Hund gehorcht einfach nicht

  • Wir haben einen Mischling aus der Hundenothilfe, der seit ca 3 Monaten bei uns ist und sich auch schon gut eingewöhnt hat.. Nur es gibt doch ein paar Schwierigkeiten, zb dass er beim Spaziergehen oft einfach stehen bleibt oder versucht in die andere Richtung zu gehen...
    Er bleibt dann stehen und glotzt mich an. Ich versuche immer geduldig zu bleiben und mich zu ihm hinzuknien, ihm leckerli zu geben, ihn zu streicheln...
    Es hilft nichts. Ich stande heute morgen solange mit ihm dort, bis sogar eine Anwohnerin rausgekommen ist..
    Ich musste den Hund dann ca 100 Meter tragen, bis wir wieder in der Nähe unseres Hauses waren, da wusste er dann vllt., dass wir wieder nach Hause gehen..

    Also Geduld hilft nicht, Ziehen bringt auch nicht, kennt ihr ne Taktik??
    Und er hört auch nicht, wenn man ihn ruft.

    Vor uns hat er aber keine Angst, er springt uns ja auch an und wir streicheln ihn auch..

    Ich will nicht, dass der Hund denkt er könnte uns rumkommandieren..

    gruss

  • Hallo,
    ich denke schon, dass Geduld hilft - und ich glaube auch nicht, dass Euer Hund Euch rumkommandieren möchte, sondern ich denke mal, dass er einfach noch viel zu erschlagen und unsicher ist und gar nicht weiß, was Ihr grad von ihm wollt.

    Wie alt ist er denn und wißt Ihr etwas darüber, wie er vorher gelebt hat?

    Nach knapp drei Monaten kennt das Hundetier gerade mal die groben Abläufe bei Euch daheim, lernt allmählich, dass Ihr es gut mit ihm meint und muss die Chance bekommen dürfen, in aller Ruhe von Euch erklärt zu bekommen, was Ihr im Alltag so von ihm erwartet...

    Wenn er einfach stehenbleibt, würde ich das nicht als "Bocken" werten, sondern davon ausgehen, dass er gerade überfordert ist - entweder dahingehend, dass ihn irgendetwas verunsichert oder dass er ganz allgemein von den vielen Eindrücken draußen regelrecht "erschlagen" ist...

    Viele Hunde aus Not-Orgas erleben einen regelrechten "Kulturschock", wenn sie nach D kommen - kennen vieles nicht, Autos, Mopeds, Kinder, so viele Menschen, Leine, Kommandos etc... und müssen erst einmal langsam an alles herangeführt werden. Ebenfalls haben viele dieser Hunde oft Angstprobleme aufgrund ihrer Erfahrungen in der Vergangenheit.

    Mein Tipp wäre, dass Ihr mit Eurem Hund mal in eine nette HuSchu geht (zunächst am besten mal in einer Einzelstunde) um den Hund einschätzen zu lassen, inwieweit er unsicher/ängstlich oder überfordert ist. Dort kann man Euch auch viele Tipps zum Umgang geben, die Euch und vor allem dem Hund gut weiterhelfen, weil man vieles am besten direkt vor Ort und live und in Farbe beurteilen kann.

    Hab weiter Geduld und Verständnis und lass Euch ein wenig helfen, dann wird das schon!

    LG, Chris

  • Danke für die Antwort,

    er ist ein Jahr alt, lebt aber schon etwas länger in Deutschland, ca 8-9 Monate.

    Wir haben ihn dann vor 3 Monaten aus der Nähe von Frankfurt aus einer Hundenothilfe geholt.

    Ok, wir kennen schon eine Hudneschule und machen erstmal Einzelunterricht.

  • Im allgemeinen ist es ganz sicher nicht leicht, einen Hund aus Nothilfe sofort zu durchschauen. Meist sind diese Hunde auf irgendeine Weise traumatisiert und zeigen atypisches Verhalten. Bei solchen Hunden ist es immens wichtig, dass der HH sich nicht anstecken lässt, wenn Hundi mal wieder ängstlich reagiert. Der HH sollte stets ruhig und gelassen, dabei aber immer geradlinig und konsequent sein. Es gibt für einen ängstlichen Hund nichts Schlimmeres, als einen HH der sich mit dieser Angst anstecken lässt bzw. wenn der HH meint, er müsse seinem Hund alles erlauben, weil er ja in seinem bisherigen Leben nur Schlechtes erfahren hat. Das ist ein grosser Irrtum. Gerade ängstliche Hund brauchen eine glasklare Führung und müssen zumindest in der ersten Zeit ganz strikt geführt werden. Machst du dies nicht, wird dein Hund nur bedingt Vertrauen zu dir aufbauen, weil er immer noch meint, er müsse Entscheidungen auch für dich treffen. Damit aber ist der Hund hoffnungslos überfordert, also erspare ihm das und übernehme die Führung.

    Bleibt er das nächste mal einfach wieder stehen oder hockt sich hin....einfach weitergehen! Nicht auf ihn einreden oder versuchen ihn dort "wegzuloben". Denn dann hat er DEINE Aufmerksamkeit, was du aber willst ist ja....dass du SEINE Aufmerksamkeit bekommst, oder? ;-)

    Lg
    Volker

  • Zitat


    Er bleibt dann stehen und glotzt mich an. Ich versuche immer geduldig zu bleiben und mich zu ihm hinzuknien, ihm leckerli zu geben, ihn zu streicheln...

