Ich rufe mal Pfeffernaserl : Ich meine, hier irgendwo gelesen zu haben, dass Du in der Forschung bist. Hättest Du da ggf. eine Einschätzung bzw. fachlich fundiertere Meinung als Meine zu?
Ich kann da auch nicht viel mehr dazu sagen, denn du hast die großen Probleme, die eine Forschungsarbeit in diese Richtung mit sich bringen würde, gut zusammengefasst.
Private Forschungsinstitute sind teuer und gerne werden die Ergebnisse dann angezweifelt, so in Richtung "pay to win".
Mein Bereich ist ja eher die Uni und da hauptsächlich die Tiermedizin. Auch wenn ich bisher noch nicht persönlich mit der Antragstellerei und dem Durchboxen von Forschungsfragen konfrontiert war, weiß ichs doch von Kolleginnen, dass es schon nicht so einfach ist, Gelder für "wichtigere" Fragen als den tatsächlichen Nutzen von Vibrissen beim Hund einzusammeln.
Die meisten Lehrstühle und Arbeitsgruppen haben dann ja auch noch so ihre Themen, an denen sie bereits seit Jahren (mehr oder weniger) erfolgreich forschen. Da müsste wirklich, wie du sagst, schon jemand dazu kommen, der hinter dem Thema steht und das auch machen will und den Lehrstuhlinhaber überzeugen kann (und auch noch das Geld mitbringt).
Ein weiteres Problem würde ich dann darin sehen, dass auch in der tiermedizinischen Forschung "publish or perish" ganz oben steht. Was sich nicht gut in renommierten Zeitschriften publizieren lässt, wird eher nicht gerne weiterverfolgt. Es wäre ein riskantes Unterfangen, je nachdem, was rauskommt, könnte es ganz spannend werden, weil speziesspezifische Unterschiede in der Physiologie immer interessant sind, aber da muss das halt eben auch raus kommen. Und sooo groß ist der Gewinn für die Gesellschaft durch die Klärung dieser Frage auch nicht, also läufts wohl eher auf kleinere Veröffentlichungen raus und evtl. größere Bekanntheit in einem Nischenbereich...
Ich hab mich mit dem Thema noch nicht so eingehend befasst und weiß daher nicht, wie die Studienlage generell zu dem Thema aussieht und wie genau das in der neuen Verordnung formuliert wird, aber ich könnte mir auch vorstellen, dass es eher schwierig werden könnte, Tierversuche in diese Richtung bei der Ethikkommission durch zu kriegen - also Verhaltensstudien am selben Tier mit und ohne Vibrissen, wenn das Entfernen der Vibrissen als Amputation angesehen wird.... Hm...
Und ja, egal, ob man sich "nur" Auswirkungen aufs Verhalten oder die komplette Physiologie inkl. Reizverarbeitung im Gehirn anschauen möchte: da steckt sehr viel an Zeit und Material und Manpower dahinter - für ein Thema, das für einen Großteil der Menschheit absolut uninteressant ist und hinter dem auch kein sehr großes wirtschaftliches Interesse steckt (gemessen an dem, welches Interesse hinter der Erforschung von beispielsweise Antibiotikaresistenzen steckt, da bekommt man aktuell Gelder schon in den Rachen gestopft, noch bevor der Antrag offiziell eingegangen ist).
Am ehesten könnte ich mir die Behandlung dieser Frage auch noch im Rahmen einer Doktorarbeit vorstellen, aber da muss sich auch erstmal ein Doktorand finden, der sich dem Thema widmen möchte und einen Lehrstuhl, der das Thema auch mittragen möchte (und da bleibt dann auch die Frage, wie tiefgreifend man sich in diesem Rahmen mit dem Thema auseinandersetzen kann und will - ich hab in den 12 Jahren an der Vet-Uni leider sehr, sehr viele sehr schlechte Doktorarbeiten gesehen...)