nico mit Leckerlis, hat auch geklappt. Er hat auch gelernt, dass bestimmte Bereiche im Haus für ihn tabu sind, diese Grenzen überschreitet er auch nie.
    Den anderen Hundetrainer haben wir ausgesucht, als wir merkten, dass man allein mit Leckerlis nicht weiterkommt mit Nico. Er hat jeden unglaublich laut angebellt, wollte zur Begrüßung springen, aus Freude beißen. Wir hatten das Gefühl, die erste Trainerin konnte uns nicht so weit helfen.
    Der zweite Trainer hatte sonderbare Methoden, die aber funktioniert haben.
    - wenn Nico mich aus Freude anspringt und beißen will, in die Seite zwicken
    - wenn Nico schnappt oder leicht beißt, Schnauze packen, da lt. Trainer Dominanzverhalten
    - Wenn Nico nicht hören will oder zu lange und laut bellt, mit einer gefüllten lauten Dose schütteln

    Bei allen Befehlen war er aber von Anfang an „stur“, damit meine ich, dass die Befehle fast immer drei, vier Mal ausgesprochen werden müssen, bis er sich dazu durchringt zu folgen. Meistens kommt nach dem Ausführen ein murmelnder Knurrer, aber kein aggressiver, sondern eher so „ich will aber eigentlich gar nicht“. Teilweise steht er kurz nach einem „sitz“ einfach wieder auf, und stellt unsere Konsequenz auf die Probe.
    Das meine ich auch mit „Dominanz ausleben“, wir haben das Gefühl er will der Chef sein.
    Für nicht ausgeführte Kommandos wurde Nico nie bestraft, weil wir meistens so lange konsequent bleiben, bis er tut was wir wollen.

    Wenn Nico beißt, wurde meinem Vater beigebracht, den Hund zu Boden zu drücken, und solange zu warten, bis Nico sich „entspannt“. Ohne Gewalt, jedoch so, dass er den Hund für eine Weile im Griff hat. Dann den Hund „zur Strafe“ für eine ganze Weile an einer Stelle im Haus anleinen.
    Ihm wurde nie Essen weggenommen, er wurde nie geschlagen.

    Draußen verhält sich Nico gg.über anderen Menschen ganz normal, nur bei Hunden wird er aggressiv.
    Nico hat in bestimmten Situation auch schon öfter einen Maulkorb getragen, wir haben ihn spielerisch daran gewöhnt und er hat keine Probleme damit.
    Zur Auslastung kann ich sagen, dass der Hund drei bis vier Mal tgl. rauskommt, sich auch richtig auspowern kann, im Sommer fährt mein Vater zusätzlich mit ihm mit dem Fahrrad täglich längere Strecken.

    Wir haben das Gefühl, durch diese zwei Trainer, die so unterschiedliche Meinungen haben, unsicher zu sein, was der Hund natürlich merkt. Wir wissen nicht, in welche Richtung wir lenken sollen, und welche Erziehung die „Richtige“ ist, ganz klar haben wir einfach viel zu wenig, oder gar keine Erfahrung, aber wir wollen nicht aufgeben!

    Wir kommen aus dem Raum Regensburg. Vielleicht kennt jemand einen guten Trainer.
    Meine Eltern waren gestern noch bei der Tierärztin von Nico, sie bietet Verhaltenstherapien für aggressive Hunde und ihre Herrchen an. Evtl. wäre das eine Möglichkeit!?!?

  • Für meinen Geschmack klingt der zweite Trainer nicht gut.

    Aber mal zu den Befehlen, die er erst beim 3. oder 4. Mal ausführt. Was sind das für Befehle? Sitz, Platz? Kann es sein, dass er bei diesen Befehlen wirklich körperliches Unbehagen verspürt, durch eine Erkrankung wie HD, Spondyliose oder sowas.

  • Nochmal, bitte erstmal zum Arzt wegen des Bewegungsapperates bevor ihr irgendwas anderse macht.
    Einen Hund auf die Seite oder den Rücken legen ist veralteter Schwachsinn, der Hund entspannt nicht er hört auf zu zappeln um schlimmeres abzuwenden.
    Gebelle und andere Unarten mit einer Rappeldose abzugewöhnen spricht auch nicht für den Trainer.
    Alle Sachen die du aufzählst haben so wenig mit Dominanz zu tun wie ein Zebra mit einem Goldfisch.
    Wenn der Hund nicht in allen möglichen Situationen lernt dass "Sitz" heisst sitzenzubleiben, Platz" heisst liegenzubleiben und das in vielfachen Widerholungen, dann weiß er es nicht, das mit Dominanz abzutun ist ein Armutszeugnis für jemanden der sich Trainer nennt. Dem empfehle ich mal ein gutes, modernes Buch über das Lernverhalten des Hundes.
    Auch wenn ein Hund sich auf Befehl hinsetzt, heisst das noch nicht dass er es verstanden hat.
    Die Probe kannst du machen in dem du ihm den RÜcken zudrehst und den Befehl gibst.
    Setzt er sich nicht hin, hat er es nicht verstanden.
    EUch empfehle ich, das Buch "Agression beim Hund" von Renate Jones.
    Wie wird der Hund ausgelastet?
    Was macht ihr so am Tag mit ihm? Was heisst 3-4 x täglich raus? Was wird da mit ihm gemacht?