    Warum belohnst Du ihn dafür, wenn es Dich stört?

    Viele Grüße
    Corinna

  • Zitat

    Ich versuche immer geduldig zu bleiben und mich zu ihm hinzuknien, ihm leckerli zu geben, ihn zu streicheln...

    Hallo Pascal,

    also lese ich das jetzt richtig? Du lockst ihn mit den Leckerchen - gibst ihm aber keine.

    Du lockst deinen Hund - gibst ihm aber keine Streicheleinheiten (in diesen Situationen).

    Wieder stelle ich den Vergleich an, dass Du dich mal in die Lage des Hundes versetzen solltest. Du sollst etwas für deine Eltern tun, magst aber nicht so recht. Jetzt wedelt deine Mutter mit einem leckeren Eis vor dir rum. Dir läuft das Wasser schon im Mund zusammen und bist in Gedanken schon das Eis genüsslich am schlecken.

    "Na schön.....wenn ich DAS Eis dafür bekomme, dann mach ich das was sie von mir will...." So.....und genau DANN zieht deine Mutter das Eis weg und sagt "Äääätsch....!"

    Wie oft würde deine Mutter das machen können, ehe Du für Dich dann entschieden hast, dass es völlig egal ist was du tust....Du bekommst das Eis ja eh nicht?!

    Wenn du also die Leckerchen als Lockmittel einsetzt, dann muss dein Hund damit auch gelobt werden, sprich: er sollte es bekommen!

    Alles andere ist kontraproduktiv und wird dazu führen, dass dein Hund immer schlechter auf Dich hört, weil er seinen verdienten Lohn ja nicht regelmässig erhält.

    Also hier bitte ganz ganz dringend aufpassen - arbeitest Du mit Leckerchen als Lockmittel, dann soll der Hund es auch bekommen wenn er endlich das tut, was Du wolltest. Sonst fühlt Hund sich bald verarscht und zeigt dir seinen imaginären Stinkefinger.

    Aber um nochmal auf deine Situation zurückzukommen, wo Hund einfach stehen bleibt. In solchen Momenten würde ich mich weder hinknien, noch Streicheleinheiten und erst recht keine Leckerchen verteilen.

    Ignoriere seine Sitzblockade einfach indem Du weitergehst oder zumindest in eine andere Richtung gehst, als die in welche der Hund evtl. zieht.

    Einzlunterricht finde ich gut....kommt der Trainer auch zu euch nach hause oder findet das Training woanders statt? Mir wäre wichtig zu erfahren, ob der Trainer euch zu hause einfach mal beobachtet um evtl. Defizite ausmachen zu können.

    Berichte doch mal, wie das so abläuft.

    Lg
    Volker

  • Hallo Pascal,

    wenn Du Dir nicht sicher bist, was geht und was nicht, dann würde ich Dir ans Herz legen wollen, dass Du Dir mal einen Trainer kommen lässt, der sich diese Situation(en) mal mit geschultem Auge betrachtet.

    Das Dein Hund sich blockadeartig hinsetzt und sich zunächst mit allem wehrt was ihm zur Verfügung steht.....also ich schliesse da körperliche Beschwerden eigentlich aus. Er mag vielleicht Angst haben, vor was auch immer, aber letztlich versucht er aus seiner Sicht, die Situation unter Kontrolle zu bringen. Du willst - er nicht. Er setzt sich hin und Du unterbrichst daraufhin deine Aktion indem Du stehenbleibst.

    Sicher.....wenn du jetzt das erste mal einfach weitergehst, wird es dazu kommen, dass Du den Hund erstmal ziehen wirst. Er wird aber sehr schnell erkennen, dass seine "Sitzblockadepolitik" nichts mehr bringt und wird dies einstellen.

    Leider neigen wir Menschen fast immer dazu, gerade dann wenn es eigentlich total unangebracht ist, auf den Hund einzugehen.

    "Ach komm doch mit....." oder ".....da ist doch nichts, es passiert dir doch nichts!" Dann wird der Hund noch getätschelt, was ihn in seiner Angst noch bestätigt. Wenn doch, wie der Mensch dem Hund glauben machen will, alles in Ordnung ist, wieso verhält er sich dann so komisch? So oder so ähnlich dürfte es im Hundehirn wohl ausschaun.

    Natürlich will ich Dich jetzt nicht dazu ermutigen, an der Leine ruckartige Aktionen durchzuführen aber wenn er sich mal wieder hinsetzt, gehe ruhig weiter und lass die Leine stramm werden. So baut sich der Zug allmählich auf und der Hund kann darauf reagieren. Was mir in diesem Zusammenhang lieb und wichtig wäre - kennt dein Hund schon ein Geschirr? Falls ja - wunderbar. Nutze das Geschirr, denn es ist für den Hund wesentlich angenehmer als ein Halsband. Ausserdem kann ein Halsband Schmerzen verursachen, wenn es hierüber zu ruckartigen Übertragungen kommt. Wenn also möglich bitte ein Geschirr nutzen.

    Aber wie schon beschrieben, bist du dir deiner Sache nicht ganz sicher, dann beauftrage mal für 2-3 Einheiten einen Trainer. Der kostet sicher nicht die Welt und kann nur positive Veränderungen bringen.

    Lg
    Volker

  • Hallo Pascal,

    was gibt es Neues zu berichten? Meldest Dich ja nicht mehr, was ich sehr schade finde.

    Fühlst Dich doch nicht etwa auf den Schlips getreten?

    Lg
    Volker

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