  • Zitat

    Ich versuche mal alles so genau wie möglich zu beantworten.

    Das ist super.


    Zitat

    Die Leiterin der Welpenschule war gleichzeitig die erste Hundetrainerin von Nico.
    Kommandos lernen, bei Fuß gehen lernen sollte Nico mit Leckerlis, hat auch geklappt. Er hat auch gelernt, dass bestimmte Bereiche im Haus für ihn tabu sind, diese Grenzen überschreitet er auch nie.

    Da ihr in der Welpenschule wart, frage ich nun, warum diese Trainerin noch in Einzelstunden genommen wurde?
    Hat es mit den Kommandos im Gruppenunterricht nicht geklappt oder zeigten sich schon damals erste Probleme?
    Falls ja, was hat sie geraten und was wurde gemacht?
    Oder bezog sich das auf die unten aufgeführten Probleme (Er hat jeden unglaublich laut angebellt, wollte zur Begrüßung springen, aus Freude beißen.)

    Zitat

    Den anderen Hundetrainer haben wir ausgesucht, als wir merkten, dass man allein mit Leckerlis nicht weiterkommt mit Nico. Er hat jeden unglaublich laut angebellt, wollte zur Begrüßung springen, aus Freude beißen.

    Was hat die Erste geraten?
    Der Hund hätte aus dem Geschehen genommen werden sollen.
    Ein Hund hat den Besuch nicht abzuchecken... das mal nebenbei.


    Zitat

    Der zweite Trainer hatte sonderbare Methoden, die aber funktioniert haben.
    - wenn Nico mich aus Freude anspringt und beißen will, in die Seite zwicken
    - wenn Nico schnappt oder leicht beißt, Schnauze packen, da lt. Trainer Dominanzverhalten
    - Wenn Nico nicht hören will oder zu lange und laut bellt, mit einer gefüllten lauten Dose schütteln

    Das sind Methoden aus dem alten Rom - abgesehen davon, dienen Hilfsmittel lediglich zur symptomatischen Behandlung.
    Der Hund wird erschreckt, zurechtgewisen für ein Verhalten, welches aus Sicht des Hundes normal ist, auch wenn nicht wünschenswert.
    Man hätte ihn VOR so einem Verhalten umlenken müssen bzw. ihm ein Abbruchkommando beibringen müssen.
    Nicht erst handeln, wenn der Hund längst agiert!
    Wie alt war der Hund zu dieser Zeit etwa?

    Zitat

    Bei allen Befehlen war er aber von Anfang an „stur“, damit meine ich, dass die Befehle fast immer drei, vier Mal ausgesprochen werden müssen, bis er sich dazu durchringt zu folgen. Meistens kommt nach dem Ausführen ein murmelnder Knurrer, aber kein aggressiver, sondern eher so „ich will aber eigentlich gar nicht“. Teilweise steht er kurz nach einem „sitz“ einfach wieder auf, und stellt unsere Konsequenz auf die Probe.

    Das klingt nach massiver Überforderung und Unsicherheit.
    Und: Er war nicht stur, sondern hat entweder gelernt, dass Kommandos dreimal gesagt werden müssen ("Sitz, Siiiitz, SITZ") oder er hatte es einfach noch nicht begriffen, was er tun soll.


    Zitat

    Das meine ich auch mit „Dominanz ausleben“, wir haben das Gefühl er will der Chef sein.

    Das hat nicht im geringsten etwas mit Dominanz zu tun!
    Siehe Erklärung!


    Zitat

    Für nicht ausgeführte Kommandos wurde Nico nie bestraft, weil wir meistens so lange konsequent bleiben, bis er tut was wir wollen.

    Sehr gut!

    Zitat

    Wenn Nico beißt, wurde meinem Vater beigebracht, den Hund zu Boden zu drücken, und solange zu warten, bis Nico sich „entspannt“. Ohne Gewalt, jedoch so, dass er den Hund für eine Weile im Griff hat.

    Das ist Gewalt und völlig kontraproduktiv, dadurch wurde der letzte Funken vertrauen gebrochen.
    Auch eine Methode aus dem alten Rom.
    Für den Hund ist das eine Form von Aggression, auf die er ggf. mit Gegenwehr reagiert.
    Was hat der Hund gelernt?
    Herrchen ist unberechenbar und aggressiv.


    Zitat

    Dann den Hund „zur Strafe“ für eine ganze Weile an einer Stelle im Haus anleinen.

    Diese Strafmaßnahme kann kein Hund mit seiner Tat in Verbindung bringen, also ist es Schwachsinn (sory für den Ausdruck)!

    Zitat

    Ihm wurde nie Essen weggenommen

    Sehr gut.


    Zitat

    er wurde nie geschlagen.

    Die anderen Methoden sind Gewaltakte!

    Zitat

    Draußen verhält sich Nico gg.über anderen Menschen ganz normal,

    Also bestehen die Probleme gegenüber den Familienmitgliedern, (ihr habt ja leider durch den falschen und inkompetenten Trainer falsche Tipps bekommen), mit denen der Hund durch Maßregelungen der aggressiven Art sehr schlechte Erfahrungen sammeln müssen.
    Das Fass ist übergelaufen.


    Zitat

    Nico hat in bestimmten Situation auch schon öfter einen Maulkorb getragen, wir haben ihn spielerisch daran gewöhnt und er hat keine Probleme damit.

    Super.


    Zitat

    Zur Auslastung kann ich sagen, dass der Hund drei bis vier Mal tgl. rauskommt, sich auch richtig auspowern kann, im Sommer fährt mein Vater zusätzlich mit ihm mit dem Fahrrad täglich längere Strecken.

    Geistige Beschäftigung? Bekommt er die auch?

    Zitat

    aber wir wollen nicht aufgeben!

    Das ist ein wunderbarer Ansatz!

    Zitat

    Wir kommen aus dem Raum Regensburg. Vielleicht kennt jemand einen guten Trainer.

    Ich leider nicht, aber du kannst einen neuen Thread schreiben und nach einem Trainer suchen!

    Zitat

    Meine Eltern waren gestern noch bei der Tierärztin von Nico, sie bietet Verhaltenstherapien für aggressive Hunde und ihre Herrchen an. Evtl. wäre das eine Möglichkeit!?!?

    Kommt auf ihre Kompetenzen an!
    Wie will sie vorgehen, was ist ihr Konzept?
    Welche Seminare hat sie belegt?

    Ist sie als Tierärztin noch nicht darauf gekommen, den Hund genauestens zu untersuchen?
    Das, was hier schon einige geschrieben haben?
    Das ist erst einmal Maßnahme Nr.1!
    Desweiteren kommt eine genetische Disposition infrage (Elterntiere ebenfalls aggressiv gegenüber Besuchern)

    Hier scheint einiges zusammenzukommen.
    Viel Unwissenheit (das meine ich wertfrei und ohne Vorwurf, niemand wird als Hundeguru geboren)
    Ein falscher Trainer, der mehr kaputt als heil machte...
    Aggressive Elterntiere...
    Evt. soagr gesundheitliche Probleme.

    Puhhh!

    Gruß
    Leo

  • Ja genau, mit Befehlen meine ich sitz, platz, pfote, andere pfote, hol usw.

    Wir versuchen so oft wie möglich sein Köpfchen zu trainieren, d.h. er muss bestimmte Dinge holen, auch im normalen Tagesablauf z.B. Hausschuhe meiner Mutter, Lappen, Zeitung, Bälle etc.

    Da meine Eltern an einem Waldrand leben, tobt sich der Hund etwa zwei Mal täglich im Wald aus, d.h. Stöckchen schmeißen, rennen, Stöckchen verstecken und suchen.
    Die anderen Male wird ca. 15 bis 25 min gegangen, auch unter Menschen, damit er lernt, bei Fuß zu gehen, da er sich sehr leicht ablenken lässt. Anfangs haben wir das noch mit Leckerli probiert, aber die interessieren ihn mittlerweile gar nicht mehr.
    Im Sommer bewegt er sich viel im Garten und wie gesagt mit meinem Vater am Fahrrad, d.h. er fährt mit ihm ca. 45 min und Nico kann rennen, oder sehr schnell gehen. Gerade nach diesen Radtouren ist er danach immer geschafft, aber scheint sehr ausgeglichen.

    Mir fällt gerade noch was ein: Es kommt vor, dass Nico an bestimmten Tagen vier bis fünf Stunden alleine ist. Wir hatten aber nie das Gefühl, dass das schlecht für ihn wäre....

    Den Bewegungsapparat zu untersuchen werde ich auf jeden Fall in Angriff nehmen.

    Aber was bedeutet, er versteht den Befehl nicht, wenn wir ihn wiederholen müssen? Was haben wir dann falsch gemacht und wie können wir diesen Fehler beheben, DAMIT er es versteht?

    Meine Frage ist auch, wie erkenne ich einen guten Hundetrainer? Wie weiß ich dass er der richtige für meinen Hund mit den richtigen Methoden ist?? Auf was muss ich achten?
    Es ist schwierig, wenn man als "Laie" Hilfe sucht aber nicht weiß wo man suchen soll!

    Das Buch habe ich gerade bestellt, danke für den Tipp!

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